Eine Schönheit mitten im Atlantik

Vereda dos Balcoes 2
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Cawu

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Ich bleibe am Geländer stehen und richte meinen Blick ins Inselinnere. Von hier aus müsste man eigentlich auch die Gipfel des Pico do Arieiro und des Pico Ruivo sehen können. Doch die geschlossene Wolkendecke hüllt die höchsten Berge vollständig ein. Während wir am frühen Morgen noch über den Wolken standen und die Gipfel im Sonnenlicht erleben konnten, sind sie nun darin verschwunden. Stattdessen zeichnen sich nur die darunterliegenden Bergkämme ab, die sich ruhig und dunkel von der Wolkenschicht abheben und die Höhe der dahinterliegenden Gipfel nur erahnen lassen.
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Auf gleichen Weg geht es anschließend wieder zurück. Der kurze Abschnitt durch den Wald wirkt nun vertrauter, die Geräusche sind dieselben, nur der Eindruck hat sich ein wenig verändert, weil wir ihn nun in umgekehrter Richtung erleben.

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Zurück an der Straße legen wir noch einen Zwischenstopp in John's Poncha Bar ein. Nein, nicht für einen Poncha – dafür ist es leider noch viel zu früh. Wir holen uns einen Kaffee, setzen uns auf die Terrasse und beobachten das bunte Treiben auf der Straße. Im Laufe des Vormittags hat der Verkehr deutlich zugenommen. Rund um den ebenfalls hier befindlichen Einstieg der Wanderung PR10 Levada do Furado ist einiges los.

Immer wieder fahren Autos langsam vorbei, die nach einem der wenigen Parkplätze suchen, und die Stimmung wirkt entsprechend geschäftig.

Während wir dort sitzen, treffe ich zufällig die Gruppe aus der Gondel bei Achadas da Cruz wieder. Wir kommen kurz ins Gespräch, tauschen ein paar Eindrücke aus und schmunzeln über die Wiederholung unserer Begegnung am anderen Ende der Insel.

Danach schauen wir noch kurz in den kleinen Souvenirladen nebenan, bevor wir schließlich wieder ins Auto steigen und unsere Fahrt fortsetzen.
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Miradouro do Guindaste
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Unterwegs ...

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Miradouro do Guindaste

Unser nächster kurzer Halt ist der Miradouro do Guindaste in der Gemeinde Faial. Dieser Aussichtspunkt ist vor allem für seine steil abfallenden Klippen bekannt. Im Jahr 2022 wurden hier zwei Glasplattformen gebaut, die auf der linken Seite über den Abgrund hinausragen und einen direkten Blick auf den Atlantik ermöglichen.

Rechts öffnet sich die Aussicht weit über die Küste bis zur Halbinsel Sao Laourenco und genau dieser Blick wirkt für mich besonders eindrucksvoll. Hier gefällt mir vor allem die offene Weite, wo sich die Küste und das Meer in ihrer ganzen Tiefe zeigen.
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Seht ihr den Trampelpfad auf dem Felsrücken? Früher konnte man auf dem schmalen Pfad bis zur Spitze der Klippe laufen. Das war ein extrem beliebter Fotospot. Heute ist er gesperrt, da der Fels durch Erosion instabil geworden ist. Allerdings sieht der Weg, obwohl der Zugang verboten ist, ziemlich ausgetreten aus.

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Mit den Glasplattformen selbst kann ich weniger anfangen. Solche Konstruktionen schmälern meiner Meinung nach oft die Wirkung der Natur, da sie schnell zerkratzen oder blind werden, wodurch der Blick an Klarheit verliert. Anstatt das unmittelbare Gefühl von Fels und Meer zu erleben, steht man dann manchmal eher vor einer spiegelnden Fläche, die die Aussicht eher stört als verstärkt. Deshalb hat mich der Aussichtspunkt am Cabo Girao auch nicht gereizt.​

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Casas de Santana

Von Faial aus geht es weiter nach Santana, einem der bekanntesten Orte im Nordosten der Insel Madeira. Dort besichtigen wir die typischen kleinen Häuser, die sogenannten Casas de Santana oder Casas do Colmo. Sie sind das Wahrzeichen der Insel. Die traditionellen, strohgedeckten Bauernhäuser sind für ihre markante Dreiecksform, die weiß gekalkten Wände sowie die knallroten Türen und Fensterrahmen in tiefem Azurblau bekannt.

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Wir spazieren durch das kleine Freilichtmuseum im Ortszentrum, das kostenlos zugänglich ist. Diese Häuser sind ein Meisterwerk der Anpassung an die raue Natur der Insel. Am auffälligsten sind die extrem steilen, dreieckigen Dächer aus Stroh (Colmo), die fast bis zum Boden reichen. Früher verwendete man dafür das Stroh von Weizen- und Roggenkulturen, wobei sich der robuste Roggen als besonders wetterbeständig erwies. Durch die Form des Daches kann Regenwasser sofort ablaufen, bevor es in das Material eindringen kann. So bleibt es im Inneren der Holzhäuser trotz des oft feuchten Klimas trocken.

Das Innere der kleinen Häuser zeugt von der enormen Bescheidenheit, mit der die Menschen hier früher lebten. Die Häuser sind in der Regel in zwei Bereiche unterteilt, einen Wohnraum und einen Schlafbereich. Eine schmale Holztreppe führt oft auf einen Dachboden, der früher als Speicher für Getreide oder als zusätzlicher Schlafplatz für die Kinder diente. Da die Brandgefahr durch das trockene Stroh sehr hoch war, befand sich die Küche stets in einem separaten Nebengebäude.

Heute dienen die liebevoll nachgebauten Häuser vor allem der Darstellung des traditionellen Lebens auf Madeira. Man kann sich vorstellen, wie eng und schlicht das Leben darin gewesen sein muss, mit wenig Platz und einfachen Mitteln, aber gut angepasst an das Klima und den Bedingungen der Insel.​

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Nach dem Besuch in Santana macht sich langsam der Hunger deutlich bemerkbar. Nach einem langen Vormittag mit vielen Eindrücken wird es Zeit für eine Pause. Wir fahren weiter in Richtung Caniço.

Dort gehen wir ins Restaurant Laranjinha. Das Restaurant wirkt modern und gepflegt, eher wie ein zeitgemäßes Bistro. Da wir außerhalb der Stoßzeiten hier sind, ist die Atmosphäre ruhig und angenehm.

Das Essen wird ohne lange Wartezeit serviert und schmeckt sehr gut.

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Als Vorspeise haben wir Thunfisch-Tatar … sooo gut.

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Danach das Crispy Scabbardfish Fillet in Brick Pastry with dried tomatoes, spinach and almonds, mashed potatoes and seasonal vegetables

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Männe Thunfisch with herbs and lime risotto, seasonal vegetables

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Yummy!
 

