Florida 2011 - Der Blog

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Tag 17 - Shuttlestart (beinahe)

Der große Tag! Live einen Shuttlestart erleben – das habe ich mir schon viele Jahre gewünscht, vor allem aufgrund von Jürgens ausführlichen Erzählungen. Die Aufregung vor dem Start, dann das Getöse der Booster und die feurige Himmelserscheinung – ich habe zwar schon viele Filme dazu gesehen, aber so ganz in echt dabei sein: eine aufregende Vorstellung.

Schon im Vorfeld von Düsseldorf aus war es ein längeres Hin und Her: Tickets buchen oder auf eigene Faust? Welche Tickets? Ganz teure von KSC und dann auf dem Causeway stehen oder etwas günstiger vom Visitorcenter aus? Als dann das Startdatum feststand haben wir uns für die mittelkostspielige Variante von Gator-Tours im Visitorcenter entschieden. Pick-Up vom Hotel und alles mit einem Veranstalter. An Einfahrtsgenehmigungen für Privatautos am Visitor-Complex kommt man sowieso nur sehr schwer, oder eher gar nicht als Ausländer.
Gesagt, getan. Das Hotel in Orlando hatten wir für einen anderen Zeitraum gebucht, wurde dann umgebucht. Das die den Start um 10 Tage verschieben war dann zwar etwas ärgerlich, aber noch kein Weltuntergang. Das Hotel in Orlando hat uns ja auch ganz unkompliziert für den 29. April noch eine Hotel-Parkplatz-Einfahrt ausgestellt.

Also war soweit alles auf „GO“.

Der Wecker war auf ein Uhr nachts gestellt, aber ich konnte sowieso kaum schlafen und habe es dann um halb eins ganz aufgegeben. Eine Dusche um die Restmüdigkeit wegzuspülen – heute mal nicht in den Pool. Es war immer noch extrem schwül und ein Poolbad hätte nicht wirklich geweckt, sondern noch schlabbriger gemacht als ich eh schon war.

Die Sachen gepackt und eine Tasse Kaffee genehmigt. Wir wussten nicht, ob wir unsere Sachen während des Aufenthaltes im KSC im Bus lassen könnten, also sehr bewusst den Krempel zusammen gesucht. Neben der Foto-/Videoausrüstung noch ein Shirt zum wechseln, ein Handtuch, Cracker, Müsliriegel und Wasser, ein Nackenhörnchen (brauche ich immer bei längeren Fahrten, ohne das mache ich keine Ausflüge mehr!), Geld, Papiere, Tickets.

Kurz vor zwei saßen wir im Auto und machten uns im stockdustern auf den Weg. Die Wegbeschreibung im Netz hatte drei Varianten, zwei entschieden sich nur unwesentlich, alle waren von der Fahrzeit her fast identisch, nur über die Landstraßen war es definitiv 40 Meilen weniger Strecke. Wir prüften den Weg unserer Navi (mit der wir uns ja nun wirklich glänzend verstehen) und die hatte auch die Landstraßenvariante. Also gut, bislang waren wir die Interstate 75 gefahren bis es zur I 4 ging, aber jetzt mal über die Dörfer. Ich trage nachts zum Autofahren eine Brille, da ich eine Dämmerungsmyopie habe, aber mit der Brille sehe ich wie ein Luchs.

Wir hatten die Straßen fast für uns allein, kann eine zeitlang ganz nett sein, ist aber auf Dauer auch sehr langweilig. Bei der ersten offene Tankstelle kurz getankt und weiter durch die einsame Nacht. Es war so schwülfeucht, sogar die Frontscheibe beschlug von außen.
Die Landstraßen führen (wie auch bei uns) tatsächlich durch Kleinstätte und Dörfer, teilweise auch einzelne Farmhäuser. Ich hätte mir das gerne mal im Hellen angesehen, teilweise war es echt wie in den amerikanischen Filmen: Motels von Anno Tuck und alte Werksgelände mit uralten rostigen Pick-Ups. Und an den unmöglichsten und einsamsten Ecken abgestellte Schulbusse – warum parken die da im Nirwana?

Wir kamen natürlich erwartungsgemäß gut voran, allerdings können sich 140 Km Landstraße schon ziehen. Dann fing es auch noch fies an zu regnen und da stehe ich im Dunkeln ja überhaupt nicht drauf! Gott sei Dank nur ca. 25 Km lang, dann hatte die Dröppelei ein Ende.

Kurz vor 5 fuhren wir auf den Parkplatz des Quality Inn. Hier war echt viel los (nicht menschen-, sondern autotechnisch) und wir waren froh, überhaupt noch einen freien Parkplatz zu finden. Erst mal rein ins Hotel zum Restroom. Dann hat Jürgen versucht per WiFi am ipad die neuesten Infos zum Launch zu kriegen – die Vorstellung, der Start könnte schon abgesagt sein war blöde nach dieser Nachtfahrt. Aber alles noch im grünen Bereich.

Wir also rüber zum Mc Doof (der Spielhalle, davon habe ich schon erzählt) und uns so komische Frühstücksburger bestellt (weil man um 5 noch nix anderes kriegt). Die sind ja echt völlig abgeschmackt: Ei, Bacon und Käse auf zuckersüßem Brötchen – nur der Hunger treibt’s rein. Ein riesiger Becher Kaffee dazu.

Mit dem Kaffeebecher zurück zum Hotel und dort in der Lobby in ein Sofa gefläzt. Ein überdimensionierter Bildschirm lief und ich wurde erst so richtig aufmerksam auf den Sendebeitrag, als plötzlich der Ton dazu angeschaltet wurde und sich das halbe Hotelpersonal dort versammelte: die Hochzeit des Jahres – William und Kate! Es war 11:00 Uhr Ortszeit in GB und da ging’s dann grade los mit der Ankunft der Braut. Unser Tourbus sollte erst gegen 7 ankommen, also verfolgte ich ganz gebannt die englische Hochzeit. Jürgen hatte wie üblich nur sarkastische Bemerkungen dazu, ich war allerdings schon sehr gerührt von dem glücklichen Strahlen der hübschen Braut. Ganz gespannt verfolgte ich das Geschehen, vor allem das Eheversprechen und mit mir genauso gerührt die amerikanische Hotel-Putzfrau. Ich gebe zu, ich bin emphatisch und zudem noch nah am Wasser gebaut, aber auf Jürgen’s Bemerkung: „Du fängst doch jetzt nicht hier zu heulen an…“ schluckte ich und riss mich am Riemen. Keine Tränchen!

Endlich kam ein weiblicher Tourguide und sie zeigte uns den Bus, der draußen vor dem Eingang parkte und den wir jetzt doch bitte zu „entern“ hätten.
Ich war ganz fix (und somit die Erste im Bus) und konnte mir die Bank gleich hinter dem Fahrer kapern. Da sitze ich am liebsten, außerdem kann man dort auch besser fotografieren als von den anderen Plätzen.

Kurz nach sieben war die illustre Gesellschaft komplett, von Kiddys bis zum Tattergreis alles an Board. Auf ging’s, im Sonnenaufgang Richtung Titusville. Von Sonne war allerdings nur wenig zu sehen, ganz im Gegenteil: je heller es wurde, desto dunkler wurde es. Riesige dicke graue Wolken ballten sich zusammen und es blitzte gewaltig. Aber es waren ja noch über 8 Stunden bis zum Start und hier kann sich das Wetter ja schlagartig verändern, also machte ich mir keine Sorgen.

Wir kamen superschnell durch und waren schon um kurz nach acht am KSC. Raus aus dem Bus und an die Schlangen vor den Kassen, wobei es keine Kassenschlangen waren, sondern Kontrollschlangen. Wie am Flughafen mit einem Metalldetektor-Durchgang und kompletter Untersuchung der mitgebrachten Taschen und Tüten. Menschenmengen mit Klappstühlen, Sonnenschirmen, Kühltaschen – wie bei einem Freibad-Besuch.

Da der Bus dort vor Ort blieb und uns auch für die Rückfahrt zur Verfügung stand konnten wir einiges dort lassen. Alle waren in gelöster und dennoch gespannter Stimmung, ich genoss dieses Gefühl von kribbelnder Anspannung vor einem besonderen Ereignis.

Unproblematisch rein in den Hauptkomplex und mit dem Ticket in die Lobby. Dort war zunächst wieder Restroom angesagt, da musste man aber schon Schlange stehen (Jürgen, ich brauchte noch nicht!).

Raus und kurze Orientierung – rechts die Menschenschlangen, die auf den Bustransfer zum Causeway warteten, Geradeaus alles für Leib und Seele, links der Rocket Garden. Dorthin gingen wir zunächst, weil es dort ja eine Fläche zum Gucken gibt. Auch eine LED-Leinwand (und die zeigte schon das Shuttle auf dem Pad), eine kleine Bühne und Schilder, von wo aus man am besten gucken könnte. Mehrere Sitz-Tribünen – überall Menschen.
Unsere Klappsessel (2008 im KSC gekauft um einer Flugshow beizuwohnen) waren in Düsseldorf, klar! Aber neue kaufen war ja auch kein Thema (Dollarkurs heute noch besser als gestern: 1,48!).

Wir orientierten uns ein bisschen und beschlossen den KSC-Laden (ist jetzt keine nette Bezeichnung für den großen Shop) aufzusuchen. Offensichtlich hatten gerade 3472 Leute die gleiche Idee! Die Kassenschlangen reichten schon aus dem Geschäft heraus!- Egal, ein Shirt für Jürgen, eins für mich und 2 Klappstühle – und angestellt. Mit dem Anstellen wechselten wir uns ab, während wir das Zeug zusammen suchten. Dann fing es draußen heftigst an zu regnen und ein Schirm gesellte sich zu dem anderem Kram. Jürgen hatte sich den erkämpft, denn die gingen gerade weg wie warme Semmeln.

