Florida 2011 - Der Blog

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Hallo liebe Foris.

Aktuell ist Reisen ja so gut wie unmöglich. Aus diesem Grund will ich euch heute mal einen Reisebericht von 2011 präsentieren, der ursprünglich in einem anderen Floridaforum mehr oder weniger live gepostet worden ist.
Geschrieben hat ihn meine damalige Frau. Es ist also alles aus ihrer Sicht - mit reichlich Humor - geschildert.
An manchen wenigen Stellen gibt es Bezug zu Usern aus dem anderen Forum - also btte nicht wundern.
Zu den meisten Kapiteln gibt es auch Fotos, welche ich jeweils als Anhang online stelle. Mit Rücksicht auf den Speicherplatz des Forums wurden alle Fotos auf maximal 1024 Pixel verkleinert. Größere Versionen findet man auf meiner privaten HP.

Und jetzt viel Spaß bei lesen...
 
...noch einmal schlafen... Neu

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  • #2
...noch einmal schlafen...

Der Countdown läuft - noch eine (kurze) Nacht und ab geht´s in den wohlverdienten Urlaub nach Florida!
Heute noch zum krönenden Abschluss die Theorie-Prüfung vom Tauchschein bestanden (Praxis war schon!) und den "Lappen" in der Tasche. Weiß gar nicht, was ich jetzt als erstes machen soll - Tauchen oder Tandemsprung? Egal - wir werden sehen.

Hoffentlich geht der Flug morgen planmäßig, hab keinen Bock auf rumhängen am Flughafen.
So, jetzt noch Koffer packen (alles schön aufteilen, falls mal wieder ein Koffer etwas länger braucht), gründliche Instruktionen an meine Heim- und Katzenbehüter und dann den Wecker auf halb sechs! USA - wir kommen!
 
... endlich da ... Neu

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... endlich da ...

Das war ein echt langer Tag (und er dauert noch an!).

Der Wecker ging um 5:30 - aber ich bin 5 Minuten vorher wach geworden (nach knapp 4 Stunden unruhigem Schlaf). Aus den Federn, Bad, Kaffee, letzten Sachen in die Koffer und dann pünktlich um halb sieben das Taxi angerufen. Kurze Anreise zum Flughafen und direkt zum einchecken - und was hören wir: Tut uns leid, die Maschine hat voraussichtlich 2,5 Stunden Verspätung - sie steht noch in der Montagehalle und bekommt ein neues Fahrwerk! Na bravo - Zuhause im Netz (20 Minuten vorher!) war sie noch "on time" und jetzt das! Aber da machste nix - erstmal in Ruhe Kaffee trinken und Frust ablassen.

Nach stundenlangem Rumgehänge im Abflugterminal (und 5 € "Verpflegungsgutschein p.P.“ von Air Berlin) ging es dann endlich an Bord. Der Flieger war nicht ganz ausgebucht, aber ungewöhnlich viele Kleinkinder an Bord. Uns schwante böses...

Die Stewardess nahm uns direkt gegenüber Platz (wir nehmen gern die Plätze mit mehr Beinfreiheit bei der Notrutsche - und daneben die Mutter/Kind Plätze) und kündigte uns einen unüblich langen und auch turbulenten Flug an - toll!
Ging dann aber ganz normal los - Mittagessen kam - ein ständiges Kommen und Gehen an den Toilettenkabinen (mit ständigem Gerempele am Sitz), Kindergeschrei. Eben ein ganz normaler Lang(eweile)streckenflug
Später wurde es dann doch richtig rumpelig und ungemütlich, Jürgen hat es fast komplett verpennt, denn es war ja auch Ruhe am Klo (war ja Anschnallpflicht und keiner traute sich einen Freigang zu) und somit keine Stupser mehr durch den Betrieb im engen Gang.

Ich schreib morgen weiter - jetzt bin ich fast 24 Stunden auf den Beinen und mag nicht mehr...

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Der Flieger
 

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  • #4
... Fortsetzung

So, jetzt bin ich wieder munter und es geht weiter. Also, wo waren wir - ah ja, Turbulenzen...

Der Service fürs Abendbrot wurde mehrfach angefangen und wieder abgebrochen, es rappelte einfach zu heftig. Als wir dann doch versorgt wurden konnte man mit den Brötchen Steine kloppen!

Besuch bekamen wir regelmäßig von den jüngsten Passagieren an Bord; die süßen Kleinen hatten nämlich meine Tüte "Nimm 2" - Naschgummis entdeckt und da ich (für jede Abwechslung dankbar) großzügig mit den Zwergen teilte, erfreute ich mich wachsender Beliebtheit. Es ist auch ein echt interessantes Schauspiel, wie eine Zweijährige nonverbal vermitteln kann was sie möchte, nur mit den Augen und dem wiegenden Einsatz des Körpers - einfach zu schön.

Irgendwann landeten wir dann doch tatsächlich (ich hatte die Hoffnung schon fast aufgegeben) in Ft. Meyers und nach einem knappen Stündchen Einreise-Formalitäten (sämtliche Fingerabrücke und Iris-Scan) durften wir dann zur Gepäckausgabe. Zur großen Freude waren beide Koffer mitgekommen (ich hatte schon 2 x das Vergnügen zunächst 4 Tage am Reiseort auf mein Gepäck warten zu dürfen), und wir stiefelten schnurstracks zu den Mietwagen-Agenturen.

Es war schwül-warm, mein Mann war knatschig (Durst, Kopfschmerzen, Schweißausbrüche) und bei Alamo wollte man uns statt des bestellten Sebrings (Convertible) einen Mustang für lächerliche 290 Dollar Aufpreis aufquatschen. Nein danke - dieser Urlaub ist schon kostspielig genug - die Kirche muss im Dorf bleiben.

OK, wir dann raus und uns die Autos angesehen - ist das ein Megamonster-Auto (im Vergleich zu meinem Spark) - aber saugeil. Ich grinste über beide Backen und ließ mir den Wagen kurz erklären, Jürgen wurde langsam quengelig.
Die Koffer mussten auf die Rückbank (weil das Verdeck im Kofferraum viel Platz braucht) und dann ging‘s los. Oder eben doch nicht, denn bei der Ausfahrt behagte es der Kontroll-Lady nicht, dass meine Daten (als Driver) nicht eingetragen waren und so dauerte es weitere quälende Minuten bis das Prozedere abgeschlossen war und wir endlich raus durften.

Nun war es halb sieben und wir waren noch nicht am Ziel. A pro pos Ziel - keine Navi im Auto und keine Wegbeschreibung mit - eine unglückselige Verkettung von Missverständnissen - aber ich hatte mir unser Urlaubsziel so oft auf Google-Earth angeschaut - ich wusste in etwa wohin.

Wir also los, Gott sei Dank war Cape Coral auch schon bald ausgeschildert und wir hatten eine Straßenkarte (wenig Details - ganz grob) von Alamo bekommen und die Adresse unseres Domizils stand ja auf den Kofferanhängern - wenigstens etwas.

Jürgens I-Pad (kann ja sonst fast alles!) meuterte leider auch und wir fuhren "nach Gefühl". Sah auch echt gut aus. Bloß als plötzlich nach der 19th Ave. die 14th kam (und wir brauchten die 17th - vorher war alles ganz numerisch folgend) war's dann vorbei mit lustig. In einem Handyladen einer Shoppingmall wurde mir supernett geholfen und dann waren wir 3 Minuten später da (wir waren nämlich ganz nah dran - wer kann denn ahnen, dass man die 19th reinfahren muss, weil die 17th parallel zur Hauptstraße am Ende davon abbiegt...)

Unsere Urlaubstraumvilla - Schlüssel aus dem Haustresor geholt und hinein - endlich!

Cabrio in die Garage, Koffer ins Haus - Klamotten in die Ecke und ab in den Pool!

Jetzt schlug endlich die Stunde Null dieses Urlaubs - alles davor war ja nur der Countdown.

Auf ein kurzes Telefonat hin kam der ortsansässige Verwalter zum "Check in". Danach Koffer auspacken und alles schön verteilen - auf 220 m² - und die große Inspektionstour durch dieses Anwesen.

Hunger - und - logisch - nix im Haus ausser Bier und Wein als Willkommensgruß! Laptop raus und bei Pizza Hut eine "Large" Pizza bestellt, die auch 25 Minuten später kam (das registrieren und bestellen im Netz hatte länger gedauert) - superlecker! Budweiser dazu: The american way of life!

Gegen 22:00 Uhr waren wir dann so groggy, dass wir nur noch ins Bett fielen, Jürgen hat schon geschlafen, als ich aus dem Bad kam...

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Die Villa

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Hibiskus
 

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Tag 1 - Shopping

Irgendwie ist morgens um 4:40 Uhr die Nacht zu Ende - zumindest die innere Uhr sagt das. Draußen alles dunkel (klar!), die Luft im Zimmer verbraucht und zu warm. Jürgen schläft noch, ich schleiche raus und inspiziere nun noch einmal ganz in Ruhe das ganze Haus bis in den hintersten Winkel. Es ist für alles gesorgt, einfach fantastisch. Vom Nähzeug bis zur deutschsprachigen Navi, vom Brotbrett bis zur Kaffeemaschine - alles da.

So langsam steigt die Morgenröte im Osten sanft ins Firmament und die Himmelsfarbenpracht berührt mich - wie immer. Ich beschließe ein kurzes Bad im Pool.

Jürgen wird wach und wir bedauern sehr dass noch kein Kaffee da ist, wir müssen unbedingt einkaufen. Wann öffnet Publix (mein Lieblingsladen - da gibt es einfach alles)? Erst um sieben...!
Na gut, noch ein bisschen aufräumen und dann ab zum Einkaufen. Publix ist sozusagen um die Ecke, nur 4 Meilen (rechts, nächste links, übernächste links) - mein Einkaufsparadies! In aller Gemütsruhe durch die Regale und viele lang ersehnte und schwer vermisste Leckereien wandern in den Einkaufswagen. Irgendwann treibt der Frühstückshunger aber dann doch zur Kasse und über 200 $ reicht ja auch. Na ja, war ja auch die Grundausstattung für längere Zeit dabei.

Ab nach Hause und viele viele Tüten rein geschleppt - die Amis packen maximal 3 Teile in eine Plastiktüte - da kommt schnell was zusammen.
Und endlich der langersehnte Kaffee - und Toast und Croissants.

Nach dem Abräumen beschließe ich mal den hauseigenen Bootsanlegesteg zu erkunden. Unterwegs an der Blumenpracht im Garten bin ich ja nicht ohne Fotos vorbei gekommen. Ich liebe Hibiskus und Oleander, die Blüten sind einfach traumhaft schön.
Auf dem Bootssteg sind im Schatten eines Baumes auch Liegestühle, da mache ich es mir mit meiner Yoga-Lektüre gemütlich.

In Cape Corel gibt es insgesamt 40 Meilen von schmalen Kanälen. Auch unser Haus liegt mit der Rückfront an einem Kanal (dieser Begriff ist aber maßlos übertrieben für dieses grüne Flüsschen!).
Ich beobachte springende Fische und Geckos, die sich auf den Steinen neben dem Steg sonnen, Hier ist es herrlich ruhig und wirklich romantisch. Allerdings zur Mittagszeit dann auch echt warm.

Ich ziehe um zum Pool und bade natürlich im kühlen Nass. Mir fällt ein, dass ich auf der Werbung zum Haus ein Bild mit aufgeblasenen Pool-Sesseln gesehen habe - wo mögen die sein? In der Garage werde ich schließlich fündig, allerdings nur einer und der auch noch kaputt. Aber ich bin ja technisch nicht unpfiffig und so bastele ich mit einer Kordel und ein paar Löchern eine Halterung. Funktioniert gut - also wird nun damit dauernd im Pool rumgedümpelt! Sogar Jürgen hat Spaß satt und lässt sich sogar fotografieren (will er sonst nie!). So entspannt und zufrieden erlebt man ihn nicht oft.

So kriegen wir mit Nichtstun, essen, trinken, surfen (im Web), fotografieren und rumdösen den ganzen Nachmittag rum.
Abends habe ich gekocht und dann war um kurz nach 22:00 Uhr schon wieder "Schlafenszeit" - war ja auch wieder lang heute - und so anstrengend! :)

Inzwischen habe ich mir ein anderes Schlafzimmer im Haus (es gibt 4!) zum "Auswandern" ausgeguckt - falls ich früh wach werde und nicht so schnell wieder einschlafen kann (weil Jürgen beim schlafen "Lärm" macht!): das "Queen"-Schlafzimmer. Um kurz nach drei (nachts) ist es dann auch so weit. Ist ja auch mal ganz nett hochherrschaftlich "aussiedeln" zu können.
Und ich schlafe doch tatsächlich schnell wieder ein - bei einer alten "Nanny"-Folge...

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Hibiskus

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Kanal links

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Kanal rechts

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Bootssteg

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Libelle

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Gecko

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Jürgen relaxt

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Vom Bootssteg zum Haus

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Gecko im Briefkasten

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Nana im Pool

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Nana im Pool
 

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Tag 2 - Nails & Yoga

Kurz nach sechs von Licht durch die Fenster wach geworden: Jürgen hatte die "Festbeleuchtung" auf der Terrasse am Pool eingeschaltet, war aber nirgens zu sehen. Schlaftrunken stolperte ich raus und hörte ihn vom Bootssteg aus leise rufen. Fast hätte ich mich auf die Nase gelegt, weil ich in der Dunkelheit eine Stufe übersehen habe - gerade noch gut gegangen. Wir haben dann den Überflug der ISS (International Space Station) geguckt - ein gelungener Tagesbeginn. Dieses Ding über den Nachthimmel schweben zu sehen ist echt jedes Mal wieder schön (zumindest ich mag es sehr!).

Dann habe ich Jürgen auch mal durchs Haus geführt und ihm alles gezeigt - ich könnte hier als Verwalter anfangen, wenn´s mit dem Tanzen mal nicht mehr klappt!

Frühstück genüsslich am Pool - endlich stellt sich Entspannung ein. Aber da beschäftigt mich seit Tagen etwas...

Kurze Rückblende:
Ich habe seit über 20 Jahren "künstliche" Fingernägel, bzw. mit ausgehärtetem Gel verstärkte Nägel.

Naja - ich weiß nicht was mich geritten hat, aber einen Tag vor dem Urlaub beschloss ich kurzer Hand "zurück zur Natur" - kurz und praktisch. Gesagt, getan. Komisches Gefühl, aber okay.
Wenn die blöden Nägel nicht so empfindlich wären (ich erinnerte mich dunkel das es früher auch schon so war - hatte ich komplett vergessen). Ich musste mir am Flughafen noch schnell eine Minifeile kaufen um meine Eckchen und Häkchen zu bearbeiten. Jetzt hatte ich seit drei Tagen echte "Greif-Handicaps" - da ging vieles gar nicht.

Das habe ich mir dann nicht mehr länger "angeguckt" und nach einem Nagelstudio gegoogelt.
Morgens dort angerufen und direkt einen Termin gekriegt. Im Studio arbeiten Asiaten (mit Aceton und Pulver - war jetzt für mich auch Premiere), Kostenpunkt 40$, Zeit: 45 Min. "Nail Arts" zwischen Publix und Target am St. Barbara Blvd. (falls es jemanden interessiert) Und nun ist wieder alles lang, stabil und gut...

Dann kam ich auf die nächste Idee: warum hier alleine rum yogen (richtig formuliert: Yoga praktizieren), in so einer großen Stadt gibt es sicher Yogastudios.
Google und ich: dicke Freunde! Sogar gleich mehrere Studios und viele Personal Trainer. Eines ausgeguckt und angemailt - da würde ich gern mal eine Stunde mitmachen, wenn´s geht dann heute schon.

Nach dem Ausflug zum Nagelstudio (Rückweg offen gefahren, kann Auto fahren noch schöner sein?) war dann endlich mal faulenzen angesagt, das Yogastudio hatte auch schon geantwortet und grünes Licht gegeben.

Es macht Spaß bei Facebook schöne Urlaubsbilder vom Pool zu posten und Neid zu ernten ;)
In der Mittagssonne bin ich eingedöst und knapp am Sonnenbrand vorbei geschrappt. So ein Spaßbad im Pool mit einem echt lustigen Ehemann (warum ist der nicht öfter so entspannt?) ist herrlich. Dann ein kleiner Imbiss und wieder auf den Liegestuhl.

Den Weg zur Yogaschule hatte ich mir auf der Karte angeguckt und auf ca. 15 Minuten Anfahrt geschätzt - mit Navi...
Tja, aber es wäre ja auch zu einfach gewesen!
Cabrio-Genuss pur, bis die Navi sich verabschiedete. Wieso hat die mir dauernd mitgeteilt, dass die Batterie schwach sei?

Hängt doch mit Kabel am Zigarettenanzünder - oder sollte der vielleicht nicht funktionieren? Stand ja fett "Nichtraucher" auf dem Deckel vom Aschenbecher und der Anzünder war auch nicht drin. Aber die kappen doch nicht die elektrische Zuleitung - oder doch?
Na gut, dann mal wieder ohne Navi, ich hatte ja noch ansatzweise die Karte im Kopf. Um kurz nach sieben (um sieben begann der Unterricht) war ich zwar auf der richtigen Straße, aber die Hausnummer nicht in Sicht. Dummerweise gibt es diese Straße auch zweimal: nach Norden und nach Süden vom Cape Coral Parkway aus. Wahrscheinlich war ich auf der falschen Seite. Also beim nächsten Signal umgedreht und ganz enttäuscht auf den Heimweg gemacht. Keine 50 Meter weiter ein großes Schild: KIDS-YOGA" - und die richtige Hausnummer. War nur zu schnell und musste noch mal ne Runde um dann dort auf den Parkplatz zu kommen. 10 nach sieben - soll ich oder soll ich nicht? Beim Yoga grenzt es an Todsünde wenn man zu spät kommt...
Egal! War auch kein Problem, hab mich entschuldigt und bekam sofort eine Matte (in lila!).
War eine schöne Stunde, wenn auch teilweise natürlich nicht ganz einfach in Englisch, aber man kann ja lauern was die anderen machen.
Dann auf den Heimweg gemacht und eine wesentlich kürzere Strecke gefahren.

Zuhause habe ich Jürgen dann das Problem mit der Navi geschildert und danach bei Alamo angerufen um 16 Minuten in der Warteschleife zu hängen, bis mir eine deutsche Dame ans Ohr vermittelt wurde. Das war dann eine Konferenzschaltung mit der Übersetzerin und der Dame von Alamo. Tja, tatsächlich kappen die die Zuleitung, damit sich an das Nichtraucherverbot im Auto gehalten wird. Ja nee, is klar, gibt ja auch keine Streichhölzer und Feuerzeuge in USA...
Wir sollen vorbei kommen und den Wagen tauschen - menno, mir gefällt das Nummernschild so gut (KJ - Kempkes/Jacobs), will nicht!

Abendessen am Pool und den Blog geschrieben (ich tippe mich hier ja echt blöd mit meinem 2-Finger-System).
Um kurz nach zehn wie üblich hundemüde - ab in die Falle, morgen ist erst Tag 3!

