Kokosnüsse und Kanonen - Französisch Polynesien 2024

Suse65

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Wieso denn Französisch Polynesien? Hatte es nach der Challenge mit dem Challenger nicht geheißen: Das selbe nochmal? Bevor man das richtige Auto nicht mehr bekommt, sondern nur noch die E-Version mit künstlichem Schaltgeruckel und Auspuffgeräuschen?

Ja, stimmt, so war der Plan. Als wir an unserem letzten Tag im April letzten Jahres am Ufer des Lake de Soto im Auto saßen, waren wir uns eigentlich einig: Florida 2024 – nach Key West sollte es gehen, wenn möglich wieder in einem Challenger.

Aber wieder zuhause erhielten wir wenig später eine Nachricht, die uns umdenken ließ. Denn es gibt, selbst für den Ehemann, eine Sache, deren Verlust die Reisefreude mehr trüben könnte als der des Challengers. Und das ist eine Insel im Nirgendwo.

Unsere erste Robinson-Experience starteten wir 2019 in Tonga auf einer weit entfernt von jeder Zivilisation gelegenen Insel namens Luahoko. Ich befürchte, so prognostizierte der Ehemann damals, das wird uns für alles andere versauen. Und genau so kam es. Wir wurden süchtig nach dem Leben auf einsamen Inseln. Noch Monate später betrachteten wir jedes Stück Holz am Wegesrand mit den Augen des Steinzeitmenschen: Wie lange brennt der Reisighaufen da vorn? Damit läßt sich sicher eine Kanne Kaffee kochen. Der Ast dahinten? Der reicht für einen ganzen Topf Reis.

Papayas direkt vom Baum pflücken, Kokosnüsse mit der Machete öffnen. Trinkwasser als kostbarsten Besitz schätzen lernen. Je nach Tageszeit, Windrichtung und Sonnenstand entscheiden, in welcher Himmelsrichtung man sich an einen der menschenleeren Strände legt. Wir lernten, den bevorstehenden Sonnenaufgang an den Geräuschen des Windes und der Wellen zu erkennen und die Tageszeit am Verhalten der Tiere abzulesen. Wir lebten vollkommen im Rhythmus der Natur. Es war ein Traum. Wenn wir gewußt hätten, daß die Zeit auf Luahoko ein einmaliges Erlebnis bleiben würde, hätten wir es vielleicht noch mehr genossen, sofern das überhaupt möglich war.

2022 wiederholten wir das Abenteuer in einer anderen Ecke des Pazifiks. Insel Nummer zwei hieß Motu Rani, gelegen in einer der schönsten Lagunen Französisch Polynesiens. Es war ein bißchen anders, aber genauso schön. Hier reiht sich ein Motu, Polynesisch für „Inselchen“, an das andere, alle unbewohnt. Zu Fuß von Motu zu Motu durchs knietiefe Wasser waten, durch menschenleeres Türkisblau bis zum Horizont.

Aber die Inseln der Südsee sind fragile Reiseziele. Alles hier, in der Nähe, oder, wie Tonga, direkt auf dem Pazifischen Feuerring gelegen, ist beständig von Naturkatastrophen bedroht. Zyklone, Tsunamis, Vulkanausbrüche. Luahoko erwischte es 2021, als der Hunga Tonga explodierte, ein in nur 90 Kilometern Entfernung gelegener submariner Vulkan.


Der hierdurch ausgelöste Tsunami vernichtete die Schutzhütten der Insel und auch einen Großteil der Vegetation. Nun erholt sich die Natur der Tropen ja schnell und wir hofften noch auf ein Wiederaufleben des Projektes.

Aber wir wurden enttäuscht. Offenbar lohnt es nicht, die Insel wieder aufzubauen. Zu wenige Menschen haben Interesse an dieser Art der Urlaubsverbringung und die Eigentümer trafen nun die Entscheidung, die Insel nicht wieder zu vermieten. Luahoko als Robinson-Insel ist Geschichte.

Es fällt nicht leicht, loszulassen und zu akzeptieren, daß wir Luahoko nicht wiedersehen werden. Naja, man merkt es sicher schon, ein bißchen ist es auch Teil des Prozesses, die Erinnerung daran hier nochmals niederzuschreiben.

So schön und für uns nun unerreichbar. Aber wie heißt es so schön: Dankbar sein, daß wir das überhaupt erleben und diese Insel ganze 10 Tage für uns allein haben durften:


Sprüche, Veränderungen akzeptabel zu machen und das Loslassen zu erleichtern, gibt es viele: Nichts ist beständig, außer der Veränderung. Panta rhei. So, wie urplötzlich ein Urgestein der US-amerikanischen Automobilindustrie sein Ende findet, so kann eine ganze Insel plötzlich außerhalb der Reichweite von fernwehgeplagten Touristen sein.

Es blieb uns Motu Rani. Aber nachdem wir nun die Nachricht aus Tonga bekommen hatten, fragten wir uns: Was, wenn auch diese Insel von ihren nicht mehr ganz jungen Eigentümern plötzlich aufgegeben würde? Alles, was auf dem Motu steht, haben sie mit eigenen Händen gebaut. Ob sie nach einem Tropensturm tatsächlich wieder von vorn beginnen würden? Der Gedanke ließ uns keine Ruhe mehr, daß wir am Ende wegen eines Autos die Chance vertun würden, noch einmal für eine längere Zeit ganz allein in einer lebendig gewordenen Fototapete zu leben.