Als wir endlich draußen waren hatte es zu regnen aufgehört, nichts desto trotz schleppten wir den Schirm den ganzen Tag über wie eine schwer erkämpfte Beute durch die Gegend.

Mit unserem Krempel wieder Richtung Rocket Garden. Jetzt den richtigen Platz aussuchen – echt eine diffizile Angelegenheit. Vor allem, wenn man nicht genau weiß von wo aus man die beste Sicht hat.

Wir entschieden uns für eine kleine grasbewachsene Anhöhe ziemlich weit rechts und bauten unsere Habseligkeiten auf. Erstmal setzen! Blick zur Uhr: noch nicht mal 10, das kann ja heiter werden. Ich machte Aufnahmen von allem Drumherum und dann meldete sich erneut der Hunger. Zwar nur im Ansatz, aber in anbetracht der Schlangen an den Futterstellen muss man sich dorthin begeben, bevor es richtig anfängt um dann rechtzeitig etwas zu ergattern!

Auf dem Weg dorthin testete ich die Baustellen-Klos, abartig! Nie wieder, eher schwitze ich es aus.

Die Eisbude hatte gerade geöffnet und ich holte mir zum Versüßen der Warteschlange an der Hot Dog Bude ein Eis. War eine gute Idee, tröstete mich genüsslich über die halbstündige Ansteherei. 2 Hot Dogs mit Chipstütchen, Waffle-Fries mit Cheese-Topping (hinterher von Jürgen als „Trinkkäse“ denunziert), ein Sipper-Softdrink (so ein Plastikgefäß mit Drehdeckel und eingebautem Biegestrohhalm, das kann man dann den ganzen Tag beliebig oft „Refillen“ lassen).

Mit meinen Schätzen durch die Mengen zurück zum Göttergatten, ich habe die Hosentaschen vergessen, da waren neben Servietten noch Mayo- und Ketchuptütchen deponiert.

Mit den mit „Trinkkäse“ verunreinigten Waffel-Fritten hat er sich direkt bekleckert – wer kann denn auch ahnen, dass dieser blöde Käse schnurstracks durch die Gitterlöcher der Kartoffel fließt – unschöner gelber Fleck auf dem blütenweißen Shirt für den Rest des Tages.

Dann weiter dumm rum gesessen und rumgeguckt.

Kinder spielten um uns herum mit diesem zeppelinförmigen Ball und plötzlich knallte so ein Ball meinem Gemahl von rechts an den Kappes (rheinisch für Kopf)! Der war vielleicht erschrocken! „No second time“ schnauzte er den Jungen an, der gleich angerannt kam um sich zu entschuldigen.

Ich bin dann mal zur Fotojagd wieder durch die Gegend getigert und habe auch gleich versucht die Frage nach „…the right Angle for watching“ zu klären. Seltsamerweise kamen nämlich mehrere Leute in kurzer Zeit zielstrebig auf Jürgen zu um ihn nach dem besten Blickwinkel zu fragen – die anderen Leute um uns herum hatten wohl kein „Info-Schild“ auf der Stirn stehen. Aber wir wussten es ja auch nicht so genau.

Wir orientierten uns einfach an den Männern, die mit megadicken Teleobjektiven auf den Kameras schon die besten Plätze ergattert hatten. So einen Herrn fragte ich dann auch und bekam die erwartete Antwort mit der entsprechenden Richtungsangabe.

Vor der überdimensionierten Memorial-Tafel ist auch eine Art See, darin schwamm ein einsames und gelangweilt dreinschauendes Alligatörchen. Hinter (oder besser seitlich) der großen Tafel war auch eine Grasanhöhe, von dort aus hatte man einen besseren Blick Richtung Startpad. Zwar keinen Blick auf die Promibühne (wo derweil eine Astronautin die Fragen der Kinder beantwortete), aber auch eine Monitorwand. Ich schnurstracks zurück zum Gatten und ihn zum Umzug genötigt. Wieder ein paar Minuten verbraten.

Das Wetter wurde zusehends besser, gegen 12 Uhr kamen dann auch die Astronauten aus ihrem Quartier und begrüßten die Menge (nicht uns, irgendwo im gesperrten Gelände).

Dann fuhren sie wie üblich mit dem alten silbernen Bus Richtung Launchpad. Die Spannung wuchs, alle waren guter Dinge.

Die Kameras begleiteten aus der Luft den Weg des Busses, plötzlich blieb er stehen. Unsicherheit machte sich unter den Besuchern breit, Jürgen war gerade unterwegs um Trinknachschub zu holen.

Und dann kam sie, die Nachricht, vor der sich alle gefürchtet hatten: Abbruch! Irgendwas von Hydraulik-Erhitzern die defekt wären. Startaufschub um mindestens 48 Stunden. Der Bus mit den Astronauten kehrte um und fuhr zurück. Jürgen kam und teilte mir die Nachricht mit, aber ich hatte das ja nun auch schon begriffen. Neben mir eine Familie Vater, Mutter, 3 Kinder) angenervt und sehr enttäuscht, alles drumrum war einen kurzen Moment wie gelähmt und dann nur noch gedrückte und enttäuschte Gesichter. Manche fingen sofort an zusammen zu packen, andere blieben sitzen, als könnte man damit noch etwas ändern.

Ich musste das auch erst mal verarbeiten. Alle Vorfreude (wenn auch gemäßigt, denn Jürgen hatte mir dieses Szenario immer wieder sehr anschaulich vor Augen geführt) wich nun dem Frust über diese ganze Unternehmung: Zeit, Geld, Schlaf, Urlaubs-/Lebensqualität geopfert. Was ein Scheiß! Sorry, aber ich war echt richtig sauer.

Jürgen unternahm den zweiten Versuch etwas zu trinken zu holen, ich saß da wie ein Häufchen Elend.

Dann habe ich kurz geschmollt und schließlich das getan, was derweil die meisten taten: zusammengepackt!

Als Jürgen wiederkam war ich startklar – für was denn aber nun? Wir mussten bis 17:20 Uhr die Zeit totschlagen, denn dann erst war der Treffpunkt am Bus mit der Rückfahrt angesetzt.
Uuuuaaaahhhh!

Aus lauter Frust wieder in den Shop. Da war es endlich überschaubar aus Kundensicht und wir schlenderten durch die Regale. In der ersten Etage hat Jürgen endlich seine Hitzekacheln gefunden (keine echten, aber ein Stück des Materials, aus dem sie bestehen), danach hat er schon ewig gesucht. Davon 2 Päckchen und noch mal 3 Shirts wanderten in unser imaginäres Einkaufskörbchen, an der Kasse noch 2 Schokoriegel. Wieder 90 Dollar weg, aber egal! Jetzt kommt’s auch nicht mehr drauf an!!

Jürgen wollte dann ins IMAX-Kino, ich wollte da aber nicht mit unserem ganzen Kram rein. Da blieb dann nur die Klärung, ob unser Bus vielleicht offen stand und wir da etwas deponieren könnten.

Das wollte ich aber erstmal ohne die ganze Schlepperei klären. Also zum Ausgang und nachgefragt, ob man denn mit dem Ticket wieder reinkäme? Klar, aber man bräuchte noch einen Stempel (wie beim Eintritt in die Disco), den müsse man dann bei der Rückkehr von draußen vorzeigen.

Ich also Stempel geholt und raus zum Bus. Dort stand unser Fahrer und telefonierte. Er fragte mich, ob ich wüsste wo die anderen wären und ob man eher zurückfahren würde. Aber ich wusste nix dergleichen (woher auch) und fragte nur nach dem Deponieren der Sachen. Das ging natürlich. Also wieder rein ins KSC (Metalldetektor und Kontrolle) und mit Jürgen zum abstempeln. Mit allem Kram zum Bus. Jürgen hat die Stühle und den Schirm in der Kofferladezone verstaut und war plötzlich verschwunden. Ich hatte im Businneren die Entscheidungen zu treffen, was jetzt noch wieder mit rein müsste und was nicht. Nur mit einer Plastiktüte bestückt habe ich dann meinen Herrn und Meister gesucht und gefunden und zurück ins Center.

Im IMAX-Kino lief Hubble 3D, da haben wir uns dann in der Schlange angestellt. Zeit spielte jetzt sowieso keine Rolle mehr, davon hatten wir reichlich!

Der Film war ganz nett, zumindest das was wir gesehen haben, wir sind nämlich beide dabei weggepennt!

Draußen haben wir uns ein Eis gegönnt (ich nun das zweite) und noch mal was getrunken. Dann sind wir relativ ziellos über das Gelände spaziert und ich habe noch einiges mit der Videokamera festgehalten.

Über eine Stunde zu früh sind wir dann raus aus dem KSC – Nase voll!

Wir waren auch nicht die ersten am Bus, aber die letzten ließen tatsächlich bis zum Abfahrtszeitpunkt auf sich warten – man hätte sonst glatt schon viel früher die Heimfahrt antreten können.

Wir bekamen von der Reiseleiterin Zettel, damit hätten wir eine zweite Tour buchen können. Die Eintrittstickets von KSC gelten zweimal, nur den Transfer hätten wir mit je 35 Dollar noch einmal latzen müssen. Inzwischen gab es schon die Auskunft, dass mindestens 72 Stunden bis zum nächsten Startversuch vergehen würden.

Wir überlegten eine Weile und erörterten die Thematik – aber ich war dann ganz ehrlich und habe Jürgen gesagt, dass ich das nicht noch einmal erleben wollte. Ich hatte befürchtet, er würde sauer reagieren, aber er war froh über meine Entscheidung und so werden wir uns den nächsten Start (wann auch immer) im TV (wo auch immer) ansehen.

Die Rückfahrt war bis kurz vor Orlando easy going, dann gab es allerdings den üblichen Freitagabend-Stau. Ich wollte nur noch zurück nach Hause und Jürgen ging es genauso.