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Casa del Sol
 

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Tag 3 - Blöde Navi

Wieder das Übliche: nächtlicher Umzug ins eigene Schlafgemach und um kurz nach 6 quietschmunter wach. Jürgen wuselt auch schon rum und so gehen wir beide wieder zum Bootssteg die ISS beobachten. Vielleicht krieg ich sie sogar auf‘s Video? Cam geholt und drauf gehalten - das Ergebnis werde ich dann später mal in Augenschein nehmen.

Ach ja, die Sache mit Alamo muss ja in Angriff genommen werden. Da hat Jürgen die Idee die Navi extern aufzuladen und sucht nach dem entsprechenden Kabel. Findet nix... Ich könne ja mal den Hausherrn anrufen und nachfragen. Mach ich. Der meldet sich mit "Hallo Amerika!" (klar, er kennt seine eigene Nummer) und freut sich über meinen Anruf mit dem lächerlichen "Problem". Kabel gibbet nich, geht aber mit jedem USB-Kabel (und davon haben wir genug dabei). Dann erzählen wir etwas und er berichtet mir von der Alligatoren-Sichtung im Kanal. Hä? Ich lass vom Steg die Beine baumeln und hier schwimmt so´n 3-4 Meter-Kroko rum? Hm - dann geh´ ich jetzt mal auf Kamera-Jagd und lass die Beine schön oben.

Jetzt einmal quer durchs Haus zum Eingang und dort den Sonnenaufgang beobachten. Könnte ja mal filmen... tu ich dann auch. Irgendwie nimmt man sich etwas von der romantischen Atmosphäre, wenn man versucht die Cam möglichst ruhig zu halten und das Geschehen auf dem Display verfolgt - morgen guck ich wieder "oben ohne".

Morgens ist es auf der Terrasse noch angenehm kühl und alles ist so herrlich still und unberührt. Ab und zu platscht was im Kanal und ich denke immer an den Alli. Frühstück ist angesagt.

Jürgen möchte heute mal ins Miromar-Outlet. Glaubt mal nicht, der möchte dort etwa einkaufen - nein, nur rumbummeln. Ich bin bedingt begeistert, denn ich kaufe gerne ein und wenn ich das nicht kann, finde ich es eher mäßig interessant. Bilder von sämtlichen Brunnen, Teichen, Blumen und Fischen habe ich noch von 2008, ich nehme nur einen kleinen Fotoknips mit.

Wir fahren offen und die aufgeladene Navi scheint wieder zu funktionieren. Nur sagt sie nix...komisch, gestern war sie noch sehr gesprächig. Irgendwie lotst sie uns merkwürdig, die Richtung stimmt zwar (wir waren ja schon mal dort), aber plötzlich sieht alles recht fremd aus und wir sind angeblich am Ziel. Nein, doch nicht, jetzt sind es plötzlich wieder 20 km zum Ziel! Rechts ran und erstmal das Verdeck zu, denn es ist schon echt warm um die frühe Mittagszeit. Jürgen versucht die Navi einzustellen und plötzlich sind die Favouriten teilweise weg - häh? Dann fängt die Navi plötzlich an zu reden - Afrikans! Jetzt ist sie offensichtlich völlig verwirrt. Ein paarmal aus und wieder angemacht und die deutsche Stimme begrüßt uns wieder. Plötzlich sind auch die Favoriten wieder da und wir machen uns erneut auf die Strecke.

Nach tatsächlich weiteren 20 km am Ziel. Auf den brütend-heißen Parkplatz und raus aus dem Auto. Im Miromar hat sich seit 2008 nicht wirklich was verändert. Tolle Shops mit mehr oder weniger immer den gleichen Produkten - alle 10 m ein "Sunglass Hut"!

Wir sind keine Label-Fans und dieser Ausflug ist so sinnig wie ein Kropf! Jürgen hätte gern ein paar Badelatschen, die müssen aber nicht von Adidas sein. Ich will nix - doch halt: nix wie weg hier.

Ein paar Vergleichsfotos von den Brunnen (2008/2011) und dann wieder ins Auto - in 45 Grad!

Aber die Klimaanlage macht´s schnell erträglich.

Nun hat der Herr eine neue Einkaufsidee: Target! Okay, dann zu Target. Hier werden wir auch Badelatschenfündig und noch ein paar Kleinigkeiten wandern in den Korb. Publix nebenan lockt mit Sushi - ich liebe Sushi! Also da noch ein bisschen geshopt und mit unseren Schätzen nach Hause.

Inzwischen haben wir auch echt Hunger und machen uns über die neuen Errungenschaften, sowie das "Was weg muss" her.

Endlich ist wieder faulenzen angesagt. Bei Publix habe ich noch ein Pool-Toy (überdimensionierter Schwimmreifen) ergattert und nach einem schier endlosen Aufblas-Akt (mit Blasebalg, aber irgendwie doch sehr mühsam) kann man den auch testen.

Für heute Abend habe ich mir ein anderes Yogastudio zum Testen ausgeguckt und dorthin mache ich mich dann auch auf die Socken. Jürgen ist "not amused" - er hat für das "Verbiegen" eh nicht viel übrig und findet das absolut unnötig, erst recht im Urlaub! Aber ich verbinde das angenehme mit dem nützlichen: mal raus aus der Hütte und unter Leute und ein bisschen Fitness dazu.

Als ich wiederkomme schläft der Herr tief und fest und ich genehmige mir ein kühles Bad, bevor ich die Frikkos in die Pfanne haue. Ein paar Nudeln dazu und für mich der übliche Berg Salat (ich verzichte abends gern auf Kohlehydrate zu Gunsten der Figur). Zum Essen konnte ich Jürgen dann so grade mal wach kriegen, aber schon 5 Minuten später war er auf der Couch schon wieder im "Ratzmodus". Da bin ich dann gleich in mein Queens-Gemach gewandert und auch unglaublich schnell weggeratzt.

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Miromar Outlet

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Miromar Outlet

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Miromar Outlet

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Miromar Outlet

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Miromar Outlet

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My new Pool Toy

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My old Pool Toy

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Mein heissgeliebtes Cabrio
 

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  • #8
Tag 4 - Kampfjet

Heute wird's echt spannend - für mich jedenfalls.

Seit Jahren schon spukt der Wunsch in meinem Kopf herum mal schwerelos sein zu können, bzw. fliegen ohne Hilfsmittel. Im Traum bin ich schon oft geflogen (wie Peter Pan), die Realisation im wahren Leben gestaltet sich schwierig.

Im Flieger zu sitzen ist schön, ein kleines bisschen stellt sich auch dieses Gefühl "Über den Wolken, da muss die Freiheit wohl grenzenlos sein..." ein, aber nur im Ansatz. Die Faszination des freien Raumes lässt mich bisweilen kaum noch los...

In Meditationen (ich weiß, klingt jetzt ein wenig esoterisch und überdreht - dann das Folgende einfach ignorieren!) bin ich schon zu einem Kometen geworden, im weiten Raum des Alls mit ungeheurer Kraft und Dimension völlig "abgehoben" - hier auf der guten Mutter Erde mit ihrer ganz eigenen und behütenden Schwerkraft fällt dieses Abheben "in echt" ja nun mal ziemlich schwer.

Vielleicht kommt daher der Traum vom Fliegen, am besten schwerelos...

Vor 5 Jahren habe ich einen Tandemsprung gemacht, da war es auch (nur leider sehr kurz): dieses unbeschreibliche Gefühl von Freiheit während des freien Falls. Sobald der Schirm aufgeht zieht es ja die Beine wieder nach unten und man schwebt zwar, aber nicht wirklich frei. Egal, für den Anfang schon nicht schlecht - mache ich bestimmt nochmal.

Dann haben wir entdeckt, dass es auch Zero-G-Flüge in den USA gibt (auch in der Sowjetunion - aber da will ich keinen Urlaub machen), und zwar regelmäßig von KSC aus. Kostenpunkt: rund $ 6000 - mal nicht ganz billig!

Und dann haben wir einen Fernsehbericht gesehen - da ging es um ausgefallene "Abenteuer"-Geschenke, u. a. auch Jet-Flüge.
Kurze Recherche im Internet und sogar einen fliegenden Doktor in St. Petersburg/Clearwater gefunden: Howard Chipman.
Der Veranstalter sitzt in der Schweiz und mit einem netten Telefonat konnten wir schon mal die Eckdaten klären. Das war am 17. Dezember letzten Jahres. Die Buchung (ein Geschenk an mich selbst) habe ich dann Heiligabend gemacht und seitdem konnte ich mich richtig ausgiebig "vorfreuen".
Im Internet gibt es einige Videos und Berichte dazu, also wusste ich in etwa was mich erwartet - spannend und aufregend war es trotzdem. Sicherlich gibt es andere tolle Sachen oder Veranstaltungen, die man für so viel Geld machen kann (jedenfalls wurde ich in meinem Bekanntenkreis oft kopfschüttelnd kommentiert), aber jeder Jeck ist anders!

Nun war es also endlich soweit: Briefing auf dem Aurora Aerospace-Gelände um 14:00 Uhr - wir kalkulierten gut 2,5 Std. Fahrzeit ein und trotz Navi in Afrikans (sie kann's nicht lassen!) waren wir exakt in dieser Zeit am Int. Airport Clearwater. Allerdings ´ne Stunde zu früh - aber so konnte ich mich schon mal etwas akklimatisieren. Auf dem Rollfeld stand sie schon, noch ein klein wenig "verpackt" oben/vorne, aber ich bin schon drum rum geschlichen wie die Katze um den Milchtopf.

Kurz nach 14:00 Uhr kam dann "Chip" nebst Gattin Veronique und schon die Begrüßung war herzlich (amerikanisch eben!). Dann brachte man uns in ein kleines Büro und ein sehr ausführliches Briefing begann. Zunächst mal die Bemerkung, dass sich solch ein Flugvergnügen doch wesentlich mehr Männer als Frauen gönnen (10 zu 1) und gerade Veronique freute sich darüber dass mal wieder eine Frau ins Cockpit klettert. Die letzte sei auch eine Deutsche gewesen.
Und dann ging‘s aber so richtig zur Sache, anhand eines großen Fotos des Cockpits wurden mir alle Instrumente erklärt und ich sollte mir das auch alles "in case of an emergency" merken - ach du lieber Gott! Ich brauche immer etwas Zeit zum Abspeichern von Anweisungen, vor allem wenn sie mit rechts und links, oben und unten und hinten und vorn verknüpft sind - ich werfe das alles erstmal herrlich durcheinander. Jetzt wurde mir echt mulmig: mitfliegen ist ja gut und schön, aber selber? Einen Kampfjet? Aus der ehemaligen DDR? Mit tschechischem Düsenantrieb... ja nee - is klar!
Chip erzählte was von "ihm in der Luft auch entsprechend helfen zu müssen", falls seine Instrumente versagen sollten. Ich müsste dann seinen Anweisungen folgen und u.U. selber verschiedene Handgriffe kennen. Ich habe bestimmt dreimal nachgefragt, ob das wirklich nur im Notfall wäre und er hat es mir versichert - aber so ein Notfall kann ja nun mal immer eintreten...
Hm...

Egal, jetzt war ich hier, jetzt wollte ich auch in die Luft!

Ein Gesundheitscheck folgte, den konnten wir aber verkürzen, weil ich mein Sporttauchen-Arztdokument vorlegte. Dann wurde ich noch ausführlich auf eigene Haftung und eigenes Risiko aufgeklärt und habe auf ein Dokument mindestens 15-mal meine Initialen gesetzt und 2 x die Unterschrift. Sogar Jürgen musste als Ehemann unterschreiben. Wahrscheinlich kriegen wir demnächst 4 Waschmaschinen, 3 Trockner und 5 Stereoanlagen geschickt - laut Bestellschein vom... - ne, Spaß beiseite. Das muss ja sein, gerade hier in den Staaten, wo die Leute sich dumm und dämlich klagen für Schmerzensgeld und ähnliches.

Dann der passende Anzug und die Anprobe - und dann raus zur Maschine.

Die stand schön in der prallen Sonne, aber es war "partly cloudy" (stellenweise bewölkt) und daher noch erträglich.

Nun wurde die Maschine "ausgezogen" und ich durfte das Cockpit inspizieren (sofern ich da rauf klettern könnte!). Es gibt Klappen am Rumpf, das sind so kleine Trittmulden. Aber wo man überall nicht anfassen oder drauftreten oder auch nur drankommen darf - das ist kein Kampfjet, das ist ein "Kräutchen rühr mich nicht an"! Ich habe mich dann aber doch getraut, bzw. bin mal hochgekraxelt und habe mich umgesehen - ist ja relativ übersichtlich auf dem halben Quadratmeter.

Jürgen hat fleißig Fotos gemacht und die Videocam in Stellung gebracht - wir haben aber auch noch ein Flugvideo gebucht, das kommt erst später (direkt nach Deutschland).

Nachdem Chip die Maschine rundum gecheckt und uns dabei auch noch einige technische Daten erzählt hatte (ich habe nicht so genau hingehört, ich wollte mein technisch eher resistentes Hirn nicht noch mehr belasten) musste ich dann auf's neue meine Klimmzugfähigkeiten unter Beweis stellen und mich extrem vorsichtig und "geschmeidig" in den Sitz gleiten lassen. Jetzt bloß nix anfassen, drücken, ziehen oder sonstwie berühren - schließlich sitzt man da auf einem Schleudersitz, der bei unsachgemäßer Handhabung echt "in die Luft geht". Am Boden ist das sogar absolut tödlich.

Jetzt ging das Briefing weiter, da waren ja auch noch ein paar Hebel und Knöpfe und Schalter, denen hatte ich vorher noch nicht genügend Aufmerksamkeit geschenkt. Und wieder der Hinweis "in case of ..." - boah, mir ist heiß, ich darf mich kaum bewegen, muss meine vorlaute Klappe halten (weil deutsch eh keiner versteht) und darf nix anfassen - das ist doch schon emergency genug! Aber ich habe geduldig gelauscht und versucht alles zu behalten (zumindest Fragmente).

Schwimmweste an, Fallschirm an, Baumwollmützchen (wie ein Baby, damit man nicht so am Helm klebt), Helm. Nun die Einweisung zum Sprechfunk, zum Steuerknüppel (ich könnte auch selbst ein Stück fliegen wenn ich möchte - hat ne 80-jährige Oma auch schon gemacht...), zum Gashebel (ich soll beim Start die Power geben), zum Minibildschirm (der zeigt ganz viel an, ich weiß bloß nicht was alles), zum G-Meßgerät, zum Täschchen mit dem Spucktütchen - ich habe bestimmt was vergessen.

Dann die Frage, ob ich okay wäre - ja klar, seit Stunden - und Klappe zu. Dann hat sich Chip noch schnell in den Anzug geschwungen und mit allem lebensrettenden bestückt und ist auch ins Cockpit geklettert - vor mir.

Und endlich, endlich ging's los. Sprechfunkcheck - ich war zu leise und brauchte endlose Sekunden um den richtigen Knopf für die Lautstärkeregelung zu finden, dann musste ich den Mund halten, damit die Gespräche mit dem Tower nicht gestört wurden. Ich war eh plötzlich ganz still - jetzt ging's wirklich los und das war schon echt ein Grund zum inne halten...

Erstmal zur Startbahn, die Düsen sind gar nicht so laut im Flieger, draußen war es wohl heftiger, denn Jürgen hat von Veronique vorsichtshalber Ohrstöpsel bekommen (und auch gebraucht - und er ist nicht so empfindlich). Ich sollte dann meine Anzeige mit dem künstlichen Horizont richtig einstellen (das Flugzeug exakt auf Horizontlinie bringen) mit einem Drehknopf. Das hatte ich mir wenigstens gemerkt! Aber ging nicht - Ärmchen zu kurz! Ich hangelte vergeblich im Leeren und so angegurtet wie ich war hatte ich keine Chance - definitiv 5 cm zu kurz! Ganz verzweifelt sagte ich Chip: "Sorry, but my arm is too short!" und er antwortete: "It doesn't matter!" (und hat bestimmt vorne gegrinst).

Und dann ging's in Stellung und ich durfte tatsächlich den Schub geben (da kam ich noch dran!) - ist das endgeil!

Relativ schnell und locker abgehoben - ach halt, hab was vergessen...schon nach dem Schließen der Kanzel wurde wohl der Luftdruck verändert und ich musste ausgleichen.
Der Start hat sich aber vom Tempo her nicht groß von einem normalen Passagierflugzeug unterschieden, nur die Aussicht ist um Längen besser.

Dann waren wir auch schon in der Luft und unten ganz klein mein Männe und Veronique am Rollfeld.

Chip hat mir dann immer erzählt was wir gerade machen, auf welche Höhe, welche Kurve, wie schnell und dann sind wir durch die Wolkendecke der Sonne entgegen geflogen. Das war so schön...

Ich habe ein paar Bilder gemacht und musste plötzlich singen, zumindest summen - mein Dauergrinsen sah bestimmt auch etwas debil aus (sehe ich dann auf meinem Video).

Wir sind dann auf 5000 Fuß und Chip sagte, ich sollte mal den Steuerknüppel halten und seinen Bewegungen folgen. Läuft ja vorn und hinten alles schön synchron. Das habe ich dann auch ganz vorsichtig gemacht und wir sind hoch und runter und rechts und links geflogen. Natürlich immer nur sanft und nicht so doll, wie es sich jetzt vielleicht anhört. Und dann kam es auch schon, jetzt könnte ich mal fliegen. Der magische Satz: "You have the control!" und ich musste antworten: "I have the control!" - Hammer!
Ich bin dann auf seine Anweisungen geflogen: steigen, sinken, Rechtskurve, Linkskurve. Das war echt ein erhebendes Gefühl, lässt sich kaum beschreiben.

Dann hat er wieder übernommen und nun wurde es richtig lustig. Kurve: 30 Grad, 45, 60...Steilflug und eine Rolle nach links - Uiiiih - für Sekundenbruchteile schwerelos - da kann kein Rollercoaster mithalten!. Wieder gib ihm in den Himmel, dann eine "fast roll - right side, slow roll - left side, okay?" - "Yeah!" - und los ging's... Rauf, runter, Rolle...und gleich nochmal...

Dann wurde mir doch etwas blümerant und auf Chips Frage: "Some more maneuvers or sightseeing at the beaches?" - "Beaches - my stomache feels not so good!"... In echt, für'n Moment war's nicht mehr so lustig und ich schielte nach dem Täschchen mit der Kotztüte. Aber wozu hatte ich die Reisetabletten denn vorher eingenommen? Doch bestimmt nicht, um sie jetzt hier in der Kanzel zu verteilen. Also durchatmen und ruhiger werden. OOOMMM.

War dann auch gleich schon wieder gut und ich ließ mir von Chip die schönen Strände von Clearwater zeigen. Und dann war's auch schon Zeit für die Rückkehr und Vorbereitung zur Landung. Schade - schon vorbei! Aber in der Erinnerung (und hinterher mit dem Video) kann ich es ja noch viele Male durchleben und sogar ohne Magengrummeln.

Sicher und sachte gelandet und auch beim Rausklettern nix falsches berührt. Das war echt ein Abenteuer! Jürgen leuchtete mir entgegen (zumindest sein Sonnenbrand auf der Stirn) und wir machten noch ein paar Funfotos.

