Ukraine 2019

tc747

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Hallo alle miteinander,

ich gehöre zu den wenigen glücklichen Menschen die ihren diesjährigen Floridaurlaub tatsächlich noch weitestgehend uneingeschränkt genießen konnten auch wenn ich Mitte/Ende März in ein ziemlich verändertes Deutschland zurückgeflogen bin. Darum geht es heute aber nicht, sondern um meine erste Reise in die Ukraine im vergangenen Jahr.

Eine kurze Vorgeschichte:
Seit dem ich beim ersten Türkeiurlaub als junger Teenager am Flughafen in Antalya viele Flugzeuge sowjetischer Bauart bestaunen durfte, was mein Herz als Flugzeugfan sehr erfreute, wollte ich irgendwann mal selbst als Passagier in einer alten sowjetischen Maschine mitfliegen. Nachdem viele Jahre vergangen sind habe ich vor gut 2-3 Jahren von einer kleinen ukrainischen Fluggesellschaft namens Motor Sich gehört die noch immer absolute Klassiker in ihrem kleinen Streckennetz einsetzt. Nachdem ich den Gedanken dann einige Jahre vor mir hergeschoben habe, entschloss ich mich im Frühjahr 2019 dazu das Abenteuer endlich zu wagen.
Die Ukraine ist kein klassisches Reiseland und im Gegensatz zu praktisch allen anderen Reisen zuvor war dies das erste Mal, dass ich mich auch ein wenig sprachlich darauf vorbereitet habe. Aus reinem Sprachinteresse konnte ich zuvor zwar schon Kyrillisch lesen und schreiben aber hatte praktisch kein Russisch oder Ukrainisch Vokabluar auf Lager. Mit der App Duolingo habe ich dann einfach angefangen ein bisschen Russisch zu lernen, da Russisch in den ehemaligen Sowjetstaaten auch weiterhin sehr gängige Verkehrssprache ist und ich es sicherlich auch in Zukunft nochmal gebrauchen kann.

Planung:
Die ungarische Billigfluggesellschaft Wizzair fliegt einige Ziele in der Ukraine nonstop von Deutschland aus an und nach einiger Planung stand dann auch irgendwann meine Strecke. Für den Hinflug wählte ich Lviv im Westen der Ukraine als Ziel. Flüge gab es für um die 40€ von Dortmund aus was zwar eine etwa 2-3-stündige Zugfahrt bedeutete aber kein großes Problem darstellte.
Von Lviv ging es dann mit besagter Motor Sich Airlines weiter nach Odessa mit einem Zwischenstopp in Kyiv. Kiew ist die Transkription aus dem Russischen während Kyiv die offizielle Ukrainische Transkription ist. Da die beiden Länder ja mittlerweile ziemlich verfeindet sind und sich die Ukraine von allem Russischen abgrenzen will bemüht sich das Land die offizielle Schreibweise international gängig zu machen, daher verwende ich die jetzt einfach auch. Von Odessa ging es dann zurück nach Kyiv und schließlich mit Wizzair zurück nach Deutschland. Eigentlich sollte der Rückflug am späten Nachmittag zurück nach Köln gehen aber das sollte anders kommen :lacry:
Was ich zur Zeit der Buchung noch nicht wusste war, dass im gleichen Monat der Reise auch noch ein Umzug anstehen würde und ich am Tag nach meiner Rückkehr einen Handwerker zum Küchenaufbau in der neuen Wohnung begrüßen durfte...