Kurz vor sieben dann am Hotel und nach dem Standardbesuch des Restrooms hat sich Jürgen hinter das Steuer geklemmt. Er war genauso müde wie ich, aber wir hatten leider keinen Chauffeur dabei.

War das eine öde Rücktour. Um neun war es dann auch stockdunkel und wir hatten uns wieder für die Landstraßenvariante entschieden, was Jürgen dann später aber bitter bereute. Dauernd hat man so eine kriechende Pappnase vor sich und bei einspuriger Strecke mit Gegenverkehr gestaltet sich das Überholen bei unübersichtlicher Straßenführung echt schwierig. Die Navi lotste uns nur einmal falsch (beim Hinweg auch an genau der gleichen Stelle), offenbar gibt es da noch keine Aktualisierung der Karte über die Veränderung des (neuen) Straßenverlaufs.

Nach wiederum gut drei Stunden Nonstop (Jürgen hat tapfer durchgehalten, ich habe ihn mit harmlosen Diskussionen und Erzählungen wach gehalten) sind wir in CC am Haus gelandet.

Reste aus dem Kühlschrank verdrückt und todmüde ins Bett!

Das war mit Abstand der stressigste Urlaubstag und ich bin froh, dass er vorbei ist.
 

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Tag 18 - Cape Coral Beach

Nach dem gestrigen Megastresstag haben wir geschlafen wie Tote…

Innere Uhr weckt wie gehabt gegen halb sieben. Der Pool ist heute ein kleiner Angang, ich bin noch hundemüde und ringe mit mir, ob ich mir den Kälteschock (ist jetzt maßlos übertrieben!) antun soll.
Doch, mache ich, ich möchte doch keinen Ausfall verbuchen, außerdem macht’s bestimmt schön wach. Also rein.

Jürgen turnt auch schon rum. Ich setze Kaffee auf. Okay, dann kann ich ja auch um 8 Uhr am Beach zur Yoga-Session antanzen.

Kurzer Rückblick: In der ersten Woche hatte ich ja zwei Yogastudios angetestet und wäre auch gern noch mal gegangen, aber wir waren ja auch viel unterwegs. Inga (Yogastudio 1) hatte mir erzählt, dass sie immer samstags morgens am Strand neben dem Yachthafen praktizieren (so nennt man das „Yoga-Workout" in Fachkreisen) und Jürgen hat nix dagegen ein bisschen allein den Morgen zu verdröseln.

Ich schnappe mir also meine Matte und aus welcher Anwandlung heraus auch immer meine Camera und mache mich rechtzeitig auf die Socken.

Morgens ist es wirklich mit am schönsten, die Luft ist frisch und man kann so schön offen fahren. Den Weg zum Yachthafen kenne ich ja nun und dank der Tipps aus dem Forum bezüglich der Verkehrsvorschriften an Kreuzungen mit 4 Stoppschildern kenne ich mich damit ja jetzt auch aus.

Am Yachthafen ist nur ein schmusendes Pärchen, der Strand ist menschenleer. Ein Trecker fährt mit so einer Art Rechen seine Bahnen am Strand um den gröbsten Dreck aufzusammeln und alles schön gerade zu machen. Weit und breit nix von Yoga oder so zu sehen.

Ich schnappe mir die Camera und mache Bilder. Dabei wandere ich den Strand entlang (rauf und runter), gehe dem Trecker aus dem Weg und mache ganz bewusst meine Fußstapfen in den unberührten Sand – als erstes für heute. Ich mag so etwas, alles ist unberührt und ich stapfe dadurch, als wäre ich der erste und einzige Mensch auf der Welt.

Ich fotografiere den Strand, das Pier am Clubgebäude, die gegenüberliegende Seite wo man Boote ins Wasser lassen kann. Einen Vogel bei dem Versuch sich Nestmaterial zu besorgen. So vergeht die Zeit und um 10 nach acht beschließe ich die Rückkehr nach hause, denn offenbar habe ich etwas falsch verstanden, entweder den Tag, den Ort oder die Uhrzeit.

Zurück zum Auto. Ich hatte Jürgen bei meiner Rückkehr frisches Brot oder Brötchen versprochen, also ab zu Publix. Unterwegs hatte ich einen gesehen, den steuerte ich schnurstracks an. Und weil ich einmal dran war habe ich den auch direkt fotografiert.

Ohne Einkaufswagen rein, schließlich brauchte ich ja nur Brot. An der Bäckertheke habe ich mich für Laugenstangen (die isst Jürgen so gern), ein Ciabattabrötchen, eins mit Käse und ein Minibaguette entschieden, alles noch warm!

Dann noch ein abgepacktes halbes Brot. Und an der Hähnchenbraterei konnte ich nicht widerstehen und habe 4 kleine panierte Hähnchenbruststreifen geholt.

Mit meinen vollen Händen (mit Geldbörse und Schlüsselbund) zur Kasse und die Sachen auf’s Band gepackt. Ich habe mich auch inzwischen ans Kartenzahlen gewöhnt, selbst bei Kleckerbeträgen. Bislang hatte Jürgen immer bei Publix bezahlt, jetzt hatte ich Premiere. Auf den Button „Credit“ drücken – dass wusste ich nicht (habe ich vorher nie mitgekriegt) und unterschreiben, da fragt mich die Kassiererin ob ich das halbe abgepackte Brot schon bezahlt hätte. Häh? Ich schaute auf meine linke Hand die krampfhaft Geldbörse und Schlüsselbund festhielt und – zu meiner eigenen (unangenehmen) Überraschung – noch das halbe Brot. Hatte ich völlig vergessen, man wie peinlich. Ich habe mich entschuldigt und sie hat es nachgebongt. Ihr Gesichtsausdruck war nicht zu deuten, vielleicht hat sie mir das Versehen geglaubt, vielleicht aber auch nicht. Ich konnte mir dann die übliche doofe Bemerkung von wegen „I try to make a big deal!“ dummerweise auch nicht verkneifen, sie rutschte mir einfach raus. Hat sie aber glaub’ ich nicht verstanden.

Mit meinen Frühstücksschätzen bin ich dann nach hause – aber diesmal wieder „Oben ohne“ (Verdeck auf) und mit lauter Musik über die „Piste“. Ich gröle dann so gern mit, allein im Auto meckert ja auch keiner, egal wie (schön) laut ich singe.

Jürgen war überrascht, dass ich so flott wieder da war. Hat sich auch direkt über die Laugenstange hergemacht.

Nach einem ausgiebigen Frühstück war wieder relaxen angesagt. Der KSC-Tag musste ja auch erst mal verarbeitet werden.
Zwischen den Plansch-, Ruhe- und Esspausen habe ich den Blog der beiden vergangenen Tage geschrieben, damit war ich (wie üblich) lange beschäftigt. Und dann mal im Netz recherchiert, ob und wann denn Yoga am Beach stattfindet. Und siehe da: Sonntags um acht! Also morgen ein neuer Anlauf.

Aus der Hausbibliothek habe ich mir wieder ein Buch geangelt: Die Wanderhure (war ja schon im TV, habe ich aber nicht gesehen). Und wenn ich lese vergesse ich sowieso die Zeit um mich herum.

Um kurz vor sechs gab es dann ein heftiges Gewitter und ordentlich Regen, das war aber eigentlich ganz angenehm, weil danach die Luft so schön frisch riecht. Hat auch wie üblich nicht lange gedauert, eine halbe Stunde später schien die Sonne noch einmal zum Abschied des Tages.

Abends haben wir dann noch im Wohnzimmer vor dem fetten TV gehockt. Avatar lief, kenne ich zwar schon, aber die Originalvariante in Englisch nicht.

Die übliche Bettschwere um halb elf – morgen ist auch noch ein Tag.
 

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Tag 19 - Fleamasters Fleamarket

Auf meine innere Uhr ist Verlass, aber ich hatte trotzdem den Wecker gestellt. Pünktlich um 6:40 Uhr (ohne Wecker) Augen auf und in den Sonnenaufgang geblinzelt. Ob das jemals langweilig werden könnte – die Morgenröte, die reine Luft des frisch erwachten Tages? Mir nicht!

Raus in den Pool. Wir haben ja schräg gegenüber vom Kanal auch ein Haus, das ist seit gestern wieder bewohnt. Also muss ich wieder ein bisschen aufpassen mit meinem Morgenbad, bzw. mit meiner „ohne Outfit Erscheinung“. Aber es ist wirklich am schönsten, wenn man den Pool als überdimensionierte Badewanne nutzen kann und in die Wanne gehe ich auch nicht mit Klamotten.

Das kühle Wasser ist so herrlich erfrischend, danach bin ich wirklich in Null Komma nichts fit und energiegeladen. Danach die erste Tasse Kaffee – das ist Urlaubsfeeling pur. Ach ich vergaß, ich wollte es ja gar nicht mehr so ausführlich beschreiben…

Was ist heute für ein Tag? Sonntag! Und der Mai hat begonnen (das muss ja viele Arbeitnehmer ärgern, dieser Feiertag auf dem Sonntag!). Yoga am Beach – 2. Versuch.

Ich bin wieder ganz pünktlich vor Ort und schaue mich um. Am Strand wie auch gestern der Trecker mit Glättungsaktion und 2 ältere Damen mit Metalldetektoren – sie suchen wohl nach verloren gegangenen Schätzen im Sand. Ein junger Mann hüpft ins Wasser – der einzige weit und breit. Sicherlich genießt er sein Morgenbad genau wie ich.