Die Entscheidung fiel am Ende leicht. Florida geht immer, noch viele Jahre werden wir dorthin reisen können. Und gibt es dann keinen Challenger mehr, gibt es einen Mustang oder vielleicht einen schönen Cadillac. Der Möglichkeiten sind viele. Aber ein Motu Rani gibt es nur einmal.

Also starteten wir in die dritte Robinsonade.
 

Stubbi411

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Wow! Ich wusste gar nicht, dass es sowas in der Art gibt. Bin definitiv dabei und freue mich auf den Bericht.
 

Texelrita

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Oh Mensch wie traurig..... Aber beste Entscheidung und ich bin in jedem Fall wieder mit dabei, freu mich!
 

shorty1960

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Ich war schon von deinem letzten Reisebericht hin und weg, ich kann gar nicht anders als mitzulesen und zu träumen
 

voschwa

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Freue mich auf euren Bericht, der uns die Wartezeit auf Florida auf das Angenehmste verkürzt 🥰
 

Ron242

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Noch Monate später betrachteten wir jedes Stück Holz am Wegesrand mit den Augen des Steinzeitmenschen: Wie lange brennt der Reisighaufen da vorn? Damit läßt sich sicher eine Kanne Kaffee kochen. Der Ast dahinten? Der reicht für einen ganzen Topf Reis.
Herrlich:D…freue mich riesig über Euren Reisebericht!
 

Pemimae

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Diesen Reisebericht werde ich auf gar keinen Fall verpassen 🏖️ :giggle:
 
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Suse65

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Da freuen wir uns, daß Ihr noch Interesse habt an unseren Berichten. Bis wir auf die einsame Insel kommen, dauert es allerdings noch ein bißchen.

🏝️
 
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Es ist Ende Februar, als wir losfliegen. Kalt ist es draußen, aber wir kommen trotzdem bald ins Schwitzen, denn so schwer beladen wie diesmal sind wir überhaupt noch nie in den Urlaub gestartet.

In unserem Handgepäck haben wir alles dabei, was man sich an Film- und Fotoequipment nur ausdenken kann. Neben der Grundausstattung von zwei Smartphones plus einem Kindle-Reader haben wir zwei Foto- und zwei Videokameras dabei, davon eine für Unterwasseraufnahmen. Plus eine Drohne, die nur geliehen ist, und die zu fliegen wir kein einziges Mal geübt haben. Das wird noch spannend. Dazu so viele Powerbänke wie erlaubt sind, um das alles später laden zu können, wenn wir keinen Strom mehr haben werden.

In meinem Koffer befindet sich neben Schnorchelzeugs und relativ wenig Kleidung noch eine üppige Ausstattung an Würzmischungen und Tütensuppen. Der Ehemann hat sich nach dem letzten Motu Rani-Aufenthalt über die Eintönigkeit des Essens beschwert. Die Ernährung auf Inseln ohne Kühlschrank ist tatsächlich ein Thema für sich, und daher habe ich so gut es geht vorgesorgt.

All das vorzubereiten war schon auch anstrengend. Wir waren beide erst vor wenigen Wochen stark erkältet und sind gerade so eben rechtzeitig wieder fit geworden. Auf dem Zubringerflug kann man sich kurz zurücklehnen, aber schon bei der Zwischenlandung in Paris wird es wieder stressig.

Wir landen am weit abgelegenen Terminal 2G, wo die innereuropäischen Flüge meist ankommen, und verpassen den ersten Shuttlebus zum internationalen Terminal, weil wir beide aufs Klo müssen. Der nächste Bus kommt erst 10 Minuten später, jetzt wird es schon eng, die Umsteigezeit war ein bißchen knapp bemessen. Die Stimmung ist angespannt. Aber wer sich in 2G nicht aufs Klo getraut hat, ist jetzt in 2F halt aus anderen Gründen angespannt.

In der Boardingschlange vorm Langstreckenflug tippt mir jemand von hinten auf die Schulter. Eine Amerikanerin vertraut mir ihr umfangreiches Handgepäck an, was schon zeigt wie dringend es ist. Sie erklärt mir, ihre Tochter sei wohl irgendwo an den Süßigkeitenautomaten versackt, wo sie doch eigentlich nur eine Flasche Wasser holen sollte, und komme nicht zurück. Sie könne jetzt aber beim besten Willen nicht länger warten. Kaum ist sie weg, erscheint die Tochter. Genau wie die Mutter vermutet hat, die Arme voller Nestlé- und Kinder-Süßigkeiten, vermutlich all das, was sie in den USA so schnell nicht wieder bekommt. Zur Strafe verfällt sie kurz in Panik, als sie ihre Mutter in der Schlange nicht finden kann und eine Fremde mit ihren Taschen hantieren sieht.

An Bord wird es nicht gemütlicher. Neben mir ein Franzose, der strikt darauf achtet, daß man nicht in seinen Tanzbereich eindringt. Regelrecht aggressiv wird er, als die Dame vor ihm die Sitzlehne zurückstellt. Es eskaliert so weit, daß die Stewardess schon kurz nach dem Start anrücken und schlichten muß. Es ist tatsächlich das erste Mal, daß ich so einen offenen Aggressionsausbruch mit Anbrüllen und mit Fausthieben gegen den Vordersitz erlebe. Bißchen komisch ist mir schon. Dreist ist er außerdem, er hat gar keine Hemmungen sich mit übergeschlagenen Beinen breit zu machen. Im Laufe des Fluges erwische ich ihn, wie er seinen schmuddeligen großen Zeh hinter den Gummizug der Tasche in meinem Vordersitz klemmt. Zur Strafe krame ich ein bißchen in der Tasche herum und lasse den Verschluß ein paarmal schnappen, danach läßt er das.

