8. März: Der letzte Abend
Kurz vor sechs sind wir zurück. Schon auf den letzten Minuten der Fahrt hatten wir die Polarlichter-Apps gecheckt. Der Kp-Index, der die Polarlichtaktivität angibt, steigt und damit die Wahrscheinlichkeit auf Sichtungen, die sich langsam aber sicher den 99 Prozent nähert.
Zurück in der Wohnung kochen und essen wir schnell Nudeln, wärmen uns kurz auf, packen unsere Sachen und fahren zur Telegrafbukta an der Südwesteckes Tromsøs. Hier ist die Lichtverschmutzung trotz der Stadtnähe relativ niedrig. Ein bisschen Licht ist natürlich trotzdem da, dummerweise ist auch noch Vollmond. Nicht perfekt, aber um weite rauszufahren, fehlt uns nach dem langen Tag schlichtweg die Energie.
Nach und nach versammeln sich um die 100 Leute, teilweise perfekt mit dicken Kameras und noch dickeren Objektiven und Stativen ausgestattet. Die leuchtend grünen Bilder, die man so gerne auf den Bildern sieht, sind übrigens „kameragemacht bzw. „kameraverstärkt“, d.h. die Grünfärbung wird von den (besonders lichtstarken bzw. durch lange Belichtungszeiten bei entsprechender Blende) Kameras verstärkt. Eine der Leute, die wir auf der Reise getroffen haben, hatten uns auch erzählt, dass die Guides auf organisierten Polarlichtjagden den Himmel mit den Handys nach den Polarlichtern absuchen, wenn sie nicht klar erkennbar sind.
Da wir kein Stativ haben, müssen wir aus der Hand fotografieren. Daher erwarten wir auch nicht die perfekten Bilder, aber die Polarlichter, die wollen wir doch unbedingt mal sehen.
Die erste Stunde tut sich jedoch gar nichts. Im Gegenteil, der Himmel zieht sich zu, und wir hoffen, wie wahrscheinlich die anderen 100 Leute auch, dass die Wolkendecke wieder aufreißt.
Endlich tut sich was, die Polarlichter erscheinen. Sie zeigen sich hauptsächlich als Bänder, nicht so sehr als Vorhänge. Da ich keinen Vergleich habe, habe ich keine auch Ahnung wie intensiv sie nun sind, aber sie sind definitiv da, und es ist spannend, das Schauspiel am Himmel zu beobachten.
Wie bereits geschrieben sind die Fotos nicht optimal, aber wir haben sie gesehen und am allerletzten Abend können wir tatsächlich den letzten Haken unter die Bucket-Liste dieser Reise machen.
Nach 3 Stunden in der Kälte, davon die letzten 45 Minuten ohne nennenswerte Aktivität, verlassen wir den Platz. Wir parken den Mietwagen am Hertz-Parkplatz und werfen den Schlüssel ein. Damit können wir am nächsten Morgen ohne weiteren Aufwand mit dem Bus zum Flughafen fahren.
Wir laufen durch die Stadt und dann am Ufer zurück zur Wohnung. In den Kneipen gibt es jetzt an diesem Samstagabend tatsächlich so etwas wie Nachtleben, aber wir wollen jetzt nur noch heiß duschen.
Aber am knuffigen Dackel müssen wir natürlich noch einmal vorbei … jetzt in der Nacht sieht er aus wie ein Wachhund, finde ich.
Mit einer heißen Dusche und einer heißen Suppe endet unser letzter vollständiger Reisetag. Morgen gibt es nur noch von der Abreise zu berichten und ein Fazit gibt es natürlich auch.
Viele Grüße
Harald