Ohio23

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Vielen, lieben Dank für diesen tollen Reisebericht 👍.
Wir haben jetzt noch mehr Gründe für einen zweiten Urlaub auf Madeira ☀️.
So schöne Bilder. Traumhaft!
Danke dafür 💐.
 

siha

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Diesmal soll es zur Vereda dos Balcoes bei Ribeiro Frio gehen, einer der bekanntesten und zugleich angenehm kurzen Wanderungen der Insel.
Guten Morgen,

ein schöner Walk.
Wir würden vermutlich länger als eine Stunde dafür brauchen :eek: ...
Weil ein Teil unserer Familie sich ganz sicher sehr ausführlich den Blüten am Wegesrand gewidmet hätte ;)

Schade, dass die Aussicht etwas eingetrübt war, dennoch ein lohnenswerter Walk!

Unser nächster kurzer Halt ist der Miradouro do Guindaste in der Gemeinde Faial. Dieser Aussichtspunkt ist vor allem für seine steil abfallenden Klippen bekannt.

Ein wirklich schöner Anblick! Deine Ansicht bezüglich der Glasplattformen teile ich voll und ganz. Die Natur auf Madeira ist so eindrucksvoll, da braucht es keine "Verstärker". Zumal glaube ich, dass sie solche Leute anziehen, die ansonsten niemals zu diesen Spots kommen würden und vermutlich diese Schönheit nicht wirklich zu schätzen wissen.

Viele Grüße
Harald
 
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Cawu

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@siha
Sorry Harald, dass ich erst jetzt antworte ...
Der Walk Vereda dos Balcoes war wirklich wunderschön, kurz, aber Landschaftlich ein Traum.
Dann musst du im Mai nach Madeira ... zum Blumenfest.

Schön, dass du meine Ansicht teilst :giggle:.

Ich wünsche einen schönen Abend.
 
Cristo Rei und Camara de Lobos I
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Cristo Rei

Nein, wir sind nicht in Rio de Janeiro gelandet, sondern befinden uns weiterhin auf Madeira, genauer gesagt am Ponta do Garajau. Auf einer Klippe über dem Atlantik thront hier die Statue Cristo Rei und blickt mit ausgebreiteten Armen weit über das Meer. Von hier aus hat man einen weiten Panoramablick entlang der Südküste bis nach Funchal. Das im Jahr 1927 eingeweihte Denkmal ist somit historisch älter als die bekannten Statuen in Rio de Janeiro (1931) oder in Lissabon (1959).

Der aus der Region stammende Anwalt Aires de Ornelas finanzierte den Bau des Denkmals damals komplett aus eigenen Mitteln. Direkt unterhalb der Klippen erstreckt sich das geschützte Unterwasser-Reservat von Garajau. In diesem Naturschutzgebiet sorgen strenge Regeln für eine hohe Wasserqualität und einen großen Fischreichtum, wobei besonders die dort heimischen Riesenzackenbarsche bekannt sind. Besucher können mit einer Seilbahn vom Plateau hinunter zum Kiesstrand fahren, um das klare Wasser direkt an der Küste zu erleben.

Im Vergleich zum 30 Meter hohen Cristo Redentor in Brasilien oder dem über 43 Meter großen Cristo Protetor in Encantado ist die Figur auf Madeira, mit einer Höhe von 14 Metern, deutlich schlichter gestaltet. Ihre Wirkung erzielt sie vor allem durch ihre exponierte Lage an der Steilküste. In den Abendstunden ist der Standort ein gefragter Aussichtspunkt, da die Sonne im Westen exakt hinter der Küstenlinie von Funchal im Atlantik versinkt.​

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Das Fischerdorf Camara de Lobos

Bevor wir zu unserem Appartement fahren, legen wir noch einen Zwischenstopp in Camara de Lobos ein. Das malerische Fischerdorf ist eines der ältesten der Insel und liegt nur etwa fünf Kilometer westlich von Funchal. Als der Entdecker Joao Goncalves Zarco 1419 hier an Land ging, traute er seinen Ohren kaum: In der felsigen Bucht tummelte sich eine riesige Kolonie von Mönchsrobben, deren Rufe ihn stark an das Geheul von Wölfen erinnerten. Kurzerhand taufte er den Ort „Camara de Lobos” – die Kammer der Wölfe.

Wir haben heute das Glück auf unserer Seite und ergattern tatsächlich einen Parkplatz direkt am kleinen Hafen. In den verwinkelten Gassen dieses quirligen Ortes grenzt das fast schon an ein kleines Wunder.

Leider zeigt sich das Wetter heute von seiner beharrlichen Seite. Die dichte Wolkendecke legt sich wie ein weicher Filter über die Szenerie. Doch auch im diffusen Grau wirkt die Kulisse stimmungsvoll und lebendig. Unser Blick fällt sofort auf die „Xavelhas“, die traditionellen, bunt bemalten Fischerboote, die im Hafen liegen und in der geschützten Bucht sanft auf dem Wasser schaukeln.​

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Camara de Lobos II
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Wir schlendern am Kai entlang, wo das Dorf seinen authentischen Charakter bewahrt hat. Unser Weg führt uns zu dem außergewöhnlichen Street-Art-Kunstwerk „Lobo Marinho” (Seewolf). Diese riesige Mönchsrobbe wurde vom international bekannten portugiesischen Künstler Bordalo II geschaffen. Aus nächster Nähe erkennt man die Details der Trash-Animal-Skulptur. Sie wurde vollständig aus bunt lackiertem Zivilisationsmüll geformt, den das Meer angespült hat oder der achtlos weggeworfen wurde. Dazu gehören unter anderem alte Autoreifen, Plastikteile und Schrott. Die Skulptur ist eine Hommage an die Namensgeber des Ortes und erinnert uns daran, wie wichtig es ist, unsere Ozeane zu schützen.
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Trotz der vielen Besucher, die sich durch die schmalen Gassen schieben, finden wir einen Platz auf der Terrasse des Hotels Pestana Churchill Bay. Von hier aus haben wir einen guten Blick auf den Hafen und das geschäftige Treiben rundherum. Wir sitzen in prominenter Gesellschaft, denn direkt neben uns blickt eine Bronzestatue von Winston Churchill auf die Bucht hinaus. Mit der Staffelei vor sich und dem Pinsel in der Hand erinnert sie an seinen Aufenthalt im Jahr 1950, als Churchill einige Tage auf Madeira verbrachte und hier tatsächlich den Hafen malte.​

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Wir bestellen uns einen Kaffee. Von unserem Platz aus können wir das Geschehen um uns herum gut beobachten. Viele Besucher nutzen die Gelegenheit für ein Foto mit der bronzenen Statue. Der daneben platzierte Stuhl wirkt wie eine stille Einladung, sich kurz dazuzusetzen und für einen Moment Teil dieser kleinen Inszenierung zu werden.​

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Während wir durch die Gassen von Câmara de Lobos spazieren, wandert unser Blick immer wieder nach oben. Über unseren Köpfen schweben außergewöhnliche Installationen. In einer Gasse hängen alte, ausrangierte Fischernetze, in der nächsten bilden hunderte bunte Plastikflaschen ein leuchtendes Dach. Was im ersten Moment wie eine verspielte Dekoration wirkt, entpuppt sich bei genauerem Hinsehen als ambitioniertes Statement.