Wir fliegen mit Air France nach Los Angeles, und ich bin wieder einmal nicht enttäuscht. Was dem Deutschen sein Wald ist dem Franzosen sein Mampf. Das Essen war hier noch nie wirklich schlecht. Und während wir mit der Zeit in einer endlosen Dämmerung nach Westen fliegen, bauen sie vor den Toiletten Wagen mit Leckereien und Getränken zur Selbstbedienung auf. Da gibt es kleine Kuchen mit flüssigem Schokokern, Babybel und Ritz-Cracker sowie eine endlose Auswahl an Getränken. Es gibt Leute, die verbringen den gesamten Flug hier in einer 11stündigen Stehparty.



In Los Angeles ist es Nacht geworden bis wir durch die Immigration sind und unsere Koffer haben. Es ist ja erst Ende Februar und es ist kalt und regnet. Wir finden den Shuttlebus zum LAXit und sitzen wenig später im Taxi. Unser Fahrer, ein junger Mann, der sein Taxi mit Heiligenbildchen dekoriert hat, reagiert in keinster Weise, als wir ihm die Adresse sagen. Normalerweise gab es hier schon zu Beginn der Fahrt immer dumme Sprüche, weil das Motel so nah liegt, daß wir die Minimum Fare nicht überschreiten. Bei Ankunft stocken wir die 21 Dollar auf 25 auf, aber 4 Dollar Tip sind ihm wohl zu unchristlich. Kofferraum ist offen, sagt er knapp, und bleibt sitzen.



Da sind wir also wieder in unserer Travelodge. Ein einfaches Motel am Pacific Coast Highway, nah am Flughafen, in El Segundo. Wir wohnen jetzt zum dritten Mal hier und mögen die kleine Anlage, die irgendwie einen Dorfcharakter hat. Die Umgebung bietet alles, was wir für einen entspannten Urlaubseinstieg brauchen, eine Tankstelle mit angegliedertem Mini-Supermarkt und ein Chick-Fil-A-Restaurant gegenüber.



Wir bekommen unser Wunschzimmer nah an der Tankstelle. Die Zimmer sind geräumig mit Kingsize-Bett, großem Fernseher und Badewanne, ziemlich neu renoviert, alles tiptop, was will man mehr. Endlich wieder in den USA, dem Land, in dem alles auf Komfort und Bequemlichkeit ausgerichtet ist! Bezüglich der Nahrungsmittelbeschaffung herrscht bei uns Aufgabenteilung: Der Ehemann geht zur Tankstelle für Getränke und Snacks und ich später zum Chick-fil-A, um ein richtiges Abendessen zu besorgen.



Draußen prasselt der Regen an die Scheiben, die Kissen sind zahlreich und weich, im Fernsehen laufen in Endlosschleife Road Rage-Clips und Neighborhood-Wars, es ist total gemütlich. Ich schlafe ziemlich bald ein und dann 10 Stunden durch.

Weil es uns hier so gut gefällt und wir das so erholsam finden, hier zum Urlaubseinstieg ein paar Tage abzuhängen, haben wir wieder drei Nächte gebucht. Letztes Mal haben wir das Zimmer kaum verlassen, da wir für die Weiterreise nach Französisch Polynesien noch einen negativen Corona-Test brauchten und uns daher nicht unter die Leute getraut haben. Das soll diesmal anders werden.

Wegen des Wetters haben wir uns zuvor keine Sorgen gemacht, ab dem nächsten Tag ist nur noch wolkenloser Himmel vorhergesagt. Als wir aufwachen, strahlt die Sonne. Frühstück holen wir von der Circle K nebenan.

Erinnert sich noch jemand an das halb verblasste Schild von vor zwei Jahren?



Weshalb hier nur die Seychellen parken dürfen, hat sich jetzt geklärt. Das vor zwei Jahren noch renovierungsbedürftige Nachbargebäude hat sich herausgeputzt und man glaubt es kaum: Die Seychellen wurden hier gegründet! :LOL:



Mit den Inseln hat das hier aber nichts zu tun. Das Gebäude ist der Hauptsitz eines Schuhhandels. 😉



Da wir niemals das kostbare Equipment in einem Motel allein zurücklassen würden, aber auf einem simplen Spaziergang auch nicht alles mitschleppen wollen als würden wir die Antarktis erkunden und nicht nur ein Wohngebiet in El Segundo, gehen wir nacheinander eine Runde um den Block.



Die Straßen sind gesäumt von kerzengeraden Washingtonias, der Anblick ist so typisch für Los Angeles. Sie sehen so elegant aus mit ihren langen, dünnen Stämmen. Die Gegend wirkt insgesamt harmlos, ein Wohngebiet, dessen schlichte Häuser vermutlich gut darüber hinwegtäuschen, daß das hier eine teure Gegend ist. Die meisten Häuser sind Bungalows mit üppig bepflanzten Vorgärten, häufig im mediterranen Stil mit vielen Fenstern. Dazwischen niedrige Wohnblocks. Einen halte ich aufgrund des Retro-Schriftzuges, der ihn als „The Executive House“ kennzeichnet, zunächst wegen der Form und der Gestaltung für ein echtes Dingbat, später fällt mir aber ein, daß der erste Stock, der aus Sicht eines Amerikaners ja der zweite wäre, dazu auf Stelzen stehen und darunter Autos parken müßten.