Abreise:
Es ist der Abend des 9. Juli. Mein kleine Koffer ist gepackt und am nächsten Morgen geht es mit dem Zug von Bonn über Köln nach Holzwickede was der nächstgelegene Bahnhof am Flughafen Dortmund ist. Kann ja jetzt eigentlich nichts mehr groß schiefgehen dachte ich bis eine E-Mail von Wizzair ankam und mir mitteilte, dass mein Rückflug von Kyiv nach Köln gestrichen sei 😨
Also erstmal schnell geschaut welche alternativen Möglichkeiten es gibt aber so wirklich toll war erstmal nichts. Dank der Lieferung der Küche hatte ich auch einen fixen Termin zu dem ich zurück sein musste was die Suche nach Alternativen nicht unbedingt erleichterte. Wizzair selbst hatte vorgeschlagen mich kostenlos auf einen Flug 2 oder 3 Tage später zu buchen was ich ohne den Termin auch gerne gemacht hätte aber das ging nunmal nicht. Lange Rede kurzer Sinn, ohne genauen Plan bin ich eingeschlafen und ohne weitere Katastrophen am kommenden Tag zum Flughafen in Dortmund gefahren. Meine Hoffnung war, dass mir jemand am Wizzair Ticketbüro vielleicht besser helfen kann. Nach kurzer Suche fand ich den Schalter im ziemlich überfüllten Terminal. Der Mitarbeiter war sehr nett und hat mir verschiedene Möglichkeiten aufgelistet. Köln wäre nur gegangen wenn ich zwei Tage früher geflogen wäre daher entschied ich mich letztlich für einen Rückflug nach Dortmund der zwar sehr früh morgens aber immerhin am geplanten Abreisedatum stattfand. Nicht perfekt aber damit konnte ich leben und vor allem hatte ich eine Lösung ohne mich durch irgendeine Hotline quälen zu müssen.
Nach einer endlosen Warterei an der Sicherheitskontrolle konnte es nun endlich losgehen. Wie es das Glück wollte bekam ich beim online Check-In einen Gangplatz am Notausgang zugewiesen was ein bisschen mehr Beinfreiheit bedeutete. Nach eigener Einschätzung war ich wahrscheinlich der einzige Passagier ohne Ukrainischen Hintergrund an Bord. Der Deutsch-Ukrainer neben mir war auch sichtlich erstaunt, dass ich als Tourist in seine alte Heimat fliege. Während des Fluges haben ich mich nett mit ihm unterhalten und konnte ihm dann auch noch ein wenig bei der Verständigung mit der Flugbeleiterin helfen die nur Ungarisch und Englisch konnte was zwar völlig legal ist aber bei einem Flug von Deutschland in die Ukraine doch zu ein paar Verständigungsproblemen führen kann. Im Gegensatz zu mir flog der Herr nur sehr ungern und musste seine Nerven erstmal ein wenig mit Vodka aus der Bordbar beruhigen. Nach guten 90min waren wir dann auch schon da.
Привіт, Україно!

Fortsetzung folgt...

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Flughafen Dortmund

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mein A320 nach Lviv

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Flughafen Lviv

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Rosa

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Das ist ja mal ein nicht alltägliches Reiseziel,
bin dabei

Gruß
Rosa
 

Manoli

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Klingt sehr spannend! (y)
Ich persönlich kriege seit einem abenteuerlichen Flug mit Turkmenistan Airlines vor vielen Jahren zwar eher vor Angst schweißnasse Hände, wenn ich an alte Maschinen aus der ehemaligen Sowjetunion denke und wäre vermutlich auch bei dem Gedanken, an Bord eines Flugzeugs einer ungarische Billigfluggesellschaft zu gehen, nicht gerade euphorisch :eek:, freue mich aber sicher auf meinem sicheren Sofa sehr auf die Fortsetzung deines Berichts.

Liebe Grüße
Manu
 

tc747

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  • #6
und weiter gehts

Lviv:
Überpünktlich bin ich in Lviv in der West-Ukraine gelandet und war direkt schonmal positiv von dem sehr modernen Flughafen überrascht. Als EU-Bürger braucht man für die Ukraine kein Visum und obwohl die Hinweisschilder vor der Passkontrolle von einem Einreiseformular sprachen war dies als Tourist nicht notwendig. Nach etwa 10 min Wartezeit habe ich dann auch meinen Einreisestempel auf die letzte Seite des Reisepasses bekommen. Da ich nur mit meinem Handgepäckskoffer reise der mit kleinem Aufpreis bei Wizzair mit an Bord darf konnte ich direkt durch den Zoll in die Haupthalle des Terminals gehen. Dank Wikitravel wusste ich schon, dass ich mit dem Bus Nr. 40 für umgerechnet ein paar Cent in die Innenstadt komme, ich musste allerdings erstmal ein bisschen Geld der ukrainische Landeswährung Hryvnia von einem Bankautomaten abheben was problemlos funktionierte.
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Nach Nachfage bei der Information wusste ich dann auch, dass in einem kleinen Café im Terminal Sim Karten verkauft werden und bin dann erstmal dorthin. Die Mitarbeiterin hat mir alles gebrauchsfertig eingestellt und schon hatte ich einige GB an Datenvolumen für die kommenden 10 Tage Reise. Die Netzqualität und Abdeckung war hervorragend was ich mir in Deutschland auch mal wünschen würde.
Mit ein bisschen Bargeld in der Tasche und einer ukrainischen Sim Karte im Smartphone konnte es losgehen Richtung Innenstadt. Die Ausschilderung der Busshaltestelle war zwar praktisch nicht vorhanden aber so konnte ich immerhin gleich das erste Mal ausprobieren ob ich mit dem bisschen gelernten Russisch zurechtkomme und tada es hat funktioniert :D
Beim Fahrer konnte ich ein Ticket kaufen und schon ging es los in die Innenstadt. Die Fahrzeit war so um die 20-30min.
Das Wetter war deutlich kälter und auch nasser als in Deutschland wo sich schon langsam die große Hitzewelle ankündigte. Einen größeren Regenschauer konnte ich noch im Bus abpassen bevor ich ausstieg. Nach einem etwas länger als erwartetem Fußweg bin ich schließlich an meiner Airbnb Wohnung angekommen wo mich schon der Gastgeber erwartete. Die Treppenhäuser sehen zum Teil wirklich ein bisschen gruselig und heruntergekommen aus aber die Wohnung an sich war super modern und schön eingerichtet.
Erstmal hinsetzen, ankommen und dann konnte es auch schon losgehen. Der Weg ins Zentrum war nur gute 10min zu Fuß und auf dem Weg habe ich noch nach Supermärkten Ausschau gehalten.