Genau wie das Kunstwerk der Mönchsrobbe setzt der Ort seit 2014 ein weithin sichtbares Zeichen gegen die Verschmutzung der Meere. Diese jährlich wechselnde Gestaltung wird traditionell für das São-Pedro-Fest Ende Juni entworfen. Das Besondere: Alles besteht konsequent aus Upcycling-Materialien. In monatelanger Gemeinschaftsarbeit verwandeln Anwohner und Künstler, koordiniert von der lokalen NGO Teatro Metaphora, Tausende Flaschenverschlüsse und Aluminiumdosen in diese ästhetischen Strukturen.

Hinter der kreativen Fassade verbirgt sich eine Realität, die die Fischer hier täglich erleben. Wenn sie in der Tiefsee nach dem Schwarzen Degenfisch fischen, landen immer häufiger Plastikmüll und Geisternetze in ihren Booten. Die „Eco-Art“ macht diese Bedrohung greifbar. Es ist beeindruckend zu sehen, wie die Gemeinschaft den Müll, der ihre eigene Lebensgrundlage gefährdet, in eine so eindringliche Mahnung verwandelt hat.​

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Auf dem Weg zurück zu unserem Appartement zeigt sich das Wetter von seiner versöhnlichen Seite, als wolle Madeira uns für den wolkenverhangenen Tag entschädigen. Pünktlich zu unserer Ankunft bricht die Wolkendecke auf und die tiefstehende Sonne taucht die Landschaft in ein warmes, goldenes Licht. Das tiefe Blau des Meeres beginnt zu leuchten und geht am Horizont fast nahtlos in das Türkis unseres Infinity-Pools über. Männe nutzt die Gunst der Stunde für ein erfrischendes Bad.​

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Zu fortgeschrittener Stunde zieht es uns dann noch einmal hinaus in die Bar Poncha da Lomba do Doutor. Diese Lokalitität ist weit über die Ortsgrenzen hinaus bekannt und gilt bei Einheimischen wie Reisenden als eine der authentischsten Adressen der Insel. Hier wird der Poncha ganz traditionell „na hora“ – also frisch vor den Augen der Gäste – zubereitet.

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Wir lassen uns das süffige Nationalgetränk schmecken und bestellen uns noch ein paar leckere, kalorienarme Snacks dazu.

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Gute Nacht!
 
Ponta de Sao Lourenco I
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27.05.2025 – Die Halbinsel Ponta de Sao Lourenco

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Die Ponta de Sao Lourenco markiert die markante Ostspitze Madeiras und bricht radikal mit dem Bild der „immergrünen Blumeninsel“. Während das Inselinnere von dichten Lorbeerwäldern und saftigen Tälern geprägt ist, präsentiert sich dieser rund neun Kilometer lange Ausläufer als eine Welt aus kargem Fels und ursprünglicher Wildheit. Hier regieren nicht die Sanftheit der Natur, sondern die rohen Kräfte von Wind und Atlantik. Sie haben über Jahrtausende eine Landschaft geformt, die in ihrer schroffen Schönheit fast unwirklich erscheint.

Die Halbinsel ist nahezu baumlos. Niedrige Gräser, Sukkulenten und eine faszinierende geologische Vielfalt dominieren das Bild. Die Palette der Gesteinsschichten reicht von tiefem Schwarz über warmes Ocker bis hin zu leuchtendem Ziegelrot. Sie zeugt vom vulkanischen Ursprung der Halbinsel und entfaltet besonders im tiefstehenden Licht eine fast magische Atmosphäre. Wer hier wandert, blickt auf dramatische Klippen, die senkrecht in den schäumenden Ozean abfallen, während die salzige Gischt in der Luft liegt.

Am äußersten Ende der Landzunge setzen sich die Felsformationen im Meer fort. Die vorgelagerten Inselchen, wie die Ilhéu da Cevada und die Ilhéu do Farol mit ihrem einsamen Leuchtturm, wirken wie die letzten Vorposten vor der Weite des Atlantiks. Diese Mischung aus rauer Natur und dem grenzenlosen Horizont über dem tiefblauen Wasser verleiht der Ponta de Sao Lourenco eine Atmosphäre von erhabener Weite und Freiheit.​

Es ist echt nicht leicht, diese wilde Schönheit der Insel in Worte zu fassen und Bilder sagen ja bekanntlich mehr als tausend Worte, daher gibt es in diesem Teil des Reiseberichts wieder einmal ganz, ganz viele Bilder.




Unser Abenteuer beginnt am offiziellen Wanderparkplatz hoch über der Bucht Baia d’Abra. Es ist gerade einmal acht Uhr morgens, als wir den Motor abstellen, und doch herrscht hier bereits reger Betrieb. Wir haben Glück und ergattern einen der letzten freien Plätze unmittelbar am Einstieg. Wer später eintrifft, muss auf die Seitenstreifen oder entferntere Stellflächen ausweichen – Platz findet man dort zwar meist noch, allerdings verlängert sich der Weg bis zum eigentlichen Startpunkt dadurch spürbar.

Die frühe Stunde ist hier Gold wert. Da die Halbinsel zu den absoluten Highlights jeder Madeira-Reise gehört, füllt sich das Areal schnell mit Wanderlustigen und Ausflugsbussen. Jetzt am Morgen ist die Luft noch angenehm kühl und die Szenerie wirkt fast friedlich, bevor der große Ansturm einsetzt. Wir schnüren unsere Stiefel, schultern die Rucksäcke und werfen einen ersten Blick auf den Pfad, der sich wie ein schmales Band in die felsige Einsamkeit schmiegt.​

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Schon nach den ersten Metern auf dem Pfad zwingt uns der Ausblick zum ersten Mal zum Innehalten. Wir stehen hoch über der Baia d’Abra und blicken auf ein Panorama, das uns sofort in seinen Bann zieht. Der Himmel zeigt sich an diesem Morgen von seiner dramatischen Seite. Ein dichtes Wolkenmeer bedeckt das Firmament, doch hier und da bricht das Sonnenlicht durch die grauen Schleier und lässt das Wasser des Atlantiks silbern glitzern.

Eine kräftige Brise weht uns um die Ohren – ein ständiger, fast wilder Begleiter auf dieser ungeschützten Landzunge. Doch genau dieser Wind macht das Erlebnis erst perfekt. Es ist ein unglaublich schönes Gefühl der Freiheit, hier am Rand der Klippen zu stehen, den salzigen Geruch des Meeres in der Nase und diese monumentale Kulisse vor Augen zu haben. Während der Blick über die zerklüftete Küstenlinie und die schier unendliche Weite des Ozeans schweift, spürt man die raue Energie der Natur ganz unmittelbar.​

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Vom Parkplatz aus führt der Weg zunächst über gut ausgebaute Stufen und befestigte Pfade hinunter ins Herz der Halbinsel. Die Route ist ein ständiges, abwechslungsreiches Auf und Ab, mal über staubige Erde, mal über groben Stein. Dabei schmiegt sich der Pfad eng an die dramatischen Konturen der Küstenlinie. Schon nach kurzer Zeit erreichen wir den Miradouro de Sao Lourenco, einen Aussichtspunkt, der die ganze gewaltige Pracht der Nordküste offenbart.

