Blue Holes, Backroads und Buschbrände - Florida und Bahamas 2026

Ehemann

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Gleich nach der Landung machen wir uns auf den Weg zur Übernahme des gebuchten Mietwagens und passieren dabei das bunte Fenster!





Ich habe aufgrund des günstigsten Preises diesmal bei Tui reserviert, dabei wurde der Leistungsträger erst mit Abschluß der Buchung genannt. Es wurde Avis und das gefiel mir weniger. Ich bin Alamo-Fan und Avis habe ich immer als viel zu teuer und auch etwas versnobt wahrgenommen. Wie auch immer, die Dame am Tresen gibt sich alle Mühe, mir ein Upgrade auf den letzten im Konzern noch existierenden Challenger zu verschaffen, was am Ende natürlich scheitert. Ich habe auch nicht damit gerechnet, daß das überhaupt noch klappen kann, aber versuchen will ich es ein letztes Mal. Um mich nicht zu sehr zu enttäuschen, gibt sie mir schließlich ein ihrer Meinung nach, verglichen mit der gebuchten Klasse leistungsstärkeres Fahrzeug. Dieser 2026er Honda Accord entpuppt sich dann leider als echte Katastrophe mit zahlreichen Defekten, konstruktiven Mängeln und einer lebensgefährlichen Fahrassistenz. Tatsächlich bin ich in meinem ganzen Leben kein Auto gefahren, das derart fehlkonstruiert und anstrengend war. Für alle, die es interessiert, hier ein kleiner Auszug aus der endlos langen Liste der Probleme:


Null Fahrspaß mit völlig überfordertem, laut ächzenden Vierzylinder Turbo, der die 1,5 Tonnen einfach nicht nach vorne bringt

Extrem unübersichtliches Cockpit mit sinnfrei verstreuten Schaltern, deren Funktion sich oft nur mittels Bedienungsanleitung erschließt

Regelmäßige Bluetooth-Verbindungsprobleme, unzuverlässige Zentralverriegelung

Instrumentierung im spiegelnden und viel zu tief im Schacht liegenden Display schlecht bis gar nicht lesbar, Infos teilweise winzig klein

Zugang zum Bordcomputer unmöglich, der entsprechende Menüpunkt fehlt komplett

Fehlerhafte Luftdruck-Sensorik, die ein riesiges Caution-Pop Up generiert, das den kompletten Tacho permanent überdeckt. Manuelle Korrektur auf neuen Referenzdruck wegen der Bordcomputer-Problematik nicht möglich, Geschwindigkeitskontrolle somit nur über winzig kleine Ziffern in der Mitte des Displays

Start/Stop-Automatik des Motors muß bei jedem Neustart deaktiviert werden

Fahrassistenz, die sich bei Nutzung der Cruise Control zwanghaft aktiviert. Der Spurhaltungsalarm bei aktivem Spurwechsel ist dabei noch das geringere Problem, aber wenn die Kiste bei Teilautonomie auf der Autobahn mal bremst und mal nicht, ist das einfach nur noch lebensgefährlich


Es ist das erste Mal, daß der Mietwagen auf 1000 Urlaubsfotos nur zwei- oder dreimal auftaucht. Dieses Bild entsteht eine Woche später auf Key West. Dort versuchen wir, den Wagen am Flughafen zu tauschen. Es scheitert aufgrund nicht vorhandener Ersatzfahrzeuge und später in Orlando habe ich keinen Bock, dafür noch einen weiteren Urlaubstag zu opfern. Wir fahren den Killer-Honda bis zum bitteren Ende.


 

Ehemann

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Und nun zu erfreulicheren Dingen! ;)

Für unseren zweiten Aufenthalt im Großraum Miami wählen wir vertrautes Terrain. Das Lexington Hotel in Miami Beach gefällt uns immer noch sehr gut. Es ist vielleicht das einzige seiner Art, das hier noch erhalten ist. Neben all den Apartmenttürmen wirkt es ein wenig wie aus der Zeit gefallen, fast niedlich, kann man sagen. Das nierenförmige Vordach über der klassischen Einfahrt paßt dabei zum Entstehungsjahr des Gebäudes wie der Topf auf den Deckel. Das Lexington wurde 1950 erbaut.

Wie üblich ist hier auch dieses Jahr nicht viel los. Die Poollandschaft, die gelegentlich von großen Grünen Leguanen überrannt wird, haben wir einen halben Tag fast für uns allein und ich freue mich, hier wieder deutlich mehr Pelikane als in den letzten Jahren zu sehen. Die Tiere überfliegen die Bebauung im Strandbereich in teilweise großen Gruppen und mit hoher Geschwindigkeit. Das fällt zunächt nicht auf, man muß den Kopf schon Richtung Himmel strecken, wo sie in ca. 100 Metern Höhe über die Dächer segeln.











Die Raucherterrasse des Hotels steht während unseres Aufenthalts wegen Renovierung leider nicht zur Verfügung. Ich bleibe zum Dampfen also auf der Treppe und amüsiere mich dabei immer wieder über die Mentalität der Bauarbeiter, die die Terrasse demontieren, neu verfugen und anstreichen sollen. Es sind drei Latinos, alle tragen gelbe Helme. Der älteste von ihnen ist wohl der Chef, steht etwas abseits und beobachtet nur gelegentlich das Treiben seiner Arbeiter, während er auf seinem Handy Space Invaders spielt. Der zweite schaut währenddessen dabei zu, wie der dritte einen Terrassenstein verspachtelt, bis sich alle drei für eine längere Pause versammeln, um gemeinsam zu rauchen und das weitere Vorgehen abzuwägen. Nach 10 Minuten schlendert der zweite zurück zur Brüstung und beginnt damit, einen weiteren Stein zu zementieren. Die zwei verbliebenen Kollegen schauen wortlos zu und zünden sich eine weitere Zigarette an.