Überhaupt denke ich, daß es mir mit Los Angeles ein bißchen so geht wie früher mit Miami. Auf den ersten Blick nicht so interessant, wenn man von der Filmindustrie mal absieht. Aber je länger man sich damit beschäftigt, desto spannender wird es. Schon architektonisch gibt die Stadt unglaublich viel her. Allein schon die Case Study Houses mal zu sehen, oder all das, was Frank Lloyd Wright hier gebaut hat. Vielleicht sollte man jedesmal ein paar Tage bleiben und etwas davon anschauen.

Von unserem Motel aus wäre man in einer guten halben Stunde auch am Strand. El Segundo- und Manhattan Beach liegen hier, wenn man immer geradeaus nach Westen geht. Aber das sind nicht die Strände, die mich interessieren. Für morgen steht erstmal das Los Angeles-Einsteigerpaket auf dem Programm: Stadtrundfahrt!
 

Texelrita

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Suse, du kannst so schön bildhaft schreiben und ich bin voll dabei. Genau was du sagst mit den kleinen Details, hierfür nimmt man sich oft einfach keine Zeit. Ein Freund, der in SFO lebt hat von seinem Doc 5000 Schritte nach dem Essen verordnet bekommen und seitdem bekommen wir die tollsten Detailfotos rund um den Dolores Park. Sehr schön, dass du uns so aufmerksam berichtest, top!
 
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Suse, du kannst so schön bildhaft schreiben und ich bin voll dabei. Genau was du sagst mit den kleinen Details, hierfür nimmt man sich oft einfach keine Zeit. Ein Freund, der in SFO lebt hat von seinem Doc 5000 Schritte nach dem Essen verordnet bekommen und seitdem bekommen wir die tollsten Detailfotos rund um den Dolores Park. Sehr schön, dass du uns so aufmerksam berichtest, top!
:) Dankeschön.

Ich war ja Anfang Juli mit meiner Mutter in San Francisco. Was für eine tolle Stadt, wenn ich Zeit finde, erzähle ich davon noch. Wo Dolores Park ist, muß ich jetzt erstmal gucken, aber ich kann mir schon vorstellen, daß es sich generell in San Francisco gut spazierengehen läßt. Wir waren schwer begeistert von der Stadt.
 
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Weil so eine Stadtrundfahrt aber 8 Stunden dauert, hat der Ehemann gestreikt. Er legt sich an den Pool, läßt sich die Sonne auf den Bauch scheinen und hütet die Kameras. Es hätte auch Halbtagstouren gegeben, aber da hätte das gefehlt, was mir an einer Ersterkundung der Stadt am wichtigsten war: Die Strände von Santa Monica und Venice.

Mag sein, daß ich mir zu romantische Vorstellungen mache. Ganz sicher sogar. Aber egal, denn hier hat das seinen Ursprung, was mir seit meiner Jugend musikalisch etwas bedeutet hat.

Vom zeitgenössischen Musikgeschmack meiner Jugend war ich mit wenigen Ausnahmen weit entfernt. Während der Rest zur Neuen Deutschen Welle tanzte, hörte ich die Alte Welle, Motown, Northern Soul und Ska. Daß ich selten jemanden fand, der mich aus Mitleid zu einem Konzert begleitete, war eher kein Problem, denn die meisten meiner musikalischen Idole waren sowieso schon tot.

Aber zuallererst und am allerliebsten hörte und höre ich bis heute ich Surf Musik. Ohne weiteres Interesse am Surfen an sich, ein Sport, den ich zwar faszinierend, aber auch beängstigend finde. Wobei das gar keine Rolle spielt, da die meisten Vertreter der Surfmusik selbst nie groß gesurft sind. Soweit ich weiß, hat nur ein einziger Beach Boy jemals wirklich auf einem Brett gestanden. Das, was das Surfen als Lifestyle zur Popkultur machte, spielte sich ohnehin eher an den Stränden ab. Und da will ich nun hin.

Als Touranbieter habe ich mir A Day in LA-Tours ausgesucht. Die sind günstig, bieten Hotelabholung und sind bekannt und beliebt genug, daß auch garantiert jeden Tag eine Tour stattfindet.


Ich werde als erste abgeholt. Der Fahrer ist super pünktlich und sehr nett, ein Dampfplauderer erster Güte, aber das muß er wohl von Berufs wegen auch sein. Gottseidank kann ich ihn gut verstehen.

Der Kleinbus füllt sich nach und nach. Als alle eingesammelt sind, eröffnet er die Tour mit einem kleinen Kennenlernspielchen, wer denn wohl von am weitesten her gekommen sei. Schon während er das sagt, fällt sein Blick auf mich, weil ich, die ich morgens als erste eingestiegen bin, mir natürlich den besten Platz ganz vorn mit Blick durch die Windschutzscheibe ausgesucht habe.

Das Kennenlernspielchen ist damit gleich wieder gestorben, denn natürlich habe ich mit „Börlin, Tschörmäni“, direkt gewonnen. Oh und Ah, macht es von weiter hinten, denn der Rest sind Amerikaner. Aus Florida ist aber niemand dabei.

Ein Grund, A Day in LA-Tours zu wählen war, daß der Fahrer während der Fahrt seine Moderation absolviert und man an den Ausstiegspunkten allein herumgeht. Das gefällt mir so, weil ich dann besser genießen kann, was ich sehe, als wenn ich einem Reiseleiter zuhören und hinterherlaufen muß.

Für Nicht-Muttersprachler wie mich wird die Abfahrtszeit nicht nur genannt, sondern auch auf ein kleines Whiteboard geschrieben, das dann in der Windschutzscheibe steht. Das finde ich originell und nützlich, es vermeidet Mißverständnisse. Wasser darf man sich aus einer Kühlbox nehmen soviel man möchte.