Hier zeigt sich die Natur in ihrer ungeschminkten Kraft. Die steilen Felswände leuchten in intensiven Braun- und Rottönen und fallen fast senkrecht in den Atlantik ab. Tief unter uns bricht sich das tiefblaue Wasser mit weißer Gischt an den dunklen Basaltfelsen und markanten Felsnadeln, die wie versteinerte Wächter aus den Wellen ragen. Es ist faszinierend zu beobachten, wie sich einzelne, leuchtend grüne Grasflächen hartnäckig in den kargen Fels krallen und dem rauen Klima trotzen.

Von hier aus schweift der Blick weit zurück entlang der zerklüfteten Küste bis hin zu den im Dunst liegenden, fernen Bergmassiven Madeiras. Trotz der anderen Wanderer, die sich mittlerweile wie bunte Farbtupfer auf dem Pfad verteilen, bewahrt dieser Ort eine majestätische Aura. Der Wind, der hier besonders kräftig weht, trägt das beständige Rauschen der Brandung bis nach oben und unterstreicht das Gefühl, an einem der wildesten und ursprünglichsten Orte der Insel zu stehen.
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Ponta de Sao Lourenco II
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Wir setzen unseren Weg nach dem Miradouro fort und tauchen immer tiefer in diese unberührte und fast zeitlose Landschaft ein. Nach einer Weile erreichen wir eine nur wenige Meter breite Landbrücke, die für uns zweifellos eine der aufregendsten Passagen der gesamten Strecke darstellt. Es ist ein spannender Moment, als wir auf diesem schmalen Grat stehen und sehen, wie der Fels zu beiden Seiten fast hundert Meter tief und vollkommen senkrecht in den Ozean abfällt.

An diesem Tag zeigt sich der Atlantik von seiner sanften Seite und rahmt die Landzunge unter uns in ein tiefes und ruhiges Blau ein. Dennoch ist die Wirkung dieser Passage gewaltig, da wir uns wie auf einem natürlichen Balkon hoch über dem Meer fühlen, während unser Blick gleichzeitig über die Nord- und die Südküste schweift. Die Passage ist gesichert, die salzige Meeresluft hat jedoch deutliche Spuren hinterlassen und viele der Sicherungsseile sind bereits stark verwittert oder beschädigt. Immer wieder bemerke ich feine scharfe Drähte, die aus den Seilen hervorragen, sodass man beim Festhalten genau aufpassen muss, um sich nicht die Hände aufzureißen.

Die bunten Gesteinsadern in den Felswänden direkt neben uns wirken wie gemalt und erinnern uns an ein geologisches Geschichtsbuch, das hier vor uns aufgeschlagen liegt, während wir uns über diesen schmalen Korridor weiter in Richtung der Spitze vorarbeiten.​

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Nachdem wir den schmalen Grat hinter uns gelassen haben, führen uns die Wegweiser zielstrebig zur Casa do Sardinha. Schon von weitem sticht uns diese kleine grüne Oase ins Auge, die wie eine Fata Morgana inmitten der weiten, kargen Ebene wirkt. Das kleine Haus ist von einer Gruppe Palmen umgeben, deren sattes Grün einen wunderbaren Kontrast zu den erdigen Farbtönen der Umgebung bildet. Es ist beeindruckend, wie dieses kleine Refugium einen so friedlichen Gegenpol zur rauen Wildnis der Umgebung darstellt.

Je näher wir kommen, desto schneller bemerken wir, dass wir nicht die Einzigen sind, die sich nach einer Pause sehnen. Rund um das kleine Café herrscht ein munteres Treiben, die Stimmung unter den Wanderern ist ausgelassen und voller Energie. Wir suchen uns ein Plätzchen und ich hole mir zur Erfrischung erst einmal eine eiskalte Brisa. Das typisch madeirische Erfrischungsgetränk ist genau das Richtige nach der Wanderung. Dazu gönne ich mir ein Stück Apfelkuchen, der wirklich hervorragend schmeckt.

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Ponta de Sao Lourenco III
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Während wir die Pause genießen, bereitet mir mein Knie leider zunehmend Probleme. Die Beschwerden haben schon vor der Reise begonnen, aber nach dem ständigen Auf und Ab auf den felsigen Pfaden heute macht es sich wieder besonders schmerzhaft bemerkbar. Wir besprechen, wie es nun weitergehen soll. Da mir klar wird, dass jeder weitere steile Meter eine Qual wäre, schlage ich Männe vor, die letzte Etappe zum Gipfel des Bico do Furado alleine in Angriff zu nehmen.

Für diese finale Etappe ist noch einmal etwas Kondition erforderlich. Von dort oben bietet sich ein tolles Panorama, das den einsamen Leuchtturm auf der Ilhéu do Farol freigibt. Bei klarer Sicht scheinen die Desertas-Inseln am Horizont zum Greifen nah. Doch er möchte den Weg nicht alleine gehen.

Gemeinsam überlegen wir, welchen Rückweg wir einschlagen sollen. Bereits bei der Planung unserer Reise wusste ich, dass es die Möglichkeit gibt, den Rückweg mit dem Boot anzutreten. Als mir dann auch noch ein großes blaues Schild ins Auge fällt, das diese Fahrten direkt vor Ort bewirbt, wird die Idee konkret. Wir informieren uns kurz und stellen fest, dass in einer knappen dreiviertel Stunde ein Boot zurückfährt.

Wir müssen nicht lange überlegen und entscheiden uns für den Seeweg. Zum einen ist es wegen meines Knies die einzig vernünftige Entscheidung, zum anderen bemerken wir, wie es auf den Wanderwegen mit der Zeit immer voller wird und die Ruhe des Morgens langsam schwindet. Außerdem reizt uns der Gedanke, die spektakuläre Halbinsel einmal aus einer ganz anderen Perspektive, nämlich vom Wasser aus zu betrachten und die monumentalen Klippen, an denen wir eben noch entlanggewandert sind, von unten zu bestaunen.​

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Nachdem die Entscheidung gefallen ist, machen wir uns an den kurzen Abstieg. Der Pfad führt uns über einige Stufen hinunter zum Cais do Sardinha, wo eine kleine Plattform inmitten der schroffen Felsen als Anlegestelle dient. Bereits auf dem Weg hinunter zum Wasser beobachten wir das bunte Treiben in der kleinen Bucht, die wie ein versteckter Außenposten am Rande des Ozeans wirkt. Eine Gruppe Kajakfahrer, die vermutlich vom Festland gekommen ist, macht gerade an dem schmalen Kiesstrand halt. Ihre farbenfrohen Boote bilden einen lebhaften Kontrast zum tiefblauen Wasser und der dunklen Uferlinie. Auch einige Schwimmer nutzen das klare, kühle Nass für eine willkommene Erfrischung nach dem Fußmarsch oder der Kajakfahrt.​

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Während wir auf der Plattform auf unser Boot warten, entdeckt Männe ein paar faszinierende Krabben zwischen den Felsen am Wasserrand. Einige sind tiefschwarz, während andere in einem intensiven Rot leuchten. Bei diesen Roten Felsenkrabben verrät die Färbung viel über ihr Alter. Die Jungtiere sind schwarz oder dunkelgrau gefärbt, um sich vor Fressfeinden zu schützen. Dadurch sind sie auf dem dunklen Vulkangestein nahezu unsichtbar. Erst mit zunehmendem Alter verfärben sie sich allmählich rötlich, was meist an den Beinen beginnt, bis die ausgewachsenen Tiere ihre charakteristische, leuchtende Pracht zeigen.