Natürlich ist das Parken des Autos in Miami Beach längst zu einem Riesenproblem geworden. Kaum vorhandene Stellplätze und nicht funktionierende Bezahlsysteme treiben einen hier schnell in den Wahnsinn. Zum Glück hat das Lexington einen kleinen Kundenparkplatz, für den man allerdings zusätzlich und kräftig zur Kasse gebeten wird. Aber Hector von der Rezeption macht uns diesmal einen interessanten Vorschlag. Nachdem der Parkplatz im letzten Jahr noch 59 Dollar pro Tag kostete, sind es dieses Jahr nur 37 Dollar und wir als Stammgäste sollen nur zwei von drei Tagen bezahlen. Das klingt sehr akzeptabel und wir willigen ein. Die Einschränkung: der Parkplatz stehe zwar zur Verfügung, aber die Schranke sei defekt und knalle gelegentlich auf die Dächer der durchfahrenden Wagen. Das Ganze wäre auf eigene Gefahr. Ich denke: was? Wurde die von Honda gebaut?? "Ist aber kein Problem", meint Hector und gibt uns einen scannbaren Voucher für das "danebenliegende Parkhaus auf der Collins Avenue".

Mich packt das blanke Entsetzen. "Du meinst doch nicht etwa Charles Garage??", frage ich ihn und werde leichenblass. "Doch, es ist Charles Garage" und Hector weiß sofort, warum ich gerade aussehe wie ein Elendsküken. "Mach dir keine Sorgen, die Garage wurde verkauft und ist neu bewirtschaftet, da ist jetzt alles sauber".

Charles Garage? Für alle, die die früheren Verhältnisse in diesem Parkhaus des Grauens nicht kennen, seien die Bewertungen auf Tripadvisor empfohlen, die möglicherweise noch online sind. Knietiefer Dreck, kaputte Beleuchtung, Drogenhandel und Abrechnungsbetrug waren dort an der Tagesordnung und es gab eine Art von unseriösem Valet-Parking. Das Schmuddel-Personal nahm den Kunden die Wagen ab und veranstaltete damit in deren Abwesenheit Autorennen über die Rampen und verschiedenen Etagen innerhalb des Hauses.

Ich nehme den Voucher an mich, schlucke kurz und fahre den Killer-Honda rüber zu Charles. Wenn sie damit jetzt ein Rennen fahren, werden sie sich schön wundern, wenn plötzlich die Bremse nicht mehr geht, haha... Ich fahre rein und alles ist sauber und korrekt. Uff. Am Ende stellt die Sache sich sogar als vorteilhaft heraus, es ist hier kühl, man findet immer einen Platz und beim späteren Auschecken im Hotel wird uns nicht mal der ermäßigte Preis in Rechnung gestellt. Wir parken die Tage hier umsonst. Als Erinnerung an's Abenteuer bei Charles mache ich am letzten Tag dieses Foto, das die regulären Preise zeigt.

Alter Schwede...


 

Ehemann

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Unsere wesentliche Unternehmung soll in diesen Tagen ein Besuch der Everglades sein.

Dort sind wir schon seit einigen Jahren nicht mehr gewesen und weil der Besuch von amerikanischen Nationalparks für Ausländer zur Zeit mit erheblichen finanziellen Belastungen verbunden ist, hat Suse vorgesorgt. Ein Jahrespass für 80 Dollar erspart uns den Eintrittspreis von insgesamt 235 Dollar, der jetzt regulär fällig geworden wäre.

Für den Besuch des Parks haben wir außerdem einen ganz konkreten Grund. An der Marina von Flamingo wird seit einiger Zeit eine kleine Gruppe von Spitzkrokodilen, im englischen Sprachraum American Crocodile oder Florida Crocodile genannt, beobachtet, die standorttreu ist und Gelegenheit für spektakuläre Fotos bieten kann. Das will ich mir natürlich nicht entgehen lassen. Im Gegensatz zum Alligator, dessen Bestand allein in Florida auf über eine Million Tiere geschätzt wird, ist das Spitzkrokodil seit jeher stark bedroht. Dank der Schutzmaßnahmen der letzten Jahre und Jahrzehnte ist die Population von ursprünglich wenigen Hundert Tieren auf inzwischen bis zu 2000 angewachsen. Damit ist es immer noch eine seltene Spezies, zumal sich das Verbreitungsgebiet innerhalb des Landes auf den sehr südlichen Teil beschränkt. Ich selbst habe die Tiere bisher noch gar nicht in ihrem natürlichen Lebensraum gesehen und bin entsprechend aufgeregt.

Bevor es soweit ist, haben wir eine recht angenehme Fahrt vor uns, abgesehen davon, daß die im Killer-Honda stattfinden muß... Wir passieren PortMiami, was uns unweigerlich an den Aufenthalt in Nassau in der letzten Woche erinnert. Die Symphony Of The Seas hat uns auf dem Weg nach Florida zwischenzeitlich eingeholt!





Am Visitors Center der Glades ist von der herrschenden Dürre nichts zu sehen. Hier sammelt sich Wasser über lange Zeiträume in einer geologischen Vertiefung, die auch bei Trockenheit viel Lebensraum bewahrt. Eine Sumpflandschaft wie aus dem Bilderbuch begrüßt uns also gleich zu Beginn. Wir sehen viele Schildkröten und einige Wasservögel und ein Anhinga trocknet sein Gefieder direkt vor uns.









Draußen auf dem Boardwalk kommen uns dann ein paar Leute entgegen, die ganz aufgeregt mit den Armen fuchteln. "Did you see the baby gators?? Soo cute...!". Es ist richtig selten, einen Alligator mit seinem Nachwuchs in greifbarer Nähe zu sehen und der befindet sich jetzt tatsächlich nur ein paar Schritte von uns entfernt. Noch bevor wir überhaupt Krokodile gesehen haben, gibt es hier schon das Alligatorspektakel. Ich zähle 11 Jungtiere, die um das Muttertier herum verteilt sind. Der Größe entsprechend müßten sie recht spät im letzten Jahr geschlüpft sein, sie sind noch sehr klein.










