Hallo liebe Mitreisende,
es war der 31.12. und wir waren weit davon entfernt, irgendwelche Vorsätze zu treffen. Ganz im Gegenteil – hier fühlte es sich nicht so an, als würden wir etwas Altes hinter uns lassen, um „besser“ weiterzumachen. Eher so, als wollten wir alles genau so beibehalten, wie es war.
Um „unsere Geschichte“ vollständig erzählen zu können, brauche ich an dieser Stelle noch ein paar Insider-Infos. Wie schon im Vorwort erwähnt, wurde diese Reise schon sehr laaange geplant. Angefangen hat alles vor ziemlich genau einem Jahr, als es einen plötzlich eingetretenen Todesfall in der Familie meines Sohnes bzw. meines Ex-Mannes gab. Dadurch konnten wir zwei Tage länger einplanen, weil mein Sohn – überraschenderweise sogar ein Jahr später – schulfrei bekam. Naja, nach Florida und retour ist man halt auch nicht gerade in zwei Tagen, das Begräbnis fiel also sowieso aus und so sollte es eher eine Gedenkfeier werden. Ursprünglich war für uns erst eine kleine Reise im Süden als Familie geplant, und im neuen Jahr wollte ich meinen Sohn für ein paar Tage zu seiner amerikanischen Familie bringen – dorthin, wo auch mein Ex-Mann sein sollte.
Aber wie so oft kam alles anders: Mein Ex-Mann sagte kurzfristig ab und blieb doch in Österreich. Plötzlich lag es an mir, das Ganze zu regeln. Es fühlte sich irgendwie komisch an – immerhin hatte ich so gut wie keinen Kontakt mehr zu meiner „Ex-Familie“ und war nun mit meinem „neuen“ Mann und unserer Tochter unterwegs. Aber letztendlich sind wir alle nur Menschen, und es war halb so wild. Es ging ja nicht darum, wie ich mich fühle, sondern darum, dass mein Sohn auf beiden Seiten eine gute Basis hat. Also nahm ich
all meinen Mut zusammen und kontaktierte im Vorfeld meine Ex-Schwiegereltern (die ebenfalls getrennt sind) – jeweils einzeln.
Zuerst dachte ich, wir könnten vielleicht Silvester gemeinsam verbringen, aber wir waren noch in Islamorada und hätten 5,5 Stunden nach Plant City fahren müssen. Theoretisch machbar, aber praktisch? Wahrscheinlich hätten wir Mitternacht ohnehin verschlafen – also warum sich stressen?
Der Plan war daher, gemütlich über den Tamiami Trail nach Naples zu fahren und erst am nächsten Tag den ersten Verwandtschaftsbesuch einzuplanen.
Damals – vor gefühlten Ewigkeiten – stellte ich mir den Tag so vor: Ausschlafen 😅 , gemütlich frühstücken

, die Loop Road fahren 😅, viele Tiere sehen, die neu gebaute Raststation mit Aussichtsplattform besuchen, die ich in einem YouTube-Video gesehen hatte 😅, und dann am frühen Nachmittag in Naples ankommen. Dort wollten wir ein bisschen durch die Stadt schlendern, abends essen gehen – was mich immer noch etwas nervös machte, da wir keine Reservierung hatten – und vielleicht noch ein Feuerwerk anschauen. Wobei wir schon zu Hause wussten, dass das nichts wird: Das Feuerwerk war auf den 3. Jänner verschoben worden.
Gekommen ist es dann so:
Wir blieben bis zum Schluss unseres Urlaubs Frühaufsteher. Auf den Keys hielt uns nicht viel – es war ziemlich kalt, Frühstück gab es im Motel keines, also programmierten wir auf Wunsch der Kinder ein IHOP ins Navi. Mein Sohn hatte dort 2022 angeblich den besten French Toast ever gegessen – allerdings nicht in Homestead. Es war gut, aber man merkte schon, dass die Qualität von Location zu Location sehr schwanken kann. Aus dem gemütlichen Frühstück wurde außerdem auch nicht wirklich etwas – eigentlich hätten wir wissen müssen, dass es am 31.12. nicht ganz gechillt zugehen wird; das Lokal war proppenvoll.




Gestärkt ging es weiter Richtung Everglades. Wir fuhren an vielen großen Alligatoren am Straßenrand vorbei, wurden dann aber irgendwie an der ersten Einfahrt vorbeigelotst und landeten auf der weiter entfernten Seite der Loop Road, wodurch wir wieder in die entgegengesetzte Richtung gefahren wären. Zuerst dachten wir: Egal, fahren wir eben alles doppelt – wir hatten ja Zeit. Aber auch nach 20 Minuten passierte nicht viel: Die Landschaft blieb gleich, Tiere sahen wir diesmal kaum. Also beschlossen wir zu wenden – vielleicht würden wir ja doch noch die Raststation finden.
Natürlich kam auch das anders: Wir hielten stattdessen vorher auf einem kleinen Rastplatz – das war eine gute Entscheidung. Diesmal konnten wir Alligatoren im Wasser fotografieren, und mein Sohn entdeckte sogar eine Schlange, die er ziemlich cool fand. Es waren nur ein paar Leute dort, und einige von ihnen waren sehr kommunikativ. Ein netter Stopp – wo genau, kann ich leider nicht mehr sagen.