Es ist beeindruckend zu beobachten, wie flink und trittsicher diese kleinen Tiere selbst an senkrechten, glitschigen Felswänden entlangklettern, während sie nach Algen suchen und jeder herannahenden Welle geschickt ausweichen.​

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Dann nähert sich unser Transportmittel. Ein quietschgelbes Schlauchboot steuert die Plattform an und legt sicher an den Felsen an. Es ist ein moderner, robuster Flitzer, der sofort Abenteuerlust weckt. Wir steigen vorsichtig an Bord, suchen uns einen festen Platz und spüren schon beim Ablegen das leichte Schaukeln, das uns auf die kommenden Minuten auf dem Wasser einstimmt.

Kaum haben wir den Anleger verlassen, gibt unser Bootsführer Gas, und das quietschgelbe Schlauchboot beschleunigt kraftvoll. Es hebt sich leicht aus dem Wasser und die kühle, salzige Gischt spritzt zu beiden Seiten hoch auf, während wir über die glitzernde Meeresoberfläche gleiten. Die massiven Felswände ragen senkrecht aus dem tiefblauen Atlantik empor und zeigen uns aus nächster Nähe ihre ganze geologische Farbenpracht. Wenn wir den Blick nach oben richten, entdecken wir die Wanderer auf dem Grat, die aus dieser Perspektive wie winzige Ameisen wirken.​

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Schon von weitem erblicken wir schließlich das malerische Dreams Madeira Resort, das früher unter dem Namen Quinta do Lorde Resort bekannt war. Mit seiner dörflichen Architektur, den warmen Fassadenfarben und den kleinen Türmchen liegt das Dorf wie gemalt an der Küste und bildet einen beinahe surrealen Kontrast zur wilden Natur, die es umgibt.
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Bevor wir jedoch in den Hafen einlaufen, steuert unser Boot noch auf ein besonderes Highlight zu. Wir fahren direkt am berühmten Elefantenfelsen vorbei. Diese bizarre Felsformation sieht mit ihrem markanten Profil tatsächlich aus wie ein riesiger Dickhäuter, der seinen Rüssel in den Ozean taucht. Erst nach diesem Abstecher nehmen wir den letzten Schlenker in die schützende Hafeneinfahrt der Marina.​

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Wir steigen aus dem Boot und befinden uns mitten in dem Resort. Unser erster Weg führt uns zu den Toiletten am Hafen, wo wir uns ein wenig frisch machen. Dabei fällt uns sofort die eigentümliche Atmosphäre auf. Die gesamte Anlage wirkt wie ausgestorben. Nur ab und zu sieht man Personal oder Arbeiter über die Wege huschen, was diesen Eindruck noch verstärkt.

Kurzentschlossen drückt mir Männe seinen Fotorucksack in die Hand und meint, er laufe schon mal das Stück zum Wanderparkplatz voraus, um mich dann mit dem Auto abzuholen. Hach, er ist eben doch der weltbeste Ehemann! Während er sich an den Aufstieg macht, nutze ich die Gunst der Stunde. Schwer bepackt schlendere ich ein wenig durch das Resort, das mit seiner Perfektion und gleichzeitigen Leere wirklich ein kleines bisschen wie eine Geisterstadt wirkt.​

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Da liegen ja doch ein paar Leute am Strand

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Neugierig wie ich bin, habe ich natürlich etwas recherchiert, was dieses Resort angeht:
An der östlichen Spitze Madeiras, nahe Canical, liegt das Dreams Madeira Resort, Spa & Marina. Die Architektur ist für ein Hotel dieser Größe ungewöhnlich. Die Anlage wurde einem traditionellen madeirischen Dorf nachempfunden, komplett mit schmalen Gassen, einer Kapelle und einem Leuchtturm direkt an der Marina.

Hinter der malerischen Fassade verbirgt sich jedoch eine schwierige Geschichte. Der ursprüngliche Investor des damaligen Projekts „Quinta do Lorde“ wollte es finanzieren, indem er einzelne Gebäude als private Residenzen verkaufte. Dieser Plan scheiterte jedoch, was zu Schulden in Millionenhöhe und schließlich zur Insolvenz führte. Nach Jahren der Ungewissheit übernahm die Hyatt-Gruppe die Leitung und eröffnete das Resort im Oktober 2024 nach Modernisierungen unter der Marke „Dreams“ neu.

Doch trotz der Neueröffnung als 5-Sterne-All-Inclusive-Resort bleibt der Eindruck vor Ort merkwürdig distanziert. Bei meinem Besuch wirkte die weitläufige Anlage beinahe leer. Wenn man durch die perfekt instand gesetzten, aber menschenleeren Gassen spaziert, entsteht eine fast schon geisterhafte Atmosphäre. Es ist, als würde das Resort noch immer auf das Leben warten, das in der ursprünglichen Planung vorgesehen war.




Als ich das Ein- bzw. Ausgangstor des Resorts durchquere, biegt Männe schon um die Ecke und hält in der Einfahrt, um mich einzusammeln.

Rückblickend war es genau richtig, die Wanderung mit der Bootsfahrt zu kombinieren. Nicht nur mein Knie hat es mir gedankt, sondern wir konnten die Ponta de Sao Lourenco aus zwei völlig unterschiedlichen Perspektiven erleben. Und mit dem Boot zu fahren, macht sowieso immer Spaß.



Infos zur Wanderung

PR 8 Ponta de Sao Lourenco

  • Strecke: Insgesamt 7,4 Kilometer (hin und zurück)
  • Dauer: 3-4 Stunden
  • Schwierigkeitsgrad: Leicht bis mittelschwere Wanderung (gut ausgebaut, aber steinig und am Ende steil
  • Höhenmeter: 400 m
  • Ausrüstung: Sonnenhut, Sonnenschutz, Windjacke, ausreichend zu Trinken mitnehmen.
Für alle, die diese Tour planen, kann ich nur den Rat geben: Seid so früh wie möglich vor Ort.
 

Schneewie

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Die Wanderung bis zu dem Kiosk haben wir auch gemacht, einfach nur toll.
Das man den Rückweg auch per Boot machen kann, wussten wir nicht, bzw. haben wohl auch nicht darauf geachtet. Wäre auch eine schöne Alternative gewesen.
 

siha

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Die Ponta de Sao Lourenco markiert die markante Ostspitze Madeiras und bricht radikal mit dem Bild der „immergrünen Blumeninsel“. Während das Inselinnere von dichten Lorbeerwäldern und saftigen Tälern geprägt ist, präsentiert sich dieser rund neun Kilometer lange Ausläufer als eine Welt aus kargem Fels und ursprünglicher Wildheit. Hier regieren nicht die Sanftheit der Natur, sondern die rohen Kräfte von Wind und Atlantik. Sie haben über Jahrtausende eine Landschaft geformt, die in ihrer schroffen Schönheit fast unwirklich erscheint.