Raus aus den Klamotten (drunter war ich echt nass geschwitzt) und Durst! Veronique plauderte noch aus dem Nähkästchen: vor ca. 3 Wochen hatten sie unsere Models von Germany's next Topmodel zum Zero-G-Flug mit Fotoshooting für Garnierwerbung da. Die Mädels haben auch keine Probleme gehabt (dank eines medizinischen Pflasters am Hals) und die Sorge um sie war völlig unbegründet, allerdings hatte man nicht so an die Kameraleute gedacht. Einem Kameramann ist kotzübel geworden und man mußte noch mal landen um den Mann zu ersetzen!

Chip hat dann noch die Auswertung unseres Fluges gemacht: 2,7 G im + und 1,1 im -! Gar nicht so übel für den Anfang!
Dann habe ich noch ein bisschen die Merchandise-Artikel durchstöbert und eine Sporttasche erstanden - bei großen Taschen komme ich immer wieder in Versuchung!

Der Abschied war ebenso herzlich wie die Begrüßung, wir sind in unsere Autos geklettert (sie natürlich in einen BMW) und vom Gelände gefahren.

Kaum aus Clearwater raus haben wir einen BK überfallen - ich hatte so einen Mörderhunger nach dem ganzen Stress! Und dann ab nach Hause - zur Abenddämmerung waren wir dann wieder in unserem Wonnehaus!

Chip meinte noch, ich könne bestimmt gut schlafen - und er hatte Recht - aber so was von!

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L-39 Albatros

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Mein Jet noch abgedeckt

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Mein Jet noch abgedeckt

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L-39 Albatros

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Howard Chipman

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Jetzt geht es gleich los

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Ein halber Quadratmeter Platz

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Auf zur Startbahn

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Zum Start

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...und abgehoben

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Über den Wolken

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Über dem Meer

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Noch mehr Meer und Wolken

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Clearwater Strand

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Gelandet

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Ohne Worte

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Veronique

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Der Jet wird gekuschelt
 

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Tag 5 - Nur chillen

Die erste Nacht durchgeschlafen, wahrscheinlich war ich wirklich mal richtig erschöpft von dem aufregenden Tag. Allerdings habe ich hier eine innere Uhr, die mich immer kurz vor halb sieben weckt (kann ja zuhause lustig werden, wenn ich bis mittags schlafe!). Es war schon ansatzweise hell im Zimmer und ich setzte mich auf, um durch das Badezimmerfenster (der Badbereich ist offen gestaltet) nach Osten zu schauen. Mein Gott, was für ein Timing – genau in diesem Augenblick war gerade orange-gelb die Sonne aufgegangen! Ich konnte es kaum glauben, legte mich aber wieder hin, denn den Sonnenaufgang hatte ich jetzt schon genug gefilmt und fotografiert. Aber dann wollte ich doch noch mal schauen und stellte fest: da waren noch mehr Sonnen aufgegangen – es handelte sich nämlich schlicht und ergreifend um die Straßenlaternen des Chiquita Blvd. Schade eigentlich. Am Horizont waren einige Wolken und von Sonne weit und breit nix zu sehen.

Jürgen wurde auch wach (wahrscheinlich von meinem Rumgehüpfe im Bett) und ich wollte ihm mein dusseliges Missverständnis zeigen – da waren die Sonnen alle weg…war wohl genau der Zeitpunkt, wo die Laternen ausgeschaltet werden.

Nun denn, erst mal raus aus den Federn. Morgens um sieben ist alles noch ganz still und frisch, für mich mit die schönste Tageszeit. Ein paar freche kleine Vögelchen zwitscherten in den Bäumen am Kanal und die ersten Karpfen hüpften aus dem Wasser.

Morgens läuft die Umwälzanlage des Pools noch nicht und ich liebe diese ganz glatte Wasseroberfläche. Ich konnte nicht widerstehen und ließ mich sachte ins Wasser gleiten, damit die spiegelglatte Fläche nur möglichst wenig bewegt wurde. Ein paar entspannte Runden hin und her im Pool – konnte ein Tag schöner beginnen? In solchen Augenblicken schließe ich oft für einen Moment die Augen und speichere mir die Situation wie ein Foto (aber mit Tönen und Geruch) ab. So kann ich später jederzeit noch einmal diesen Moment „abrufen“ und erleben.

Es war Sonntag und wir hatten uns nichts für diesen Tag vorgenommen. Einfach nur entspannen: in der Sonne liegen, baden im Pool, den leiblichen Genüssen frönen. Das Leben genießen im süßen Nichtstun.

Funktioniert nur nicht allzu lange. So irgendwie nichts tun und nur durch die Gegend gucken wird langweilig (sogar relativ schnell).

Ich hatte bei meiner Hausinspektion auch einige deutsche Zeitschriften und 3 Taschenbücher (aber dicke!) im Wohnzimmerschrank gefunden. Eines davon holte ich mir jetzt und begann zu lesen. Ich bin echt völlig weg vom „Drumrum“, wenn ich ein Buch mag und mich in die Story vertiefe. Damit verging dann auch viel Zeit – mal was essen oder trinken, ein erfrischendes Bad oder den Platz wechseln (weniger oder mehr Sonne, bzw. Schatten). Eine Zeitlang dümpelte ich auf meinem großen Schwimmreifen lesend im Pool. Das war sonnenbrandtechnisch nicht ungefährlich, merkte ich aber noch rechtzeitig.

Ab und an mal einen Blick ins Internet und dann am Nachmittag habe ich den Bericht des Jet-Fluges in Angriff genommen.

Ich komm ja beim Schreiben manchmal echt von Hölzchen auf Stöckchen – Jürgen konnte nicht glauben, wie viel Text ich zusammentippte. Dann die Fotos aussuchen und komprimieren und in die richtige Reihenfolge bringen (beide Kameras haben die gleichen Dateinamen: Dsc…- das ist natürlich blöd!).

Korrektur gelesen und verbessert und schließlich in meinen Blog gesetzt. Damit war ich locker knapp 3 Stunden beschäftigt. Dann wieder baden oder essen oder lesen – ich krieg’s nicht mehr chronologisch zusammen (ist aber auch wirklich uninteressant!).

Am Abend haben wir zunächst den Sonnenuntergang und dann den Aufgang der Sterne beobachtet. Jürgen hat auf seinem I-Pad Programme, damit kann man den Sternenhimmel bestimmen oder auch die vorbei fliegenden Satelliten zuordnen. Und die ISS, die wir ja sehr gern am Himmel beobachten ließ auch nicht lange auf sich warten und schwebte majestätisch und strahlend hell über unsere Köpfe von West nach Ost.

Noch ein bisschen wuseln im Web und dann haben wir noch einen Film geguckt, über den wir beide eingeschlafen sind.

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Der Pool
 

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Tag 6 - Der Poolboy

Wie üblich früh wach und zum Tagesbeginn in den „glatten“ Pool – dabei habe ich mir durch den Kopf gehen lassen, ob wir uns nicht so einen Pool in den Garten setzen lassen könnten. Könnten wir nicht, der Hauseigentümer hätte da sicher was gegen. Außerdem wäre es eine echt teure Angelegenheit und ob wir das dann genügend nutzen könnten (klimatechnisch) wäre ja auch noch fraglich. Also den Gedanken wieder verwerfen und sich aber schon mal fest vornehmen hier wieder hin zu kommen.

Es war Montag und es machte Sinn heute noch mal zu relaxen, weil wir ja am Dienstag für 5 Tage nach Orlando wollen. Da ist ja dann Dauerstress angesagt: jeden Tag ein anderer Park und das möglichst ausgiebig.

Ich freue mich schon auf Epcot und vor allem auf Soarin in „The Land“. Da möchte ich am liebsten mehrmals rein – hat ja wieder was mit fliegen zu tun…

Also heute wieder faul sein, vielleicht später mal zu Publix (bestimmt sogar!), sonst nichts.

Die Hälfte des 600 Seiten Romans hatte ich schon durch, also machte ich mich „an den Rest“.

Frühstück, ein bisschen planschen, lesen, dösen. So verging der Tag.

Mit unserem Poolspielzeug haben wir echt viel Spaß, ich muss das mal mit Stativ filmen, was wir für kindliche Anwandlungen haben.

Mein Mann machte mich dann aber wenig liebevoll auf meinen „weißen Haaransatz“ aufmerksam (tja, damit kämpfe ich jetzt schon seit Mitte dreißig!) und ich suchte mir aus dem Internet die Telefonnummer des deutschen Friseurs hier in Cape Coral. Kurzer Anruf und Glück gehabt: eine Kundin hatte für Dienstagmorgen abgesagt und so habe ich noch einen Termin ergattert.

Am frühen Nachmittag waren wir beide auf den Liegen am Pool eingedöst, als ich plötzlich vom Klappen der Gartentür hochschreckte. Ein fremder Mann nuschelte etwas von „Poolboy“ und stiefelte zum Pool. Er schüttete irgendwas ins Wasser und da ich mich oben ohne sonnte blieb ich bäuchlings liegen und weckte Jürgen. 5 Sekunden später rauschte der Poolboy wieder an mir vorbei zur Tür hinaus und nuschelte was von „No swim one hour“ und wie ein Spuk war er verschwunden.

Auf den Tisch hatte er seinen Service-Zettel gelegt, den packten wir dann in den Service-Zettel-Kasten. Auf diesem Kasten stand, dass der Poolboy dienstags käme, deswegen war ich auch so verblüfft. War das einzig spektakuläre dieses Tages.

Nachdem ich das Buch zu Ende gelesen hatte sind wir zu Publix und Target noch ein bisschen einkaufen gefahren. Ein neuer Bikini „musste sein“, ich habe meinen zweiten zuhause vergessen.

Zum Abendessen gab’s Steak und Salat, dazu ein Budweiser für den Herrn und einen Weißwein für mich.

Dann haben wir wieder Sterne geguckt und diesmal das Hubble-Teleskop auf seiner Bahn beobachten können. Etwas später auch noch etwas blasser als sonst und viel weiter weg die ISS. Also wieder ein rundum gelungener Tag!

Morgen geht's nach Orlando: Sea World - wir kommen!

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Sonnenaufgang
 

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Tag 7 - Auf nach Orlando

Heute geht es also nach Orlando. 5 Tage in der gelobten Stadt der Themenparks – ein Phantasialand von kontinentalen Ausmaßen. Irgendwie faszinierend, anderseits aber auch in gewisser Weise bedenklich. Dass der Mensch so etwas baut, weil es ihm offensichtlich gefällt sich in einer kompletten Fantasiewelt zu bewegen ist schon etwas eigenartig. Aber der Reihe nach.

Um neun stand zunächst erst mal der Friseurbesuch bei Karin und Peter auf dem Programm. Wie üblich hatte ich pünktlich zum Sonnenaufgang den Pool frequentiert und dann Kaffee gemacht. Jürgen war im Lauf der Nacht ins Wohnzimmer ausgewandert und dort auf der Couch eingeschlafen. Macht er zuhause auch gern, da hat er dann aber die Couch noch mit unseren Haustigern zu teilen.

Der Frühstückshunger ließ auf sich warten, allerdings wollte ich das neue italienische Brot mal ausprobieren (Jürgen hatte brav die Anweisung befolgt morgens als erstes die Butter aus dem Kühlschrank zu holen, damit sie streichfähig werden konnte!). Gesagt, getan. Schöne weiche Butter auf schönes weiches Brot geschmiert. Diese Watte-Konsistenz des Brotes hier (wie auch in Holland) ist schon bemerkenswert. Man könnte nach dem Einkauf das ganze Brot auf max. 3 cm zusammenquetschen (aus Einkaufstüten-Platzersparnis), nur hätte man dann hinter Mühe die 1,5 Mikromillimeter dicken Scheiben auseinander zu friemeln. Oder man müsste es einfach wieder aufpusten können.
Jürgen bemerkte natürlich sofort, dass ich etwas futterte (da hat er irgendwie einen siebten Sinn für) und wollte auch. Also auch für ihn 2 Scheiben mit Butter bestrichen und aufeinander geklappt. Das reizte ihn, er klappte die Scheiben noch mal zusammen und noch mal und noch mal und noch mal. Nun war das Brotgebilde etwa daumendick und radiergummigross. Passte noch in den Mund – sehr witzig!

Ich setze mich mit meinem Kaffee auf die Terrasse und werkelte im Internet.

Zu meiner Überraschung verschwand mein Gatte dann plötzlich im Bad und das ließ darauf schließen, dass er beabsichtigte mich zum Friseur zu begleiten – mein Bodyguard. Macht er ja gern, ich würde schon manchmal gern wissen warum, verrät er mir aber nicht.

So sind wir dann pünktlich los zur Lafayette, schön mit offenem Verdeck im Cabrio – zur Morgenstunde wirklich ein Vergnügen.

Karins Friseurgeschäft ist richtig alt-amerikanisch eingerichtet. Jeder hat seine eigene Nische (sogar mit Namensschild) und ich dachte zunächst das wäre so eine Art Koexistenz, aber das Geschäft gehört den beiden allein. Die anderen Friseurinnen sind „eingemietet“ und arbeiten ganz selbstständig. Finde ich eine sehr vernünftige Lösung, wäre bei uns in Deutschland vielleicht auch eine ganz praktische Idee.

Karin war auch gleich für mich da und wir kamen auch schnell ins Gespräch. Man hört ihr ja doch die norddeutsche Herkunft an und da in meinem Pass Geburtsort Hamburg steht (und da kommt sie ursprünglich her) hatten wir auch gleich ein Gesprächsthema. Sie ist vor 5 Jahren mit Mann und Teenagertochter hierhin ausgewandert und hatte auch zunächst nicht gerade wenige Hürden zu überwinden, aber inzwischen haben sie es geschafft. Nun überlegt sie sogar den Salon zu verkaufen und auch nur als „eingemietete“ Friseurin zu arbeiten. Die Tochter ist dann vor 2 Jahren der Liebe wegen zurück nach Deutschland und hat jetzt auch für ein süßes Enkelkind gesorgt. Zurzeit ist sie hier zu Besuch (die Liebe holpert im Moment) und Karin würde sie am liebsten nicht wieder nach Deutschland zurück lassen, aber man wird sehen. Jürgen war zwischendurch in seinem Wartesessel kurz eingenickt – er durfte aber dann im unbenutzten Nebenstuhl Platz nehmen und sich mit uns unterhalten, bis die nächste Kundin kam.

Nach den üblichen 90 Minuten war ich aber auch schon fertig und bekam noch ein paar nette Einkaufstipps von Karin. $ 40 hat sie für das Ansatzfärben berechnet, zuhause komme ich etwas günstiger weg – aber man gönnt sich ja sonst nix. Gibt man eigentlich einer Friseurin, der der Laden gehört Trinkgeld? Wenn ja, dann habe ich jetzt ein schlechtes Gewissen…

Wir sind dann wieder nach Hause und endlich gab es ein ordentliches Frühstück. So ein Wattebrot vertilgt man zu zweit ja fast komplett bei nur einer Mahlzeit…

Wir wollten nicht zu früh in Orlando sein, also vertrödelten wir noch ein paar Stunden im Haus und am Pool, bevor wir uns auf die Socken machten. Die Navi hatte uns nun schon seit Tagen nicht mehr auf Afrikaans angesprochen und funktionierte mit dem Kabel im hinteren Zigarettenanzünder perfekt (welch eine Logik, vorne abklemmen und hinten dran lassen!). Zu Feier des Tages wollte Jürgen heute mal fahren, ich habe ihm nur sehr unwillig das Steuer überlassen, aber die Aussicht auf Fotos (während der Fahrt) war auch reizvoll. Also haben wir unseren Krempel verstaut, uns vom Haus verabschiedet und sind um halb zwei mittags los. Auf den Straßen war relativ viel Verkehr, aber Staus gab es nicht. Sind exakt 205 Meilen bis nach Orlando und wir waren in genau drei Stunden dort.

Ich habe viele Trucks, Autos, Straßenschilder und ein bisschen Landschaft fotografiert. Was ich an den Trucks so besonders finde weiß ich selber nicht, aber gerade die Führerhäuser haben es mir angetan. Diese bunten chromblitzenden Karossen sind einfach geil, so ein Ding würde ich echt gern mal fahren. Zuhause habe ich bei diversen Umzügen und früher während der Messe-Aufbauzeit (im Job) auch schön öfter dicke Brummis gefahren (bis 7,5 t) – das macht echt Spaß. Da mir das richtige abschätzen von Abständen liegt habe ich auch nie Mist gebaut, selbst bei Fahrmanövern in Messehallen zwischen den Ständen nicht. Wenn wir unterwegs sind und die Parklücke ist knapp, dann lässt mein Mann mich zum Einparken ans Steuer! Ich gestehe, da bilde ich mir echt ein bisschen was drauf ein ;)

Zurück zur Tour (dass ich aber auch immer abschweifen muss!).

Kurz vor Orlando wurde es plötzlich recht dunkel am Himmel und blitzte auch mal. Jürgen hatte direkt schon wieder Sorge ein Unwetter könnte jetzt in Cape Canaveral das Launchpad treffen und der Blitz in den dort aufgestellten Spaceshuttle einschlagen, aber ich konnte ihn beruhigen. Dann fing es sintflutartig an zu regnen – für ca. 3 Minuten. So schnell, wie es losgegangen war hörte es auch wieder auf – es schien sogar die ganze Zeit weiterhin die Sonne und wir konnten links eine parallele Strasse sehen, die war trocken! Hier ist es also tatsächlich „partly cloudy“, sogar nur „partly gewittrig“ – oder wie immer man das nennt.

Das Quality Inn liegt unmittelbar an der Autobahn, gleich neben dem verrücktesten Mc Doof der Welt am International Drive.
An der Rezeption bin ich der in meinem Leben dümmsten Amerikanerin mit afrikanischem Ursprung begegnet, unglaublich. Okay, „Kempkes“ ist ja jetzt nicht unbedingt ein amerikanischer Name, aber so unaussprechlich nun auch nicht. Wir haben ihn 4 Mal (!) buchstabiert (in Englisch wohlgemerkt!) und sie hat’s nicht gerafft. Erst eine Kollegin hat uns verstanden und ihr den entscheidenden Tipp (welchen hab ich nicht verstanden!) gegeben. Dann konnte sie unsere Reservierung erst im PC finden. Dann hat Jürgen dieser unglaublich dummen Frau den kompletten Gnadenstoß gegeben, als er sie danach fragte, ob wir wohl am 29. April noch einmal für nur einen Tag den Parkplatz des Hotels (auch gern gegen Entgelt) benutzen dürften (weil ja der Spaceshuttle-Start auf dieses Datum verlegt wurde und wir von Gator-Tours im Hotel „aufgepickt“ werden). Er hat es dreimal erklärt, sie hat es nicht begriffen. Wir hätten nicht bis zum 29. gebucht – äh – wir wollten nur den einen Tag und nicht 4 Nächte? – äh – (hilfesuchender Blick zur Kollegin) – äh… I did’nt understand…
Die Kollegin hat’s sofort verstanden und unseren Fahrzeugzettel zum Vorzeigen bei der Einfahrt neu geschrieben und auf den Zeitraum bis zum 29. datiert.

Wir sind ja nicht zum ersten Mal hier, aber es wurde doch im letzten Jahr anlässlich eines Inhaberwechsels einiges renoviert und erneuert. Trotzdem natürlich kein Vergleich zu unserer Villa in CC – „Ganz schön klein.“ Stellte Jürgen nüchtern fest als wir unser Zimmer betraten. Was soll’s, wir sind hier ja sowieso die meiste Zeit auf Achse.