Da sehe ich Inga, sie hat eine große Tasche dabei und stapft durch den Sand zu einer Bank. Wir begrüßen uns und mit einem Blick zur Uhr (schon fast 8) frage ich sie, wie viele denn kommen würden. Sie weiß es nicht, es ist jeden Sonntag unterschiedlich. Diese Stunde ist ja kein Kurs, sondern eine „Drop in“ Stunde, wer kommt der kommt. Sie berichtet mir, dass sie einer anderen deutschen Teilnehmerin von mir erzählt hat und die gern meine Visitenkarte hätte und während wir das noch erörtern kommen 2 weitere Frauen auf uns zu, besagte Deutsche und ihre Bekannte (bzw. Freundin des Sohnes, wie ich später erfahre). Conny und Andrea. Wir begrüßen uns zunächst auf Englisch, dann in Deutsch. Noch eine Dame kommt (Amerikanerin) und wir halten Ausschau nach einem geeigneten Platz. Der Trecker (der ja mit seinem Lärm das ruhige Yogaambiente empfindlich stört) ist fast fertig, zumindest im Mittelteil an dem Gebäude, indem Veranstaltungen stattfinden, sofern es eine gibt. Ich habe meine Matte mit aber kein Handtuch, Inga ist so freundlich mir eines zu borgen, denn sie meint ein Handtuch sei besser. Ich weiß es nicht, ich hatte noch nie Yoga im weichen Sand.

Wir gehen zu dem Stück Strand, das Inga ausgesucht hat und breiten dort die Handtücher aus. Dieser Teil liegt noch im Schatten der aufsteigenden Sonne, aber ich vermute, dass wird sich in der nächsten Stunde noch ändern.

Inga setzt sich quer vor uns (schon im Sonnenlicht) und wir 4 sind brav aufgereiht nebeneinander. Conny hatte mich zwischendurch schon gefragt, ob ich wirklich selbst auch Yogalehrerin sei und als ich bejahte, wurde sie ein bisschen verlegen und wies auf ihren Anfängerstatus hin. Ich konnte sie aber beruhigen, denn es gibt ja so viele Stilrichtungen beim Yoga, dass man gar nicht alle kennen (und auch noch firm darin sein) kann. Dann erzählte sie mir, dass sie Ferienhausverwalterin sei und wenn ich mal was suchen würde – und ich habe sie ganz freundlich darüber informiert, dass wir unser Traumhaus schon gefunden und auch für nächstes Jahr schon gleich wieder gebucht hätten. Das fand sie natürlich auch in Ordnung (hätte mal was anderes sagen sollen) und so widmeten wir uns der Yogastunde.

Ich war teilweise unkonzentriert, denn ich habe so sehr den Raum (sofern man den Strand als Raum bezeichnen kann) genossen, da war es etwas schwierig in eine mehr verinnerlichte Empfindung zu kommen. Der Sand unter mir, das Geräusch der Wellen, die sanfte Morgenbrise – all das habe ich wirklich ganz intensiv genossen und sehr bewusst abgespeichert. Diese beruhigenden gleichmäßigen Wellengeräusche, der Duft der Luft – einfach zum hinschmelzen. Wenn ich wieder zuhause bin werde ich in der Meditationsphase im Unterricht meine Teilnehmer genau diese Bilder und Geräusche mental erleben lassen. Ich erzähle am Ende jeder Stunde eine Geschichte, weniger eine erfundenen Geschichte, sondern eher eine Fantasiereise in unsere Umwelt und auch den Kosmos und durchlebe dann gemeinsam mit ihnen (sofern sie sich darauf einlassen, aber das tun sie in der Regel gern) diese Bilder wie einen selbst erlebten eigenen Film. Und Sonne, Strand, Wasser, Wind – das sind ganz wunderbare Ausgangsbereiche für Meditationen.

Zurück zum Strand.

Während der Praxis wurde der Strand in immer mehr Sonnenlicht getaucht und die anderen Frauen rückten für ihre Übungen in den Schatten. Ich stand in der Sonne und dachte amüsiert, dass das wohl der Unterschied zwischen Einheimischen und Touris wäre, denn wer immer Sonne hat, der schätzt sie oft nicht mehr so.

Die Stunde war sehr schön, die Standübungen im weichen Sand wirklich mal was neues und gar nicht so einfach. Vor allem die Balance-Übungen, da habe ich ganz schön abgeloost.

Nach der Abschlussentspannung habe ich gefragt, ob ich ein paar Fotos von uns machen dürfte (und die auch ins Netz stellen) und alle bis auf die Amerikanerin waren einverstanden. Also hat sie die Bilder geschossen. Warum jetzt hier im Blog keine davon sind ist eine andere Geschichte, davon später.

Dann hat uns Andrea erzählt sie bekäme heute ihre Graduation als Doktor der Sportmedizin und das sie bald (nach jetzt bereits 7 Jahren hier in CC) nach Köln geht um dort zu arbeiten. Dann wollte sie mich mal in Düsseldorf besuchen. Wir haben uns bis zum nächsten Sonntag verabschiedet und sind unserer Wege gegangen.

Ich bin mit lauter Musik und natürlich offen nach Hause gefahren und war ganz aus dem Häuschen vor Glückseligkeit. Ist ja nicht so, dass ich aus armen Verhältnissen käme und mir nun zum ersten Mal im Leben etwas besonders schönes widerfährt, aber ich bin wirklich ein Genussmensch und freue mich (auch gern immer wieder!) über die schönen Dinge des Lebens. Oft sind es gerade die weniger spektakulären (und kostspieligen), die mich besonders berühren und sich als absolutes Lebenshighlight tief in mein Gedächtnis verankern – das Leben ist schön!

Zuhause wartete ein frühstückshungriger Ehemann und so zückte ich umgehend Pfanne und Speck und deckte den Frühstückstisch.

Der gebratene Speck ist definitiv um Längen leckerer als der mikrowellisierte, da gibt’s keine Diskussion.

Jürgen wollte nach der Speckorgie zum Trödelmarkt – Fleamasters Fleamarket in Ft. Myers. Da waren wir bislang bei jedem Floridaurlaub und auch diesmal war ich hin und her gerissen von Vorfreude und dem Grauen schlechthin. Freude über diese bunte und lustige Welt der Markstände und Grauen über die endlose Aneinanderreihung von Kitsch schlimmsten Ausmaßes. Amerikanisch eben.

Wir also los, aber zunächst mal zur nächsten Tankstelle, denn der Sprit ging bedenklich zur Neige. Unterwegs wurden wir mehr und mehr von einer lustigen „Käferkonstellation“ bevölkert, vor allem beim Stopp an den Ampeln. Die Lovebugs waren unterwegs, stetig kopulierende kleine geflügelte Käferchen, die auf den ersten Blick etwas von siamesischen Zwillingen haben – 2 Körper am Hinterteil zusammen gewachsen. Das ist ihr Erkennungszeichen, sie treten immer als Pärchen auf und zwar inflagranti. Bei ihrem Treiben stört es sie auch nicht im geringsten wo sie dabei landen oder in welche Ecken und Nischen sie fleuchen, ganz schön lästig. Einmal hatte Jürgen die „Fuckbugs“ im Nasenloch und konnte sie nur mit Mühe da heraus schnäuzen – Frechheit!

An der Tanke machte sich ein amerikanischer SUV-Fahrer über uns lustig im offenen Auto mit der Käferinvasion und lachte herzlich, als er uns noch „weiterhin viel Spaß“ beim fahren wünschte. Wobei der Fahrtwind die Dinger ja wegbläst…

Wir haben es dann auch weiterhin unbeschadet bis zum Fleamarket geschafft – die Sonne knallte unbarmherzig und wir sind schnurstracks rein in die erste Halle. Dort ist es ein bisschen kühler, es gibt auch eine Menge Ventilatoren überall, aber je später es wird, desto unerträglicher dann doch für unsere hitzeempfindlichen Gemüter.

Auf der Suche nach einem HDMI-Kabel (damit wir meine Videocam mal ans TV anschließen könnten) zottelten wir über den Markt, bis - ja bis ich an einem Stand lila Sandalen entdeckte, die musste ich haben. 15 Dollar wechselten den Besitzer. Etwas später hätte ich auch gern noch ein Kleid erstanden, aber Jürgen ging weiter und ich hatte keine Lust ihn hinterher zwischen all den Ständen wieder finden zu müssen.

Ich glaube, bis auf ein HDMI-Kabel gibt es auf diesem Markt einfach alles, vom Gebrauchtauto über Stichwaffen, Staubsauger, Elektrogeräte, jede Art von Haushaltswaren, Klamotten – sogar Rettungswesten für Hunde, lebende Tiere (das war zum Erbarmen) und Millionen von so genannten „Stehrummchen“ – also Dinge die kein Mensch braucht, die man sich aber als vermeintliche Deko in die Behausung stellen kann und dort stehen sie eben dann rum – ewig und hässlich…

Nach gut eineinhalb Stunden hatten wir die Nase voll und holten nur noch ein großes Körbchen Erdbeeren und leckere Tomaten.

Diesmal im geschlossenen Auto Richtung Heimat, aber dann fiel Jürgen ein, man könnte doch in einem Best Buy Shop mal nach dem HDMI-Kabel Ausschau halten. Er befürchtete zwar, dass die sonntags geschlossen hätten, aber ich war mir sicher dass dem nicht so ist. Auf eine Diskussion habe ich wohlweislich verzichtet – wir würden es ja sehen. Und natürlich hatte der Laden auf, wie auch alle anderen Geschäfte in der Mall (nahe der Edison-Mall, vielleicht sogar ein Teil davon). Wir also rein und tatsächlich für knapp 40 Dollar dieses Kabel erstanden.

Nun aber endgültig nach Hause, dann doch noch ein Einkaufsabstecher zu Publix, Eisnachschub und leckere Steaks für den Grill. Wir hatten leider auch schon wieder Hunger (man soll ja echt nicht hungrig einkaufen gehen) und so landete ein köstliches Sushi-Päckchen, sowie ein frisches Brathuhn in unserem Einkaufskorb. Mit den Fressschätzen zurück ins gemütliche Heim. Auf der Terrasse haben wir uns geradezu überfallartig über das Hähnchen hergemacht und ich habe noch zwei Rolls aus dem Sushi-Pack stibitzt.