Auf die Ponte de Sao Lourenca habe ich schon die ganze Zeit gespannt gewartet - jetzt ist endlich soweit.
Die Halbinsel ist so komplett anders als der Rest Madeiras, und gerade deswegen so eindrucksvoll.
Schön, dass du das so ausführlich geschildert und eindrucksvoll bebildert hast.

Kein Wunder, dass sie so oft besucht wird. Wir bevorzugen eher einsame Gegenden, aber wenn wir jemals auf Madeira sind (was gar nicht so unwahrscheinlich ist), heißt das auf jeden Fall sehr früh aufstehen.

Wir müssen nicht lange überlegen und entscheiden uns für den Seeweg. Zum einen ist es wegen meines Knies die einzig vernünftige Entscheidung, zum anderen bemerken wir, wie es auf den Wanderwegen mit der Zeit immer voller wird und die Ruhe des Morgens langsam schwindet. Außerdem reizt uns der Gedanke, die spektakuläre Halbinsel einmal aus einer ganz anderen Perspektive, nämlich vom Wasser aus zu betrachten und die monumentalen Klippen, an denen wir eben noch entlanggewandert sind, von unten zu bestaunen.
Von der Möglichkeit, mit dem Boot zurückzufahren, wusste ich auch nichts, aber das war so sicher die goldrichtige Entscheidung. (y)

Als wie belastendfür den Rücken würdest du die Bootsfahrt mit dem Boot einschätzen? Bisher haben wir aus diesem Grund auf unseren Reisen Fahrten mit schnellen Schlauchbooten vermieden.

Viele Grüße
Harald
 
OP
Cawu

Cawu

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Guten Morgen,

@Schneewie
Wir finden auch, dass die Wanderung war einzigartig schön war! Ich hatte auch durch Zufall in einem Reiseblog darüber gelesen!
Vielleicht das nächste Mal mit dem Boot zurück ;)

@siha
Die Halbinsel ist großartig!
Da musst du wirklich immer früh vor Ort sein oder am späten Nachmittag gegen 16 Uhr, da wird es auch wieder angenehmer - zumindest bei den Hotspots der Insel!

Das Bootfahren war bei uns überhaupt nicht belastend für den Rücken, allerdings hatten wir ja wirklich eine ruhige See. Wellenhüpfen mit so einer Schüssel wäre auch nichts für uns gewesen, da wären dann zu meinem Knie, die Bandscheiben meines Mannes dazugekommen. 🫣

Vielen Dank für euer Feedback und einen wunderschönen Sonntag!
 

Texelrita

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Also, Madeira ist schön....klar! Aber, dass es sooo schön ist, das bringst Du uns noch näher und ich bin echt angetan. Wie schon einmal erwähnt, nach Hawaii braucht man dann nicht mehr, denn diesen Sonnenaufgang über der Wolkendecke kann auch der Mauna Kea kaum toppen 🥰. Du kannst mit Deinen Reiseberichten wirklich eine Reisefibel schreiben, Carmen und ich würde die Routen alle einfach nachmachen wollen -sofort!
 

Caroline65

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Hallo Carmen, ich staune, was ihr auf Madeira alles gesehen und erlebt habt! So toll! Ich hoffe dein Knie hat sich wieder erholt. Liebe Grüsse Caroline
 
OP
Cawu

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@Texelrita
Danke liebe Rita, für dein tolles Feedback! 🥰😘
Macht auch echt Spaß.

@Caroline65
Danke Du Liebe 🫶🏼. Meine Knie sind seit drei Jahren immer mal am rumzicken. An einem wurde ich vor zwei Jahren operiert. Meniskus- und Knorpelschäden. Jo, man wird halt älter ☺️.

Hat noch einen schönen Abend ❤️
 
Engenhos do Norte
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Cawu

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Da wir gerade in der Nähe sind, halten wir noch kurz am Miradouro do Canical. Dies ist nun wirklich der letzte Aussichtspunkt unserer Reise ... großes Ehrenwort! 😊

Noch einmal genießen wir den fantastischen Blick auf die Steilküste. Wir halten kurz inne, nehmen einen tiefen Atemzug und saugen das Panorama ein letztes Mal auf, bevor wir die raue Wildnis der Halbinsel endgültig hinter uns lassen.

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Wir schlängeln uns über die Küstenstraße hinunter in das beschauliche Porto da Cruz.
Im Zentrum finden wir schnell einen Parkplatz und spazieren gemütlich zur Uferpromenade. Hier schlägt die raue Brandung des Atlantiks kraftvoll gegen die Felsen und sorgt für eine wunderbare Meeresbrise. Direkt am Meer kehren wir im Restaurant Praca Velha ein, um uns mit lokaler Küche für das nächste Erlebnis zu stärken. Das Essen war gut, aber eine wirkliche Empfehlung kann ich nicht aussprechen.

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Destillerie Engenhos do Norte

Nach dem Essen laufen wir nur ein paar Schritte weiter zur historischen Destillerie Engenhos do Norte, die mit ihrem markanten Backsteinschornstein das Ortsbild prägt.

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Ich hatte so sehr gehofft, dass wir live dabei sein könnten, wenn die gewaltige, alte Dampfmaschine mit voller Kraft den süßen Saft aus dem Zuckerrohr presst. Es ist bestimmt beeindruckend, dieses technische Relikt aus dem Jahr 1927 in Aktion zu erleben. Schließlich gilt die Fabrik als einer der wenigen Orte in Europa, an denen noch mit originalen Dampfmaschinen aus der Zeit der industriellen Revolution gearbeitet wird.

Als wir die Werkshalle betreten, herrscht jedoch eine ungewohnte Ruhe. Leider steht die Maschine still. Es ist der 28. Mai, somit ist es wohl schlichtweg zu spät im Jahr. Die Erntezeit namens Safra beginnt meist im März und endet oft schon Mitte Mai. Da die Fabrik nur verarbeitet, was frisch von den Feldern kommt, verstummen die Maschinen sofort, wenn das letzte Rohr gepresst ist. Schade!

Trotzdem bleibt die Destillerie ein lohnenswerter Stopp. Ein Vorteil der Ruhe ist der ungestörte Einblick, da man die Werkshalle außerhalb der Erntezeit einfach so betreten kann. Wir stehen jetzt direkt vor den Maschinen und lassen die Kulisse auf uns wirken. Es riecht markant nach altem Eisen, nach Öl und einem Hauch von süßlichem Zuckerrohr.​

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Die Geschichte vom weißen Gold und der Weg zur Weinkultur

Der Anbau von Zuckerrohr ist seit über 500 Jahren untrennbar mit der Geschichte Madeiras verbunden. Bereits im Jahr 1425 ließ Heinrich der Seefahrer die ersten Setzlinge aus Sizilien importieren. Gemeinsam mit den Pflanzen kamen erfahrene Fachkräfte aus dem Mittelmeerraum auf die Insel, die das nötige Wissen über die Zuckerverarbeitung mitbrachten. Dank des fruchtbaren Vulkanbodens und des milden Klimas gedieh die Pflanze so prächtig, dass Madeira zeitweise zum größten Zuckerexporteur der Welt aufstieg. In dieser goldenen Ära nannte man den Zucker ehrfürchtig das weiße Gold. Er war in Europa ein kostbares Luxusgut, das der Insel enormen Reichtum bescherte. Dieser finanzierte nicht nur prachtvolle Herrenhäuser, sondern war auch der entscheidende Grund für den Bau der ersten Levadas, um die wasserintensiven Plantagen zu bewässern.