Alles ausgepackt und verteilt, PC angeschlossen und die Verbindung (eine recht unsichere Verbindung) über die hauseigene W-LAN hergestellt. Ein bisschen rumgesurft und Mails gecheckt. Unterwegs hatten wir eine Tüte Chips (Sourcreme and Onion) gekillt, aber jetzt meldete sich der Hunger.

Bei unseren letzten Besuchen waren wir gern bei einem Chinesen, Fußweg 3 Minuten vom Hotel – mal sehen, ob es den noch gibt.

Draußen war es schwül-warm, längere Spaziergänge sind da eher unangebracht, vor allem in der Rushhour. Der Herr war dann auch in Sekundenbruchteilen angenervt und ließ mir keine Zeit für Sightseeing – das „China Jade Mongolian Grill“ gibt es immer noch! Ab ins Restaurant (und angenehme Kühle). Hier hat sich nichts wesentlich verändert, sogar nicht mal die Preise seit 2008.
Hungrig über das Buffet hergemacht, Shrimps, Flusskrebs und Muscheln in diversen Zubereitungen – da stehe ich ja echt drauf. Zum krönenden Abschluss Eis mit frischen Früchten, das Eis „selbst gezapft“ an 2 Softeismaschinen. Da habe ich mir noch Nachschlag geholt, wollte immer schon mal bei so einer Softeismaschine die Hebel drücken.

Ziemlich voll gefuttert sind wir dann raus in den Trubel auf dem International Drive, hier sind auch diverse Vergnügungsetablissements Tür an Tür. Jürgen hatte Lust auf „ein paar Schritte“ und so stiefelten wir dem Sonnenuntergang entgegen (so ähnlich jedenfalls).

Der Abendhimmel verwöhnte mit seiner Farbenpracht und setzte dem glitzernden Treiben noch einen drauf. Auf der anderen Straßenseite war so eine Art Kirmes (Rummel) – nur die Straßenüberquerung zur Hauptverkehrszeit war abenteuerlich. Blöd ist ja, wenn bei zwei Spuren einer hält und dir winkt du sollst gehen und in der Spur daneben halten sie drauf… da rennst du dann im Zickzack um dein Leben. Aber wir sind heil drüben angekommen!

Über einen Parkplatz und kurz einen Zaunblick in eine Alligatoren-Vorführung. Dann dem Gegröle gefolgt zum „Slingshot“, so eine Art Katapult. In einer Gondel sitzen 2 Halbirre und werden zunächst nach unter (in einen Pseudovulkan) gezogen, während hunderte von Federn zusammengedrückt werden um 2 Seile unter höchste Spannung zu bringen. Dann wird die Gondel ausgehakt und mit Megawucht nach oben (390 Fuß) katapultiert. Mit der Schwerkraft kommt sie dann wieder zurück und schwingt noch ein paar Mal auf und ab, ehe die Bekloppten aus der Gondel wieder befreit werden – oder (wie in unserem Fall) gleich noch mal „schleudern“ wollen. Ich mach ja echt viel Scheiß mit, aber dazu fehlt mir dann doch der Antrieb. Gucken ist okay, selber machen muss ich das nicht.

Dann gab es noch ein niedliches Kindertrampolin mit 2 Bungee-Gurten und ein Kettenkarussell in luftiger Höhe. Eine riesige Go-Kart-Anlage (auch sehr beliebt, da viel befahren – übelst Benzingestank) und diverse Fress- und Trinkbuden. Dann drängte mich leider ein natürliches Bedürfnis und wir kehrten ins Hotel zurück. Kirmestrubel werden wir in den nächsten Tagen noch zur Genüge haben – jetzt war erst mal ein bisschen relaxen angesagt.

Das kleine Hotelzimmer ist echt ein krasser Gegensatz zu unserem CC-Domizil, der Fernseher lässt sich mit der Fernbedienung nur einschalten und zappen, nicht mal die Lautstärke ist verstellbar (die kommt teilweise nicht gegen den Lärm der Klimaanlage an).

Die Betten sind grausam weich, Jürgen „kullerte“ immer wieder in seine Mulde zurück und moserte deshalb ununterbrochen.
Dann fing er an zu „erzählen“: „Das ist der Jürgen, der schwitzt ganz doll, muss er nicht – tut er aber.“ – ich bekam beim Zähneputzten einen Lachflash und hätte fast meine Zahnbürste verschluckt. Mir fielen dann auch ähnlich doofe Sätze ein und ich war froh, dass ich irgendwann wieder Luft bekam nach der ganzen Kicherei. Was wohl die Zimmernachbarn gedacht haben? Egal, jetzt versuchen wir in unseren Schlafmulden zu schlummern. Morgen ist auch noch ein Tag!

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Unterwegs nach Orlando

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Unterwegs nach Orlando

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Unterwegs nach Orlando

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Unterwegs nach Orlando

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Unterwegs nach Orlando

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International Drive

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International Drive

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International Drive

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International Drive

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China Jade Buffet

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International Drive

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Slingshot International Drive

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Slingshot International Drive

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Slingshot International Drive

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International Drive
 

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Tag 8 - EPCOT Center

Das Hotelbett ist grausam weich – zum Umdrehen muss man sich regelrecht aus der Bettmulde raushebeln! Um kurz nach 2 nachts werde ich durch so eine Rumhebelaktion komplett wach und stelle fest: neben mir ist auch einer schon wieder munter. An Einschlafen ist nicht zu denken, also auf und an den PC. Kann ja den Bericht von Tag 7 schreiben, tu ich dann auch. Jürgen hilft mir mit den Fotos zum Bericht und mit allem Drum und Dran ist es schon nach 5, als das Ding online geht.
Und nun? – Neuer Schlafversuch, der dann sogar klappt, zumindest bis gegen halb neun.

Mit Kaffeeduft werde ich geweckt, das einzig nette hier im Zimmer (die Kaffeemaschine). Wir beschließen im Hotelrestaurant zu frühstücken (haben wir in der Vergangenheit auch oft gemacht) – war allerdings keine gute Entscheidung, wie sich bald herausstellen sollte.

Ein bisschen auf einen Platz gewartet (was ja kein Problem ist), eine Weile auf die Bedienung (die locker 4 x bei uns vorbei kam, aber offensichtlich nicht den Kopf frei hatte für die Frage nach unserem Getränk – der Rest ist Frühstücks-Buffet zum selbst bedienen!), dann auf saubere Teller (min. 5 Minuten der wertvollen Urlaubszeit, ich habe dann einfach eine Müslischüssel genommen!). Dann auf den Bacon…

Ganz ehrlich, das Buffet hat um Längen nachgelassen, sowohl in Auswahl als auch Frische-Qualität. Kostenpunkt: $ 7,99 pro Nase + Tax (wie 2008).

Das Personal schien nur aus Knastfreigängern und Senioren rekrutiert. Die Gäste auch recht „einfach“ – ich bin wirklich kein Snob, ab was um uns herum frühstückte war echt unterste Schublade. Na ja, breiten wir den gnädigen Mantel des Schweigens darüber.

Wir haben dann sehr schnell diesen unwirtlichen Ort verlassen und sind wieder ins Zimmer um uns für Epcot startklar zu machen.

Ich stand gerade halbnackt im Bad, als ich Jürgen hinter mir mit jemandem reden hörte: Housekeeping war eingetroffen und zerrte rigoros meinem Mann das Laken unterm Hintern weg. Ich war etwas erschrocken, weil ich das nur so kenne, dass der Service zu einem späteren Zeitpunkt (oder wenn man Pech hat eben gar nicht mehr) wiederkommt, aber das Jürgen die Dame ungeniert zum dableiben aufgefordert hatte und sie um einen drum herum wuselt war mir neu. Ich habe dann kapituliert und wir haben ihr das Zimmer überlassen. Jürgen hat ein bisschen im luftigen Schatten des Hausflurs die wunderschöne Gegend bestaunt und ich habe das Umfeld mal fotografisch dokumentiert (nein, nix fieses, nur Blümchen und Pool).

Als dann die Service-Frau ihren Wagen eine Tür weiter schob, haben wir wieder die Zimmergewalt an uns gerissen.

Noch ein bisschen was zusammengepackt, alles Wichtige in den Safe (und bis man wirklich alles Wichtige drin hat macht man ihn ungelogen fünf Mal auf und wieder zu).

Cabrio auf und ab nach Epcot. Die Sonne brannte unbarmherzig auf uns nieder und mir schwante übles was den Aufenthalt im Park anging. Das bei so einem Wetter geradezu Völkerscharen dort einfallen würden war schwer anzunehmen. Dies wiederum führt zu langen Warteschlangen an den „Attraktionen“ – das wiederum zum Unmut meines Gatten, vor allem in der Hitze. Aber noch war er entspannt und guter Dinge.

Er wollte dann gern zum Test Track – ich war da nicht so wild drauf, konnte ich mich doch noch gut an die lange (und vor allem elend langweilige) Wartezeit vom letzten Besuch erinnern. Aber egal, er möchte da rein, also gehen wir da rein. Wahrscheinlich bekomme ich noch die Revanche!

Es wurden elendige knapp eineinhalb Stunden (mit einer ununterbrochen furchtbar lauten und eintönigen Beschallung), bis wir die knapp 3-Minütige Fahrt antreten konnten – die habe ich dann aber mit der Videocam festgehalten, damit er sich das jetzt so oft zuhause ansehen kann, dass er nie wieder drauf will!

Jürgen hatte als 3D-Event „Captain EO“ entdeckt und wir mussten quer über den Park zur anderen Seite (zwischen „Universe of Energy“ und „The Land“). Ich wusste jetzt nicht, was da auf mich zukommt, aber als Jürgen mir was von „spektakuläre 3D-Verfilmung von Michael Jackson von Anfang der 90-er“ erzählte war ich interessiert. Da gibt es dann ja sicher auch Tanzsequenzen und ich liebe ja nun mal alles was mit tanzen zu tun hat.

Der Film war echt cool, so richtig Alien-Space-SF mit Funfaktor und viel Singerei und Tanzerei. Außerdem ist es in den Kinos immer sehr schön kühl, da lässt es sich gut aushalten (bei Außentemperaturen von 28° im Schatten – gefühlte 36°!).

Im Park schoben sich die Menschenmassen herum und unser nächster Anlauf war natürlich Soarin – da habe ich mich jetzt ein knappes Jahr drauf gefreut. Wartezeit war in roter Leuchtschrift angezeigt: 125 Minuten! Eine Dame am Eingang bestätigte das auch – wir müssten schon mit 2 Stunden rechnen. Nee, darauf hatten wir keine Lust – und außerdem inzwischen Hunger. In „The Land“ ist ein riesiger „Fressbereich“ mit verschiedenen Theken, von Asia bis zum Sandwich alles da. Wir probierten so eine Art Lummer Kotelett mit Kartoffelbrei und einer Früchtesoße – war lecker. Refill-Diatcoke bis zum Abwinken. Dann bin ich noch mal zum Eingang von Soarin gestiefelt: 140 Minuten! Ich habe gefragt, wie lange die überhaupt geöffnet haben und mir wurde 9 Uhr gesagt. Jetzt war es halb vier, also noch Zeit satt. Raus aus „The Land“ und zum See.

Um den See herum sind die „Showcases“, von vielen Ländern einzelne Bereiche in typischer Bauweise, teils mit Attraktionen oder Restaurants, aber alle mit vielen Shops und Merchandising. Wir hatten keine Lust durch die Hitze zu laufen (zumal wir das in der Vergangenheit schon öfter gemacht haben) und beschlossen mit dem Boot zu fahren. Es fahren 2 Boote im 20 Minutentakt über je ca. die Hälfte des Sees. Auch diese Überfahrt habe ich mit der Videocam festgehalten, vor allem den sehr geschäftigen 2-Streifen-Kapitän – man war der wichtig!

Drüben landeten wir am Marokko-Bereich und die Klänge einer Musikband ließen ein für mich ganz persönliches Highlight vermuten: den Bauchtanz. Nix wie hin und fleißig gefilmt, die Band war gut (wenn auch nur ein Orientale mit am Start!) und die Tänzerin hübsch und technisch sehr gut. Ich kann das schließlich beurteilen als alte Bauchtanzmaus.

Dann sind wir ausgiebig durch den Marokko-Bau und haben uns über den ganzen Kaufschrott (mit orientalischem Background) amüsiert. Am besten war die „Bauchtänzerinnen-Grundausstattung“: ein Hüfttuch minderwertigster Qualität, eine ebenso billige Kopfbedeckung und 2 Paar Fingerzimbeln (gute kriegt man bei uns in Deutschland ab € 40 aufwärts, billige natürlich schon für € 10, für diese hätte man Geld kriegen müssen!). Das Ganze für lächerliche $ 89,90! Na ja, wer’s braucht!

Von Marokko ging es weiter nach Venedig (Italien) und schließlich auch zum Oktoberfest (Deutschland). Jürgen streikte nun schon ab und an und saß angenervt oder sturzunglücklich (oder beides) auf irgendwelchen Bänken im Schatten. Er konnte nicht glauben, dass ich so einen Spaß am Filmen haben kann (zumal es doch alle diese Videos schon zu Hauff bei Youtube gibt!)

Gegen sechs nahmen wir das andere Boot über den See und starteten den 2. Versuch bei Soarin. Immerhin war die Wartezeit auf unter 2 Stunden gerutscht (110 Min.) und bevor der Herr lange protestieren konnte waren wir drin.
Die Wartezeit bei Soarin wird einem wenigstens mit lustigen Videospielen an 5 Riesenleinwänden (rechts vom Wartegang) versüßt, aber es zog sich schon ganz schön. Die „Fast-Pass“-Leute gehen immer schnurstracks an den „Normalos“ vorbei und irgendwann fängt man echt an zunächst neidisch, dann aber sehr schnell ziemlich sauer auf diese Fast-Pass-Besitzer zu werden. Dieser „Express“ oder Fast-Pass muss beim Eintrittsticket-Verkauf extra gekauft werden, dann kann man sich bei den Attraktionen digital „einstempeln“ und bekommt die Zeit vorgegeben, bei der man dann ganz schnell dran kommt. Ist wohl ganz praktisch, aber wir hatten nie Lust auf diese Extravaganz und auch immer Zeit genug (zum Anstehen). Aber dieses Jahr war’s echt heftig und wenn man sich die Beine in den Bauch steht und kommt nur kleckerweise voran, während nebenan die Bahn mit den Fast-Passern nur so durchrauscht, dann wird man wirklich irgendwann stinkig.
Wir kämpften uns also Meter für Meter Richtung Einlass und plötzlich bekam ich mit, wie ganz vorn (bestimmt 8 Meter weiter) ein Einweiser das 2-Finger-V in die Luft hielt. Ich bin bei so was ganz schnell und winkte wild (weil er definitiv noch 2 Plätze frei hatte und nach genau 2 Leuten suchte) zurück – und wollte schon über die Absperrung klettern. Aber er lotste uns durch die Massen bis zu einem Durchgang mit Kette und ließ uns an allen anderen vorbei. Das war geil! Und ehe wir uns versahen standen wir an den Zugängen „zum gelobten Soarin-Adventure“.

Ich zückte die Video-Cam und hoffte auf ein gutes Plätzchen (aber eigentlich sind alle Plätze gut!). Wer sich jetzt so gar nix unter diesem Soarin vorstellen kann - ich versuche es zu erklären.
Man stelle sich einen überdimensionierten Sessellift vor (ca. 10 Leute nebeneinander), davon 3 Stück übereinander und das ganze mal zwei.

Eine riesige konkave Leinwand, auf der laufen verschiedene Filmsequenzen ab, immer aus der Vogel-/Flugperspektive gefilmt. Und man hat echt das Gefühl man fliegt über die Landschaften (oder z.B. einen Flugzeugträger) drüber weg – mal ganz nah und manchmal auch ganz hoch. Das Rauf und Runter macht’s auch noch etwas spannender. Tolle Musik dabei und viel frische kühle Luft – wie Fahrtwind. Einfach fantastisch! Auch das habe ich gefilmt und kann damit zuhause noch mal nachschwelgen.

Als wir raus kamen war es dann schon ziemlich dämmrig und die Temperaturen wurden erträglich. Wir haben uns ein schönes Plätzchen am See ergattert und dort zum Zeitvertreib Eis und Popcorn (ich liebe diese salzige Variante) gegessen. Die Camera auf ein Stativ (ein kleines, leichtes, zusammenklappbares aber sehr effektives) und dann voller Begeisterung das Feuerwerk angesehen und gefilmt. Das war dann der krönende Abschluss dieses anstrengenden Tages.

Nun mit tausenden von „Freudensgenossen“ raus aus dem Park und zu unserem Auto. 15 Minuten später waren wir wieder in unserem „begehbaren Kleiderschrank“ im Hotel.

Wir waren so kaputt, wir hatten nicht mal mehr Hunger. Ein Bier habe ich noch geschafft und dann bin ich ins Bett gefallen. Gott sei Dank – einen von drei Parks haben wir geschafft!

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EPCOT Center

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Hotel

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Hotel

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EPCOT Center

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EPCOT Center

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EPCOT Center

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EPCOT Center

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EPCOT Center
 

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Tag 9 - Universal Studios

Die zweite ungemütliche Nacht in Orlando – eigentlich möchten wir schon jetzt zurück nach Cape Coral…Augen zu und durch!

Nach den bescheidenen Frühstückserfahrungen vom Vortag beschließen wir unsere erste Mahlzeit bei Mäkkes einzunehmen. Das ist direkt am Hotel und außerdem kein normaler Mc Doof, sondern „…the World's Largest Entertainment McDonalds & PlayPlace!“. Ein Mega-Spielcasino, aber auch eine sehr leckere „Bistro Gourmet“ – Theke! Frisch zubereitete Sandwichs oder Burritos! Das war mal ein leckeres Frühstück!

Von da aus noch mal ins Hotel und den Ausflugskram packen. Auf zu den Universal Studios, bringen wir es möglichst schnell hinter uns (diese Aktion beweist mal wieder, wie sehr der Mensch an seinen Plänen hängt!).

Der Stau war Gott sei Dank auf der Gegenfahrbahn und die Navi lotste uns für’s erste zum Eingang der Filmstudios (natürlich kommt man da als Normalo nicht rein) – wir waren aber nicht die einzigen Verpeilten, wie man an den anderen Fahrzeugen im „U-Turn-Stress“ sehen konnte.

Haupteinfahrt gefunden, erstmal wieder tief in die Tasche greifen und 15 Dollar für’s Parkhaus (war auch schon günstiger!). Jürgen war schon darüber ziemlich angenervt…

In Kolonne schön geparkt und „Spiderman-Parkbereich“ gemerkt. Den langen Marsch auf Fließbändern (im Schatten, das geht ja noch) und durch den großen Eingangsbereich – leider sonnig heiß. Lange Schlangen an den Kassen: das konnte ja heiter werden.

Diesmal erwogen wir den Erwerb eines Express-Passes, aber der sollte mit 59,- Dollar pro Nase zu Buche schlagen, das ist ja wohl echt Abzocke! „Are you mad?“ fragte Jürgen die Kassiererin, aber sie blieb cool und verneinte (die hat die Preise ja auch nicht gemacht!). Wir also ohne den Schnellzugang in den Park. Menschenmassen ohne Ende – es war zum Verzweifeln!