 

Ehemann

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Ein gutes Dutzend Besucher hat sich mittlerweile vor der Alligatorenbühne eingefunden, darunter sind auch vier französische Touristen, drei Jungs und ein Mädel, alle um die 20 Jahre alt. Die männlichen Mitglieder dieser kleinen Reisegruppe sind durchaus angetan von den wilden Tieren, die sich da im Schlamm wälzen und sie kommunizieren lebhaft ihre Kenntnisse über die für Florida typische Natur. Sie alle rechnen natürlich nicht damit, daß wir ihre Unterhaltung verstehen können, bei der schnell deutlich wird, daß das Mädel weder vom Sumpf, noch von dessen glibschigen Viechern besonders begeistert ist. Ihr Äußeres unterstreicht dabei die Schublade, in die man sie zwangsläufig stecken möchte. Alles ist hauteng, pink und geglosst und jede denkbare "Schönheits"-Operation wurde hier bereits realisiert. Dennoch hält sie tapfer ihr Handy vor's Gesicht und in Richtung der Kreaturen im Matsch. Dabei steht sie Suse im Weg, die geduldig abwarten will, bis ihr vielleicht mal Platz gemacht wird, doch das will einfach nicht passieren. Sie möchte der Frau aber auch nicht vor die Linse laufen, das wäre unhöflich. Als Suse irgendwann einen zaghaften Schritt an ihre Seite macht, erkennt sie schließlich, was hier gerade wirklich passiert. Es ist kein Handy, das das Mädel minutenlang vor's Gesicht gehalten hat.

Es ist ein Schminkspiegel...

Dieses erste Abenteuer mit kömödiantischer Einlage haben wir bestanden und machen uns im Anschluß auf den direkten Weg bis an's Ende des Parks. Es ist später Nachmittag, das Licht ist perfekt und Flamingo empfängt uns wie gewohnt als verschlafener Outpost jenseits der Zivilisation. Schon zuvor gab es auf der Straße Warnhinweise: Crocodiles crossing! In derartiger Umgebung fühlen wir uns wohl. Wir steigen aus dem Auto und ich mache die Kamera fertig, die ist alles, was ich hier brauche. Den Schminkspiegel habe ich zuhause gelassen.







Vor dem Mangrovendickicht gegenüber der Marina kann ich sie schon von weitem sehen. Zwei Spitzkrokodile treiben im Wasser, darunter der Chef der kleinen Gruppe, ein etwa vier Meter langes Exemplar namens Freddy, das es zu einiger Berühmtheit gebracht hat. Dem Tier gelang sogar der Sprung in die Schlagzeilen der Landespresse, als es vor zwei, drei Jahren einen Rentner, der mit seiner Jolle hier kurz vor der Anlegestelle gekentert war, unverzüglich angriff und unter Wasser zog. Dort ließ es wie ein Wunder von ihm ab und der Mann konnte nahezu unverletzt an Land gezogen werden. Konsequenzen hatte das zum Glück nicht, die Tiere stehen unter strengem Schutz und es wird hier überall vor ihnen gewarnt. Der Gang in's Wasser, und sei es auch im vermeintlich sicheren Boot, geschieht auf eigene Gefahr.





Spitzkrokodile können wesentlich aggressiver sein als Alligatoren und werden auch deutlich größer. Neben dem australischen Leistenkrokodil sind sie die einzige Spezies, die für längere Zeiträume auch in's Seewasser geht und sich auf diesem Wege verbreitet. Früher besiedelten Spitzkrokodile somit fast alle Inseln der Karibik. Unbiologisch ausgedrückt sind sie so etwas wie faszinierende omnipotente Monster, gegen die kaum ein Kraut gewachen ist. Umso bizarrer ist nun das, was ich im Bereich der Gangways der Marina sehen muß. Man glaubt es kaum: eine Familie mit zwei Kindern hat sich hier auf dem Wasser niedergelassen, als Freddy direkt auf sie zuhält und im Abstand von ca. drei Metern an ihnen vorbeischwimmt. Dabei scheint niemand Notiz von dem kleinen Mädchen zu nehmen, das sich ängstlich hinter Papas Beinen versteckt. Um sie zu schnappen, müßte das Tier sein Maul nur einen halben Meter aus dem Wasser strecken, doch es hat heut glücklicherweise etwas anderes im Sinn.







Freddy zeigt deutliche Spuren früherer Auseinandersetzungen. Ihm fehlt ein Stück vom Unterkiefer und er hat massives Narbengewebe, was ihn nicht davon abhält, sich weiterhin zu behaupten. So steuert er nun geradewegs auf einen Rivalen zu, der es sich am anderen Ende der Bucht gemütlich gemacht hat. Hier kommt es zu einem kurzen Revierkampf, der den Anwesenden Schauer über den Rücken laufen läßt. Lautes Brüllen und schäumendes Wasser in der Abendsonne. Die Urgewalt der Natur.









So schnell der Spuk auch kam, so schnell ist er wieder vorbei. Wie ein Boxer im Ring reckt Freddy sich ein letztes Mal aus dem Wasser. Ich bin der Boss! Dann trollt er sich und die übrigen Krokodile fangen an zu dösen.







Es ist kurz vor Sonnenuntergang und auch wir machen uns auf den Weg zurück nach Miami. Unsere Begegnung mit den Krokodilen war viel abenteuerlicher als wir es erhofft haben, der ganze Tag ein voller Erfolg! Ich freu mich wie ein kleines Kind über die gelungenen Fotos und wir beschließen, beim nächsten Mal gleich wieder hierherzufahren. Dann mit einer neuen Videokamera und vielleicht macht Freddy wieder ordentlich Rabatz.