Allgemeine Infos zu Lviv:
Lviv hat gut 700.000 Einwohner und ist die westlichste Metropole der Ukraine. Die Grenze zu Polen ist nur gut 50km entfernt was man auch an den zahlreichen polnischen Touristen in der Stadt merkt. Lviv ist sehr Richtung Europa bzw EU orientiert und gilt als die Stadt die die ukrainische Sprache besonders fördert. Russisch wird hier zwar verstanden aber man vermeidet es. Wer die Bilder von Lviv betrachtet kann durchaus ein paar Parallelen zu Wien erkennen was kein Zufall ist da die Stadt einst Teil von Österreich-Ungarn war.

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Im Zentrum der Stadt befindet sich die Altstadt die praktisch autofrei ist. In der Mitte des Marktplatzes befindet sich das Rathaus was auch eine tolle Aussichtsplatform hat. Man sollte sich allerdings auf ein paar Treppenstufen einstellen.

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Blick von der Aussichtsplatform
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Aus touristischer Sicht ist die Altstadt tatsächlich die Hauptattraktion der Stadt aber ich persönlich freue mich auch sehr noch ein bisschen von der sowjetischen Vergangenheit zu sehen. Kleine Erinnerungen, dass man doch nicht in Österreich gelandet ist sondern einem Teil der ehemaligen Sowjetunion sind die alten russischen Autos die mit gewisser Regelmäßigkeit im Straßenbild zu sehen sind.

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Essen:

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Pierogi / Varenyky gibt es mit verschiedenen Füllungen wie zum Beispiel Fleisch, Pilzen oder auch Kirschen. Dazu wird in der Regel saure Sahne als Dip gereicht

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Sehr zu empfehlen ist die Kantinenrestaurantkette Puzata Hata (Пузата хата) die ukrainische Gerichte anbietet. Das Bedientkonzept entspricht dem einer Kantine nur dass die Portionen recht klein sind und man so mehrere verschiedene Gerichte nach eigenem Geschmack zusammenstellt. Für etwa 4-6€ kann man hier wunderbar essen und zu meiner Freude gibt es diese Kette auch nicht nur in Lviv sondern in der ganzen Ukraine. Bis zum Ende der Reise sollte ich so ziemlich alles mindestens einmal bei meinen zahlreichen Besuchen probiert haben :lacry:


Weitere Sehenswürdigkeiten:
Seit dem ich vor einigen Jahren zum ersten Mal eine Free Walking Tour in Sofia (Bulgarien) ausprobiert habe bin ich auf zahlreichen Reisen (Malaga, Warschau, Venedig, Aachen) immer wieder darauf zurückgekommen. Mittlerweile gibt es in vielen Städten dieses Konzept wo Locals ihre Stadt auf verschiedenen Touren zeigen und bisher habe ich diese immer sehr genossen. An sich sind die Touren kostenlos, allerdings sollte man schon am Ende der Tour dem Guide ein anständiges Trinkgeld geben. Auch in Lviv habe ich eine solche Tour gemacht und direkt zwei Schwestern aus Alabama kennengelernt die mir später noch das oben erwähnte Kantinenrestaurant empfohlen haben. Gerade wenn man alleine reist sind solche Touren toll da man zwischendurch auch ein bisschen Gesellschaft hat.
Der Friedhof von Lviv gilt als eine der Sehenswürdigkeiten der Stadt. Er ist durchaus einen Besuch wert wenn man keine weiteren Ziele mehr hat, so außergewöhnlich wie er zum Teil beschreiben wird fand ich ihn allerdings nicht. Die Fahrt in der alten Straßenbahn zum Friedhof war da durchaus unterhaltsamer auch wenn sie dank großem Stau deutlich länger gedauert hat als ich zu Fuß dorthin gebraucht hätte.

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Eine weitere bekannte Sehenswürdigkeit ist das Theater was ich leider nur von außen gesehen habe. Tickets gibt es schon für ca. 5€ allerdings war gerade keine Vorstellung als ich in der Stadt war, somit muss das bis zu einem weiteren Besuch warten.