Rein in Terminator 3D, schön kühl, lustiger Film (zwar noch derselbe wie 2007, aber ganz gut gemacht).

Kurz einer Band bei alter Swing-Musik gelauscht und dann Richtung „Men in Black“. Dort mit dem Locker für die Tasche gekämpft und in die Schlange gestellt, allerdings gibt es hier im Park auch extra Eingänge für „Single-Riders“, da ist man schnell dran, allerdings u.U. nicht zusammen in einer Gondel. Aber wir sind den ganzen Tag zusammen, da werden wir wohl mal 3 Minuten „Karussellfahrt“ ohne einander ertragen. Ich hatte vergessen, dass das ein überdimensioniertes Ballerspiel ist, indem man in der Gondel wild hin und her geschubst und gedreht wird und mit einer Laserpistole Aliens abschießen darf. Ein Punktezähler zeigt die Treffer an und ich lag dann am Ende bei knapp 50.000, der junge Mann rechts neben mir hatte 180.000 und selbst die Tuse links hatte über 100.000 – das ist nun mal nicht mein Spiel! Jürgen hat nicht mitgespielt (er hat sich einfach geweigert zu schießen) und sich einfach nur durchschütteln lassen…

Beim „Weißen Hai (Jaws)“ standen megalange Schlangen (auch noch z.T. in der Sonne), da haben wir drauf verzichtet (kennen wir auch schon, geht so!). „Disaster“ hätten wir gern gemacht, hatte aber gerade technische Probleme und lief nicht.

ET war nicht so überfüllt und so „radelten“ wir durch eine unglaublich kitschige „Alienkulisse“ (ET’s Planet), an Plastikblumen vorbei, die sich nur ein völlig zugekiffter Steven Spielberg so hat ausdenken können.

„Revenge of the Mummy“ – eine Achterbahn im Dunkeln – auch gerade defekt. Eine Soulsängerin gab mit viel Gekreische eine Straßeneinlage, darauf folgten die Blues Brothers und heizten den Leuten ein.

Bei „Revenge“ tat sich wieder was, ich also meinem Männe die lila Handtasche auf’s Auge gedrückt und rein! Als Singelrider geht’s echt schnell, eine wilde Fahrt durch gruselige Katakomben und dann wieder „ausgespukt“!
Jürgen wartete im Shop (gehört ja zu jedem Thema – der Shop mit Merchandising am Ende jeder Attraktion) und dort haben wir dann ein bisschen Geld ausgegeben für ein Shirt und ein Plüschkamel (ich sammele Kamele!).

Weiter ging es im Strom der Massen Richtung „Hollywood Rip Ride Rocket“ – eine sehr geile Achterbahn mit 100 Stundenkilometer aus einer Höhe von 17 Stockwerken. Das ist was für Nana! Vorher noch eine eiskalte Lemonen-Limonade und dann den Gatten wieder mit Handtäschchen auf eine Bank verfrachtet.

Auch hier als Single-Rider ratz-fatz dran. Erst geht es senkrecht hoch (aber wirklich 180°) und dann in wildem Tempo durch Loopings und Kurven auf Teufel komm raus. Danach hatte ich aber erstmal genug rollercoasting und außerdem Hunger.

Auf der Suche nach einem Gastronomiebetrieb kamen wir bei Twister vorbei – kennen wir zwar auch schon, aber kann man sich noch mal antun. War auch wenig los dort. Es geht um den Film und man wird entsprechend zum Thema mit Videosequenzen der Horrorszenarien „angeheizt“. Dann geht es in so eine Art Theather – nachts am Motel. Die Leinwand hinter der Bühne und auch die Bühne selbst wird mit tollen Special-Effekts der Schauplatz eines Twisters. Es stürmt echt heftig (und kühl – sehr erfrischend) und zum Schluss bricht auch die halbe Zuschauertribüne zusammen! Sehr unterhaltsam.

Nun wieder das Thema Nahrungsaufnahme.

Ein richtig schön nostalgisches Burger-Restaurant bot Abhilfe. Jürgen mit Täschchen schon mal ein Plätzchen suchen lassen (auch hier war es proppevoll) und dann 2 Burger mit Fritten und Coke bestellt. Man kann sich ja an den Theken so viel Mayo und Ketchup holen wir man möchte, muss man auch, denn diese Burger waren sozusagen im Baukastenformat. In einer Schale die einzelnen Komponenten lieblos aufeinander gestapelt, das Oberste ganz unten. Dann baut man sich den Burger und gibt entsprechende Mengen Mayo/Ketchup dazu, wenn man denn die Tütchen aufgerissen bekommt. Irgendwie ist das jedes Mal ein Abenteuer mit spannendem Ausgang: kriegt man das Tütchen auf, wenn ja – wo. Und wohin hat man sich am Ende den Inhalt geschmiert und gespritzt (im günstigsten Fall auf den Burger oder die Fritten) – besonders heikel wird’s beim Spritzabschuss der Sitznachbarn.

Wir waren echt geschafft nach dem Essen und plötzlich kristallisierte sich nur noch der eine Wunsch ganz übermächtig: Raus hier!

Der Weg zum Ausgang zog sich, das Auto haben wir auf Anhieb gefunden und dank Navi 5 Minuten später das Hotel!

Im Zimmer war alles aufgeräumt, aber das änderte nichts an den bescheidenen Zuständen. Die laute Klimaanlage, das Rinnsal des Wasserhahns am Waschbecken (aber mehr hätte der verstopfte Abfluss vom Becken auch nicht verkraftet!), der dünne Kaffee…

Blöderweise hatte ich mein Badezeug im Haus vergessen, aber ich wollte und musste jetzt mal unbedingt den Pool antesten. Der sah von oben so erfrischend aus. In der Lobby gibt es einen „Giftshop“, die haben auch ein paar Klamotten. Bikinis für Kinder, Badehosen für Männer und ca. 10 Badeanzüge in diversen Mustern und Größen für das vergessliche Weib. Größe 10 passte ganz gut und knapp 30 Dollar waren vertretbar. Mit meiner Beute rauf ins Zimmer, umgezogen und ohne Mann (der lag völlig erledigt im Bett) zum Pool. Aber ich hätte es wissen müssen: von oben so schön blau (und das signalisiert doch kühl und frisch) war es eine lauwarme eher unappetitliche Brühe (kein Wunder bei der Kiddy-Frequenz). Na ja, einmal quer durch und dann wieder raus. Einen halbschattigen Platz auf einer Liege ergattert und ein bisschen abhängen – und Leute gucken. Ein Eichhörnchen kam vorbei (echt jetzt, das rannte unter den Liegen herum und suchte fressbares), dann ein weiterer Gag: ein Entenpaar steuerte den Pool an und schwamm darin.

Als die Tiere alle wieder weg waren bin ich auch wieder nach oben und habe mich ins Bett verpieselt. Wenn wir doch endlich wieder nach Cape Coral könnten…

Und dann haben wir es beide auch ausformuliert – am nächsten Tag kein Park mehr, vielleicht nach Titusville und zum Playalinda Beach ein bisschen Raumfahrt-„Seeing“ und dann schon am Abend zurück. Wozu noch länger hierbleiben?

Mit diesem Gedanken bin ich für ein Stündchen eingenickt und dann erneut mit Hunger wach geworden. Jürgen hat sich auch überzeugen lassen und so haben wir wieder das Chinarestaurant frequentiert – ich habe echt zugeschlagen!

Die letzte Nacht in Orlando – morgen geht’s heim!
 

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Tag 10 - Spass im Bistro

Wenn man wach wird und weiß, jetzt ist der Spuk bald zu Ende – das macht schon glücklich.

Wir trödelten rum und beschlossen zur Florida Mall zu fahren (und dort auch zu frühstücken) und von da aus weiter nach Titusville. Die Mall öffnete um 10:00 Uhr und wir waren kurz vor zehn da. Schöne weite kühle Gänge und kaum Menschen, was für eine Wohltat zu den vergangenen Tagen.

Zur besonderen Freude meines Mannes waren tatsächlich noch viele Läden zu, da konnte man also nichts kaufen! Aber wir hatten ja ein Ziel: den Apple-Shop. Jürgen braucht noch ein Kabel um sein Pad auch an den Fernseher anschließen zu können und da hier der Preis in Dollar exakt der gleiche ist wie in Euro kann man ja gut sparen.

Auf einem Geländeplan suchten und fanden wir erfolgreich unseren Laden und stolperten dabei über den M&M-Shop. Davon hatte Jürgen schon mal gehört und er meinte, den müssten wir uns unbedingt ansehen. Zu übersehen war er jedenfalls nicht, ein riesiges rotes M&M-Dragee kennzeichnete den Eingang. Just in diesem Augenblick fuhr das Absperrgitter hoch und wir enterten den Laden. Faszinierend, worin man M&Ms alles kaufen kann und weiter drinnen gibt es noch Taschen und Shirts und Leggins und was weiß ich noch alles mit Prints von M&M’s.

Natürlich kam ich an den Taschen nicht ohne Beute vorbei. In einem weiteren Bereich waren Sonderangebote und ich konnte es nicht glauben – ein fliederfarbenes Käppi für knapp 8 Dollar! Seit Tagen bin ich hier die Regale mit den Käppis rauf und runter (vor allem in den Parks) auf der Suche nach einem violetten Käppi, bislang vergeblich. Und hier liegen sie, sogar noch mit Glitzerschrift (boah wir kitschig!) – schöööön!

Dann noch ein paar Mitbringsel für zuhause in den Warenkorb (der mir freundlicherweise von einer Bedienung angereicht wurde) und mit meinen Schätzen zur Kasse. Der Laden ist echt einen Besuch wert: Florida Mall im Bereich nahe Macy’s.

Ein paar Geschäfte weiter war dann auch der Apple-Shop. Jürgen hat sein Kabel gefunden und wir hielten Ausschau nach einer Kasse – gibt es aber nicht. Unseren hilfesuchenden Rundblick hat aber ein Angestellter bemerkt und uns dann an Ort und Stelle gleich abkassiert mit einem I-Phone-ähnlichen Teil, wo man aber auch seitlich die Kreditcard durchziehen konnte. Der Kassenbon kam dann aber witziger Weise aus einem Drucker, der unter einem der Ladentische befestigt war – echt funktionell das Ganze.

Raus und zurück zum Parkplatz, langsam wurde es nämlich kritisch, denn alle Shops hatten jetzt geöffnet und Nana war in Einkaufslaune. Eine Haarbürste konnte ich noch schnell ergattern und dann hat mich der Herr schon weiter gescheucht. An einem Bistrobereich konnte ich ihn gerade noch ausbremsen, denn gefrühstückt hatten wir immer noch nicht. Hier wurden Sandwichs, Croissants und Subs verkauft, hinter der Theke ein schmächtiges dunkelhäutiges Männlein. Ich bestellte ein Croissant und ein Sub und wurde etwas gefragt, was absolut nicht zu verstehen war. Irgendwie hatte es einen Touch von „Wolle Rose kaufen?“ gepaart mit Mickey Mouse. Ein Inder! Okay, ich wiederhole also meine Bestellung.
Das mit dem Sub hat er jetzt verstanden, offensichtlich auch meine Angabe „Roast Beef-Cheese“. Dann wurde es echt abgefahren, denn die Frage: „Mistad o Minäs?“ habe ich nicht verstanden. Er wiederholte geduldig und ich sagte einfach „Yes.“ – Soll er doch was draus machen… Aaah – Senf (Mustard) oder Mayo hätte es geheißen, macht er halt beides drauf. „ Rien o blek elliv?“ – „Äh – black!“ (es konnten nur Oliven gemeint sein.) „Anjis?“ – „No, thanks!“ (Wahrscheinlich Zwiebeln!). Er packte noch Salat drauf und Tomate und eine weitere unverständliche Frage wurde von mir mit „Yes“ konstatiert – ich glaube, er wollte wissen ob es einpacken soll. Dann das „Kross’n“ – das war einfach, nämlich mit Schinken und Käse á la carte. Also ehrlich, Inder mit Sprachfehlern an einer Imbisstheke – echt eine Herausforderung.

Mit unseren Errungenschaften an einen Tisch und heißhungrig gegessen – lecker!

Raus aus der Mall ins heiße Auto, aber dank Klimaanlage lässt es sich dort schon nach 2 Minuten gut aushalten. Allerdings macht mir jetzt doch der M&M-Einkauf Sorgen – wohin bei der Hitze, damit sie nicht direkt schmelzen? Aber wie heißt es so schön: Schmilzt im Mund und nicht in der Hand (- dem Auto?).

Nun geht’s erstmal nach Titusville, eine knappe Stunde Fahrt von Orlando. Ich hatte anfahrtstechnisch gut recherchiert im Vorfeld und so erreichten wir ohne Umwege den Space-Park. Hier gibt es einige Monumente und Gedenktafeln, in der Hitze schaut man sich das dann aber nicht wirklich lange an. Der Park liegt an einem „Binnenmeer“ (war wohl mal Sumpf) und man hat von einem langen Pier aus eine wirklich tolle Aussicht auf das Gelände von Cape Canaveral. Da stand sie auch: ein kleiner Spitzer Aufbau ganz weit weg – das Spaceshuttle Endeavour. Von hier aus den Start zu erleben muss geil sein, oder auch nicht, weil dann bestimmt riesige Menschenmassen das Pier und den Park bevölkern. Egal, wir haben ja die Tickets für den Start-Aussichtsbereich vom KSC in der Tasche und dort können wir sicher genauso gut gucken (ohne Angst vom Pier ins Wasser geschubst zu werden - da waren nämlich keine seitlichen Geländer…)

Der Hinweis zu einem Museum ein paar Straßen weiter war verlockend, Jürgen kriegt einfach nie genug von alter wie moderner Raumfahrttechnik. Wir also dahin.

Von außen ein unscheinbarer Souvenirshop mit dem Hinweis auf das Museum (Eintritt frei!). Von drinnen immer noch ein kleiner Souvenirshop mit tausenden Merchandise-Artikeln zum gesamten Raumfahrtprogramm. Ein älteres Paar bediente und beriet die Kunden (eine Handvoll), ich stöberte längs den Regalen. Mein Lieblingsshuttle Discovery gab es in allen Größen und abgebildet auf allen erdenklichen Gegenständen – vom Mousepad bis zum Kugelschreiber. Hinten links ein Durchgang mit Hinweis auf’s Museum – okay, schauen wir mal was es da so gibt.

Und dann die Superüberraschung: auf kleinstem Raum (ich glaube es waren insgesamt 4 zimmergroße Räume) ohne Ende Originalteile, Modelle, Bilder, alte Computeranlagen und was weiß ich alles. Zwar sollte man das meiste nicht anfassen, aber so nah und nicht ausschließlich hinter Glas ist echt mal richtig interessant. Besser als KSC (meinte Jürgen – sogar mehrmals). Dann kam der ältere Herr und hat auch noch eine Menge aus dem Nähkästchen geplaudert. Zum Beispiel vom Bau der Saturn V – Halle. In nur 9 Monaten fertig gestellt. Allerdings fand der Rohbau in einer Zeit statt, wo es sehr viel regnete. Man musste also Pumpen einbauen, die täglich von Mitarbeitern einmal angeworfen wurden um den Bau trocken zu legen. An einem Wochenende hatte der hierfür eingeteilte Mitarbeiter zu viel gesoffen und war nicht dort gewesen. Am Montag kam ein Kollege und stellte mit Entsetzen fest, dass die ganze Grube für das Fundament der Halle 3 Fuß unter Wasser stand. Er rief beim Projektmanager an und teilte mit, er habe weniger Probleme mit dem Abpumpen (die Pumpen waren abgesoffen), als mit dem Ausquartieren eines 10 Fuß langen Alligators gehabt, der das „Becken“ am Wochenende bezogen hatte.

Zu vielen Exponaten konnte er die Herkunft und so manche amüsante Geschichte erzählen – erstaunlich, dass solche Menschen über Jahrzehnte tagtäglich die gleiche Geschichte mit immer neuer Begeisterung erzählen können.

Zum Schluss haben wir uns ins Gästebuch eingetragen und noch ein bisschen geshopt – und was sehe ich: die jetzige Mission STS 134 hat Käppis mit Aufdruck in lila! Zwei lila Käppis am selben Tag – das grenzt an ein Wunder. Auch dieses wanderte in ein plastic bag, mitsamt drei Mousepads und einem Hinweisschild „Spaceshuttle crossing!“ für den Flur zuhause. Und zwei Kühlschrankmagneten mit den Shuttlen Discovery und Endeavour – musste sein!

Zurück zum Auto, kurzer Check der M&Ms im Kofferraum: nix geschmolzen!

Nun nach Playalinda Beach, aber jetzt hatte die Navi keine Lust auf meine Straßenangaben und wir beschlossen eine Tanke aufzusuchen. Dort wurde uns auch ganz freundlich der Weg erklärt. War einfach: übernächste rechts und dann immer geradeaus: „Never ever leave this road!“.

Gesagt, getan. Wir fuhren dann auf eine Brücke zu, die kannte unsere Navi nicht! In ihrer Karte war da keine Brücke, nur Wasser. Jetzt verzweifelte die arme kleine Navi und das Auto der Anzeige drehte wie wild im Kreis! Jürgen empfand das als gerechte Strafe für das unkooperative Afrikaans der vergangenen Tage und freute sich diebisch über die völlig konfuse Navigation. Wir wollten das auch fotografieren, hat aber leider nicht geklappt.

Nach der Brücke hat die Navi sich wieder beruhigt und auf einmal gab es auch die Max Brever (oder so ähnlich) Road! Geht doch!
Noch mal locker 15 Kilometer durch die Pampa (zwischendurch Haltebuchten zum Fotografieren des Start-Areals) und dann gab es rechter Hand Parkplätze mit Beach Access. Den ersten angefahren und raus aus dem Auto in die Nachmittagshitze.

Über die Düne zum Strand – ich liebe das Meer, vor allem wenn es schön „wellig“ ist.
Rechts in weiter Ferne ein Zipfelchen von der Startrampe, um näher hinzugelangen gab es nur eine Entscheidung: ein Spaziergang am Strand. Ich hatte in weiser Voraussicht Shorts an und konnte meine Flip Flops hinten in die Hose stopfen. Jürgen stapfte in voller Montur durch den heißen Sand! Bepackt mit Fotoapparat und Video-Cam hüpfte ich durchs Wasser, ab und an ein Halt für ein schönes Bildchen oder eine Videosequenz. Nach geraumer Zeit kam Jürgen auch runter ans Wasser und stellte fest, dass es sich hier besser laufen ließ als oberhalb des Strandes im weichen Sand (er muss auf so was immer selber kommen, meine Hinweise sind da nicht angebracht!).

Es zog sich ganz schön – der Bereich ist übrigens eingezäunt und wird von einem Aussichtsturm aus bewacht. Aber der Zaun und der Turm rückten nur unmerklich näher. Zu meinem Erstaunen grummelte Jürgen kaum – was die Aussicht auf ein knapp 2 Kilometer entferntes Shuttle so alles ausmacht!