Doch die Vorherrschaft auf dem Weltmarkt währte nicht lange. Mitte des 16. Jahrhunderts bekam die Insel mit der Konkurrenz aus Übersee ein übermächtiges Problem. In den neuen Kolonien in Brasilien und der Karibik konnte auf riesigen, flachen Plantagen weitaus billiger produziert werden als auf den mühsam bewirtschafteten Steilhängen Madeiras. Als die Weltmarktpreise für Zucker fielen und die Böden der Insel durch die Monokultur erste Ermüdungserscheinungen zeigten, standen die Inselfürsten vor einer existenziellen Krise. Die Lösung lag in einer radikalen Umstellung der Landwirtschaft. Viele der mühsam angelegten Terrassen, die sogenannten Poios, wurden fortan nicht mehr mit Zuckerrohr, sondern mit Weinreben bepflanzt. Dieser strategische Wechsel markierte den Beginn einer neuen Ära, in der der Madeira Wein das Zuckerrohr als wichtigstes Exportgut ablöste und den Weltruf der Insel als Heimat ihrer ganz eigenen, legendären Weinkultur begründete.

Trotz des Siegeszugs des Weins ist die Tradition des Zuckerrohrs nie ganz verschwunden, auch wenn es heute nur noch auf einer begrenzten Fläche kultiviert wird. Eine Besonderheit Madeiras ist bis heute die enorme körperliche Anstrengung, die dieser Anbau erfordert. Da der Einsatz moderner Erntemaschinen auf den schmalen Terrassen unmöglich ist, muss jede einzelne Stange von Hand mit der Machete geschlagen werden. Sobald die Stangen geschnitten sind, müssen sie innerhalb von 24 bis 48 Stunden verarbeitet werden, damit der Zuckergehalt nicht sinkt. Im Gegensatz zur industriellen Massenware wird hier vorwiegend der hochwertige Rum Agricole hergestellt, den man vor Ort Aguardente de Cana nennt und der direkt aus dem frischen Saft der ersten Pressung destilliert wird.

Dieser kräftige Brand bildet die Basis für das Nationalgetränk Poncha, bei dem, wie schon erwähnt, der Rum mit Honig und frischem Zitronen- oder Orangensaft zu einer perfekten Einheit gemischt wird. Zudem entsteht aus dem Rohr der dunkle Mel de Cana, eine Grundzutat für den berühmten Honigkuchen Bolo de Mel. Auch wenn die Zeit des großen Reichtums durch Zuckerrohr längst vorbei ist, bleibt es ein fester Bestandteil der Identität Madeiras. Man schmeckt und spürt seine Geschichte in jedem Glas Poncha und in jedem Stück dieser süßen Tradition.

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Nach dem Rundgang durch die stillstehende Fabrik zieht es uns in die angeschlossene Casa do Rum. Dort wartet die Geschichte der Destillerie in flüssiger Form auf uns. Hier erfahren wir auch das Geheimnis des madeirischen Rums und wie er im sogenannten Agricole-Stil hergestellt wird.

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Der Agricole Rum von Madeira

Was den Madeira-Rum so außergewöhnlich macht, ist seine Stellung als echte Rarität. Weltweit macht er nur etwa drei bis fünf Prozent der gesamten Produktion aus. Während über 90 Prozent der industriellen Massenware aus Melasse gewonnen werden, wird hier ausschließlich purer, frisch gepresster Zuckerrohrsaft für die Destillation genutzt. Da dieser Saft bereits innerhalb weniger Stunden unkontrolliert zu gären beginnt, kann Agricole-Rum nur dort produziert werden, wo das Zuckerrohr quasi direkt vor der Haustür wächst. Die Destillerie muss sich daher zwingend vor Ort oder in unmittelbarer Nähe der Felder befinden, um den Rohstoff ohne Zeitverlust verarbeiten zu können.

Aufgrund der geografischen und zeitlichen Gebundenheit ist der Herstellungsprozess weitaus aufwendiger und teurer als bei der industriellen Konkurrenz. Sobald die Ernte vorbei ist, steht die Produktion unweigerlich still. Diesen Umstand haben wir bei unserem Besuch in der Fabrik am eigenen Leib erfahren. Madeira ist neben den französischen Antillen, wie etwa Martinique oder Guadeloupe, eine der ganz wenigen Regionen weltweit, die dieses geschützte und traditionsreiche Verfahren mit Stolz pflegen.

Dieser landwirtschaftliche Ansatz sorgt für ein völlig anderes Geschmacksprofil. Anstelle von schweren, süßen Karamellnoten trägt ein Agricole-Rum die frischen, lebendigen Aromen der Pflanze in sich. Er schmeckt grüner und fast pflanzlich mit Nuancen von frischem Gras und Erde, die durch fruchtige und blumige Akzente ergänzt werden. Es ist ein ehrliches und komplexes Destillat, das mit jedem Schluck das Terroir der Insel mit den mineralischen Vulkanböden und der salzigen Meeresluft einfängt. Auf Madeira ist dieser Stolz als „Rum da Madeira” sogar rechtlich geschützt. Hier genießt man also kein industrielles Nebenprodukt, sondern den unverfälschten Charakter des madeirischen Zuckerrohrs.


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Mit diesem Wissen im Hinterkopf gönnen wir uns eine kleine Verkostung von drei verschiedenen Sorten der Premium Marke Rum 970. Da einer von uns als Fahrer die Verantwortung trägt, teilen wir uns das Erlebnis. Das ist eine vernünftige Entscheidung, denn die vor uns aufgebauten Sonderabfüllungen sind charakterstark und intensiv. 🤪Hicks!

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Den Anfang macht die 970 Single Cask Edition mit weißem Etikett. Dieser Rum stammt aus einem einzigen, ausgewählten Fass. Er wurde 2017 destilliert und durfte sieben Jahre reifen, bevor er 2024 mit 49,3 Volumenprozent abgefüllt wurde. Er ist der puristischste der drei Rums und bringt die feine Note des frischen Zuckerrohrs wunderbar zur Geltung.

Danach steigern wir uns zum Rum 970 Cask Strength Edition mit dem violetten Etikett. Dieser Rum wurde mit stolzen 53,1 Volumenprozent in Fassstärke abgefüllt, ohne dass er vorher mit Wasser verdünnt wurde. Er lagerte seit 2016 in einem ehemaligen Madeirawein-Fass, was ihm eine faszinierende Tiefe verleiht. Hier trifft die natürliche Intensität auf die feine Süße des berühmten Likörweins. Mein Favorit.

Den krönenden Abschluss bildet der Rum 970 Madeira Wine Cask Edition mit dem edlen schwarzen Etikett. Mit 55,5 Volumenprozent ist dies die konzentrierteste Probe. Dieser Rum reifte seit 2015 und hat die dunklen Aromen von getrockneten Früchten sowie Eichenholz tief in sich aufgesogen. Männes Favorit.