Später wurde dann das neu errungene Kabel ausprobiert. Leider ohne Erfolg, das TV konnte keine Daten finden? Anleitung durchgelesen und nicht gefunden, woran es denn nun liegen könnte. Bis Jürgen über den Satz stolperte, dass diese Cam nur an einem PAL-TV funktioniert und hier in USA ist ja nun mal NTSC üblich. Mist, wieder Geld ausgegeben für nix und wieder nix. Okay, zuhause können wir’s ja gebrauchen, ein kleiner Trost.

Dann haben wir uns dem süßen Nichtstun verschrieben, lesen und dösen am Pool. Später war der Wunsch nach Erfrischung übermächtig und der Pool musste ausgiebig dran glauben. Ich habe sogar die Cam einfach mal laufen lasen um dieses alberne Spiel aufzuzeichnen, darüber können sich später unsere Enkelkinder dann noch amüsieren (falls sie zwei völlig bekloppte alte Menschen überhaupt lustig finden!).

Zum Sonnenuntergang dann der wiederholte Versuch mit der Kamera unten am Steg die springende Fische zu filmen, man ist das eine Geduldsprobe. Stundenlang hüpft keiner und wenn, dann auf der anderen Seite oder aber, sobald ich die Cam entnervt abschalte. Ich habe schließlich doch noch welche „erwischt“, wenn auch nicht ganz nah vor unserem Steg. Ich werde es später noch mal probieren. Wir haben schwarze kleine freche Vögel mit Brot gefüttert und Geckos beobachtet, das ist ja auch schon mal was.

Der Abend klang ganz ruhig aus. Ich habe mal ein Bad im erleuchteten Pool im Dunkeln ausprobiert und viel Spaß mit Schattenspiel am Beckenrand gehabt. Ist auch schön, aber morgens ist schöner…

Unsere Steaks haben wir auf den nächsten Tag verschoben, dass Sushi musste dran glauben und noch die Laugenstangen. Ein schöner Tag – sehr harmonisch und lustig!
 

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Tag 20 - Zickiges Netzteil

Mal ganz was neues, ich schlafe doch tatsächlich nur bis 6 Uhr und stelle fest, der Gemahl ist wieder ausgezogen und schläft am anderen Ende der geräumigen Behausung.
6 Uhr ist dann doch etwas früh – und auch noch stockdunkel. Also hole ich mir mein Buch (Die Wanderhure) und lese wie besessen. Gegen halb acht kommt Monsieur reingestiefelt und fragt nach Kaffee, aber ich habe noch gar nix gemacht (auch nicht die Butter rausgestellt) ich bin ja beschäftigt.

Er opfert sich und bringt den Kaffee ans laufen. Ich lege das Buch weg und hüpfe in den Pool, so sonnenhell habe ich noch nie gebadet und es ist auch schon anders, nicht ganz so morgenfrisch. Aber auch schön.

Das übliche Morgenritual, ein Blick ins Netz und das Sichten der Fotos vom vorhergehenden Tag.

Der Frühstückshunger lässt auch nicht lange auf sich warten und so beginnen wir diesen Tag ganz entspannt und zufrieden mit uns und der Welt auf der Terrasse am Pool.

Weiterlesen, ich bin fast durch…Aber was mache ich danach? Es gibt nur noch ein Buch (außer diversen Frauenzeitschriften, aber da stehe ich nicht so drauf) und das habe ich nach 60 Seiten aus der Hand gelegt, weil es so schwachsinnig ist. Zurück zur Wanderhure. Und schon eine halbe Stunde später ist die letzte Seite gelesen. Was nun? Wie stille ich für die letzte Ferienwoche meinen Lesehunger? Ich habe eine Idee.

In dem Forum von dem ich schon geschrieben habe, könnte ich Tipps erhalten, wo man hier in CC an deutsche Bücher kommen könnte. Also schreibe ich ein Post und frage dort um Rat. Kriege auch schon kurz drauf ein paar Tipps, aber noch nichts Konkretes. Eine Leserin schreibt von ihrer wohlgefüllten Hausbibliothek und wird auch gleich von der nächsten dazu aufgefordert mir doch vielleicht etwas ausborgen zu können, aber leider, leider ist sie nicht mehr hier vor Ort, sondern zurück in Deutschland – Mist!

Na gut, dann warte ich noch etwas und schreibe derweil den Blog weiter. Ich suche die entsprechenden Fotos aus und mach sie webklar (runterrechnen und neu benennen), da teilt mit mein Laptop mit es hätte nicht mehr genügend Energie und ich sollte schnell das Netzteil dranhängen. Ich wundere mich, denn da hat es die ganze Nacht zum Aufladen dran gehangen und jetzt die halbe Stunde kann doch nicht alles verbraten haben? Egal, Netzteil geholt und den Stecker reingesteckt.

Keine 5 Minuten später sagt der Lappi ganz lapidar er ginge jetzt wegen mangelnder Energie in den Standby Modus und verabschiedet sich. Häh – was ist jetzt los? Ich schaue auf das kleine Lämpchen am Netzteil, das müsste blau leuchten, tut es aber nicht.

Derweil ist noch etwas anderes passiert – die Pool-Umwälzanlage hatte eine halbe Stunde vorher plötzlich aufgehört „sich herum zu wälzen“ und ich hatte gleich den Verwalter angerufen, damit er nach dem rechten sehen kann.

Jetzt dachten wir zunächst wir hätten irgendwie Stromausfall auf der Terrasse (da ja auch das Netzteil in der Terrassensteckdose plötzlich keinen Saft mehr kriegte), das ließ sich aber schnell testen: alles andere draußen funktionierte einwandfrei: Ventilator, Licht, Pool- und Gartenbeleuchtung. Hm.

Dann musste es am Kabel liegen. Das Netzteilkabel mit dem Steckdosenstecker konnten wir auswechseln (haben wir mehrere von mit), aber das Lämpchen leuchtete nicht. Also musste es das Teil selber sein. Der Laptop ist eine süße „Damenvariante“ von EeePC (Asus) und noch kein ganzes Jahr alt. Shit, ausgerechnet hier gibt das Netzteil den Geist auf, aber wir haben in diesem Urlaub schon so viele Kabel gekauft, da kommt’s auf eines mehr oder weniger auch nicht mehr an. Also rin in die Klamotten und auf zum Best Buy in Ft. Myers.

Ich habe den von gestern an der S Cleveland auch auf Anhieb wieder gefunden und wir mit Laptop und Kabel rein in den Laden. Am Eingang stand ein Info-Mensch, der schickte uns in die Computerabteilung (das hätten wir auch noch allein hingekriegt). Da war nur ein(!) Verkäufer am Start und der war auch gut belagert. Als er dann endlich Zeit für uns hatte warf er einen Blick auf das Netzteil und den klitzekleinen Stecker daran und schüttelte den Kopf – No, not here! Wir baten um Auskunft, ob er denn wüsste wo man das kriegen könnte, aber er wusste nichts und so sind wir ganz bedröppelt wieder rausmarschiert.

Zurück zum Auto. Aber mein Jürgen lässt sich so schnell nicht entmutigen. Wofür haben wir eine Navi mit „Points of Interrest“ im Auto, die sogar Computerläden bieten kann!

400 m weiter waren gleich mehrere: in der Edison Mall. Nix wie hin, geparkt, raus in die Hitze. Der erste Laden war „Computer Safe“ – oder so ähnlich, so ein PC-Laden zum reparieren. Der Verkäufer war freundlich und hatte auch ein Netzteil mit Universalsteckersatz da, aber der kleinste Stecker war immer noch um einiges zu groß. Er schickte uns in die Mall zu Radio Shack, die hätten vielleicht so was. Wenn nicht, dann könnten wir wiederkommen und er würde dann mal recherchieren ob und zu welchem Preis er das besorgen könnte.

Wir also zu Radio Shack. Zwei junge Damen im Shop, beide befummelten ganz ungläubig unseren Ministecker und schüttelten den Kopf. Auch hier kein Glück, sie schickten uns zu dem Laden, der uns zu ihnen geschickt hatte.

Zurück zum ersten Laden. Der Verkäufer setzte sich auch gleich an den PC und suchte. Er fand dann auch einen Lieferanten, allerdings brauchte der Versand dann doch bis 10. Mai und dann brauchen wir das Ding nicht mehr, dann sitzen wir im Flugzeug nach Hause.

Tja, echt dumm gelaufen. Aber noch kein Weltuntergang, wir haben ja im Haus den Laptop des Eigentümers zur Verfügung und dann schreibe ich meinen Blog eben darauf. Die kleine externe Festplatte im Gepäck kann die Fotos speichern – alles geht, nur eben nicht mehr auf der Terrasse am Pool, sondern drinnen im „Büro“. Werde ich überleben.

Inzwischen war ich richtig hungrig und auch die Enttäuschung und der Frust über diesen Steckermist trieben nach Hause.

Der Pool stand immer noch still und auf dem Telefon blinkte eine Message – der Verwalter hatte zwischenzeitlich angerufen. Ich also zurück gerufen, aber wieder nur der AB.

Hermann hat sich aber innerhalb von Minuten gemeldet und uns seine Dagi angekündigt, die würde die Pumpe wieder in Gang setzen.

Im Forum gab es keine konkreten Bücherhilfsangebote- also erst Mal was kochen. Hawaitoast – geht schnell, schmeckt gut. Diese „broil“-Funktion im Backofen ist der Renner und geht vor allem superschnell, die erste Fuhre überbackene Toasts vor ein paar Tagen wäre fast in die Hose gegangen, so fix geht das hier.

Dann kam Hermann höchstpersönlich, seine Frau war während unserer Abwesenheit da gewesen und hatte das Problem nicht beheben können, jetzt war es also Chefsache. Hat auch keine 5 Minuten gebraucht, da sprudelte der Pool wieder.