Zu dem Aussichtsturm führte ein Steg, den durfte man zur Hälfte auch betreten. Endlich freie Sicht auf das Gelände und fleißig Fotos und ein kurzes Filmchen gemacht. Beim Rückweg hatten wir Rückenwind, es ging auch etwas schneller (nur 25 Minuten). M&M-Check: alles okay!

Zurück nach Orlando ins Hotel, leider die Rush-Hour erwischt. Wir wollten eine kurze Pause im Hotel einlegen und dann erst fahren, aber mich hielt nichts mehr. Koffer gepackt, alles ins Auto verfrachtet und endlich weg.

Jürgen ist die ganze Strecke zurück gefahren, ich bin öfter eingenickt. Der Sonnenuntergang war wieder traumhaft schön (auch vom Highway aus) und schließlich erreichten wir um kurz nach 21 Uhr unser trautes Heim. War das schön!

Pizza bestellt und in den Pool gehopst – endlich wieder Ruhe und sauber und überhaupt!

Um Mitternacht habe ich dann meinem Lieblingsgemahl zum Geburtstag gratuliert – und dann sind wir schlafen gegangen – in unserem Traumhaus in Florida!
 

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Tag 11 - Apple Store

Was für eine Wohltat – die letzte Nacht war so ruhig und entspannt, ich habe nicht einmal gemerkt, dass Jürgen zur Abwechslung mal ins andere Schlafzimmer (übrigens Master 2, nicht wie ich vorher behauptet habe das Queens!) ausgewandert ist. Er hat nun mal die merkwürdigsten Wach- und Schlafgewohnheiten – eine Nebenerscheinung des Jobs (Schichtdienst).

Das obligatorische Poolbad zum wach werden (das lasse ich ab jetzt aus den Berichten raus, es ist einfach zum Bestandteil des Aufwachens geworden und muss nicht weiter erwähnt werden – ich schreibe ja auch nicht über’s Zähneputzen, etc.).

Diese Idylle hier ist einfach unbeschreiblich und wenn man weiß, es steht nichts auf dem Tagesprogramm, dann kann man wirklich mal die Seele baumeln lassen. Doch halt, da stand was auf dem Programm: 2 Tage Orlando „Buchführung“ für den Blog. Da habe ich mich dann auch gleich dran gegeben. Beim Aufschreiben lief der ganze „Wahnsinn“ noch mal vor dem inneren Auge ab (Kehrseite der Medaille), aber Gott sei Dank verdrängt man ja negative Erlebnisse schneller aus der Erinnerung (zumindest mein kleines Hirn, vielleicht sogar aus Platzmangel).

Nach dem ersten Tag war dann zunächst mal Frühstück angesagt und dann Fische füttern am Bootssteg. Leider von wenig Erfolg gekrönt, denn die fetten Karpfen im Teich hopsen zwar, aber Brot interessiert sie nicht im Geringsten. Die Babyfischchen am Rand mochten es wenigstens. Ich habe die ganze Zeit damit gerechnet, dass plötzlich der Alligator aus dem Wasser auftaucht und nach den Fischen schnappt, aber der interessiert sich sicherlich nicht für mikroskopisch kleines Lebendfutter.
Und dann ging es auch gleich weiter mit der Tipperei – den letzten Tag von Orlando. Nach dem online stellen bin ich wieder in den Pool zum Lesen im Dümpel-Modus, Jürgen hat Schlaf nachgeholt. Lecker Eis essen (Häagen Dazs – Rum Raisin) und wieder abhängen im Halbschatten – was für ein schöner entspannter Tag.

Am Spätnachmittag beschloss Jürgen noch den Einkauf eines weiteren Apple-Kabels, dann könnten wir die Filme vom iPad auch am TV im Schlafzimmer gucken. Zuhause brauchen wir so ein Kabel nicht, aber wenn man wieder kommt, dann könnte man es auch wieder gebrauchen. Juchu, eine Wiederkehr hierhin ist also fest in Planung. In Estero (knapp vor Bonita Springs) ist der nächste Apple-Store, wieder in einem groß angelegten Einkaufszentrum.

Wagen aus der Garage und Verdeck auf – da rappelte etwas im Kofferraum und die Anzeige teilte mit, das Verdeck sei nicht completed. Wieder zu – noch mal auf, das gleiche Geräusch samt Ergebnis. Verdeck wieder zu und den Kofferraum inspiziert. Da hatten sich 2 Teile der „Auffang-Konstruktion“ voneinander gelöst, wodurch auch immer. Jürgen raus und gemeinsam haben wir es (nicht ganz ohne Fluchen) wieder zusammen gebastelt. Nun konnte es losgehen, aber Jürgen war die Lust vergangen. Er hasst solche Widrigkeiten, vor allem, wenn er der Meinung ist ich wäre schuld daran… was noch zu beweisen wäre, denn er hat zuletzt am Kofferraum hantiert. Ich habe da wesentlich mehr Geduld und die Ruhe weg, ob ich schuld bin oder nicht! Bin ja auch schon älter und daher gelassener…Scherz beiseite, aber vielleicht ist Kinderaufzucht doch ein gutes Training zum „Ruhe behalten“ und dieses Vergnügen hatte Jürgen ja in der Vergangenheit nicht.

Ich habe sein Gemosere ignoriert und bin gefahren, die Navi hat uns auch ganz brav geleitet, ich hätte die Anfahrt aber auch allein geschafft, da vorher die Wegbeschreibung angeschaut (Jürgen hat sie ausgedruckt). Kompliziert war es auch nicht, wie üblich links, rechts, links (Veteran…), geradeaus, rechts (41), geradeaus (24 Km), links.

Dieses Einkaufscenter ist der Hammer, bildschöne Gebäude und ein Snob-Shop neben dem anderen. Victoria’s Secret, Guess, usw. Ich bin da nicht so bewandert (muss ich auch nicht sein), aber die Auslagen waren schon spektakulär, erst recht die Preise. Das ist auch kein Outlet, das ist eine Mall. Ich glaube sie heißt Coconut Point Mall (hab gerade gegoogelt, ist richtig). Wer Zeit und Lust (und Geld) hat: hinfahren – lohnt sich.

Der Apple-Store sah genauso aus wie der in der Florida Mall (logisch) und wieder kam der Kassenbon aus dem Drucker unterm Tisch. Wir sind dann weiter gebummelt und der Herr wollte in einem Disney-Laden „nur mal gucken“. Ich konnte nicht nur mal gucken, ich musste eine Barbie-Puppe kaufen! Jasmine, die weibliche Hauptrolle des Films „Aladdin“, die passt schön in mein Tanzstudio als Deko. Es gibt ja alle Zeichentrickfiguren als Barbiepuppen, da könnte ich mich dumm und dämlich kaufen, aber wohin damit?

Wir sind dann die Mall ein bisschen rauf und runter spaziert und haben uns wieder auf den Heimweg gemacht. Kurzer Stopp bei Publix und für das Wochenende eingekauft. Die haben die beklopptesten Backwaren der Welt jetzt zur Osterzeit. Ich musste diesen Hasenkuchen fotografieren! Dann im Sonnenuntergang nach Hause.

Jürgen war echt schlecht gelaunt (ich habe nix gemacht, jedenfalls nicht wissentlich), das muss man dann einfach aussitzen. Manchmal glaube ich, er kann es nicht gut vertragen wenn alles so schön ist. Ist ja dann auch langweilig, nur so Friede, Freude, Eierkuchen. Ich bin da auch irgendwie zwiegespalten. Ich weiß, dass eine Partnerschaft auch Reibung und Kontroversen braucht, sonst wird es echt irgendwann stinklangweilig. Hatte ich auch schon (so eine jahrelange Eiteitei-Beziehung), brauche ich nicht wieder. Aber irgendwie sind diese Streitereien um Firlefanz auch nicht lustig – wo wäre denn da die goldene Mitte? Das Problem ist nur: welcher Sachverhalt ist einen Streit wert und was wäre als Kinkerlitzchen indiskutabel? Da gehen eben die Meinungen sehr auseinander, bestimmt nicht nur in unserer Partnerschaft.
Egal, wir haben jetzt Urlaub und der ist wirklich was Besonderes in meinem Alltag. Und den genieße ich jetzt!

Mit einem Telefonat habe ich unseren Bootsausflug „in trockene Tücher“ gebracht. Am Ostermontag (das ist hier kein Feiertag) geht’s dann um halb zehn morgens los. Sonnenschutz 50 soll ich mitnehmen, habe ich gar nicht. Dann müssen wir eben aufpassen und vielleicht auch mal das Shirt als Sonnenschutz anlassen (wie Kleinkinder!).

Noch ein bisschen gekocht und dann ab ins Bett – morgen ist Ostersonntag, aber sicherlich ohne „Egg Hunt“.
 

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Tag 12 - Tote Hose Tag

Das war bislang der unspektakulärste Tag hier im Urlaub – jeder hat so müßig wie nur möglich den Tag verdröselt. Nach den Abenteuern der letzten Woche ist das aber vielleicht auch mal ganz angebracht.

Da die minutiöse Wiedergabe unserer Beschäftigungen den geneigten Leser mit Sicherheit ziemlich langweilen würde, verzichte ich an dieser Stelle darauf.

Kurzform:
Aufstehen, baden, frühstücken, lesen, dösen, im Web surfen, dösen, essen, lesen und das kann man jetzt so noch ein paar Mal in beliebiger Reihenfolge dranhängen. Während andere in der Kirche sangen oder auf Eier-Jagd gegangen sind haben wir so was von den lieben Gott einen guten Mann sein lassen…
Nachmittags gab es einen heftigen Regenschauer (unter der Poolüberdachung keine dicken Tropfen, sondern verstäubte Wasserpartikelchen), Jürgen hat sogar den verschlafen. Bilder habe ich nicht gemacht – von was auch?

Fernsehen, schlafen gehen.

Ich freue mich auf die Bootsfahrt morgen!
 

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Tag 13 - Bootsausflug

Was für ein Tag!
Morgens um halb sieben fragt mich mein Göttergatte relativ liebevoll wie lange ich noch zu schlafen gedächte. Offensichtlich ist der Ehefrieden wieder hergestellt. Ich antworte nach einem Blick auf die Uhr: „Vielleicht noch ein bisschen, so bis gegen halb acht.“ Der Kaffee sei fertig, verkündet er. Ich will den Frieden nicht gleich am Anfang unter Beschuss nehmen, also rappele ich mich hoch und stiefele in die Küche. „Du brauchst noch nicht aufstehen!“ kommt jetzt fast reumütig von ihm. „Doch, ist schon okay:“ daraufhin von mir. Ein Schluck Kaffee weckt die Lebensgeister und das kalte Wasser des Pools gibt so richtig Schwung.

Wir werkeln noch ein bisschen rum (aufräumen, online gehen und Mails checken) und dann gibt es Frühstück. Zum krönenden Abschluss die Reisetablette für Jürgen, damit ihm die Bootsfahrt besser bekommt, bzw. damit ich Ruhe gebe mit meiner unnötigen Besorgnis.

Sachen gepackt – dafür krame ich eine Strandtasche hervor, die ich extra für den Florida-Urlaub 2008 gekauft habe (und seitdem nicht mehr benutzt). In der Tasche fliegt irgendwas rum (nein, nicht wirklich fliegend sondern eher liegend) und zu meinem Erstaunen habe ich nach erfolgreichem kramen 2 kleine Muscheln in der Hand. Die stammen noch vom Fort Meyers Beach und haben jetzt ihren Heimathafen sozusagen wieder erreicht. Wer schleppt (ist jetzt reichlich übertrieben von schleppen zu sprechen) schon Muscheln von Florida nach Deutschland und wieder zurück nach Florida? Ich – eine meiner speziellen Eigenschaften!

In der Tasche landen jetzt die Tauchsachen (nur Schuhe, Maske und Schnorchel), man weiß ja nie was so angesagt ist und üblicherweise hat man ja immer dann die Sachen nicht dabei, wenn man sie braucht. Ein Päckchen Cracker, Sonnenmilch, Brille und Geldbörse. In den Rucksack kommen die Kameras, ein Zusatzobjektiv und eine Ersatzspeicherkarte von 8 GB.

Um viertel vor neun sitzen wir gestiefelt und gesport im Cabrio mit offenem Verdeck (war noch so!). Die Navi hätte gern Saft (kriegt sie, bevor sie sich aus Rache eine neue Sprachauswahl zulegt) und die Fahrt geht los.

Es ist wieder extrem einfach: wie üblich rechts-links, dann am Veterans nach rechts abbiegen und hoch bis zu Pine Island Road. Dort links und nach Matlacha Isles.
Unser Bootsguide (Hermannn, der Hausverwalter von unserem Hauseigentümer) wohnt total idyllisch (wenn auch etwas ab vom Schuss) auf einer Miniinsel, die vor der großen Insel Pine Island liegt. Auch sein Haus direkt an einem Kanal. Dort warten zu unserer Freude zunächst einmal 2 schwarze Katzen in der Auffahrt auf uns und dann kam die Dame des Hauses auch schon angelaufen und begrüßte uns voller Eifer. Sie ist auch (wie ihr Mann) eine waschechte Österreicherin (aus der Steiermark) und der Dialekt ist echt witzig. Zunächst entschuldigte sie sich für die Unordnung (habe ich gar nicht wahrgenommen) und dann kam die Bitte den Wagen woanders abzustellen, denn den Platz bräuchte ihr Mann, der gerade zum Benzin holen unterwegs war. Wir entschuldigten uns im Gegenzug für das viel zu frühe Erscheinen, damit waren wir quitt. Ich setzte den Wagen auf Geheiß vor die Nachbargarage und während Jürgen mit Hermanns Frau Dagi direkt über Gott und die Welt quatschte ging ich erstmal auf Katzensuche. Ein schwarzer Kater kam auch ganz zutraulich auf mich zu (übrigens einer von 8 Katzen – alles Findelkinder!) und ließ sich ausgiebig streicheln. In solchen Augenblicken fehlen mir unsere Miezekatzen dann doch sehr und stellvertretend wird dann auch gern eine fremde Katze gekuschelt.

Nach einiger Zeit kam auch Hermann und bugsierte seinen Anhänger in die Auffahrt. Dann wurden eine Menge Benzinkanister durch den Garten zum Haus geschleppt, es waren mindestens 6!

Die Hausherrin führte mich derweil durch das Haus und den Garten und hatte auch nichts dagegen, dass ich die ganze Pracht (sowohl innen als auch außen) fotografierte – Web-Veröffentlichung mit in begriffen. Sie entschuldigte sich noch mehrfach für die Unordnung, ich empfand das aber sogar als sehr authentisch, denn eine „Schöner Wohnen“-Wohnung ist doch langweilig und leblos.

Das Haus ist streckenweise noch Baustelle, denn das letzte ist ihnen bei einem Hurrikan (ich glaube 2002) weggeflogen und der Wiederaufbau geht schon aus wirtschaftlichen Gründen nicht von jetzt auf gleich. Wir erfuhren von ihr auch einiges zum Thema auswandern und wie schwierig und kompliziert das auch in ihrem Fall gewesen ist. Mit 2 kleinen Kindern (Mädchen) sind sie vor 12 Jahren nach Florida gekommen und haben sich hier mühsam eine neue Existenz aufgebaut. An eine Rückkehr in die Steiermark denken sie nicht, auch Kati (17, die älteste Tochter) fühlt sich ganz amerikanisch. Gott sei Dank hat diese Familie nicht die typisch amerikanischen XXL-Maße angenommen, alle sind schlank und sportlich. Sorry, aber ich komme gerade nicht umhin das mal anzusprechen, nachdem ich hier in den vergangenen Wochen derart viele Übergewichtige gesehen habe. Nichts gegen „kräftige“ Menschen, aber hier gibt es nicht nur „starke“ oder „kompakte“ – hier sind viele Leute echt – sorry – fett! Und die haben mit Sicherheit nicht alle Schilddrüsenfehlfunktionen oder Hormonstörungen. Aber lassen wir besser dieses unliebsame Thema…
Nachdem ich Haus und Garten eingehend begutachtet hatte (so herrlich wild und romantisch in manchen Ecken) schaute ich den Männern beim betanken des Bootes zu. Hermann werkelte und Jürgen trug die Verantwortung und kontrollierte alles mit Abstand!

Jetzt verstand ich auch den Hinweis auf Sonnenschutzfaktor 50 – dieses Boot war zwar nicht gerade klein (ich schätze mal so 7 – 8 Meter von Bug bis Heck), aber es gab kein Sonnendach oder ähnliches. Okay, dann war eben ein bisschen Sorgfalt mit der Sonnenbestrahlung angesagt.

Es war schon wieder schweineheiß (um halb zehn morgens) und während der Vorbereitungen suchte ich dann besser wieder ein schattiges Plätzchen auf und verabreichte meinem Mann ein Käppi. Er maulte zwar, ließ sich dann aber doch überzeugen. Mama Oswald half fleißig beim Öl auffüllen mit und Töchterchen Kati tauchte dann auch auf. Sie wollte den Ausflug mitmachen, denn gerade sind Osterferien. Ich freute mich darüber, denn ich bin gerne mit jungen Menschen zusammen. Die sind so herrlich unkompliziert und gerade Mädels auch oft sehr albern, das kommt meiner eigenen (zurück gebliebenen?) Mentalität sehr entgegen.

Um kurz nach zehn ging es dann auch endlich an Bord und mit Gewinke vom Bootssteg weg ins Abenteuer.

Zunächst schipperten wir gemächlich durch die Kanäle, erst mal weg von der kleinen Insel Matlacha. Die Bucht zwischen Matlacha und Pine Island wird von einer Brücke geteilt, dort sahen wir schon 2 Delfine im Wasser. Kurzer Halt, aber sie waren schnell wieder verschwunden. Dann gab es noch ein paar Infos zur Insel und der Brücke und die Überlegung, in welcher Route wir den Bootsausflug unternehmen wollten. Kati hatte direkt konkrete Vorschläge und da Jürgen und ich ja nun mal überhaupt keine Ideen hatten beschlossen wir ihr zu folgen. Also unter der Brücke durch und raus in die Bucht. Bislang ging ja noch alles ganz gemächlich ab, aber dann steckten Vater und Tochter die Käppis weg und ich dachte mir, dass tun wir mal besser auch, das wird schon Sinn machen.

Und dann ging’s ab, der Motor röhrte ordentlich und das Boot nahm Fahrt auf. Ein Käppi wäre da auch ratz-fatz davon gesegelt und festhalten war angesagt. Der Fahrtwind war so schön – die frische Luft prallte förmlich in die Nase und ein Gefühl von Freiheit und Abenteuer ließ das Adrenalin durch die Blutbahn sausen.
Das Boot klatschte oft echt heftig auf die Wellen und es rumste ganz gut. Zunächst hatte ich doch fast ein bisschen Sorge wie lange der Rumpf das wohl aushalten würde, aber Hermann würde schon wissen was er tut.
Ein Blick nach links – dort stand Jürgen in Schrittstellung und gebeugten Knien wie ein Surfer und hielt sich gut an der Reling fest. Hoffentlich macht sein Rücken das mit, dachte ich, aber er sah ganz zufrieden und munter aus.

Immer wenn uns Boote begegneten gab es hinterher über die Bugwellen ein paar besonders heftige Klatscher, das machte echt Spaß!