An jedem Haltepunkt hat die Firma offenbar einen Deal mit einem strategisch gut gelegenen Unternehmen gemacht, hier darf der Bus stehen, wo normalerweise ein Halteverbot ist. Wir haben an keinem Punkt erst einen weiten Fußweg zurückzulegen bis wir am eigentlichen Ziel sind.
Als wir aus der Flughafenzone heraus sind, passieren wir die Marina del Rey, aber nur im Vorbeifahren, das ist kein Teil der Tour.



Je näher wir den Stränden kommen, desto mehr gefällt es mir. Die Häuser sind ein bißchen abgewohnt, viele Pflanzen und Lichterketten, Surfbretter im Vorgarten und auf den Ladeflächen der Autos. Abgesehen von den Surfbrettern hat es stellenweise etwas von Key West.



In Santa Monica parken wir vor einem Restaurant. Einmal über die Straße und dann haben wir den direkten Blick auf die Seebrücke. Die Gruppe läuft schnell auseinander, alle eilen aufs Pier, ich bleibe eine Weile an der etwas verödet aussehenden Sandfläche mit ein paar Geräten und einem Spielplatz zurück. Das hier ist der originale Muscle Beach, der lange vor dem in Venice existierte.



Hier, so sagt man, wurde der Grundstein für den Körperkult gelegt, der an den Stränden von Los Angeles gepflegt wird. Hier trainierten die ersten Body Builder öffentlich, bis es den Anwohnern im gediegenen Santa Monica wohl zuviel wurde und man die ganze Chose Ende der 50er Jahre ins unkonventionellere Venice verlegte.

Der Pier selbst ist spannender. Hier ist der Endpunkt der Route 66, oder der Beginn, je nachdem. Es gibt jede Menge Souvenir- und Freßbuden, und weil alles aus rustikalen wuchtigen Holzplanken besteht, wirkt es auch sehr original und historisch.



Man hat einen tollen Blick über den Strand und die Hügelketten, die sich nach Norden ziehen. Am Pazifik scheint es immer dunstig zu sein, das Licht ist irgendwie gefiltert und gibt der Landschaft etwas Geheimnisvolles. Man möchte sofort den Pacific Coast Highway entlangfahren, wenn man das sieht. Irgendwann mache ich das auch.



Auf dem Pier steht eine Familie aus meinem Bus. Ein untersetzter Vater, eine fein herausgeputzte Mutter, die aussieht, als habe sie Haare auf den Zähnen, und zwei sehr wohlerzogen und adrett aussehende Teenager-Töchter. Die Familie kommt mir irgendwie bekannt vor, also nicht, weil wir im gleichen Bus sind, sondern so grundsätzlich irgendwie. Später komme ich drauf. Ich mag zwar die Musik der 80er Jahre überwiegend nicht gehört haben, aber die Serien habe ich sehr wohl gesehen. Sie sehen der Familie aus „Alle unter einem Dach“ fast schon lächerlich ähnlich, es fehlt eigentlich nur ein Steve Urkel, der ihnen hinterherläuft.

Sie machen abwechselnd Fotos von den jeweils anderen dreien. Ich gehe also mal hin und biete an, sie alle zusammen zu knipsen. Sie freuen sich, bis auf die Mutter, die das pure Mißtrauen im Blick hat. Wahrscheinlich hält sie mich für eine Trickdiebin, die gleich mit dem Smartphone davonrennen wird. Der Vater erinnert sich aber an mich, ich bin ja die aus Deutschland. Und jetzt dürft Ihr exakt einmal raten, ob die Familie irgendeinen Bezug zu Deutschland hat.

Natürlich haben sie. Der Vater hat eine Schwester im Saarland. Einmal war er da und hat sie besucht, schön sei es da. Ja, und man ist so schnell in Frankreich, sage ich. Da gucken sie groß, das ist ihnen wohl damals entgangen. Eine erneute Reise nach Deutschland sei sogar geplant, nach München, das solle doch so schön sein. Ich bestätige das und sage, daß Berlin aber auch mal eine Reise wert sei. Eigentlich sind mir ja normalerweise schon zuviele Touristen hier, aber die beiden Töchter sehen aus, als könnten sie mal ein bißchen Chaos in ihrem Leben gebrauchen.

Nach dem Pier geht es weiter nach Venice. Der Bus hat ein großes Oberlicht, wir halten direkt unter dem Venice-Schriftzug, der über der Straße hängt, damit wir ihn alle fotografieren können, ich kriege ihn aber trotzdem nicht ganz drauf. Der Bus darf vor dem Eingang eines Hostels parken, direkt dahinter beginnt die Strandpromenade.



Der hiesige Muscle Beach entstand Anfang der 60er Jahre und ersetzte schnell den alten von Santa Monica. Und lange vor Arnold mischten sich die echten Surfer mit den Strandbesuchern, die nur so peripher an dem Sport teilhatten.

Ein eigenes Musikgenre entwickelte sich und trug zu dem wachsenden Hype bei: Surfmusik. Die war im Ursprung rein instrumental und sehr gitarrenlastig. Als Dick Dale, der König der Surfgitarre, berühmt wurde, waren die Beach Boys noch die Pendletons und sangen sanfte Liebeslieder, aber die Sache entwickelte sich schnell zu einer Westküsten-Popkultur, und das lag an Filmen wie Muscle Beach Party.