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das Theater

Wie es sich für eine solche Altstadt gehört gibt es natürlich auch zahlreiche Kirchen

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Man beachte die weißen Plakate die auf ukrainische politische Gefangene in Russland hinweisen. Gerade bei geführten Touren wird dezent auf das kriegerische Verhältnis zu Russland hingewiesen da es doch die Nachrichtenlage über die Ukraine in den letzten Jahren bestimmt hat und die Ukraine auch ein bisschen um ihren Ruf als sicheres Reiseland fürchtet. Die Touren waren allerdings auch kritisch gegenüber der Politik in der Ukraine und den vielen innenpolitischen Problemen wie zum Beispiel Korruption. Um es vorweg zu nehmen habe ich mich zu keinem Zeitpunkt unsicher oder unwohl gefühlt. Den Menschen denen ich auf der Reise begegnet bin waren alle sehr freundlich.

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Von einem kleinen Berg unmittelbar neben der Innenstadt hat mach auch noch einen schönen Ausblick auf die ganze Stadt. Der helle Turm ist übrigens der Turm des Rathauses auf dem die Aussichtsplatform ist.

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Weiterreise:
Nach 3 kompletten Tagen in Lviv wurde es nun Zeit meinen kleinen Koffer wieder zu packen und die Stadt zu verlassen. Nachdem ich aus meinem Airbnb ausgecheckt habe ging es mit dem Bus wieder zum Flughafen. Auf diesen Punkt der Reise habe ich mich besonders gefreut, da nun der erste von insgesamt 3 Flügen mit absoluten Luftfahrtraritäten stattfinden würde. Motor Sich (sprich Motor Sitsch) unterhält eine äußerst exotische Flotte von verschiedenen Antonov und Yakovlev Maschinen die mit Ausnahme einer in 2003 gebauten Antonov An-140 allesamt aus den 1970ern stammen. Motor Sich selbst ist auch der Triebwerkshersteller und genießt einen guten Ruf weshalb ich auch keinerlei Bedenken um die Sicherheit hatte. Vermutlich kennen die Crews hier ihre Flugzeuge noch sehr viel besser als bei den meisten anderen Fluggesellschaften.
Beim Check-In bekam ich meinen gewünschten Fensterplatz für den Flug nach Kyiv und auch für den Anschlussflug nach Odessa. Bei Flightradar24 konnte ich schon sehen dass ich mit der in 1973 gebauten Antonov An-24 (UR-BXC) fliegen würde und meine Vorfreude war kaum zu verbergen. Mit einem Bus ging es dann zum Flugzeug. Um an Bord zu kommen muss man den Kopf ein wenig einziehen und dann stand ich in einem fliegenden Stück Geschichte. Die Sitze waren recht klein aber durchaus gemütlich und erstaunlicherweise hatte ich sehr viel Beinfreiheit. Als die Propellertriebwerke gestartet wurden konnte das Flugzeug sein Alter definitv nicht mehr leugnen. Eine solche Geräuschkulisse von einem Motor habe ich in meinem Leben noch nicht erlebt. Als Flugzeugfan war es absolut fantastisch aber ich könnte auch jeden Menschen verstehen der es als Angriff auf das Trommelfell deklarieren würde. Schon im Stand waren die Triebwerke laut, zum Start wurde das allerdings nochmal getoppt.
Mit dem Start in Lviv endet dieses Kapitel. Morgen geht es fröhlich weiter...

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bacchus85

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Das ist doch ein toller Start! Und als Luftfahrt-Nerd kann ich deine Begeisterung bezüglich der Antonov gut nachvollziehen, ich hätte vermutlich auch ein Dauergrinsen im Gesicht. Alleine schon die Gardinen! Richtig cool und ich freue mich auf den nächsten Teil :)
 

LouLa0507

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Super spannend! Gerade, weil ich so wenig Bilder vor Augen habe, wenn ich an die Ukraine denke. Und es ist echt witzig, wie unterschiedlich Empfindungen sein können. Der Eine ist euphorisch begeistert von der Maschine, der Andere hingegen würde Angst bekommen.
 

tc747

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  • #10
Flug nach Kyiv und Anschlussflug nach Odessa
Wie bereits erwähnt war ich hin und weg von dem Erlebnis als Passagier in einem sowjetischen Klassiker fliegen zu dürfen. Es war ja auch der Hauptgrund für mich diese Reise zu unternehmen. Man konnte sehr genau spüren, dass in der alten Antonov noch richtig von Hand geflogen wird was für mich den Flug noch besser gemacht hat.
Nach etwa 1:20h landeten wir am kleinen recht zentral gelegenen Flughafen Zhuliany in Kyiv. Der Flughafen wird heute fast ausschließlich von Wizzair genutzt; der größere Hauptflughafen Boryspil der von den meisten anderen Fluggesellschaften (u.a. auch von der Lufthansa) angeflogen wird liegt deutlich außerhalb der Stadt. Kyiv war für mich heute allerdings nur Umsteigeort.