Es ist interessant, wie unterschiedlich sich derselbe Grundstoff allein durch die Wahl des Fasses und die Reifedauer entwickeln kann.

Saúde! – ein herzliches Prost aus der Casa do Rum!

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Nach dem Besuch der Destillerie fahren wir zurück in unser Ferienappartement. Während mein Mann noch einmal die Gelegenheit für einen Sprung in den Pool nutzt, genieße ich die ruhige Atmosphäre des späten Nachmittags. Leider steht der letzte Abend hier auf Madeira bevor. Ich packe den Bolo de Mel aus, den uns die Hausverwaltung geschenkt hat.

Dieser traditionelle Honigkuchen gilt als das älteste Gebäck Madeiras und seine Wurzeln reichen bis ins 15. Jahrhundert zurück. Die Geschichte besagt, dass er von den Nonnen des Klosters Santa Clara in Funchal kreiert wurde. In der Stille hinter den Klostermauern kombinierten sie den heimischen Zuckerrohrsirup mit kostbaren Gewürzen, die von den Seefahrern aus Indien und Fernost auf die Insel gebracht wurden. Das Ergebnis ist eine sehr schmackhafte und energiereiche Spezialität, die bis heute mit Walnüssen, Mandeln und einer Gewürzmischung aus Zimt, Nelken und Anis verfeinert wird. Das hört sich nicht nur lecker an, sondern schmeckt auch so.​

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Voller Vorfreude greife ich zum Messer und zerteile den duftenden, dunklen Kuchen in gleichmäßige Stücke. Erst später erfahre ich, dass ich damit eine der heiligsten kulinarischen Regeln Madeiras gebrochen habe. Ein echter Bolo de Mel wird nämlich niemals geschnitten, sondern traditionell nur mit den Händen gebrochen. Angeblich schadet das Metall der Klinge seinem Aroma und der legendären Haltbarkeit. Ups …

In unserem Fall spielte die Haltbarkeit allerdings keine Rolle, denn der Kuchen schmeckt so gut, dass er den Abend nicht überleben wird.

Nach dem erfrischenden Bad gesellt sich mein Mann zu mir auf die Terrasse. Er bringt die bereits halbleere Flasche Madeira Wein mit und gemeinsam genießen wir das köstliche Gebäck zum Wein. Die Kombination ist einfach unschlagbar, da die malzige Süße des Weins die würzigen Noten des Kuchens perfekt unterstreicht.

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Das Geheimnis des Madeira-Weins

Die Entstehungsgeschichte des Madeira-Weins ist eng mit dem Zeitalter der Entdeckungen und der strategisch günstigen Lage der Insel im Atlantik verbunden.

Im 15. Jahrhundert zunächst als einfacher Tafelwein angebaut, entwickelte sich das Getränk erst durch die Anforderungen der Seefahrt zu seiner heutigen Besonderheit. Da Madeira der letzte Versorgungshafen für Schiffe auf dem Weg in die Neue Welt und nach Indien war, wurden große Mengen Wein als Proviant und Ballast geladen. Um den Wein für die monatelangen Überfahrten durch tropische Klimazonen zu stabilisieren, wurde er mit Branntwein angereichert.

Während dieser Seereisen machten die Händler eine entscheidende Entdeckung: Der Wein, der in den heißen Laderäumen mehrmals den Äquator überquert hatte, verdarb nicht etwa, sondern entwickelte durch die ständige Wärme und die Bewegung des Schiffes eine völlig neue Komplexität. Es entstanden Aromen von Nüssen, Karamell und Trockenfrüchten, die den „Vinho da Roda“ (Wein der Reise) zu einem der begehrtesten Luxusgüter in Europa und Amerika machten.

Als die Schifffahrt im 19. Jahrhundert effizienter wurde und Segelschiffe zunehmend durch Dampfer ersetzt wurden, suchten die Winzer nach Möglichkeiten, diesen Reifungsprozess an Land nachzuahmen. Vor der Einführung moderner technischer Anlagen nutzte man hierfür die natürliche Architektur der Inselhäuser. Die Weinfässer wurden in den obersten Stockwerken, direkt unter den von der Sonne aufgeheizten Ziegeln der Dachböden, gelagert. Diese Methode der langsamen, natürlichen Erwärmung ist als Canteiro-Verfahren bekannt und wird noch heute für die Herstellung der hochwertigsten Weine angewandt. Später wurde das Estufagem-Verfahren entwickelt, bei dem der Wein über einen Zeitraum von mindestens drei Monaten in kontrolliert beheizten Edelstahltanks reift. Durch diese Wärmebehandlung wird der Madeira-Wein praktisch sehr lange haltbar und außergewöhnlich oxidationsresistent

Der Wein spielte auch historisch eine bedeutende Rolle, insbesondere in der Geschichte der Vereinigten Staaten. Aufgrund von Handelsprivilegien war er ein sehr beliebter Wein der amerikanischen Gründerväter. So ist beispielsweise belegt, dass am 4. Juli 1776 mit Madeira-Wein auf die Unterzeichnung der Unabhängigkeitserklärung angestoßen wurde. Heute unterliegt die Produktion strengen Kontrollen durch die offizielle Weinbehörde der Insel. Jede Flasche, die diese Prüfung durchläuft, trägt ein nummeriertes Siegel am Flaschenhals. Es garantiert die Einhaltung der traditionellen Herstellungsverfahren und die Güte des Inhalts.



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Wir sitzen immer noch auf der Terrasse und lassen den Tag ausklingen. Da fällt mir ein, dass wir noch einige Früchte im Kühlschrank haben. Ich richte mit diesen letzten Schätzen einen bunten Obstteller an, der die Vielfalt der Insel ein wenig widerspiegelt.

Neben zwei klassischen Nektarinen liegen dort Trauben, die so groß wie Aprikosen oder Zwetschgen sind. Sie sind unglaublich süß, saftig und so knackig, dass jeder Bissen eine Freude ist. Dann gibt es noch die längliche Bananen-Maracuja. Ihr leuchtend orangefarbenes Inneres überrascht mit einer spritzigen Säure.

Dazu gesellt sich die Granadilla, die ebenfalls zur Familie der Passionsfrüchte gehört. Im Gegensatz zur Maracuja ist ihr glasiges Fruchtfleisch sehr süß und mild. Als herben Kontrast schneide ich eine gelbe Tamarillo auf. Diese Baumtomate hat einen ganz eigenen, herb-süßen Charakter, der wunderbar mit den anderen Früchten harmoniert.

Den Abschluss bilden die kleinen Pitangas, die auch als Surinamekirschen bekannt sind. Mit ihrer tiefroten Farbe und der markanten Rippung sehen sie fast aus wie kleine Laternen. Ihr Geschmack ist einzigartig und reicht von süß-säuerlich bis hin zu einer ganz leicht harzigen Note.

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Der Nachmittag klingt ruhig aus. Wir sitzen noch eine Weile zusammen, naschen hier und da ein Stück Obst oder Kuchen, trinken einen letzten Schluck. Später beginnen wir dann langsam, die Koffer zu packen.
 
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