Die Serie der Strandfilmchen waren eher seicht, ungefähr so wie das, was Conny Froboess und Peter Kraus zeitgleich im Nachkriegsdeutschland so ablieferten. Daß sie so erfolgreich wurden, lag vor allem an der Hauptdarstellerin, Annette Funicello. Nach amerikanischen Maßstäben war sie eine frühe Britney Spears, schon als Kind ein „Mousketeer“ im Disney Club und von daher mit einer riesigen Fangemeinde versorgt, die sie in die Surfmusikszene mitbrachte. Und so dümmlich die Drehbücher auch gewesen sein mögen, die Besetzung war erstklassig, neben Surfmusik-Urgestein Dick Dale hatte auch ein aufstrebender Künstler mit dem Namen Little Stevie Wonder seine Auftritte.

Die Singleauskopplungen wurden Hits, vor allem der Titelsong. Nicht unverdient, der Text ist zuhörenswert selbstironisch.


Die Filme formten das Bild, das der nicht surfende Rest der Welt von der Westküste hatte: Ein Endless Summer, die angeblich schönsten Mädchen der Welt, Männer, deren Wuschelköpfe den Übergang zur Hippie-Kultur einleiteten und den Militärdrill verhöhnten, und die in ihren Woodys genannten Pritschenwagen voller Surfbretter an den Strand fahren.

Diese ganz spezielle Popkultur mit ihrer eigenen Sprache und Musik fand in den Siebziger Jahren ihr Ende. Die Beach Boys freundeten sich mit den Beatles an und teilten sich den selben Guru. Surfmusik wurde spirituell und transzendent.



Nun stehe ich hier, an dem Ort, an dem das alles stattfand, und versuche den Spirit der unschuldigen 60er Jahre irgendwie zu erfühlen. Die Wände sind voller Murals, ein paar California Girls führen ihre Alabasterkörper spazieren. In den Käfigen trainieren sogar zwei Muskelprotze, und nebenan findet ein Modeshooting für Sportkleidung statt. Ich laufe ein bißchen herum, fotografiere die Wandmalereien und erkenne ein paar Drehorte wieder, die ich erst jetzt im Flugzeug im Barbie-Film gesehen habe.



Der Strand selbst ist gigantisch breit und endlos lang, in der dunstigen Ferne liegt der Pier von Santa Monica. In dem Moment will sich irgendein ehrfurchtsvolles Gefühl irgendwie nicht einstellen, aber hinterher ärgere ich mich, daß ich nicht doch ein bißchen Sand für zuhause mitgenommen habe.



Insgesamt wirkt alles sehr kommerzialisiert, aber so eine Entwicklung bleibt eben nicht aus, wenn ein Ort bis heute Kultstatus hat. Arnold Schwarzenegger hat hier am Muscle Beach öffentlich trainiert und wer kann all die Filme zählen, die hier gedreht wurden. Und letztlich hat es ja auch sein Gutes, daß immer wieder Neues entsteht, denn wer weiß, ob Surfmusik nicht längst vollständig aus der kollektiven Erinnerung verschwunden wäre, hätte es diese Filmszene nicht gegeben:

 
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Wir verlassen die Strände und fahren Richtung Downtown. Schon allein am Santa Monica Boulevard gibt es so viele, zum Teil nicht mehr existente Orte, von denen unserer Fahrer irgendwas zu berichten weiß, daß mir der Kopf schwirrt. Es hat auch nicht unbedingt die gleiche Bedeutung für mich als Nicht-Amerikanerin, wie für die anderen im Bus, die mit den Namen irgendwelche nostalgischen Fernseherinnerungen ihrer Kindheit verbinden, von denen ich aber noch nie gehört habe. Ich finde aber gerade das auch irgendwie interessant, zuzuhören, welche Begeisterung manches bei den Amerikanern auslöst.



The House, that Nat built: Capitol Records

Nach Downtown fahren wir über die Interstate 10, die genau hier eginnt. Ich werde direkt ein bißchen nostalgisch, denn die I10 führt ja direkt an Lake City vorbei bis nach Jacksonville.

Wir fahren an den großen Filmstudios und dem Hauptsitz von Netflix vorbei auf den Sunset Boulevard und weiter zum Farmers Market zum Mittagessen. Das ist schon spannend, vorbei am Rainbow und dem Viper Room. Die Metalheads in meinem Freundeskreis haben zu den Bildern in meinem Whatsapp-Status abends jede Menge Anmerkungen.



Am Farmers Market ist eigentlich nichts wirklich Originales mehr, eine Aneinanderreihung von Freßbuden und Souvenirgeschäften. Da ich nach der geistigen Beschäftigung mit Surfmusik nun sowieso schon Misirlou aus dem Pulp Fiction-Vorspann als Ohrwurm habe, bestelle ich mir passend was Libanesisches zu Essen, Shawarma mit Hummus, sehr lecker, aber auch irre teuer.

Um ihn hier mache ich einen großen Bogen.



Wer nicht weiß warum, ist definitiv deutlich nach 1980 geboren und ahnt nicht, was passieren kann, wenn man sich da was Falsches wünscht. 😉


Stinklangweilig finde ich den Rodeo Drive. Da spielt vielleicht auch ein bißchen unbewußte Überheblichkeit als Europäerin mit hinein. Im Vergleich zu Einkaufsstraßen in der alten Welt ist mir das hier nix.



Keine gut gekleideten Frauen, keine filmstarmässigen Männer, aber es gibt auch sowieso keine Cafés zum Sitzen und „Leute gucken“.