 

Cawu

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Wow, großartige Begegnung und so super beschrieben und beeindruckend bebildert 👏🏻👏🏻👏🏻. Vielen lieben Dank 👍🏻
 

Klara

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Klasse Bilder, klasse beschrieben, aber bei der Lady in Pink hätte ein Bild doch auch mehr gesagt als 1000 Worte ;).
Danke + LG
Klara
 

Floridalady128

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Klasse, was hattet ihr Glück mit den Aufnahmen vom Revierkampf mit Freddy. Der schaut ja echt schlimm aus. Und immer noch der Boss. Lese gerne weiterhin mit.
 
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Suse65

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Muuuaaahhh:ROFLMAO::ROFLMAO::ROFLMAO:.... ich sag` nur Schminkspiegel:ROFLMAO: Ganz großes Kino.

Das war echt Situationskomik. Ich stand da treudoof hinter ihr und hab gewartet und gewartet und dachte noch, dafür, daß die das hier so blöd findet, filmt sie ja jetzt ganz schön lange. Irgendwann hab ich dann mal so einen Schritt vorwärts gemacht, damit sie sieht, daß ich an ihr vorbeiwill, und da kapiere ich erst, daß sie sich da minutenlang die fake Wimpern richtet.

 

Lutz04

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Das war echt Situationskomik. Ich stand da treudoof hinter ihr und hab gewartet und gewartet und dachte noch, dafür, daß die das hier so blöd findet, filmt sie ja jetzt ganz schön lange. Irgendwann hab ich dann mal so einen Schritt vorwärts gemacht, damit sie sieht, daß ich an ihr vorbeiwill, und da kapiere ich erst, daß sie sich da minutenlang die fake Wimpern richtet.

Und im Florida Sun Magazin steht dann: " Französische Touristin vom Alligator an den Wimpern ins Wasser gezogen worden. Er ließ aber von ihr ab, war wohl zu viel Plastik". :ROFLMAO:
 

Norbert

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Nachdem ihr von euren abenteuerlichen Flügen nach/von Andros berichtet habt, könnt ihr froh sein gesund und unbeschadet gelandet zu sein.
Bei der aktuellen Nachricht von dem fürchterlichen Unfall auf Andros musste ich direkt an eure Flugerfahrungen denken:

 

Ehemann

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Nachdem ihr von euren abenteuerlichen Flügen nach/von Andros berichtet habt, könnt ihr froh sein gesund und unbeschadet gelandet zu sein.
Bei der aktuellen Nachricht von dem fürchterlichen Unfall auf Andros musste ich direkt an eure Flugerfahrungen denken:
Oh ja...

Und dieser Vorfall ist nicht nur auf den Flugverkehr zwischen den Bahamas-Inseln zu beziehen oder gar typisch für dieses Land. Das kann einen überall auf der Welt treffen, wo man kleine tropische Inseln in solch halb verfallenen Rappelkisten anfliegt. Auf den Malediven, den Seychellen, in der Südsee oder eben in der Karibik. Das ist dort überall Tagesgeschäft.

Es ist natürlich bedenklich, wenn man der Maschine schon äußerlich ansieht, in welch schlechtem Zustand sie ist. Was tut man dann? Den Urlaub abbrechen und Tausende von Euros abschreiben? Da muß jeder selbst entscheiden, wie es weitergehen soll.

Ich hatte es in den 90ern schon mal deutlich schlimmer als gerade auf Andros und unsere Reisegruppe überlegte vor dem Start ernsthaft, wieder auszusteigen. Wir blieben sitzen, überlebten und das angeflogene Ziel war der Oberknaller. Ein Erlebnis, wie man es nur einmal im Leben haben kann.

Wenige Monate später ist genau die Maschine, in der wir saßen, in den Indischen Ozean gestürzt, was uns nicht gewundert hat.

Ich weiß nicht, wie man es "richtig" machen kann.
 
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Der Tag in den Everglades war so schön, daß wir das am Folgetag eigentlich am liebsten gleich wiederholt hätten, nur weckt uns schon morgens der an die Fensterscheiben prasselnde Regen. Daß es Morgen ist, kann man auch nur erahnen, so finster ist es draußen.

So bleibt es auch den gesamten Tag und die Wolken bewegen sich kein Stück, es schüttet und schüttet ohne Unterlaß. Daß das der letzte Regentag dieser Reise sein wird und noch Zeiten kommen werden, in denen wir uns Regen herbeisehnen, können wir da noch nicht ahnen, heute finden wir es erstmal einfach nur doof.

Gottseidank ist Road Wars-Dienstag und die Sendung läuft in Endlosschleife von vormittags bis abends und wir verbringen den Tag mit Herumgammeln und Packen, denn das Wetter hat uns zugleich auch unseren letzten Tag auf Miami Beach verdorben. Nach Miami, Bahamas und Everglades geht es nun an den südlichsten Punkt unserer Reise: Key West.



Wenn wir gewußt hätten, daß der Aufenthalt so endet, hätte man die Everglades auch auf dem Weg nach Key West einbauen können, anstatt die ganze Strecke noch einmal zurückzufahren. Das hätte uns einen Haufen Geld gespart, denn die Benzinpreise sind in Miami so hoch wie nirgends sonst:



Dann geht es raus aus der Stadt, durch Downtown und Brickell. In Homestead haben wir den Regen endgültig hinter uns gelassen, und als wir auf dem Overseas Highway angekommen sind, strahlt die Sonne. Wußte ich doch, daß die Keys uns nicht enttäuschen werden:



Die Strecke zieht sich, ist aber immer wieder schön. Wir waren 8 Jahre nicht mehr hier und freuen uns unglaublich. Die Fahrt ist lang und Key West seit der Pandemie unglaublich teuer geworden, wer weiß, wie oft wir das noch auf uns nehmen werden.