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Da die alten Flugzeuge nicht wirklich für größeres Handgepäck ausgelegt sind und ich ohnehin kostenlos einen Koffer aufgeben konnte hatte ich nur meinen kleinen Rucksack bei mir. Zum Umsteigen musste ich erstmal aus dem kleinen Inlandsflugterminal raus und wenige Meter daneben wieder zur Abflug"halle" und dort nochmal durch die Sicherheitskontrolle. Das ganze hat so in etwa 2 Minuten gedauert und schon saß ich in der Wartehalle die 3 oder 4 Gates hatte. Das ganze war in etwa so groß wie ein etwas großeres Klassenzimmer in der Schule und die Gates waren letztendlich auch nur Türen nach draußen :lacry:
Es gab ein kleines Café und Sitzmöglichkeiten und das war es dann auch schon. Da die Umsteigezeit nur gut eine Stunde betrug startete das Boarding dann auch recht bald. Vom Wartebereich ging es in einen Bus der fast so groß war wie das Flugzeug selbst. Wie erwartet war es erneut eine Antonov An24 allerdings nochmal zwei Jahre älter als die erste (Baujahr 1971).
Was die Inneneinrichtung angeht war die erste definitv schöner aber ansonsten war das Erlebnis praktisch identisch gut nur dass wir in die Nacht hineinflogen. Irgendwie ist es komisch bei Nacht irgendwo anzukommen da man so gar keinen richtigen ersten Eindruck bekommt und erst am nächsten Morgen wirklich wahrnimmt wo man angekommen ist.

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wir waren genau neben dem Flugzeug geparkt mit dem ich angekommen bin

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aus unerfindlichen Gründen sind die Fensterverkleidungen hier eckig obwohl die eigentlichen Fenster rund sind und auch die nostalgischen Vorhänge gibt es hier leider nicht

Ankunft in Odessa
Gelandet sind wir um circa 22:00 und nach kurzer Wartezeit konnte ich meinen aufgegebenen Koffer am Gepäckband wieder in Empfang nehmen. Im Gegensatz zu Lviv und Kyiv war die Auswahl an Airbnbs in Odessa sehr überschaubar und Hotels waren tatsächlich günstiger weshalb ich mir ein Zimmer im Black Sea Hotel knapp südlich vom Stadtzentrum reserviert hatte. Da es ohnehin spät in der Nacht war habe ich mir ein Uber gerufen (tatsächlich das erste Mal dass ich Uber benutzt habe) was nach circa 5 Minuten am Flughafen war. In einem Lada 112 ging es dann mit ziemlicher Geschwindigkeit durch die Stadt zu meinem Hotel. Eine Fahrt in einem Lada kann ich somit auch von meiner Bucketliste streichen. Im Hotel bekam ich dann trotz gewisser Sprachbarrieren nach ein paar Minuten meinen Schlüssel für das Zimmer was sogar ein bisschen besser ausgestattet war als in der Beschreibung. Wie genau dieses Hotel allerdings 4 Sterne haben kann ist mir bis heute ein Rätsel. Das Preis-Leistungsverhältnis war trotzdem völlig in Ordnung und ich würde es auch durchaus wieder buchen. Hauptsache die Klimaanlage funktioniert da ich in einer völlig anderen Klimazone gelandet bin. Während es in Lviv nur so um die 15°C waren übertrafen die Nachttemperaturen in Odessa diese bereits. Am Tag gab es immer über 30°C. Weiter mit Eindrücken von Odessa gibt es dann im nächsten Teil...

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Manoli

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Die Fotos haben zum Teil echt ein bisschen was von einer Zeitreise. Danke, dass du uns teilhaben lässt.
Mit Free Walking Tours habe ich in verschiedenen Städten ebenfalls gute Erfahrungen gemacht. Beim Trinkgeld habe ich mich dabei grob an den Kosten für die Touren anderer Anbieter orientiert.

Freue mich schon darauf, mehr von Odessa zu sehen.

LG
Manu
 

bacchus85

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Echt richtig cool! Und das Zimmer in Odessa sieht genau so aus wie eine Jugendherberge in Litauen, in der ich 2011 zu Gast war :-D
 

Rosa

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Die Flieger erinnern mich an unsere Inlandsflüge 1992 und 1994 mit der Cubana, die mit einer Yak40 durchgeführt wurden. Das war damals schon sehr Retro und ich war echt immer froh, wenn wir heil gelandet sind. Ein paar Jahre später ist, wenn ich mich richtig erinnere, so ein Flieger auf einer unserer geflogenen Strecken abgestürzt:eek:

Ich glaube, heute würden mich keine zehn Pferde mehr in so einen Flieger bekommen...