Die Straße wirkt leblos und künstlich auf mich, in jedem Eingang ein quadratisch aussehender Sicherheitsmitarbeiter mit verschränkten Armen. Einladend ist das nicht. Ab und zu ist die Dekoration ganz originell:



Am Griffith Observatorium bin ich aber wieder schwer begeistert.



In die eine Richtung hat man den Blick auf das Hollywood-Schild




in die andere Richtung über Downtown Los Angeles.



Das Observatorium selbst ist interessant, selbst wenn man nichts von der Thematik versteht. Man kommt auch sehr nah an das eigentliche Teleskop heran.



Naja, und dann ist ja da noch die Tatsache, daß man vermutlich über den selben Asphalt wandelt, über den dereinst James Dean schon lief.



Den Abschluß bildet die Avenue of Stars. Ich bin gespannt, ob man hier auch deutsche Stars verewigt findet. Die Antwort bekomme ich umgehend, direkt als ich aus dem Bus steige, trete ich mitten auf den Stern von Lilli Palmer. Da habe ich sofort die Stimme meiner Oma im Ohr: „Die Palmer kann überhaupt nicht schauspielern, die spielt immer nur sich selbst!“



Danach geht es in den Sonnenuntergang hinein zurück zu den Hotels und Motels. Ich bin hochzufrieden. Ich war in Venice Beach und bin auf den Spuren der Beach Boys unterwegs gewesen. Die Alle unter einem Dach-Familie defiliert beim Ausssteigen an mir vorbei und bedankt sich nochmal für die Foto auf dem Pier. Sehr höfliche Leute. Überhaupt eine sehr nette Tour. Und für ganz Doofe gibts dann auch die Anleitung, wie man sich dafür erkenntlich zeigen kann:



Ich bin wieder die letzte, die abgesetzt wird und dementsprechend spät im Motel. Der Ehemann hat den Tag am Pool verbracht und berichtet, was tagsüber in der Travelodge-Welt so los war. Er freut sich, denn ein Challenger parkt im Hof.



Da kann ich mithalten, denn eines der Highlights von Venice Beach habe ich auf Foto mitgebracht:



Es war natürlich nicht unser Mietwagen vom letzten Jahr, hätte es optisch aber sein können.

Am letzten Abend gönnen wir uns wieder ein Chick-fil-A und ausgiebige Road Rage-Videosendungen, und dann geht es ans Kofferpacken.
Da die Flüge nach Papeete eigentlich immer Nachtflüge sind, haben wir uns einen Late Checkout gegönnt. Am späten Nachmittag bringt uns der Shuttle der Travelodge zum Flughafen.

Wir verbringen die Wartezeit im Food Court und der Ehemann kauft einen kleinen Kühlschrankmagneten, einen gelben Käfer mit Surfbrett auf dem Dach. Die perfekte Erinnerung an die drei Tage hier. Dann halten wir uns so ein Elektromobil an, das uns zum weit entfernten Gate bringt. Da gucken wir dann doof aus der Wäsche. Wir haben wieder einmal vergessen, daß es hier einen weiteren Food Court gibt, in dem viel weniger los ist als in der großen Halle. Nun ist es zu spät, jetzt sind wir satt.

Der Weiterflug ist erneut mit Air France. Angenehme Überraschung an Bord ist, daß in unserer Dreierreihe ein Platz frei bleibt. Wir haben es super gemütlich und breiten uns aus. Schön war es wieder in Los Angeles, wir sind jetzt schon tiefenentspannt, bevor der eigentlich Urlaub überhaupt erst beginnt.



Während die glitzernde Stadt mit der Marina del Rey unter uns zurückbleibt, freuen wir uns direkt schon ein bißchen auf die zwei Tage, die wir hier auf der Rückreise bleiben werden. Wir hätten es nicht gedacht, aber wir mögen Los Angeles jedesmal ein klein bißchen mehr.

 
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Auf gehts in die Südsee:



Wenn Los Angeles auch sonnig war, war es dennoch kühl, und wie jedesmal ist der Schock riesig. Die tropische Schwüle trifft einen wie eine Faust ins Gesicht.



Und wie immer landen die meisten internationalen Flieger ziemlich zeitgleich in Papeete, so daß man lange vor der Paßkontrolle anstehen muß. Währenddessen kämpfen wir darum, so viel Kleidung wie möglich abzulegen, während wir das Handgepäck mit den Füßen um die Vitrinen des Tahiti-Museums herumschieben. Der Ehemann holt sich hier schon mal Inspiration, denn die heimische Sammlung soll um mindestens ein, wenn nicht zwei Tikis erweitert werden.

Tahitianische Musik und Tanz begleitet uns und spätestens jetzt ist jedes Bedauern, daß der Traum von Tonga geplatzt ist, verschwunden. Wir sind einfach nur glücklich, wieder hier zu sein.



Die traditionelle Begrüßung in Polynesien, den Ankommenden Blumenketten, Leis, umzuhängen, wird einem heutzutage nur noch zuteil, wenn man eine Unterkunft gebucht hat, die das auch praktiziert. Bei uns ist es die lokale Reiseagentur, die uns so begrüßt und uns sämtliche Voucher und Fährtickets überreicht.

Wir wohnen wieder im Fare Suisse, dem Schweizer Haus, das seinen Namen dem Schweizer Betreiber verdankt, der auch als Honorarkonsul für Deutschland, Österreich und die Schweiz fungiert. Thérèse, die Inhaberin, holt uns ab. Sie erinnert sich auch an uns und sagt, sie habe wieder unser Lieblingszimmer für uns reserviert.