Dabei haben wir insbesondere die letzte Reise, auf der wir sehr viele tolle Erlebnisse auf No Name Key in der Deer Reserve und beim Sunset-Segeln mit der America 2.0 hatten, in besonders schöner Erinnerung. Irgendwie können wir uns von dem Ort trotz aller negativen Entwicklungen eben noch nicht so ganz lösen, und deswegen habe ich auch einen Plan ausgeheckt, von dem der Ehemann nichts weiß. Ich bin ein bißchen aufgeregt, ob es wohl klappt.

Ausgiebige Pause am Shell World



Im Shell World gibt es an maritimen Dingen nichts, was es nicht gibt, und auch wir verlassen den Laden mal wieder mit mehr Souvenirs als ursprünglich vorgesehen.

Dann die Seven Mile Bridge! Da sind sie!



Wir freuen uns, als würden wir lange vermißte Bekannte wiedersehen: Fred und Fred junior.


Als wir in Key West ankommen, ist es schon früher Abend, was nicht schädlich ist, denn in der Dämmerung sieht das El Patio besonders schön aus.



Auf dieser Reise haben wir es mit den historischen Unterkünften. So wie das Miami River Inn, die Small Hope Bay Lodge und das Lexington ist auch das El Patio Motel historisch.



In der Weihnachtswoche 1949 gegründet und bis heute eigentümerbetrieben. Klein, plüschig, mit seiner an das Art Déco erinnernden Fassade, sieht es heute noch genauso aus wie bei der Gründung.



Wir lieben das El Patio und wohnen immer hier, wenn wir in Key West sind. Daß es etwas abgelegen ist, stört uns überhaupt nicht. Es gibt einen kleinen Pool und Leihfarräder. Und man bekommt immer einen Parkplatz.

Wir haben versäumt, ein Zimmer im Erdgeschoß anzumelden, und mit 2 Kilo Androsia-Batik ist mein Koffer inzwischen ganz schön schwer, aber gemeinsam schaffen wir unser Zeug nach oben. Als wir damit fertig sind, freuen wir uns über den schönen Blick in den Innenhof, der unverändert ist seit unserem letzten Besuch. Höchstens der Westernkaktus ist ein bißchen gewachsen.



Abgesehen davon, daß ich eine geheime Mission habe, haben wir in Key West diesmal nichts Besonderes vor. Wir haben drei Tage, die wir vollständig in der Stadt verbringen und uns einfach treiben lassen wollen. Häuser gucken und am Hafen sitzen. Nochmal eine volle Dosis Conch Republic mitnehmen.
 
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Bevor zum entspannten Teil übergegangen werden kann, sind noch Besorgungen zu machen. Wir brauchen Getränke und Snacks, also geht es am nächsten Vormittag zur Shopping Plaza. Im Walmart gibt es frische halbe Hähnchen, die wir mittags im Auto sitzend verputzen, während die allgegenwärtigen Hähne in Key West unser Auto neugierig umkreisen. Als ob sie ahnten, was wir gerade essen…

Danach muß ich den Ehemann überzeugen, mit mir nach Stock Key zu fahren, ohne ihm zu sagen, warum. Stock Key war früher eigentlich nur aus einem Grund interessant: Es gab hier den einzigen Burger King weit und breit, aber der ist schon lange geschlossen.

Wir müssen aber tiefer hinein in die Wohnstraßen der Insel. Wir finden dann auch, was ich suche, nämlich den Firmensitz der Key West Trading Company.


Aussehen tut es aber eher wie eine Art Speakeasy-Bar in Gestalt einer hinter überwucherten Maschendrahtzäunen verborgenen Holzhütte.

Und obwohl Smuggler Jim, der Mann hinter dem Unternehmen, der hier wohnen soll, im Internet verkündet, er freue sich über vorbeischauende Kunden, ist alles verriegelt und verrammelt und die Schilder, die vorm unbefugten Betreten und seinen Konsequenzen warnen sind doppelt so viele wie die, die den selbst gebrauten Absinth bewerben.



Um uns herum Trailerhomes, die meisten sehr gepflegt. Naja haben wir wenigstens mal gesehen, wohin vermutlich abends die zahllosen Servicekräfte aus ihren unterbezahlten McJobs zurückkehren, die tagsüber dafür sorgen, daß in Key West alles schick bleibt. Ich mag das ja sehr, mal so hinter die Fassaden zu gucken und einen Blick auf das real life zu werfen.

Trotzdem bin ich jetzt ein bißchen ratlos, und nachdem der Ehemann schon zum dritten Mal gefragt hat, was wir hier eigentlich wollen und ich nur antworten kann: „Erzähle ich dir, wenns geklappt hat“, fahren wir unverrichteter Dinge zurück. Richtig enttäuscht bin ich aber nicht. Daß ich auf mehrere Mails an Smuggler Jim keine Antwort erhalten habe, hatte mich seelisch schon vorbereitet, daß das alles eher zweifelhaft sein würde. Aber es gibt noch weitere Optionen, die gehe ich morgen an.

Denn der Nachmittag gehört dem Zentralfriedhof. Und obwohl unsere Erwartungen hier ebenfalls niedrig waren, werden wir diesmal sehr angenehm überrascht.



Wie die meisten vermutlich wissen, hat Florida in den letzten Jahren aufeinanderfolgend zwei eiskalte Winter mit niedrigen Rekordtemperaturen erlebt, was zu einem Massensterben an Leguanen geführt hat. Nun ist das nüchtern betrachtet nicht nur schlecht. Bei unserer letzten Reise 2018 waren die Rabatten um das El Patio noch voller Anolis, ihr Verschwinden ist ein deutlicher Indikator, wie die überlegenen Neozooen die einheimische Fauna verdrängen. Eine Reduzierung des Bestandes ist also aus Sicht der kleinen einheimischen Eidechsen durchaus wünschenswert. Aber schön anzusehen waren die urigen Tiere, die zwischen den alten Gräbern leben, eben doch und wir hoffen, daß wir auch diesmal welche sehen.