Gruß
Rosa
 

tc747

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  • #14
Odessa
Für den ersten Tag in Odessa habe ich direkt eine Free Walking Tour gebucht und bin zum Treffpunkt an einer Kirche aufgebrochen. Was ich erstmal völlig unterschätzt hatte war die Weitläufigkeit der Stadt. Im Gegensatz zu Lviv waren es hier richtige Distanzen und vor allem waren die Straßen einfach auch deutlich breiter und man wartet häufiger an roten Ampeln. Ich musste mich dann sogar noch ein bisschen beeilen um die Tour nicht zu verpassen.
Vom Aufbau erinnert Odessa mit ihrem pragmatischem Schachbrettmuster ein bisschen an eine amerikanische Stadt. Amerikanisch oder westeuropäisch wirkt sie ansonsten allerdings nicht. Odessa ist neben der umkämpften Ostukraine die mit Abstand russischste Stadt im ganzen Land. Im Gegensatz zu Lviv oder auch Kyiv wird in Odessa kaum etwas anderes als Russisch gesprochen auch wenn die Politik sich darum bemüht die Ukrainische Sprache zu fördern. Ohne es irgendwie negativ oder positiv zu bewerten fühlt sich Odessa einfach völlig anders an.

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Odessa Passage (Пассаж) - unten Einkaufspassage und oben Hotel

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Oper / Theater

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Potemkin Treppe - von oben sieht man keine Stufen sonder nur die Zwischenebenen und von unten sieht man nur Stufen
Gilt als Wahrzeichen Odessas

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Kontraste im Straßenverkehr

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Statue von Katharina der Großen

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Derybasivska Straße

Meine Walking Tour führte mich direkt am ersten Tag schon zu allen Hauptsehenswürdigkeiten die ich in den kommenden Tagen dann nochmal selbst etwas detaillierter angeschaut habe.

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Zwölf Stühle Monument - erinnert an zwei Autoren aus Odessa (Ilf & Petrov)

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Angesichts des hochsommerlichen Wetters waren viele Leute zum sonnen und schwimmen am Schwarzen Meer

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Neben den üblichen touristischen Orten wurde mir der Privoz Markt empfohlen und der war auch tatsächlich sehr spannend weil er so überhaupt gar nicht touristisch ist. Von getrocknetem Fisch, Obst, Fleisch, Küchengeräten und allerlei Krimskrams findet man so ziemlich alles was man noch nie wusste gebrauchen zu können.

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Privoz Markt


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Odessas Hauptbahnhof

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Transnistrisches Nummernschild
Odessa liegt nahe an der Grenze zu Moldawien und wird auch gerne als Ausgangspunkt für Reisen nach Moldawien bzw. Transnistrien genutzt. Gelegentlich sieht man auf der Straße Autos aus Transnistrien was nach wie vor eine Art sowjetische Parallelwelt spielt und sich mit der Unterstützung Russlands von Moldawien losgesagt hat. Auf einer zukünftigen Reise werde ich mir das definitiv auch mal anschauen und vermutlich Odessa als Ausgangspunkt nutzen da man von hier recht einfach per Zug oder Bus nach Tiraspol fahren kann.


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Blick von meinem Hotelzimmer

Langsam ging dann auch meine Zeit in Odessa zu Ende und ich packte wieder meinen Koffer und bereitete mich auf die Weiterreise nach Kyiv vor. Am Abreisetag konnte ich mein Gepäck praktischerweise noch im Hotel lassen da mein Flug erst am Nachmittag ging. Per Uber bzw. der ukrainischen Alternative Uklon fuhr ich dann zum Flughafen und dort geht der Bericht morgen weiter...
 

tc747

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  • #15
Die Flieger erinnern mich an unsere Inlandsflüge 1992 und 1994 mit der Cubana, die mit einer Yak40 durchgeführt wurden. Das war damals schon sehr Retro und ich war echt immer froh, wenn wir heil gelandet sind. Ein paar Jahre später ist, wenn ich mich richtig erinnere, so ein Flieger auf einer unserer geflogenen Strecken abgestürzt:eek:

Ich glaube, heute würden mich keine zehn Pferde mehr in so einen Flieger bekommen...