So ging es eine ganze Weile schnurstracks – oder sagen wir besser schnurhops – über das Meer. Linker Hand vermuteten wir Fort Meyers, aber Hermann klärte auf, das sei noch Cape Coral. Ganz schön lang die Küste so vom Meer aus betrachtet. Dann kamen wir durch eine weitere sehr lange Brücke, die führt den Verkehr nach Sanibel Island. Wenn man drüber fährt (haben wir 2008 gemacht) kommen einem die Entfernungen nicht so gewaltig vor wie auf dem Wasser.

In der Bucht sind so eine Art Hinweisschilder angebracht, die sind auch durchnummeriert. Wieso man mal rechts und mal links dran vorbei rauscht weiß ich nicht, hatte jedenfalls was von einer Mischung aus Rollercoaster und Slalom. Cool!

Wir sind dann mit relativ viel Speed an der Küste von Sanibel vorbei gefahren, aber immer wenn es etwas zu gucken gab (im Wasser oder an Land) hat Hermann die Fahrt verlangsamt und ich konnte Fotos machen oder filmen. Wieder tauchten ab und an vereinzelt Delfine auf und ich hatte meine helle Freude bei jeder Sichtung. Das Fotografieren gestaltete sich schwierig, denn kaum war einer aufgetaucht war er auch schon wieder weg und man wusste ja nie, wo er als nächstes wieder auftaucht und ob überhaupt. So verging mit Sightseeing eine weitere halbe Stunde und dann fuhren wir näher an die Küste heran. Auf Sanibel folgt die Insel Captiva und auch hier reihen sich Bungalows und Hotelbauten aneinander. Hermann zeigte uns eines der luxuriösesten Hotels, ich fand es unspektakulär und es tat sich dort auch recht wenig. Wir diskutierten ein bisschen über die Vor- und Nachteile von Reichtum, aber ich kam wieder zu dem Ergebnis (jedenfalls für mich): ich bin glücklich über mein Leben – so wie es ist. Wir können uns vieles leisten, aber nicht alles und manches muss auch erst mal erspart werden. Das macht es aber für mich gerade zum Besonderen! Und ich bin persönlich ein „Vorfreude“-Fan! Gerade wenn noch einige Zeit bis zum geplanten Event vergeht, bin ich eher glücklich darüber, weil ich mich eben einfach so (fast kindlich) darauf freuen kann. Wenn wir jetzt so richtig reich wären, dann könnte man ja fast jede Idee sofort realisieren – und dann müsste schon wieder was Neues her. Nein danke, das brauche ich nicht!

So langsam stellte sich Hunger ein und Hermann hatte auch schon von einem guten Restaurant direkt am Meer gesprochen: The Green Flash in Captiva. Dort legten wir an und es ging direkt vom Bootssteg in das Restaurant. Auf der Tageskarte lachte mich ein Linguine-Gericht an und das bestellten wir auch. Sehr sahnig (also mächtig) aber superlecker. Dazu gab es „Shirley Temple“, das ist ein leckerer Kirschsaft mit viel Eis (Tipp von Kati, allerdings wusste sie mit dem Namen nichts anzufangen!).

Von Captiva aus ging es dann wieder mit ordentlich Tempo an den Inseln vorbei nach Cayo Costa. Ich habe mich ganz vorn auf den Bug gesetzt und ein bisschen „König der Welt“ (Titanic) gespielt. Es war echt berauschend im Affenzahn durch die Gischt zu rasen, irgendwie ist dieser Urlaub gespickt mit rasenden Erlebnissen.

An der nördlichsten Spitze von Cayo Costa hat sich eine sehr skurrile Landschaft aus abgestorbenen und teilweise verkohlten Bäumen gebildet, die dort nach dem letzten Hurrikan „gestrandet“ sind. Ein großer Teil der Insel ist auch zum Naturschutzgebiet erklärt worden, allerdings wäre es der am wenigsten besuchte Naturschutzpark der USA, erklärte uns Hermann. An einem idyllischen Strand gingen wir vor Anker und voller Vorfreude auf ein kühles Bad hüpfte ich ins Meer. Welch herbe Enttäuschung, das Wasser war lauwarm und wirklich wenig erfrischend, aber immerhin nass!

Wir planschten ein bisschen herum und dann fragte Hermann, ob wir mit ihm mal ein Stück um die Insel herumlaufen wollten, weg von den Strandgästen und in Richtung der seltsamen weißen Bäume am Strand. Jürgen hatte keine Lust, es war ihm einfach zu warm, aber ich bewaffnete mich mit dem Fotoapparat und wir gingen auf Fotojagd.

Schon nach nur ca. 50 Metern sahen wir einen großen dunklen Schatten im Wasser ganz nah am Ufer: einen Hai. Und der war nicht mal klein, sondern locker anderthalb Meter lang. Eine Frau kam uns entgegen und fragte, ob wir den Hai und das Manatee gesehen hätte – Hai ja, Manatee nein. Ich habe eine Menge von diesen abgestorbenen Bäumen im Wasser fotografiert (den Hai habe ich auch erwischt, aber man erkennt es nicht richtig!) – das waren echt faszinierende Motive.

Dann sind wir zum Schiff zurück und Jürgen hatte ein noch aufregenderes Abenteuer als unseren wegschwimmenden Hai: er hatte das Manatee gesehen. Es war urplötzlich im Wasser neben ihm aufgetaucht und er hat sich zunächst erst mal ziemlich derbe erschrocken über das Riesenvieh, was plötzlich längsseits von ihm schwamm. Erst als die Seehundschnauze mal kurz auftauchte hat er erkannt, um was es sich da handelte. Er hat es eine Weile beobachtet (und es ihn wohl auch) und als er dann wegschwamm um es in Ruhe zu lassen, da ist es hinterher gekommen. Jürgen hatte schon davon gehört, dass sie sich auch anfassen lassen und hat ganz vorsichtig den Rücken berührt. Daraufhin hat es sich wohlig zur Seite gedreht und ihm den Bauch zum kraulen hingehalten. Er hat es geraume Zeit gestreichelt und sich über die verschorfte buckelige Hautbeschaffenheit gewundert. Auch dieses Manatee war wohl schon öfter von Schiffsschrauben verletzt worden, aber es schien ihm offensichtlich gut zu gehen, denn es begleitete Jürgen noch ein paar Minuten, bis es dann wegtauchte. Das hätte ich natürlich gern in live miterlebt, aber man kann nun mal nicht Haie und Manatees gleichzeitig haben. Die Konstellation einen Hai zu streicheln und ein Manatee zu fotografieren wäre jetzt auch nicht so prickelnd gewesen.

Nach einem zweiten Bad haben wir dann das Boot wieder geentert und sind noch einmal um die Insel geschippert. Von da aus dann Kurs nach Cabbage Key (Pine Island Sound). Dort gibt es auch ein recht berühmtes Restaurant (Bar) und einen Aussichtsturm.

Wir legten am späten Nachmittag an und es war wundervoll ruhig dort – außer uns keine Touristen! Mittags ist da wohl mächtig was los und auch gegen Abend, aber ich brauche keinen Touri-Rummel! Das „Pub Wall“ ist recht seltsam, denn im Bar- und Restaurantbereich sind tausende von signierten Dollarnoten an Decken und Wänden befestigt. Viele Gäste hinterlassen dort eine Dollarnote mit ihrer Unterschrift und da kommt im Lauf eines Jahres allerhand zusammen. Der Erzählung nach hat das ganze damit angefangen, dass früher der Besitzer alles allein gemacht hat (Küche, Service, Kasse) und die Gäste wollten nicht so lange warten bis abkassiert wurde, sondern haben kurzerhand den Dollarbetrag irgendwo an die Wand gepinnt. Daraus ist dann der Brauch entstanden. Natürlich gibt es heute dort genug Personal, dazu gibt es überall dicke Filzstifte und Tesaband – damit kann man dann seine Dollarnote auch an die Wand bringen.
Einmal im Jahr werden die halb herabfallenden oder sich sonst wie lösenden Scheine eingesammelt und zur Bank gebracht. Die müssen die tatsächlich nehmen, denn es sind ja nach wie vor Geldnoten. Da kommen dann (angeblich, ich verbürge mich jetzt nicht für die Aussage, aber es ist glaubhaft) um die 30.000 Dollar zusammen. Es bleiben aber immer noch Scheine hängen und kleben und der „Zeitwert“ beläuft sich immer auf ca. 60 – 70-tausend Dollar.
Lustige Geschichte, ich habe mir dann auch direkt den Filzstift geschnappt und einen Dollar signiert. Dafür allerdings noch ein Stückchen freien Platz zu finden ist ein sinnloses Unterfangen, man patscht den Schein einfach irgendwo drauf. Noch mal einen leckeren Shirley Temple und dann zum Aussichtsturm. Die Insel beherbergt auch eine Menge Tiere neben der üppigen Vegetation (z.B. Parkinsonia Florida – Johannisbrot), da könnte ich mich doof knipsen. Gott sei Dank hatte ich in weiser Voraussicht die Ersatz-Speicherkarte mit, die musste nun auch dran glauben. Im Raw-Format sind die Bilder ja echt sehr „fett“, aber man kann wirklich noch sensationell viel nachbearbeiten.

Rauf auf den Aussichtsturm und von da aus die Insel bestaunt. An einer Seite (bin kein wandelnder Kompass, weiß also nicht wo das war, dem Stand der Sonne nach eher östlich) braute sich eine graue Wolkendecke zusammen und Kati hatte auch schon einen Blitz gesehen. Es war dann auch Zeit für die Weiterfahrt, Hermann telefonierte mit zuhause und es sah wettermäßig noch ganz gut aus.

Wir haben dann aber trotzdem gut Stoff gegeben und sind durch malerische Kanäle quer durch Pine Island eine Abkürzung gefahren. Die Wolkendecke war echt unheimlich, die dicken grauen Regenwolken türmten sich höher und höher und auf ein Gewitter auf dem offenen Meer hatte ich auch nicht so wirklich Lust.

Unseren letzten Halt haben wir uns verkniffen (den Namen habe ich vergessen, irgendwas mit Flamingos – ein Lokal!) und sind Richtung Heimat gedüst. Das war schon echt aufregend: Richtung Westen die Sonne (schon relativ tief) und im Osten immer fettere dunkelgraue Wolken!

Plötzlich sah ich Delfine im Wasser – relativ nah am Boot. Hermann hat (wie üblich) sofort das Tempo verringert und schließlich ganz gestoppt (Gewitter hin oder her) – und da waren sie: meine heißgeliebten Delfine! In kleinen Gruppen, ganz nah um unser Boot und in echter Spiellaune! Eine Mutter und ihr Baby, 7 auf einen Streich – überall um uns herum Delfine. Ich konnte gar nicht so schnell alles gleichzeitig: knipsen und filmen und in Entzücken ausbrechen. Nach einer Weile habe ich die dämliche Foto- und Filmjagd aufgegeben und einfach nur noch voller Glückseligkeit diese wunderschönen Tiere beobachtet. Man konnte sie immer schnauben hören – es war echt bewegend. Was für ein Tag!

Irgendwann musste ich mich losreißen, das ungemütliche Wetter rückte zusehends näher! Ich habe den Delfinen zum Abschied gewunken und mir das Bild noch mal ganz deutlich abgespeichert…

Jetzt ging es hart am Tempolimit zurück nach Matlacha. Die ersten Regentropfen fielen bald, aber wir hatten Glück, denn richtig heftig wurde es erst, als wir schon anlegten und ganz schnell mit Sack und Pack ins Haus verfrachtet wurden.

Inzwischen war es fast halb acht abends und wir waren insgesamt über 9 Stunden unterwegs gewesen. Kati hatte einen Sonnenbrand und verschwand schnell im Bad, der Rest der Familie kümmerte sich liebevoll um uns. Vicky (die jüngere Tochter) war gerade bei fb unterwegs und so wurden wir auch virtuell schnell Freunde.

Neben den 8 Katzen beherbergt die Familie auch eine große Landschildkröte (die umständehalber abgegeben werden musste) und einen Weißhaubenkakadu, ein sensationeller Vogel. Schon bei der Ankunft am Morgen waren wir Freunde geworden, er ist ungemein zutraulich und lässt sich sehr gern kraulen. Er schmiegt sich sogar richtig an den Hals und die Schulter wenn man ihn lässt. Jürgen wollte ihn auch mal auf die Hand nehmen, aber Snuggles wollte nicht – zu mir kam sie (ist ein Weibchen) allerdings sofort und wollte auch direkt wieder verwöhnt werden. Wenn man sie dann wieder am Käfig absetzt kann sie sehr ungehalten werden und tierisch rumkrakelen. Dann wieder „nuschelt“ sie in wer weiß was für einer Sprache vor sich hin, hört sich allerdings extrem menschlich an und man lacht sich über sie echt kaputt. Offensichtlich genießt sie diese Aufmerksamkeit, wenn aber jemand zum Kühlschrank geht und sich eine Coladose nimmt wird sie ganz hektisch. Diese Coladose wird bis auf einen klitzekleinen Rest geleert und dann bekommt sie sie und bugsiert sie in ihrer Klaue so, dass die Öffnung zum Schnabel zeigt. Und dann trinkt sie mit Lust und Wonne ein paar Tröpfchen Cola! Bier mag sie nicht, nur Coke – egal welche Sorte. Ein Bild für die Götter, ich habe gesagt sie sollten das mal filmen und bei den Colaherstellern als Werbeidee einschicken.

Als es dann endlich aufhörte zu regnen haben wir uns (fast schweren Herzens) auf den Heimweg gemacht. Ein sehr herzlicher Abschied von dieser überaus netten und nebenbei auch noch kompetenten Familie – ich kann Hermann und seinen Bootstrip nur wärmstens empfehlen!

Zuhause haben wir nur noch ein bisschen ins Web geschaut und eine Kleinigkeit gegessen. Das war ein langer und aufregender Tag, so viel frische Luft hat mich lange nicht mehr verwöhnt.

Morgen ist wieder Ruhetag angesagt, Jürgen hat Sonnenbrand auf den Unterarmen – echt heftig! Ich habe nix – Glück gehabt!
 

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Tag 14 - Wattebrot und Wäsche

Halbzeit! Zu meiner Bestürzung muss ich feststellen, dass die Hälfte des Urlaubs schon vorbei ist, die Zeit rennt geradezu. Obwohl bei so einem Tag ohne Unternehmungen die Zeit doch relativ langsam vergeht – Stunde um Stunde verrinnt.

Auch wenn man sich fest vorgenommen hat mal „richtig auszuschlafen“ (was in der Regel mit einer Schlafphase bis mindestens 10:00 Uhr verbunden ist) – um kurz nach sieben ist Ende mit Schlummermodus.

Was soll’s, so wird so ein Urlaubstag eben noch ein bisschen länger. Nee, stimmt nicht so ganz, denn spätestens um drei Uhr nachmittags pennt man ohne Wenn und Aber auf dem Liegestuhl weg. Und abends nach Zehn ist auch nicht mehr viel los, einen Film komplett zu gucken (oder auch nur die 50 Minuten einer Serie) ist uns in den 14 Tagen noch nicht ein einziges Mal gelungen.

Nach dem Poolbad, Kaffee und einen kurzen Blick ins Web und nach den Mails (muss ich ja, schließlich läuft der Tanzschulenbetrieb im abgespeckten Modus weiter) kümmere ich mich ein wenig um den „Haushalt“. Wäsche ist mal wieder fällig und eine Spülmaschine auch. Und ein kleiner Wischanfall in der Küche kann auch nicht schaden.

Kann das sein, dass es hier viel weniger Staub gibt als bei uns? Zumindest diesen grauen schmierigen? Auch mit Brille ist hier alles nach 2 Wochen noch fast spiegelblank, nichts im Vergleich zu dem „Dreck“ der sich in dieser Zeit bei uns zuhause so ansammelt. Na ja, ist ja ganz praktisch, so muss man nicht von morgens bis abends den Feudel schwingen.

Das Öffnen des Waschmittelbehälters an der Waschmaschine ist ja echt ein Erlebnis, was ich da dran rumgeschoben und gedrückt habe: nix tat sich! Es gibt wohl ein kleines Schildchen: Safety latch – slide to open. Okay, ich greife in die Griffmulde und schiebe nach links (nee, geht garnix), nach rechts: jepp, da lässt sich was schieben, aber die Lade öffnet sich nicht. Ich will ja auch nix kaputt machen, also neuer Versuch. Vorsichtig an der Lade ziehen – nix – gleichzeitig in der Mulde den Riegel schieben (hab von unten reingelauert) und ziehen: ein Wunder, das Ding geht auf. Wozu eine solch komplizierte Angelegenheit? Klar, damit Kinder damit keinen Unsinn machen können. Kleine Gegenstände rein werfen oder sich die Finger dran klemmen. Da hat bestimmt schon mal einer erfolgreich einen Waschmaschinenhersteller auf Schadenersatz oder Schmerzensgeld verklagt.

Wäsche also rein in die Maschine und jetzt ein passendes Programm aussuchen – hm. Von Temperaturen steht da nix, alle möglichen Begriffe die ich so aus dem Stegreif nicht alle übersetzen kann (oder die mir selbst übersetzt nicht wirklich was sagen). Nehmen wir „Regular“ und „Medium“ – wird schon richtig sein. Interessanterweise leuchten ganz viele Lämpchen auf, nachdem ich nur ein einziges Knöpfchen gedrückt habe und ich belasse es dabei – jetzt nur noch „Start“ und los geht’s.

Dann räume ich ein bisschen unsere Foto- und Filmutensilien auf – das reicht jetzt aber an Hausarbeit. Zeit fürs Frühstück!

An das Wattebrot haben wir uns inzwischen gewöhnt, wir kaufen aber nur noch dieses „Italian Bred“, das ist wenigstens nicht süß (das normale Toastbrot ist irgendwie süßlich, jedenfalls das von Publix). Man kann die hauchdünnen Scheiben auch einmal falten und in den Toaster stecken, das entfalten hinterher ist kein Problem!
Die salzige Butter hier ist echt lecker, oft esse ich nur Brot mit Butter und sonst nix.
Zur Feier des Tages wird mal wieder Frühstücksspeck gebraten, eine Würdigung der amerikanischen Essgewohnheiten.

In so einem dicken Speckpaket sind 16 Scheiben, 4 davon gehen zusammen in die Pfanne, mit etwas Geduld bei der Brutzelei kann man aber auch 8 schaffen, die schrumpfen nämlich in der Hitze zackig weg (wie mein Mann, kaum wird’s heiß ist er verschwunden). Aus einer Scheibe von 4 x 22 cm wird in Minutenschnelle ein Speckkrüstchen von Fingerlänge und – Breite! Aber lecker!
Dazu einen großen Humpen Kaffee (anders kann man diese Kaffeemaschinenkanne nicht nennen) – und alles auf der Terrasse serviert. Kann ein Urlaubstag besser beginnen? Inzwischen haben wir auch im Radio den Sender mit Rockmusik gefunden (96 K-Rock) und lassen uns draußen beschallen.

Nach dem Frühstück ein Blick in den Wirtschaftsraum – Maschine läuft noch.