Und wir haben Glück, sie sind nicht so zahlreich wie 2018, aber einige haben überlebt.



Nicht nur starke alte Tiere, auch ein paar jüngere mit gesunder grüner Färbung sind zu sehen.



Bißchen mager ist er ja, aber er hat eindeutig Stilempfinden, wie er da so neben der grünen Vase sitzt

Man muß nur Geduld haben, dann kommen sie überall aus den Spalten und Ritzen in den Gräbern heraus, setzen sich in Pose und sonnen sich. Wenn sie sich einmal daran gewöhnt haben, beobachtet zu werden, sind sie auch nicht mehr so scheu, solange man sich nicht in ihre Richtung bewegt.

Daß der Friedhof direkt in der Einflugschneise liegt, stört die Tiere hingegen überhaupt nicht



Neue Mitkonkurrenten um die Reviere: Curly Tail Lizards



Sind ebenso invasiv wie die Leguane, aber süß aussehen tun sie schon, oder?



Er trägt hoffentlich dazu bei, den Bestand in Schach zu halten



Während der Ehemann noch fotografiert, muß ich die Straßen um den Friedhof herum ablaufen.



Hier stehen ein paar meiner Lieblingshäuser, einfache Holzhütten ohne viel Schnitzerei und Dekor, die aussehen, als wären sie älter als Key West selbst.



Später gibt McDonald's und und einen angenehm lauwarmen Vollmondabend mit Blick auf den idyllischen Patio des El Patio



Zum ersten Mal auf dieser Reise haben wir Seagrams Breezer. Es gibt ja keinen besseren Ort um eine eiskalte Margarita zu trinken.

 
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Am nächsten Morgen brechen wir zeitig auf zum Hafen. Parken ist in Key West weit weniger schwierig als zum Beispiel in Miami, vorausgesetzt man ist nicht zu spät dran.

Hier gibt es überall größere Parkflächen, so gut wie alle kostenpflichtig natürlich, aber immerhin mit Parkautomaten, die man mit der Kreditkarte bezahlen kann, ohne irgendwelches Gefummel mit einer App.



Wir suchen uns einen strategisch günstig gelegenen Parkplatz am Ende der Simonton Street, wenn wir vom Hafen später noch zum Mallory Square wollen, kommen wir automatisch hier wieder vorbei und können nachlegen.



Trotzdem wir 8 Jahre nicht hier waren, ist die Umgebung irgendwie immer noch total vertraut.

Institution in Key West: Kermit's. Früher habe ich ja immer geglaubt, das sei der echte Kermit, der da vor der Tür steht und seinen Key Lime Pie anpreist. :LOL:



Wir schlendern den Boardwalk entlang zwischen Conch Chowder Restaurants



und dem Gewirr der Krabbenfischerboote mit ihren aufgestellten Auslegern



vorbei an der America 2.0, mit der wir letztes Mal in den Sonnenuntergang gesegelt sind





Oh weh, man kann ihm nicht entgehen:



In irgendwas, was den Namen Berlin trägt, wollen wir hier und heute ganz bestimmt nicht sitzen!



Unser Ziel sind ganz am Ende des Boardwalks die Turtle Kraals mit dem gleichnamigen Restaurant und dem Museum.



Normalerweise sind die Kraals voller Tiere, Tarpune und oft auch Ammenhaie. Heute ist das Wasser ganz ruhig und ich investiere mal zwei kostbare Wäsche-Quarter in Fischfutterpellets. Danach wissen wir, daß die Tarpune immer noch da sind…

Abstecher ins Turtle-Museum, auch das ist bei jedem Key West-Aufenthalt Pflicht. Auch hier verändert sich rein gar nichts, ein Conch sitzt am Eingang und gibt auf Wunsch Auskünfte oder auch eine kleine Führung.



Daß Meeresschildkröten früher so regelmäßig gegessen wurden, daß der Begriff „Suppenschildkröte“ ganz normal erschien, mag jüngeren Menschen heute unglaublich vorkommen. Das Leid der Tiere, die hier in den Kraals bis zur Schlachtung gehalten wurde, muß furchtbar gewesen sein. Und wenn man bedenkt, in wie vielen Ländern der Welt bis heute trotz besseren Wissens große Hotelkomplexe direkt an die wichtigsten Eiablagestrände gebaut werden, behandeln wir Schildkröten bis heute ja nicht wirklich gut.

Der Eintritt ist kostenlos, es finanziert sich lediglich aus Spenden, und auch wenn wir alles, was hier gezeigt wird, schon auswendig aufsagen können, gehen wir schon allein aus dem Grund immer hin, ein paar Scheine in die Spendenkiste zu stecken.

Danach steuern wir auf direktem Wege das gegenüber liegen de Turtle Kraals Restaurant an. Früher fanden hier harmlose kleine Rennen mit Landschildkröten statt, die eine vielleicht fünf Meter lange Holzplanke entlangliefen und auf die man als Gast wetten konnte.



Inzwischen sind die vielen Schildkröten-Isignien, mit denen das Restaurant geschmückt war, weitestgehend verschwunden, auch den früher hier ausgeschenkten Naked Turtle Rum gibt es nicht mehr, und während am Giebel weiterhin das alte Schild mit dem Namen Turtle Kraals hängt, leuchtet an der Längsseite neuerdings der Name „Boathouse“.