Er hat dann Jürgen die ganze Haustechnik erklärt und gezeigt (Männer und Technik!), ich habe Toast gefuttert.

Dann verging der Nachmittag mit rumhängen und widerwillig lesen – die doofe Story wurde leider nicht besser. Lust zum Blog schreiben hatte ich auch nicht, ich war echt angepiselt.

Gegen Abend dann die Wende! Über das Forum hat mich eine Dame (User Mary Ann) per persönlicher Nachricht kontaktiert und mir ihre Hausbibliothek „ans Herz gelegt“, falls ich wollte. Auch gleich Adresse und Rufnummer dazu – der Tag war gerettet! Ich habe mir sofort das Telefon geschnappt und angerufen. Eine ganz nette und quirlige Person, wenn ich wollte, dann könnte ich jederzeit vorbei kommen – auch gleich jetzt. Natürlich wollte ich! Und Jürgen hat sich dann auch aufgerappelt und ist mitgefahren. Er ist nicht so der gesellige Typ, das gleicht meine Kontaktfreudigkeit ganz gut aus! Ich habe überhaupt keine Verträge damit auf wildfremde Leute zuzugehen, Jürgen bleibt lieber in Deckung. Ich bin ja auch sehr schnell für etwas zu begeistern (und das bleibt auch lange so, nicht hüh und hott!), er braucht immer etwas länger um sich zu erwärmen. Egal!

Wir also ins Cabrio und losgedüst. Ganz in der Nähe vom Del Prado (den kenne ich ja nun auch schon rauf wie runter), eine Seitenstraße mit richtig schönen Villen, viele auch deutlich größer als unsere hier. Das schmälert auf keinen Fall meine Begeisterung für unser Casa del Sol, aber größer ist eben größer. Und das Anwesen der freundlichen „Aushilfsbibliothekarin“ war noch viel größer! Wow, schon die Fassade im spanischen Stil ein Traum und wir hatten kaum in der Auffahrt geparkt, da wurden wir auch schon ganz freundlich von der Dame des Hauses empfangen. Marianne lebt mit ihrem Mann schon seit Jahren hier in CC und die beiden haben sich ein wunderschönes Domizil „gegönnt“.

Das Wohnzimmer wie eine Halle - eine Art Atrium - denn das Gebäude ist zweistöckig und die oberen Räume haben eine traumhafte Galerie. Und dann erst die Terrasse und der Ausblick auf den See! So schön! Marianne und Jochen haben uns vieles gezeigt, alles war ganz unkompliziert und locker. Ich fragte Marianne nach ihrer Ursprungsheimat und sie sagte: Köln – ja nee, is klar! Rheinländer sind wirklich ein besonderes Völkchen wenn es um Kontakte und Freundschaften geht. Jetzt war nur dumm, dass wir aus „Feindesland“ stammen – Düsseldorf und Köln sind nämlich harte Konkurrenten und wie bei zwei nahe gelegenen Großstädten üblich immer so ein bisschen auf „Kriegsfuß“. Nee, nicht wirklich, schon gar nicht im Ausland. Da halten die Rheinländer auch gern zusammen.

Wir nahmen im Wohnzimmer Platz und schnell entwickelte sich ein lebhaftes Gespräch um dieses und jenes. Dann hat mir Marianne ihre Bücherregal im ersten Stock gezeigt und ich habe mir 4 Taschenbücher (schön dick) rausgefischt, das wird wohl reichen bis zur Abfahrt. Eigentlich wollten wir gar nicht so lange bleiben, aber es war so unterhaltsam mit den beiden und ihren lustigen Anekdoten zum Leben in den USA, da wurde es dann doch halb elf bis wir Abschied nahmen. Es war wirklich ein Vergnügen auch mal Menschen kennen zu lernen, die der absolut gehobenen Gesellschaftsschicht angehören und dennoch eine natürliche und freundliche Art im Umgang mit „Normalos“ an den Tag legen. Ich habe beruflich/privat schon mit so einigen höher privilegierten Mitmenschen zu tun gehabt, da war oft die Überheblichkeit und Arroganz einem „Mittelständler“ gegenüber nicht zu überhören. Nicht so hier – das war echt eine sehr nette Begegnung.

Zuhause habe ich noch schnell die Steaks auf den Grill gelegt und wir haben uns das leckere Sirloin schmecken lassen, allerdings an der Theke, draußen war es echt zu schwül.

Ab in die Falle!
 

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Tag 21 - Poolboy Teil 2

Auch heute wache ich allein auf – scheinbar bin ich mit einem Auswanderer verheiratet. Aufstehen, Butter rauslegen, Kaffee aufsetzen, Nacktbaden im Pool! Das bereitet mir jetzt doch ein bisschen Kopfzerbrechen seit ich weiß (aus diesem bereits erwähnten Forum) dass Nacktbaden oder auch schon „oben ohne“ hier in USA nicht gestattet ist, auch nicht im Privatbereich (die Nachbarn können ja auf die Terrasse schauen und sich „belästigt“ fühlen). Wenn da einer die Polizei ruft (was durchaus schon mal vorkommt – nicht hier und jetzt, aber ganz allgemein), dann wird ein Bußgeld kassiert…hm…

Ich wickele mich aber sowieso in ein Handtuch, was ich erst beim herabsteigen der Pooltreppe löse, da bleiben nur Sekundenbruchteile für den pikierten Betrachter. Ich hüpfe hier nicht im Evakostüm über die Terrasse, habe ich von Anfang an nicht gemacht (eigenes Schamempfinden – bleibt jetzt aber bitte unkommentiert).

Beim rausklettern aus dem Pool schon auf der Treppe die gleiche Handtuch-wickel-Aktion – wieder nur Sekundenbruchteile die nackte Präsenz in der Öffentlichkeit. Es klingelt auch an diesem Morgen kein Cop an der Tür – noch mal Glück gehabt!

Heute bricht nun unsere letzte Woche hier in Cape Coral an, ab jetzt sollte ich jeden Tag besonders hingebungsvoll genießen, denn das Ende des Urlaubs ist deutlich in Sicht. Aber nach dem Desaster mit meinem Laptop-Netzteil gestern bin ich nicht gerade glücklich – oder sagen wir es ganz ehrlich: ich bin angepisst!

Ich sitze so gern auf der Terrasse an meinem EeePC, jetzt muss ich das ganze ins Wohnzimmer/Büro verlegen, so ein Mist.

Und weil ich noch keine Lust dazu habe setze ich mich erstmal zum gemütlichen Frühstück an den Pool, und beschließe danach eines meiner neuen Bücher in die Hand und mit auf die Liege zu nehmen. Gesagt, getan.

So wird der Vormittag verbummelt, aber ich komme ja um meinen Blog nicht herum (habe sogar zwei Tagesberichte vor der Backe) und die werden sich nicht von selbst schreiben. Also ab ins kühle Haus an den Laptop. Für die Fotosichtung werden die Bilder auf die kleine externe Festplatte gepackt und ich kann eine Auswahl treffen. Von einem Tag gibt’s eh keine, also hält sich diesbezüglich der Aufwand in Grenzen.

Der Ledersessel vor dem Schreibtisch ist zwar saugemütlich, aber der Hauseigentümer muss mindestens 2 Meter groß sein, denn ich erreiche fast mit dem Kinn die Tastatur. So ist die Schreiberei eher unbequem, da auch die Übersicht etwas fehlt. Erschwerend dazu die komplett andere Anordnung der Tasten, vor allem der „Entf“-Taste, die suche ich ständig. Aber ich bin ja pfiffig und suche nach Abhilfe. Ein großes Kissen muss her, schwupps sitze ich 10 cm höher (wie die Kinder im Friseurstuhl). Wieder hingesetzt, jetzt baumeln die Beinchen! Aber auch hier finde ich eine Lösung, der Rucksack mit Handtüchern vollgepfropft ersetzt das Fußbänkchen (dass ich übrigens immer und überall brauche, sonst kriege ich vom längeren Sitzen Rückenschmerzen).

Jetzt kann ich schon viel besser tippen! Mit der Schreiberei vergeht die Zeit und nachdem ich glücklich den ersten Tag fertig habe wird ein Päuschen eingelegt.

Liegestuhl am Pool, lesen, dösen. Heute ist Dienstag, also „Poolboy-Tag“. Und mit dem habe ich ja noch ein Hühnchen zu rupfen, also darf ich den auf keinen Fall „verpennen“.

Ich liege gerade allein auf der Terrasse, weil Jürgen die Hitze satt hat und ins kühle Schlafzimmer geflüchtet ist. Ein klappern an der Terrassentür – da isser ja, der Poolboy. Ich sage freundlich grinsend Hallo und füge direkt hinzu: „Geht’s heute mal auf deutsch?“. Er grinst und sagt: „Ja sicher!“ – „Witzbold, wir sehen doch nicht aus wie Kanadier?“ Wobei ich mich in dem Moment selbst frage, woran denn explizit man Kanadier auf Anhieb erkennt oder gar von Deutschen unterscheiden kann. Er grinst und sagt nur: „Habe ich aber gedacht.“ Und geht seiner Tätigkeit als Wasserqualitätsprüfer nach. Jürgen kommt auch nach draußen und legt sich neben mich. Ich frage so beiläufig, mit welcher Chemikalie das genau gemessen wird, kriege aber keine befriedigende Antwort – mir dünkt, der Poolboy ist etwas verlegen. Komischerweise misst er immer etwas in kleinen Glasröhrchen und geht dann wieder zum Auto um etwas zu holen. Ich würde das ja direkt mitbringen, was er da immer extra holen geht, aber vielleicht ist ja jedes Mal eine andere spezielle Pulvermischung nötig und er kann nicht alle Pulversorten mitreinschleppen für die spezielle Auswahl – keine Ahnung!
Als er fertig ist frage ich ihn, warum er mich das letzte Mal - wo er’s doch schon wusste - trotzdem alles auf Englisch „radebrechen“ ließ, er meinte nur, dass wäre doch gut gegangen, er wüsste gar nicht was für ein Problem ich hätte. Woher aus Deutschland er denn käme, frage ich. „Berlin“ – „Ach nee, ein echter „Icke“, rutscht es mir raus. Er grinst wieder. Nun denn, jetzt wundert mich nix mehr. Berliner sind ja schließlich ein sehr selbstbewusstes Völkchen und stehen dem Rheinländer von daher in nichts nach.