Gruß
Rosa
Die Yak40 gibt es auch noch in der Flotte und ich hatte sehr darauf gehofft sie vielleicht zu bekommen
Um das Erlebnis in Kuba beneide ich dich auch wenn du es nicht so genossen hast :lacry:
 

tc747

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  • #17

tc747

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  • #18
Flug von Odessa nach Kyiv
Wir schreiben den 17. Juli. Nach zwei kompletten Tagen in Odessa saß ich in einem Uber/Uklon das mich zum Flughafen brachte. Die Fahrt selbst war unspektakulär jedoch war ich zunächst ein bisschen irritiert als ich vor einem verhältnismäßig kleinen alten Gebäude abgesetzt wurde. Als ich ankam war der Flughafen doch neu und modern... :unsure: Bin ich hier richtig?
Das Gebäude da drüben sieht doch viel mehr nach dem aus wo ich angekommen war. Der Gedankengang war durchaus richtig, der erste Gedanke am falschen Gebäude zu sein jedoch nicht. Zum damaligen Zeitpunkt wurde das neue Flughafengebäude tatsäche gerade fertiggestellt und ankommende Passagiere werden auch tatsächlich dort abgefertigt (wahrscheinlich für einen ersten guten Eindruck oder so).
Das Gebäude für die Abflüge ist jedoch noch das alte sowjetische Gebäude und vermutlich das kleinste Terminal was ich bisher gesehen habe.

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Obwohl Odessa über 1 Million Einwohner hat ist die Stadt tatsächlich recht schlecht per Flugzeug zu erreichen. Da allerdings Ryanair und auch Wizzair mittlerweile die Stadt für sich entdeckt haben dürfte die Passagierzahl (nach Corona) deutlich steigen was mit dem alten Flughafengebäude schlichtweg unmöglich gewesen wäre. Mit den Check-in eines kleinen LOT Fluges nach Warschau wirkte das Gebäude bereits sehr gut gefüllt.
In der Haupthalle vor dem Sicherheitsbereich gab es in etwa 10-15 Sitzplätze, einen kleinen Kiosk der Chips, Schokolade, Getränke und Zigaretten verkaufte, ein paar unbesetzte Ticketbüros und im Keller die Toiletten. Rolltreppen, Fahrstühle oder gar eine Klimaanlage suchte man vergebens. Dafür konnte man eine Schwalbenfamilie beobachten die in einer Ecke an der Decke ihr Nest gebaut hatte, fröhlich durchs Gebäude flog und immer wieder duch die geöffneten Türen rein und raus kam.

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Wartebereich am Gate mit einer regelrecht astronomischen Anzahl an Sitzplätzen

In Sachen Komfort kann man nur froh sein, dass der es Flughafen endlich ein neues modernes Gebäude bekommen hat, in Sachen Erlebnisfaktor habe ich den alten sowjetischen Flughafen hingegen gefeiert. Es ist wie eine Zeitmaschine die mich Jahrzehnte zurückversetzte und trotzdem war es pure Realität. Was hätte besser zu einem letzten Flug mit einer alten Antonov 24 gepasst als ausgerechnet von diesem Gebäude abzufliegen :D
Nach gut 20 Minuten Wartezeit begann dann auch das Boarding für meinen Flug. Ein kleines bisschen hatte ich mir gewünscht nicht nochmal die gleiche Maschine zu bekommen wie auf dem Hinflug nach Odessa, aber letztendlich hat meine Freude überwogen nochmals das laute Brummen der Motoren zu hören und diese fliegende Zeitkapsel zu betreten.

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Natürlich hatte ich auch diesmal wieder einen Fensterplatz

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An Bord gibt es kostenlos Tee mit frischer Zitrone oder Kaffee sowie einen Snack der bei jedem der drei Flüge ein anderer war. Außerdem werden vor dem Start Bonbons verteilt.

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Ankunft im kühlen regnerischen Kyiv. Man beachte den mindestens 2 Meter großen Piloten. Das Cockpit muss entweder sehr geräumig sein oder der gute Herr hat einen ziemlich unbequemen Arbeitsplatz.

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Ein letzter Blick. Ich hoffe ich bekomme nochmal die Gelegenheit weitere Flüge mit den wunderschönen Museumsstücken zu machen.

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Das moderne internationale Terminal am Flughafen Kyiv-Zhuliany

Am Flughafen habe ich mir dann wieder ein Uber/Uklon gerufen um zu meiner Airbnb Wohnung zu kommen die etwas schlechter zu erreichen war als ich im Vorhinein gedacht hatte. Ohne Auto war es ein ziemlich langer Marsch bis man zur U-Bahn am Hauptbahnhof kommt. Den Weg bin ich exakt einmal hin und wieder zurück gegangen (am Ankunftstag) und ab dann habe ich meine Kräfte lieber fürs Erkunden der Stadt geschont.
Abschließend noch ein paar Bilder von der Unterkunft bevor es in den nächsten Kapiteln über Kyiv geht...

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tc747

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Kyiv - Luftfahrtmuseum
Ein weiteres Luftfahrt-Highlight dieser Reise war der Besuch des Oleg Antonov State Aviation Museums den ich für meinen ersten Tag geplant hatte. Per Uber/Uklon ging es in circa 5-10 Minuten zum Freilichtmuseum was direkt neben dem Zhuliany Flughafen liegt. Wie der Name schon sagt ist das Museum dem ukrainischen Flugzeugbauer Antonov gewidmet, es werden allerdings auch Flugzeuge und Hubschrauber anderer (sowjetischer) Hersteller ausgestellt.