Vormittags kommt langsam die Sonne über das Haus und die Front des Pools wird in helles Licht getaucht. So früh ist es auch noch ganz erträglich in der Sonne und ich schnappe mir den Vampirroman (Biss zur Mittagsstunde) und lese ganz entspannt. Bis mir dann doch zu warm wird. Pool oder Schatten? Moment – Waschmaschine!
Die ist tatsächlich fertig und ich verfrachte die Wäsche in den Trockner. Hier wieder das gleiche Spiel: was sollen mir all diese Knöpfe und Einschaltvarianten sagen? Gehen wir es langsam an, wenn ich schon wieder eine Fuhre T-Shirts von Jürgen in Liliputanergröße trockne gibt es Ärger! 30 Minuten für’s erste mit „low“ Heat.

Wenn man sich ein paar Minuten im kühlen Haus aufhält trifft einen die Außenhitze immer wie ein Pfefferminzschlag: Kann nicht mal jemand die Heizung runterdrehen? Da hilft nur eines – rein in den Pool.

Ich mache einen halben Kopfsprung (aus der Hocke) vom Rand und bilde mir ein fast lautlos ins Wasser getaucht zu sein (Jürgen ist auf seiner Liege eingenickt und ich möchte ihn nicht wecken), aber so fuchsig wie Jürgen mich beim auftauchen anschaut war das doch wohl eher ein Donnersplash – sorry!

Irgendwann setze ich mich dann an den PC und schreibe die Erlebnisse der letzten 2 Tage nieder. Damit vergehen auch schnell ein paar Stunden.

Die Wäsche braucht noch eine weitere Trockenphase – noch mal 20 Minuten.

So verdröseln wir im Megamüßiggang den Tag. Nachmittags habe ich diesmal mit dem Poolboy gerechnet und daher das Bikinioberteil angelassen. Er kam auch ganz pünktlich und testete das Wasser im Pool und im Spa/Whirlpool. Dann hat er Trockenchlor hineingeschüttet und mir auch genau erklärt was er da macht. Ich hatte 2 Tage vorher das Wasser im Pool aufgefüllt (nicht vom Haustank, sondern von der Außenzuleitung) und der Regenguss von Montag hatte noch mal 3 cm drauf geschüttet. Jetzt steht es knapp unter dem Rand.

Jürgen hat nachmittags im Haus rumgewurschtelt und seinen Sonnenbrand „gepflegt“. Ich habe dem Trockner noch einen letzten Versuch gegeben, dann war auch alles trocken!

Am Abend gab es Fischstäbchen mit Pommes (ich wollte dann auch gleich mal die Bedienung des Ofens antesten – war ja jetzt im Training). Die Fischstäbchen hier haben ein Format wie dicke Pommes und wir haben 22 Stück locker verdrückt. Noch ein lecker Bierchen dazu - zuhause mag ich kein Bier, aber hier abends auf der Terrasse schmeckt es köstlich!

Um kurz vor zehn war dann wie üblich wieder Schluss mit lustig – morgen früh wollen wir zum Walmart einkaufen noch bevor es wieder so heiß ist!

Bilder gibt es heute keines! Oder doch: das von der deutsch-amerikanischen Freundschaft!
 

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Tag 15 - Rennautos und Oldtimer

Werde nachts gegen halb vier von Lichtschein geweckt. Im Wohnzimmer-Büro brennt die Tischlampe – weit und breit niemand zu sehen. Göttergatte geruht im Master 2 zu ruhen, warum bitte brennt dann im Wohnzimmer das Licht? Das treibt doch die Stromkosten nur unnötig in die Höhe…

Ich mach das Licht aus und tapse durchs dunkle zurück zum Schlafzimmer. In solchen Augenblicken habe ich dann doch immer ein bisschen Angst vor ungebetenen krabbelnden Gästen – der Albtraum schlechthin wäre darauf zu treten – uuaahh. Aber hier im Haus ist mir in den beiden Wochen auch nicht ein Viech über den Weg gelaufen – warum also jetzt? Jürgen hat mir kürzlich Horrorstorys von fetten fliegenden Kakerlaken erzählt, die üblicherweise in den Feuchtgebieten Floridas unterwegs sind. Wo auch immer sie sein mögen, hier jedenfalls nicht (da möchte ich auch drum gebeten haben!).

Im Bett habe ich mir dann den Fernseher zum schnellen wieder einschlafen angemacht (außerdem lenkt das sofort von dem Viehzeuchs im Kopf ab!). Klappt auch wie üblich.

Kurz nach sieben werde ich vom Kaffeeduft wach – also zackig raus in den Pool. Fängt ja schon an zur Gewohnheit zu werden, ich muss mir das jetzt ganz bewusst als besonderes Urlaubs-Genuss-Highlight verdeutlichen!

Raus und die übliche Morgenprozedur: Kaffee, Web, Badezimmer.

Wir wollen heute noch vor dem Frühstück Einkaufen fahren in der Hoffnung, dass es dann noch nicht so heiß ist. Wann öffnet Walmart? Ach so – hat rund um die Uhr geöffnet! Dann am besten sofort hin.

Gesagt – getan. Wir haben uns den am Del Prado ausgeguckt (die Strecke kenne ich schon!) und fahren los. Von wegen kühler um die Uhrzeit – nix da! Was täten wir ohne die Klimaanlage im Auto? Klar – in die Sitze schmelzen…

Parkplatz gesucht (bin aus Versehen auf der Gegenfahrbahn auf das Gelände abgebogen – hat aber keiner gesehen!) und rein ins Einkaufsparadies. Schon im Eingang gab es einen Massenauflauf und wir warteten geduldig, bis sich die Seniorenheim-Ausflugs-Kaufgesellschaft mit genügend Elektrokarren und Einkaufswagen ausgerüstet hatte. Da haben wir dann auch zum ersten Mal etwas mit der Bemerkung von Hermann kürzlich anfangen können: „Cape Coral wird auch oft Cape Coma genannt!“

Wir haben dann auch einen Karren ergattert und sind im Slalom durch die Abteilungen. Wir hatten so ein paar Kleinigkeiten auf dem gedachten Einkaufszettel: Magentabletten, einen günstigen Epilierer (ich habe meinen zuhause gelassen, ich wusste nicht, dass hier meine Haare an den Beinen derart schnell sprießen und ich kann das überhaupt nicht leiden irgendwie stoppelig zu sein!), ein Verbindungskabel für die Video-Cam zum Fernseher (habe ich auch zuhause gelassen – sehr schlau!).
Anstatt Magentabletten haben wir Magensaft gekauft. Einen Epilierer gab es überhaupt nicht, nur Rasierer! Dann eben Haarentferner-Spray. Und das blöde Kabel gab es natürlich auch nicht. Dafür habe ich eine Sonnenbrille bekommen mit lila-blauem Gestell (was auch sonst) und polarisierten Gläsern, so kann ich besser in der Sonne am Laptop gucken. Ein Stativ für lächerliche 14 Dollar (mit ineinander schiebbaren Beinen und federleicht – für unseren Spaceshuttle-Ausflug), ein Sonnenspray. Und dann hatten wir nur noch Hunger und wollten nichts wie raus aus diesem Mega-Kaufhaus.
Ganz ehrlich: da müssen wir nicht wieder hin, es gibt zwar alles, aber natürlich aus Platzgründen nur wenig Fabrikatsauswahl, und die echt günstigen Sachen kann man nur per Internet bestellen, die gibt es nicht im Shop.

Okay, zwischen Omis und Opis durch die Kassen zum Ausgang.

Gegenüber ist ein Mac Doof, der musste dran glauben. Inzwischen war es kurz nach elf, da kann man ja dann auch schon Burger essen. Mit Bacon und Cheese und viel Fleisch. Ich gebe zu, ich mag das gern (so ab und an, natürlich nicht täglich!). Auch hier am Nachbartisch eine Seniorengesellschaft mit Kaffee.

Von da aus haben wir einen Publix angesteuert für den normalen Einkauf, der war auch gleich ums Eck.

Wir haben ja hier im Haus einen nigelnagelneuen Monster-Grill auf der Terrasse, Reinigung hin oder her - ich hasse dieses Grillrostreinigungs-Manöver, ist immer eine fettige und schmierige Angelegenheit. Für 2 Personen lohnt auch fast der ganze Aufwand nicht, aber ich hatte eine Idee (Alufolie spielt die Hauptrolle) und also an der Fleischtheke nach leckerem Steak Ausschau gehalten. (P)fündig geworden! Dann noch abgepacktes vorgeschnipseltes Gemüse, Salat, Milch, Eis, Käse, Cracker, Butter, das übliche halt. Von einer überdimensionierten M&M-Packung konnte ich Jürgen gerade noch abbringen mit Hinweis auf die Kalorien (war aber dennoch vergebens – später…).

Ein überschaubarer Einkauf, aber trotzdem wieder 60 Dollar weg. Aber im Moment ist ja der Kurs für uns echt supergünstig, 1,47!
Hinter der Kasse alles in mind. 8 Plastiktüten gepackt und was sehe ich in der Waren-Einpackzone? M&Ms – 2 Tüten zum Preis von einer! Das Angebot des Tages! Na ja – und auch noch Almond, da kam dann selbst ich nicht mehr drum herum.

Mit unseren Schätzen nach Hause – endlich war wieder gepflegtes Nichtstun angesagt. Blog geschrieben und abgelenzt.

Gegen Mittag klingelte es und unser Lieblingshausverwalter Hermann kam mit einem Landschaftsgärtner. Der Garten muss ja gepflegt werden und dazu gehört auch das Rasen mähen. Während der Mitarbeiter draußen sehr fleißig war haben wir in der Kühle des Hauses einen netten Plausch gehalten. Dieser Mann ist einfach supernett und erklärt mit Hingabe alles und jedes. Wir haben dann auch noch unseren bevorstehenden KSC-Ausflug erwähnt und er hat uns gefragt, ob wir nach unserer Rückkehr Lust auf einen Besuch bei ihnen hätten. Ich hatte irgendwie auch schon die gleiche Idee (die Familie einzuladen – zu uns natürlich), aber im eigenen Haus der Oswalds ist es natürlich noch schöner, allein schon der Tiere wegen (ich vermisse meine Katzen so sehr – sagte ich das schon?).

Wir werden uns also am Wochenende bei Oswalds melden und könnten ja mit leckeren Steaks dort einfallen.

Nachdem Hermann weg war, war wieder das süße Nichtstun angesagt. Zwischen Pool und Schatten hin und her (so oft, wie ich im Wasser war – das war Rekord für diesen Urlaub!).

Gegen 16:00 Uhr beschloss ich einen Anruf bei unserem Hausherrn – nur mal so zum „Stand der Dinge“ – außerdem hatten wir in der Sonnenidylle nun den endgültigen Entschluss gefasst im nächsten Jahr wieder zu kommen! Besser die Reservierung so früh wie möglich, hinterher geht es nicht mehr zum Wunschtermin und ich muss die Osterferien ja auf jeden Fall einbauen.

Es dauerte eine Weile bis ich ihn an die Strippe kriegte (war ja schon nach zehn abends in DE), er hat sich natürlich über unsere Begeisterung gefreut und mir noch eine lustige Geschichte bzgl. des Poolboys erzählt. Aber das verwahre ich mir für später!

Abends wollte ich mit Jürgen mal zum Yachthafen von CC, aber da hatte Stephan (unser Hauseigentümer) eine tolle Idee: Beim Blick auf die Uhr fiel ihm ein, das gerade (wie jeden Mittwoch um diese Zeit) ganz in der Nähe auf der Pine Island Road an einer Ladenzeile ein Automobiltreffen stattfindet. Rennautos und Oldtimer – das war natürlich ein Grund ihn kurzerhand am Telefon abzuwürgen und uns schnell in die Klamotten zu werfen. Noch mit Fotoapparaten bewaffnet und los.

Keine 5 Autominuten ums Eck (zur Abwechslung mal wieder links hoch auf der Chiquita) haben wir es auch gleich entdeckt. So geil! Ich liebe ja diese alten amerikanischen Megakarossen wie Buick und Cadillac. Was für eine Fotoausbeute! Es war allerdings echt heiß dort in der Sonne, da brachte das bisschen Wind auch keine Erfrischung.

Noch eine fette Viper (12-Zylinder mit Turbolader, Spitzengeschwindigkeit 220 Meilen!) abgelichtet und der Story vom Inhaber gelauscht: Überschlag mit Totalschaden in der Vorgängerviper, aber er und Frau nix abgekriegt! Dann zurück ins klimatisierte Auto.

Nun noch einmal kurz zu Hause vorbei (Jürgen musste die Schuhe wechseln – schwarzer Kunststoff ist bei solcher Hitze eher kontraproduktiv) und dann die Chiquita runter bis – ähm – etwas zu weit, irgendwie habe ich den Cape Coral Parkway verpasst und wir sind in einer Nobelgegend gelandet. Da ging es aber am Ende eh nur noch im U-Turn zurück.
Etwas verunsichert bin ich an den großen Straßenkreuzungen, wo alle ein fettes Stoppschild haben, so was gibt es bei uns ja nicht (oder doch?). Da halten dann eben alle und dann gilt rechts vor links. Wenn die aber dann nicht fahren (die von rechts), dann weiß ich auch nicht: „Soll ich, soll ich nicht?“. Na ja, bis jetzt ist es jedenfalls gut gegangen, hier fährt man ja auch relativ langsam und da kann man dann noch rechtzeitig bremsen.

Wir haben dann den Yachthafen auch irgendwann gefunden und waren sehr enttäuscht davon. Der Strand ist schmutzig und voller Glasscherben und das Wasser sieht auch nicht wirklich einladend aus. Ein paar Bilder und zurück zur Sonnenvilla. Hier ist es doch am schönsten zur Zeit!

Hunger hatten wir auch, immerhin seit Mac Doof nichts mehr gegessen, da darf man dann auch entsprechend hungrig sein um kurz nach sieben.

Hermann hatte mich am Nachmittag am Grill eingewiesen (ist ja nun auch nicht wirklich kompliziert) und ich machte mich ans Werk. Aus Alufolie eine schöne Schale basteln (ich höre schon das Geschrei der Grillmeister – wie kann man nur das Fleisch auf Alu legen und nicht auf den Rost!), aber zuhause mache ich das auch immer so und uns schmeckt´s! Und es gibt überhaupt kein Theater mit der Grillreinigung!

Das Gemüse kurz in der Pfanne gedämpft, ein Bier dazu (das zischt echt!) und die ersten (recht dünnen) Steaks auf den Grill. Klappte gut, also die Monster-Sirloins drauf. Die waren in der Medium-Variante ein Gedicht!
Machen wir jetzt öfter!

Dann haben wir am und im Pool den Abend ausklingen lassen. Kurz nach zehn wie üblich Zapfenstreich.
 

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Tag 16 - Gefährlicher Speck

Heute wollen wir den Tag ganz entspannt verbringen, schließlich steht morgen der Ausflug zum KSC zum Shuttlestart auf dem Programm. Da wir früh morgens in Orlando von dem Tourveranstalter um 7:00 Uhr eingesammelt werden und eine Anreise von gut drei Stunden einkalkulieren müssen, plus Zeitpolster von knapp zwei Stunden, heißt das für uns um ein Uhr nachts aufstehen und um zwei auf die Bahn. Somit wird es eine kurze Nacht werden und wir wollen ein bisschen Schlaf vorholen. Also ist für heute nur „Slow Motion“ angesagt.

Poolbad, Kaffee, Web – das übliche ohne nennenswerte Vorkommnisse.

Diesen Urlaubs-Blog veröffentliche ich parallel auch als Reiseerlebnisbericht in einem Forum. Die Community dieses Forums besteht aus Fans des US-Staates Florida. Dort findet man viele Informationen rund um Florida, sowohl von Ferienhausvermietern, „Auswanderern“, Urlaubern, etc. Die Berichte werden dort auch gern kommentiert und mit lustigen sowie hilfreichen Tipps wird auch nicht gespart. Über dieses Forum sind wir übrigens auf unsere Traum-Urlaubsvilla aufmerksam geworden. Wer sich dafür interessiert: http://www.florida-interaktiver.com

Dort hatte auch jemand zu meiner Frühstücksspeck-Geschichte einen Tipp gegeben: einfach die Dinger in der Mikrowelle zubereiten. Das teste ich doch mal, dachte ich mir so, und auf der Rückseite des Bacon-Paketes stand sogar auch die genaue Anleitung dazu. Ich also einen schönen großen Teller, doppelt Zewa drauf, Speck drauf, Zewa drauf und in die Mikrowelle. Laut Anleitung ein bis zwei Minuten oder bis der Speck schön knusprig ist.

Nach einer Minute war er zwar schon geschrumpft, aber noch nicht knusprig, als habe ich mit 30 Sekunden-Etappen weiter gemacht, bis der Speck lecker aussah. Leider sah er besser aus als er schmeckte, denn er war nicht wirklich kross und knusprig wie nach dem braten in der Pfanne, sondern irgendwie gummiartig. Die zweite Fuhre habe ich dann direkt länger drin gelassen und auf einmal gab es einen lauten Knall! Ein erschrockener Blick in die Mikrowelle: der Teller war in mehrere Teile zersprungen! Als ich die Klappe öffnete kam mir auch recht widerwärtiger fast süßlicher Gestank von dem völlig verkohlten Speck entgegen.
Das war mein erster und letzter Versuch mit Speck in der Mikrowelle! Der Gestank hing noch lange in der Luft und den geschrotteten Teller muss ich jetzt dem Hauseigentümer beichten. Beim nächsten Mal wieder auf herkömmliche Weise: schön entspannt in der Pfanne auslassen – bis er richtig kross ist! Bei der Erwähnung von „ausgelassenem Speck“ fällt mir gerade mein Mann ein – wenn er lustig im Pool plantscht (hoffentlich nimmt er mir den Vergleich nicht übel!). Spaß beiseite!

Nach dem Frühstück habe ich mich mit einem weiteren Buch aus der Sammlung unserer „Hausbibliothek“ an den Pool gelegt: „Rosalis Erwachen oder Cucina Siciliana“. Man, in dem Buch wird neben sehr erotischen Textpassagen ausführlichst von den Kochexzessen der Erzählerin berichtet und man bekommt bei den liebevollen Rezeptbeschreibungen von Pasta, Pizza und Pasteten dauernd Fressgelüste. Ich habe das Buch in einem Rutsch (mit ein paar Unterbrechungen) durchgelesen und war froh über das Happy End der Protagonistin.

Diese Unterbrechungen bestanden aus Blog schreiben, essen (kein Wunder bei der Lektüre), im Pool planschen (aber selbst das brachte kaum Erfrischung) und dösen in der Sonne. Es war echt sehr schwül den ganzen Tag und Jürgen und ich waren wirklich mehr als träge. Sogar das Volltanken für die Orlandotour haben wie auf die Anfahrt verschoben.

Abends habe ich ein paar Koteletts in die Pfanne gehauen und dazu gab’s Fertigsalat (Nudeln und Kartoffeln) von Publix (die schmecken übrigens echt lecker, die Salate sind nicht so sauer wie bei uns). Dann haben wir ab halb neun versucht früh zu schlafen, was natürlich nicht gelang!

Bin gespannt wie ein Flitzebogen ob mit dem Start der Endeavour morgen alles klappt – das wäre fast zu schön um wahr zu sein!

Sorry – keine Bilder! Aber morgen habe ich bestimmt wieder die Qual der (Aus)Wahl.
 
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