Wie er schon an der Tür steht entspinnt sich dann doch ein ganz lustiges Gespräch. Wie lange er schon hier wäre und warum er kein deutsch mehr spricht, sondern nur englisch (seine Frau ist Amerikanerin). Und wie er vor 5 Jahren hier ankam und große Probleme mit englisch hatte (er hat dann immer das gleiche bestellt wie seine Frau, der Einfachheit halber – komisch, kommt mir bekannt vor!). Wir haben dann auch kurz über den Anschiss von seinem Auftraggeber wegen seinem Montagsüberfall gesprochen und er hat versprochen, dass er das nie wieder tut. Können wir kaum noch kontrollieren (es sei denn, er käme unangemeldet nächsten Montag – ab Dienstag sind wir wieder auf Heimreise). Er kam noch einmal zurück nachdem wir uns schon verabschiedet haben und hat noch ein bisschen mit uns erzählt, offenbar war er in Unterhaltungslaune. Ich habe ihn dann förmlich „gescheucht“, in der Zeit hätte er noch zwei weitere Pools gereinigt, aber das war mehr Spaß als ernst, denn es ist immer mal wieder nett zwischendurch einen anderen Gesprächspartner zu haben als dein eigenen Ehemann. Apropos: heute vor genau 7 Jahren hat das mit uns beiden angefangen, nur mal so am Rande.

Der Nachmittag dümpelt so dahin, ich bekomme Lust auf einen Ausflug nach Ft. Myers Beach zum Sonnenuntergang. Jürgen ist da nicht besonders scharf drauf, ich würde aber auch allein fahren.

Aber ich habe noch Zeit, also wieder rein ins Heim und auf das Hochkissen geklettert. Zweiter Tag, das ist der mit dem Besuch bei meinen Leserettern. Dazu gibt’s keine Bilder, geht also auch schnell. Über fremde Leute so ganz ungeniert schreiben und deren Privatsphäre in die Öffentlichkeit zerren ist mir aber suspekt, da habe ich eine natürliche Grenze. Aber ich kann ja über das Forum Kontakt zur Tochter aufnehmen und dieser den Bericht zum „Absegnen“ vorlegen, damit bin ich auf der sicheren Seite. Das mache ich dann auch so. Also bleibt der Bericht bis zum Okay aus Deutschland auf Eis – und in Deutschland ist es schon spät, das wird sich also auf morgen verschieben.

Jürgen döst auf der Couch im Wohnzimmer vor dem Fernseher – er hat immer noch keine Lust zum Ausflug nach FMB, also werde ich wohl allein fahren. 17:00 Uhr ist aber noch was früh, also bereite ich mir einen kleinen Imbiss und verdrücke mich wieder auf die Terrasse.

Halb sechs packe ich meinen Kram und ziehe mich an. Jürgen schläft tief und fest, ich schreibe ihm einen Zettel mit der Info zuerst zum Sonnenuntergang, dann zu Publix einkaufen.

Schleiche mich aus dem Haus und raus auf die Piste. Verdeck natürlich runter, guten Musiksender gescannt und los geht’s. Ich fahre so megagern dieses Cabrio – wenn man mich beobachten würde, wie ich da breit grinsend, den linken Arm lässig auf der Tür, immer knapp über der Geschwindigkeitsbegrenzung die Straßen entlang rausche - ich sehe bestimmt aus wie jemand, der entweder total bekifft ist oder aber debil und fern ab von gut und böse! Ist mir wurscht, sollte man mich anhalten kann ich sowohl meine angeborene normale Intelligenz, sowie meine absolute Nüchternheit vorweisen (dass mit der Intelligenz hoffe ich zumindest!). Die Navi sagt mir den Weg, aber den hätte ich auch so gefunden. Schließlich ist der Urlaub von 2008 mit den diversen Autotouren noch nicht vollends aus meinem Gedächtnis verloren gegangen und ich genieße die Fahrt fast so, als würde ich jeden Tag nichts anderes tun. Die Videocam habe ich teilweise vorne auf das Armaturenbrett gelegt und laufen lassen, mal sehen (zuhause) was man damit anfangen kann. Durch Ft. Myers durch und dann über die Brücke auf den Estero Blvd. – alles schön mitgefilmt und in Erinnerungen schwelgend genossen.

Dass sich der Estero so zieht wusste ich noch, aber mit Stopp and Go (und so war das um diese Zeit) ist alles noch ein bisschen gemächlicher. Allerdings muss man schon sehr auf die Fußgänger achten (Ped Xing), da bleibt nicht viel für’s rumgucken. Dennoch stelle ich einige Veränderungen fest, vor allem auf der linken Seite. Einige neue große Hotelkomplexe oder Wohnanlagen, dafür mussten dann wohl etliche kleine „aufgestelzte“ Häuschen weichen. Alles wirkt etwas mondäner als 2008, aber links der Chinese ist immer noch da (ein Restaurant, haben wir einmal 2007 frequentiert – danach nie wieder – schüttel!)

Die Sonne steht noch hoch genug und ich kann mir Zeit lassen. Es ist kurz vor sieben als ich in Höhe 7200 den Wagen auf den Parkplatz einer kleinen Ladenstraße parke. Ach nee, immer noch der Laden mit der Birkenstock-Schuhwerbung und daneben ein Subway. Nix verändert. Schräg gegenüber ist das Holiday Inn, dort hatten wir uns 2008 einquartiert. Ich bin durch das Gelände des Hotels als würde ich dort immer noch logieren und dann direkt zum Strand. Schon der erste Schritt hat mir leise Freudenjuchzer entlockt – dieser Sand ist einfach das absolut schönste was man sich als Strandsand wünschen kann. Fast weiß und so weich wie Puderzucker. Die Flipflops wandern in meine Tasche und ich gönne meinen Füßen eines der sensationellsten Gefühle meines Daseins – das Laufen durch diesen Sandgenuss! Habe ich dann auch gleich mal im Film festgehalten. Und dann auch gleich die Hotelanlage und den weiten Strand gefilmt. A propos Hotelanlage: da hat sie auch einiges getan, der Garten ist neu angelegt mit kleinen Teichen und Miniwasserfällen – recht nett. Aber das würde jetzt trotzdem nicht reichen da noch mal zu buchen.

Linker Hand am Strand sind (ich glaube 4) Strandballnetze und Felder aufgebaut, da sind auch einige ganz sportlich zugange. Im Hotelrestaurant Pincher ist auch etwas los, aber das interessiert mich nur beiläufig.

Ich stapfe durch den Sand zum Wasser und das ist an dieser Stelle eine echt schön weite Strecke, denn der Strand zwischen dem Outrigger und dem Holiday Inn ist wirklich megabreit (bis zu 300 Meter!).

Es ist gerade Ebbe. Wenige Leute am Strand, auch noch keine Liegestühle und Sonnenschirme wie im Oktober. Nur die Jetskis sind schon aufgereiht, allerdings ohne entsprechendes Verleihpersonal.

Ich bin 2008 immer gern links den Strand rauf marschiert: Richtung Bonita Springs. Diesen Weg schlage ich (vielleicht aus der Gewohnheit) wieder ein. Die Videocam immer griffbereit, aber ich bin doch auch noch ganz im Hier und Jetzt, nicht nur mit dem Blick auf das Display.

Das Wasser ist fast Badewannenwarm, der Wind kaum merklich kühler. Die Abendsonne ist jetzt aber zu schwach um unangenehm zu sein, was für ein Genuss!
Schade, dass Jürgen nicht mitgekommen ist, vielleicht aber auch besser so, denn er läuft nicht so gern und hat auch nicht immer die Geduld auf mich mit meiner Filmerei zu warten. Mit drauf sein (auf Foto oder Film) will er auch nicht, also gestaltet sich das manchmal etwas schwierig. Aber jetzt bin ich allein und kann selbst bestimmen, wie schnell oder wie langsam ich über den Strand oder durch das seichte Wasser schlendere und was ich fotografisch verewige. Wie schön!

Ich wandere lange am Strand entlang, ich kann den Wasserturm von Bonita Springs schon in der Ferne erkennen. Wenige Menschen begegnen mir oder überholen mich, alle sehen zufrieden und entspannt aus. Links seitlich sind flächenweise Grünanlagen (natürlich bedingt) und flache Gewässer. Teilweise mit kleinen flussähnlichen Zugängen zum Meer, man kann da aber eigentlich eher von Bächen reden. Aus diesen Bächen läuft mit ziemlicher Geschwindigkeit das Wasser zurück ins Meer und diese Strömung ist schon teilweise recht stark. Ich bin mehrfach dadurch gewatet und man merkt selbst bei den wenigen Zentimetern die große Kraft des Wassers. Davon ab sind diese Furten auch noch pipiwarm, fast heiß, denn das Wasser hat ja in den flachen Seen den ganzen Tag ordentlich Sonne abbekommen.

Heute sind viele Pelikane am Strand, sie fischen. Im Sturzflug ins Wasser und dann den leckeren Fisch mit hochgestelltem Kopf aus dem Kehlsack in den Hals flutschen lassen – sieht lustig aus. Ich filme zum Teil wie besessen und habe auch echt Glück, das vieles nur wenige Meter von mir entfernt stattfindet. Ich freue mich schon darauf zuhause meine ganze Filmausbeute zu einem Video zusammen zu stellen, das wird bestimmt ein „Ich liebe Florida über alles!“-Machwerk!