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Das Museumsgelände befindet sich mit Ausnahme einer kleinen Ausstellung von Triebwerken komplett unter freiem Himmel was dem Erhaltungszustand der einzelnen Flugzeuge leider nicht gut tut. Auf lange Sicht würde ich hoffen, dass man die Ausstellungsstücke besser pflegt und am Besten eine Halle um das Gelände herum aufbaut.

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Tupolev TU-104 aus 1956

Die meisten zivilen Flugzeuge im Museum stammen aus Beständen der Aeroflot welche die einzige Passagierfluggesellschaft in der Sowjetunion war und heute die größte und wichtigste Fluggesellschaft Russlands ist. Bedingt durch die politische Lage der letzten Jahre sind diese Museumsstücke tatsächlich auch die einzigen Aeroflot Flugzeuge in der ganzen Ukraine. Derzeit erlaubt die Ukraine keinem Flugzeug einer russischen Airline die Landung oder auch nur den Überflug; Russland tut das gleiche übrigens mit ukrainischen Airlines innerhalb ihres Luftraums.

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Ilyushin IL-18

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Antonov An-71 - einer von nur insgesamt 3 gebauten Prototypen eines AWACS-Flugzeuges welche als fliegende Radarstation agieren und somit Luftraumüberwachungsflüge durchführen
Die Triebwerke sind oberhalb der Tragflächen montiert um zusätzlichen Auftrieb zu generieren. Außerdem sind sie dort besser vor aufgewirbeltem Dreck auf einer Landebahn in schlechtem Zustand geschützt.

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Ilyushin IL-76 - Verkaufsschlager der mehr als 900 Mal gebaut wurde und in überarbeiteter Form nach wie vor gebaut wird. Ist als robustes Frachtflugzeug in einigen ländern der Welt unterwegs und wird insbesondere in Osteuropa, Asien und Afrika als Frachtflugzeug fürs Militär genutzt.

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Ilyushin IL-86 - der erste sowjetische Widebody und das sowjetische Flugzeug welches ich als Kind am Flughafen Antalya zum ersten Mal wirklich wahrgenommen habe und mein Interesse an sowjetischen Flugzeugen geweckt hat

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Mil Mi-26 - der größte und leistungsstärkste Helikopter in Serienproduktion (seit 1980 über 300 Mal gebaut)

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Tupolev Tu-22M - Überschall-Langstreckenbomber (Erstflug des Typs in 1969) der nach wie vor in der Flotte der russischen Luftwaffe zu finden ist. Mit 42,5 Metern Länge ist er deutlich größer als das Bild vermuten lässt.

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Tupolev Tu-142 - Aufklärungsflugzeug der Marine und gezielt zum Einsatz gegen feindliche U-Boote entwicket. Basiert auf dem Bomber Tu-95 welcher wiederum Grundlage für das schnellste Propellerflugzeug der Welt (Tu-114) war das den Rekord seit 1960 hält.

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Tupolev 154 - das sowjetische Arbeitstier schlechthin welches bis Anfang der 2000er auch noch an Flughäfen in Westeuropa zu finden war. Von 1968 bis 2013 gebaut aber heute praktisch nur noch als Militärflugzeug zu finden

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Kabine der Tu-154 - einige der ausgestellten Flugzeuge kann man auch von innen betrachten. Im Inneren saß jeweils ein älterer Herr / eine ältere Dame die aus unerfindlichen Grüden alle nochmal das Museumsticket sehen wollten. Da es nur eine Art von Ticket gab und alle Museumsgäste ein Ticket haben war es etwas seltsam immer wieder danach gefragt zu werden.

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Tupolev Tu-154 Cockpit - wie alle sowjetischen Flugzeuge ist auch dieses grün. Am rechten Bildrand ist der Platz des Bordingenieurs zu sehen der früher bei allen Flugzeugen mit an Bord war

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Tupolev Tu-134 - ehemaliges Regierungsflugzeug der Ukraine

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Ilyushin IL-62 - mit einer Kapazität von fast 200 Passagieren war es zum Erstflug 1963 der größte Passagierjet der Welt. Einer der größten Betreiber der IL-62 außerhalb der Sowjetunion war die ostdeutschte Interflug die insgesamt 24 Maschinen betrieb (3 als reine Regierungsflugzeuge).

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Die IL-62 zeichnet sich durch ihre 4 hinten montierten Triebwerke aus

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Der geflügelte Hammer und Sichel ist noch heute Markensymbol der russischen Aeroflot

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IL-62 Cockpit

Nach einigen begeisterten Stunden im Museum bin ich dann Richtung Innenstadt aufgebrochen wo es im kommenden Kapitel ganz ohne Flugzeuge weitergeht :lacry:
 
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