Die Zimmer hier tragen Namen polynesischer Inseln, Fatu Hiva heißt unseres, das ist eine Insel der Marquesas. Auf Fatu Hiva selbst waren wir zwar noch nie, aber das Zimmer mochten wir besonders. Es liegt im zweiten Stock und hat aufgrund seiner Randlage einen eigenen kleinen Balkon vor der Tür. Da kann man schön sitzen und über den Garten und einen Teil des Hafens gucken. Wenn man ein W-LAN-sensibles Handy hat, hat man sogar bis hier oben Netz. Andere müssen dazu runter ins Restaurant.

Trotzdem der Flug dank üppigen Platzangebots relativ gemütlich war, sind wir doch ziemlich durch. Es ist heiß und die Luftfeuchtigkeit enorm, daran müssen wir uns erst gewöhnen. Aber wir sind nicht zu müde fürs Frühstück. Das vom Inhaber persönlich gebackene Brot in der Pension ist legendär, ebenso der Bananenkuchen.

Die Atmosphäre ist entspannt, die lebende Deko kümmert sich nicht um die das Buffet belauernden Hühner. Wir mögen das, es ist witzig zu beobachten, wie sie sich immer wieder heranpirschen, um von einer wachsamen Mitarbeiterin vertrieben zu werden. Ganz selten schaffen sie es mal, ein Stück Kuchen zu ergattern. Von Thérèse wissen wir, daß allerdings nicht alle Gäste das Ländliche schätzen und es ab und zu Beschwerden gibt wegen der Hühner.



Viel ausrichten können die Gästehäuser hier dagegen nicht. Die Hühner sind niemandes Besitz und vermehren sich unkontrolliert. Auf allen Inseln sind sie zum Teil eine wahre Plage.

Abends essen wir Pizza im Fare Suisse. Es gibt ein paar Änderungen, und eine ist überraschend. Beni und Thérèse haben die Speisekarte aufgemöbelt. Neben Pizza und Schweizer Känsefondue gibt es jetzt eine Biergartenkarte mit Currywurst, Kartoffelsalat und Krombacher. Irgendwie komisch, Kartoffelsalat, über 15.000 Kilometer von Deutschland entfernt. Aber bei den Polynesiern scheint das Konzept aus europäischer Küche gut anzukommen, sie kommen gern zum Feiern hier her.

Es ist nicht die einzige Neuerung. Das Fare Suisse gibt nun einen eigenen kleinen Hausprospekt heraus, in dem sich auch viel Informatives über die Stadt Papeete findet. Den führen wir uns abends auf unserem kleinen Balkon zu Gemüte und finden ihn ausgesprochen nützlich, da steht tatsächlich einiges, das man vielleicht so in Reiseführern nicht findet. Es wird am Ende der Hausprospekt sein, dem wir die größte Entdeckung des Urlaubs verdanken.

Da wir hier nur zwei volle Tage zur Verfügung haben und einer davon ein Sonntag ist, müssen wir morgen unbedingt los auf Shoppingtour. Ich möchte ins Art’Griculture, wo man wirklich schöne, im Land gefertigte Souvenirs bekommt, und der Ehemann auf den städtischen Markt, wo es das richtig authentische, traditionelle Kunsthandwerk gibt, große Auslegerkanus und Tikis aus Holz und Stein.

Den Jetlag haben wir am Folgetag weitestgehend hinter uns. Mit dem Fare Suisse-Stadtplan in der Hand latschen wir los, aber in der Hitze ist es trotzdem mühselig. Erste Etappe daher wie immer der Parc Bougainville, ungefähr auf halber Strecke bis zum ersten Shopping-Ziel.



Der Park ist klein und liegt direkt an dem Boulevard der Königin Pomare. Hier kann man schön im Schatten sitzen und hat dennoch einen guten Blick auf den belebten Boulevard und die Kreuzfahrtschiffe im Hafen auf der anderen Seite. Ein paar Hähne tragen Territorialstreitigkeiten aus und um uns herum sitzen eigentlich nur Einheimische, die das selbe tun wie wir: Im Schatten sitzen und auf das Denkmal von Herrn Bougainville starren, dem der Park seinen Namen verdankt.

Taugt auch als Ausguck: Monsieur de Bougainville



Die Büste wird gesäumt von zwei Kanonen, die von Kriegsschiffen aus dem ersten Weltkrieg stammen. Während der Ehemann ein paar Fotos macht, lese ich spaßeshalber mal so ein bißchen im Hausprospekt des Fare Suisse, in dem der Park auch erwähnt wird.

Sag mal, sage ich, als er mit der Kamera in der Hand zurückgetrabt kommt, warum steht hier eine Kanone eines deutschen Kriegsschiffs namens Seeadler? Weißt Du was dazu?

Ich habs noch nicht ausgesprochen, da sprintet er schon zur Infotafel an der Kanone, die wir uns, zugegebenermaßen, bislang noch nie durchgelesen haben. Hö? Denke ich, warum ist er denn jetzt so aufgeregt?
 
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bens2613

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Ohweh, das ist wieder so ein Reisebericht, wo mir der Mund offen stehen bleibt.
Mega.
Das kann ja wieder was werden, euch zu begleiten. Sehnsuchtspflege Deluxe, uff.

Du bist doch ne Buchschreiberin, oder? Du schreibst einfach herrlich.
Danke dafür!

Bin sehr gespannt, auf die nächsten Seiten deines Werkes. Wird ein Bestseller, glaub mir.

viele liebe Grüsse, dein Fan Corinna
 
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