Wir vertraten uns ein wenig die Beine, stiegen wieder ins Auto und hielten noch bei einem Supermarkt für Snacks – ich meine, es war ein Publix, aber Fotos gibt es (mal wieder) keine, was ich jetzt sehr bereue, weil Einkaufen in Florida für mich genauso ein Programmpunkt ist wie jede andere Aktivität. Dort fühlt sich selbst das nach Urlaub an.
Relativ früh kamen wir bei unserem Motel, dem La Quinta Inn Downtown, an. Unsere Kriterien bei der Buchung waren simpel: günstig, zentral und sauber – und das hat das La Quinta absolut erfüllt. Außerdem konnten wir schon um 13:30 einchecken – perfekt für eine Zwischenübernachtung.
Ich hatte dieses Hotel, sowie das nächste in Clearwater, über Stayforlong gebucht und danach einige negative Berichte über die Buchungsplattform gelesen. Das kann ich allerdings nicht bestätigen – bei uns lief alles reibungslos, unsere Buchung war im System, es gab keine versteckten Kosten und wir wurden genauso freundlich behandelt wie jeder andere Gast, obwohl wir nur die Hälfte bezahlt haben von dem, was auf der Hotelwebsite ausgewiesen war.
Also rein mit unseren vier (!) Koffern ins Zimmer. Hier hinkte mein Plan ein wenig: In meiner Vorstellung hätten wir immer nur einen Koffer mitnehmen müssen, weil ich natürlich auch das perfekt organisiert hatte – NICHT.

Ich weiß, einige von euch reißen wahrscheinlich gerade erschrocken die Augen auf – wer lässt denn bitte sein Gepäck im Auto? Die Antwort ist: Ich. Ich kann mir einfach nicht vorstellen, dass jemand unser Auto wegen Koffern aufbrechen würde. Wir waren in unserem typisch gechillten Florida-Look unterwegs, nicht in Louis Vuitton, in unseren Koffern befand sich überhaupt nichts Wertvolles und noch dazu im Land der totalen Videoüberwachung.
Nur: Der Plan, wenig zu schleppen, ging ohnehin nicht auf. Am Ende wusste ich selbst überhaupt nicht mehr, was in welchem Koffer war. Immerhin hatte ich regelmäßig gewaschen – das war der einzige Vorteil: Am Ende hatten wir nur ein Gepäckstück voller Schmutzwäsche, der Rest war sauber und roch leicht nach Florida.
Die Kinder wurden wieder mal mit Eis überredet, spazieren zu gehen, der Jeep blieb stehen und wir liefen Richtung Downtown – einfach geradeaus, nur um einen Blick aufs Meer zu erhaschen.
Es war unglaublich viel los auf den Gehwegen, und ich machte mir immer noch Sorgen um unser Abendessen. Naples gefiel uns gut, und bei wärmeren Temperaturen hätten wir sicher noch mehr erkundet. Aber mein Schritteziel war ohnehin erreicht,

also zurück zum Hotel – mit einem Zwischenstopp beim Olive Garden gegenüber, um nach einer Reservierung zu fragen.
Keine Chance.
In meinem Kopf spielten sich schon Horrorszenarien ab – wie damals 2006 in Orlando, als wir ewig nach einem freien Tisch suchen mussten. Da war ich erst 18 Jahre alt, und man könnte meinen, so etwas hätte weniger Auswirkungen auf einen Teenager – scheinbar hatte sich das aber sehr fest in mir verankert.🫣
Uns wurde gesagt, wir sollten einfach zur gewünschten Zeit wiederkommen und es erneut versuchen.
Also gut: Kleid anziehen (mein einziges eingepacktes), Winterjacke drüber (sah wirklich seltsam aus) und los. Der Parkplatz war inzwischen gut gefüllt.
Und dann die Überraschung: Das Restaurant war riesig – und fast leer. Offenbar gingen die meisten lieber in teurere Restaurants in Downtown. Am Essen lag es jedenfalls nicht: Es war hervorragend, und wir lieben den „neverending Salad“.
Zur Feier des Tages gönnte ich mir ein Glas Prosecco. Die Kinder waren ebenfalls zufrieden und spielten auf den Self-Ordering-Devices.
Nach dem Essen war es noch kälter geworden, und wir hatten ohnehin nichts mehr vor. Also zurück ins Hotel – Wäsche waschen.
Irgendwo im Hinterkopf hatte ich plötzlich Gedanken an die Raunächte (obwohl ich mich damit gar nicht auskenne

). Ich ignorierte das, ließ mir an der Rezeption Quarters wechseln und startete die Waschmaschine. Währenddessen stießen mein Mann und ich noch auf das neue Jahr an – auch wenn es sich gar nicht nach Jahreswechsel anfühlte.
Dann kam eine Nachricht von der Tante meines Sohnes: Alle ihre Kinder seien da, und sie würden sich freuen, wenn ihr Neffe morgen eine Nacht bei ihnen verbringen dürfte. Der geplante gemeinsame Lunch morgen Mittag wäre damit hinfällig, und sie würde ihn am darauffolgenden Tag zurück nach Clearwater bringen.
Mein Mutterherz wurde schwer. So spontan, in einem fremden Land, meinen gerade mal zehnjährigen Sohn ALLEINE dort lassen?
Ich zwang mich zurück in die Realität: War diese Angst überhaupt begründet? Vielleicht ein bisschen. Also klärten wir alles:
„Willst du dort übernachten?“ – „UNBEDINGT!“
„Bleibst du erreichbar, wenn du WLAN hast?“ – „VERSPROCHEN!“
„Kommst du sprachlich klar?“ – Augenrollen – „EASY!“
Na gut. Abgemacht.
Und erstaunlicherweise hatte ich in dieser Nacht trotzdem ganz gut geschlafen.