Angesichts der Namensungleichheit der beiden Gebäudehälften fragen wir bei der Empfangskraft, die unter dem Boathouse-Schild den Eingang bewacht, nach, ob es sich noch um ein und dasselbe Restaurant handelt oder ob das Turtle Kraals einen eigenen Eingang hat. Wir werden daraufhin mehrmals energisch darauf hingewiesen, daß die Toilets nur für Restaurantbesucher sind, und ich frage mich, ob das Problem jetzt an meiner Aussprache oder doch eher daran liegt, daß die junge Dame gar nicht weiß, daß ihr Arbeitsplatz zwei unterschiedliche Beschilderungen hat.

Dem Ehemann wird es irgendwann zu dumm und er marschiert einfach an ihr vorbei zum nächsten freien Tisch mit Blick auf die Kraals. Sie guckt uns verdutzt hinterher, vermutlich angesichts unserer Dreistigkeit, uns einfach selbst einen Tisch auszuwählen.

Spätestens beim Anblick der Speisekarte klärt sich dann auf, daß vom Turtle Kraals tatsächlich nichts als das historische Schild zur Erinnerung übriggeblieben ist.

Das Boathouse hat nicht nur keinen Naked Turtle Rum oder Conch Salad mehr, dafür aber grotesk hohe Preise für winzige Portionen. Wir ahnen schon, daß wir abends nochmal zur goldenen Möwe müssen.



Trotzdem ist es schön, auch ohne Schildkrötenambiente. Wir haben den Blick auf den historischen Hafen und die Boote, man kann gut Leute gucken. Wir genießen die Zeit. Bis die Rechnung kommt, denn genau in diesem Moment nimmt der Ärger seinen Anfang, der uns den Rest der Reise immer wieder begleiten und uns in Kürze noch in eine sehr unangenehme Situation bringen wird: Meine Kreditkarte wird abgelehnt.

Die des Ehemannes funktioniert aber und so sind wir aus dem Schneider. Trotzdem seltsam und irgendwie beunruhigend. Unterwegs zum Mallory Square ziehen wir sicherheitshalber ein paar frische Dollar, um im Falle des Falles flüssig zu sein.



Wir trödeln durch die Souvenirshops, kaufen hier eine Kleinigkeit und auch dort, linsen mal von der Seite ins historische Aquarium hinein und hören heimlich bei einem Vortrag zu.



Irgendwann sind wir am Mallory Square angekommen und setzen uns in den Schatten eines gigantischen Kreuzfahrtschiffes. Wenn das Schiff vorher in Nassau war, muß es sich hier ja regelrecht einsam vorkommen.



Die Leguane hier sind deutlich besser genährt als die vom Zentralfriedhof. Und auch deutlich selbstbewußter. Die wissen genau, daß sie die Stars vom Mallory Square sind.



Wie kann man männliche und weibliche Leguane unterscheiden?



Ganz einfach daran, welche Toilette sie benutzen. Dies muß also ein Mädchen sein. Oder sich zumindest so definieren.

 
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Suse65

Suse65

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Der Ehemann hat danach genug Key West Downtown und fährt ins El Patio zurück, ich habe ja noch etwas zu erledigen und muß zu Fuß weiter.

Auf der Duval Street ist inzwischen richtig Trubel. Ob im Sloppy Joe's



oder im The Bull, überall drängen sich die Leute bis auf die Straße.



Ich mag die Atmosphäre immer noch. Die echten Conchs werden im Straßenbild weniger, die Geschäfte sind kommerzieller, die originellen kleinen Läden muß man inzwischen suchen, aber es gibt sie noch.



Genauso wie die historischen Kinos, das Strand



oder das Cinema Tropical



Auch das Hard Rock Café ist gut besucht, dennoch sind seine Tage hier gezählt, noch im April wird die Filiale auf Dauer geschlossen.



Das blaue Queen Anne-Gebäude war ursprünglich der Wohnsitze der Curry-Familie. Curry ist ein Name, auf den man in Key West immer wieder stößt, ursprünglich arme Auswanderer von den Bahamas, aus jener Generation stammend, für die auf den seit dem Unabhängigkeitskrieg übervölkerten Inseln nicht mehr genug Platz vorhanden war, so daß sie ihr Glück in Florida suchen mußten.

So wie die schwarze Bevölkerung nach Miami zog und Orte wie Coconut Grove gründete, gingen Weiße nach Key West, betrieben Wrackbergung oder Zigarrenhandel, wurden die ersten Millionäre Floridas und Key West zur reichsten Stadt der USA.

Fast an jedem historischen Gebäude in Key West klebt eine Plakette, auf der der Name Curry auftaucht. Historisch bedeutsam, wie sie für die Geschichte der Stadt sind, sind sie gut erhalten. So mitten auf der Duval Street muß man sich wohl keine Sorgen machen, daß das Curry Mansion ohne Hard Rock Café lange ungenutzt bleibt.

Irgendwann bin ich auf der Duval Street bei der Hausnummer 340 angekommen, mein Ziel und letzte Chance, mein Geheimprojekt noch zu realisieren. Aber hier ist noch weniger zu holen als auf Stock Key. Der Laden, in dem Smuggler Jim angeblich seine auf Stock Key gebrauten Getränke und sein sonstiges Merchandise verkauft, ist leer und die Schaufensterscheiben mit Packpapier abgeklebt.

Ok, man muß wissen, wann man sich geschlagen geben muß.



Nachdem ich dem Mile Marker 0 noch kurz einen Besuch abgestattet habe, habe ich für meine Mühen eine Belohnung verdient, finde ich, und versuche mein Glück bei Wicked Lick.


Eine Zeitlang im Internet mächtig als beste Eisdiele Key Wests gehyped hätte ich ehrlich gesagt mehr erwartet. Ich wähle Key Lime Pie und es schmeckt ok, aber auch nicht so überragend anders als anderes Eis. Teuer ist es außerdem und im Laden so kalt, daß man auch an seinem eigenen Arm lecken könnte, wenn man Eis möchte.



