15. August: Ruta del Cares – die göttliche Schlucht (1)
Nach einigen Tagen scheint endlich wieder einmal die Sonne. Und für ein solches Kaiserwetter haben wir uns die bekannteste Wanderung in den Picos de Europa und ganz Spaniens vorgenommen: die Ruta del Cares.
Die Wanderung führt von Poncebos nach Cain. Die Strecke beträgt one-way 11 km und führt durch die Schlucht des Rio Cares, „la Garganta Divina“, die „Göttliche“.
Von 1915 bis 1921 weit oberhalb des Flussbettes ein Wasserkanal durch 71 Tunnel in den Fels geschlagen, um das Wasser des Cares zur Stromgewinnung zu nutzen. Über 500 Arbeiter – Männer, Frauen und Kinder – waren dafür im Einsatz, 11 starben dabei.
Die Route über den 1945–50 angelegten und seither nahezu unveränderten Wartungsweg für den Kanal ist heute eine der bekanntesten Wanderungen in ganz Spanien. Entsprechend viel Betrieb herrscht an Schönwettertagen. Wenn man die Strecke nur in einfacher Richtung gehen möchte, muss man allerdings für den Transfer zurück nach Poncebos eine Autofahrt von 2,5 Stunden einplanen! Deswegen wird die Tour auch in der Regel hin und zurück gelaufen, wofür man etwa 6 Stunden braucht.
Der Parkplatz liegt an der Seilbahnstation in Poncebos. Von dort sind es noch ca. 700 m zum eigentlich Beginn des Wanderweges. Für die Fahrt benötigen wir ca. 50 Minuten. Immer mehr Autos kommen dazu und stauen sich vor dem Ortseingang. Der Parkplatz ist belegt und wir müssen zwei Kilometer zurück zu einem Ausweichparkplatz fahren. Das bedeutet insgesamt gut 5,5 km zusätzlichen Weg (hin und zurück).
Heute ist Feiertag und gefühlt ist ganz Spanien hier unterwegs. Der Weg wird alles, bloß nicht einsam.
Auf dem Weg zum Ausgangspunkt der Wanderung:
Am Ende der Schotterstraße führt ein kleiner Steig hoch hinauf zum Wanderweg, wendet sich nach links und steigt parallel zum Cares über 2,5 km bis zum höchsten Punkt Los Callaos (520 m) stetig an. Stellenweise hatten wir noch Schatten, aber das sollte sich rasch ändern.
Nach dieser ersten Anstrengung geht es etwas bergab, ehe der Weg im Folgenden weitgehend eben und bequem wird.
Das Tal weitet sich immer mehr, und die die Ausblicke werden immer spektakulärer. Wir passieren in Fels geschlagene Tunnel, teilweise fallen die Steilwände hunderte von Metern ab. Zum Glück ist der Weg so breit, dass man mühelos an einander vorbei laufen kann, und wer sich unwohl fühlt, der läuft einfach an der Bergseite.
Die Abhänge rücker immer näher.
Nach ca. 8,5 km entscheidet Leonie, die nach überstandener Krankheit noch nicht wieder komplett fit ist, umzukehren. Die Frauen in unserer Familie halten zusammen und kehren gemeinsam um, während ich laufe noch ein Stück weiter laufe.
Viele Grüße
Harald