Auf dem Weg zur Simonton taue ich langsam wieder auf. Ich mag die Straße mit ihren vielen Holzhäusern und üppigen Bepflanzungen. Noch mehr davon gibt es eigentlich nur in der Washington Street, in der das El Patio liegt.





An den Häusern in Key West werde ich mich wohl nie sattsehen können



Auf halber Höhe dann der Ort, an dem ich mir eine Antwort auf meine gescheitert Key West-Mission erhoffe: Die Botschaft der Conch Republic



Drinnen sitzt ein grauhaariger Conch hinter der Kasse, der aussieht, als wisse er über alles Bescheid. Und so ist es dann auch. Ich erzähle ihm, daß der Ehemann und ich selbst Conchs werden möchten, offizielle Staatsangehörige der Conch Republic, und einen Paß erwerben. Nur haben wir den Zeitpunkt verpaßt, zu dem die Conch Republic selbst noch „richtige“ Einbürgerungszeremonien vollzog.

Ja, lacht er, das waren wir, das haben wir genau hier gemacht, und zeigt hinter sich in einen Büroraum. Hier fanden die Zeremonien statt, unter Anwesenheit des Botschafters, mit Händeschütteln und Unterschrift. Aber jetzt, sagt er, ist der Paß nur noch reines Merchandise, hat mit der Conch Republic selbst nichts mehr zu tun, und wird durch einen Drittanbieter über das Internet vertrieben, zu dem er weiter nichts sagen könne. Und dazu macht er so eine wedelnde Handbewegung, wie wenn man ausdrücken möchte, daß etwas dubios ist.

Tja, sage ich, so oder so ähnlich hatte ich es erwartet, denn schon das, was im Internet zu lesen stand klang wenig vertrauenerweckend. Zahlreiche Bewertungen berichten von online bestellten Pässen, die nie geliefert wurden, ein Anbieter, der auf Mails nicht antwortet, wie ich es ja auch erlebt habe. Nun waren diese Pässe natürlich auch früher schon keine legalen Ausweisdokumente, aber ein Paß, der, wenn er denn überhaupt je ankommt, vermutlich in China gedruckt wurde, hat ja nicht mal mehr einen symbolischen Charakter.

Eine letzte Hoffnung habe ich noch und frage, ob sie bei entsprechendem Interesse denn vorhätten, selbst wieder Pässe auszustellen und Einbürgerungen vorzunehmen. Ach nein, sagt er, und klingt selbst ein bißchen bedauernd, das kommt nicht wieder.



Die Chance „echte“ Conchs zu werden, haben wir also verpaßt. Na gut, die Liebe zu Key West schmälert das nicht, und so wandere ich halt noch eine Weile durch die Washington Street und gucke ein bißchen neidisch auf die Conch Republic-Flaggen, die von den Häusern wehen.

Erfreulicher Anblick am Straßenrand:



Der Ehemann sagt ja immer, einem Challenger steht jede Farbe, aber diese gefällt mir besonders gut.

Zurück im El Patio erzähle ich dem Ehemann von meinen Abenteuern und verrate nun auch endlich, was ich geplant hatte. Er findet genau wie ich, daß wir irgendwie selbst schuld sind. Wir hätten es sofort 2018 machen müssen, gleich, als wir die Idee hatten. Aufgeschoben ist dann manchmal eben doch aufgehoben.

Am letzten Abend genießen wir noch einmal ausgiebig das El Patio im Sonnenuntergang bei eisgekühlten Breezern. Ob wir wirklich nicht mehr nach Key West kommen werden? Man wird sehen, aber so schnell läßt uns die Stadt sowieso noch nicht los. Auch der kommende Tag wird irgendwie noch sehr Key West-lastig sein.



Nachdem wir gepackt haben und abreisebereit sind, nehmen wir doch reichlich wehmütig Abschied vom El Patio. Wir mögen es hier sehr, aber irgendwann müssen wir doch los, denn der Ehemann möchte wenigstens einen Versuch starten, das ungeliebte Auto am Flughafen von Key West zu tauschen. Der Versuch verläuft erfolglos, da es keine Auswahl an geeigneten Wagen vor Ort gibt, so daß wir den Rückweg über den Overseas Highway doch wieder in dem verhaltensoriginellen Honda antreten müssen.



Ein letzter Blick auf das Wandgemälde, mit dem Key West seine Besucher begrüßt. Bye Bye Conch Republic sagen zwei, die sich nun leider nicht selbst Conchs schimpfen dürfen.

Vielleicht ist es schwierig nachzuvollziehen, was uns an dem ganzen Prozedere so fasziniert. Es ist dabei weniger die kurze Geschichte um die nicht ganz ernst gemeinte Unabhängigkeit Key Wests.

Es ist vielmehr die unter all dem Tourismus und Kommerz immer noch existente Gesellschaft unangepaßter Menschen, mehr eine Wahl-Familie, die das eigentliche Herz von Key West ausmacht, das einem das Gefühl gibt, an diesem Ort darfst du einfach sein, wer du willst.

Ich bin ja ein großer Fan und langjähriger Follower von Peter Santenello, einem amerikanischen Dokumentarfilmer, der sich gern den Seiten der USA widmet, die jenseits der Welt der Schönen und Reichen existieren. Sein immerhin einstündiger Film über Key West zeigt genau diese Facetten der Stadt.


Ich garantiere Euch, wenn Ihr das angeschaut habt, danach wollt Ihr auch Conchs werden.
 

Cawu

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Schwarzwald
Schade, dass die Einbürgerung nicht mehr geklappt hat.
War eine tolle Idee!
Bin weiterhin mit Begeisterung dabei - fantastischer Reisebericht mit wunderschönen Bildern! DANKE!
 
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