Nach einer guten Strecke mache ich mich auf den Rückweg, ich möchte den Sonnenuntergang vom Estero-Beach aus filmen um nicht hinterher noch im Halbdunkel die ganze Strecke am Strand zurück laufen zu müssen. Diesmal nehme ich den Fotoapparat zur Hand und fotografiere dies und das. Im seichten Wasser inspiziere ich die ein oder andere Muschel, entweder sie sind noch bewohnt oder kaputt. Dann finde ich eine richtig große, fast faustgroß! Das wäre mal ein Urlaubsmitbringsel! Aber natürlich lebt sie noch und somit wird sie nur ausgiebig fotografiert und danach wieder ins Wasser befördert. Weil ich nicht gut weit werfen kann (absolut stümperhaft – max. 2 Meter vor mir fallen die Sachen zu Boden!) frage ich ein Pärchen, ob der Mann die Muschel ins Wasser werfen kann. Wenn sie zu weit vorn landet, dann findet sie bestimmt der nächste Tourist und der ist vielleicht nicht so gnädig und lässt den großen Fang am Leben. Deshalb soll der Mann werfen, er kann das mit Sicherheit besser als ich. Macht er auch. Und dann fragen sie mich, ob ich Französin wäre – nein, German – die beiden sind Franzosen.

Irgendwie habe ich das merkwürdige Gefühl, ich könnte bei dieser Wanderung einen meiner Zehenringe verlieren und schaue ab und zu mal auf meine Füße. Ich hätte sie ja ausziehen können, aber dazu bin ich gerade zu bequem. Und beim dritten und vierten Zehenring-Check sehe ich: tatsächlich, einer ist weg. Da muss ich echt grinsen, zum einen über meine Vorahnung, zum anderen über dieses kleine Opfer für den großen Genuss! Ich gehe ein paar Meter zurück, dort habe ich die untergehende Sonne zwischen zwei Pfählen fotografiert, aber natürlich finde ich den Ring nicht wieder. Es ist wirklich nicht schlimm, so teuer war er nicht und außerdem saß er hart knapp, nicht so gut wie meine umgebauten Fingerringe. Vielleicht findet ja eines Tages so ein Metalldetektor-Sucher am Strand diesen Ring, aber ich vermute eher er wird als ein kleiner Teil von mir für immer ein kleiner Teil von Ft. Myers Beach sein. Eine hübsche Vorstellung…

Pünktlich zum Countdown des Sonnenunterganges bin ich wieder an dem Strandstück vor dem Holiday Inn. Ich lege die Kamera auf einen umgedrehten Flip-Flop in den Sand und lasse sie laufen, dann habe ich die Hände frei zum fotografieren. Was für ein sensationeller Untergang! Blutorange und riesengroß versinkt die Sonne über Sanibel, einige Gebäude zeichnen sich wie ein Scherenschnitt in dem Feuerball ab. Ich bin ganz beseelt…

Danke an Marianne an dieser Stelle, denn ihr Hinweis auf das Wetter am Dienstag (sonnenklar, den ganzen Tag) hat mich bewogen genau heute diesen Ausflug zu machen. So oft schon habe ich am Strand (an gleicher Stelle) die Sonne nicht am Horizont, sondern weiter oben hinter einer Wolkendecke verschwinden sehen – heute hat es perfekt geklappt!

In der Abenddämmerung zurück zum Auto und dann ganz gemütlich zunächst den Estero lang gezuckelt und durch Ft. Myers in die heimatlichen Gefilde Cape Corals. Beim links abbiegen zum Publix werde ich plötzlich ganz ordentlich mit Wasser besprengt, die Bewässerung des Grünstreifens trifft auch unschuldige Cabriofahrer – ich bin zwar etwas nass geworden, muss aber dennoch lauthals lachen.

Der Einkauf ist kurz und schmerzlos, nur das notwendigste für heute. Um kurz nach neun dann bin ich wieder im trauten Heim – Jürgen fragt mich etwas ungehalten, ob ich denn eine Weltreise gemacht hätte, der Sonnenuntergang sei ja wohl schon seit Stunden vorbei, das liegt aber nur daran, dass er sich beim Blick auf die Uhr um eine Stunde verguckt hat.

Abendessen und dann noch ein bisschen lesen. Mit dem Sonnenuntergang im Herzen schlafe ich ein.
 

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Tag 22 - Everglades Bootstour

Selbe Aufwachzeit wie gehabt, Kaffee, Butter, Pool. Es wird immer mehr zur Gewohnheit und verliert den Reiz des Besonderen. Aber zuhause ist es doch auch schön… auch ohne Poolbad am Morgen. Mir fehlen echt unsere Stubentiger, immer öfter erwische ich mich dabei die Ist-Situation mit daheim zu vergleichen. War es zu Beginn der Ferien immer „Hier ist es viel schöner (größer/interessanter/aufwendiger)…“ so wird es immer mehr zum „- aber mir fehlt doch dieses und jenes“ – normal, oder? Nach gut drei Wochen Urlaub packt mich immer auch ganz langsam das Heimweh, nach 4 Wochen fahre ich dann auch wirklich wieder sehr gern nach Hause! Aber heute steht ein Ausflug auf dem Programm: die Everglades!

In den vergangenen Jahren haben wir auch je einen Abstecher in die Mangrovengebiete der Everglades gemacht, beide Male eine Airboat-Tour von der „Safari-Ranch“ aus. Diesmal wollen wir den Tamiami Trail nicht so ganz weit rauf und haben uns auf dem Faltplan von Ft. Myers und Umgebung eine Anzeige von „Jungle Erv’s“ rausgefischt (inkl. 5$ Coupon). Der ist kurz vor dem Minipostamt, als nicht ganz so weit weg von Naples. Wir brauchen keine Navi, die I41 finden wir am Del Prado auch so und dann paarundvierzig Km nix wie geradeaus, bzw. den Kurven folgen.

Ich fahre (wie üblich) und es ist noch früh genug um offen zu fahren ohne unter der Hitze zu leiden. Der Tamiami zieht sich (wie üblich), aber wir haben hinter Naples vollgetankt und was immer kommen mag, der Sprit wird reichen.

Im Prospektblatt steht, dass der Ticketschalter eine halbe Meile vor einem hohen Telefonmast ist, den sehen wir dann auch irgendwann. Und die Einfahrt zu Erv auch, aber da sind wir dann schon dran vorbei (liegt hinter einer sanften Kurve), so beschließen wir direkt zum Postamt durch zu fahren. Ob es denn heute geöffnet hat? Wir waren 2008 3 x dort (zu verschiedenen Uhrzeiten) und immer war zu. Beim dritten Mal haben wir da ein bisschen gewartet und ein State Trooper hat gehalten und sich erkundigt, ob wir Probleme hätten. Und die wussten dann Gott sei Dank, dass die Postbeamtin zurzeit Urlaub machte, da hätten wir lange warten können!

Auch das kleinste Postamt der USA liegt hinter einer Kurve, aber ich konnte gerade noch abbremsen und auf den Parkplatz rauschen. Man glaubt es kaum, es war offen! Bin gleich ganz glücklich rausgehopst und hab’ gewartet, bis die ältere Dame (die kennen wir aus dem TV, die arbeitet da auch) mal für einen Moment ihren Plausch mit der Postangestellten unterbrach. Habe eine Karte gekauft und direkt hinter dem Häuschen geschrieben. Meine Ma wollte ja gern Post von uns, das wäre dann jetzt erledigt.

Es war zwar erst kurz nach halb elf, aber schon wieder brütend heiß, sodass mein Göttergatte mich antrieb: zurück ins Auto und Fahrtwind erzeugen.

Jetzt kamen wir also von der anderen Seite und erwischten die Einfahrt zum Jungle Erv’s ganz ohne Probleme. Geparkt und rein ins Gebäude. Ein kleiner Souvenirshop, Eistheke und Ladentheke. Knapp 80 Dollar für 2 inkl. Tax und abzgl. des Coupon, auch nicht ganz preiswert, aber man gönnt sich ja sonst nix. In 10 Minuten würde das Boot losfahren – wurde uns mitgeteilt. Gutes Timing.

Draußen standen min. 6 Boote an diversen Stegen, es gab an jeder Sitzbank dicke Kopfhörer. Bei dem Safari-Airboat kriegten wir immer Klopapier zum in die Ohren stopfen. Da waren auch die Boote um einiges größer, hier passten max. 12 Leute drauf. Dann kam auch schon der Captain, deutete auf das Boot mit dem wir fahren würden und lud zum entern ein. Ich sicherte mir einen Platz ganz vorn außen, ich wollte ja filmen und fotografieren und nicht (wie letztes Mal) dauernd fremde Köpfe vor der Linse haben.

Der Captain (er stellte sich als John Soundso vor) fragte uns nach der Herkunft und die Europäer waren in der Überzahl: 7 Holländer, 2 Deutsche und 2 aus Colorado. Und dann ging’s auch schon los.

Haste was kannste weg vom Bootssteg und mit Vollgas in die Mangroven-Alleen, oder wie immer man diese Pfade durch diese Wildnis nennt. Offensichtlich machte dem Captain das Fahren Spaß, er kurvte wild mit uns durch die Büsche. Ach ja, er hatte auch beim Einsteigen erzählt dass es zwar ab und zu Spritzer gäbe, aber wirklich nass würde man nicht. Und die Sachen im Boot könnten auch nicht über Bord gehen. Das hat mich beruhigt, aber angesichts seines Fahrstils begann ich schnell daran zu zweifeln.

Nach ein paar Minuten legte er an so einer Art Feldweg an, der das Wasser in zwei Bereiche teilte und sprang an Land. Er deutete auf die Ohren und wir nahmen gehorsam die Ohrschützer runter. Dann erzählte er uns einiges über diese Gegend, die diversen Wasserstände in den verschiedenen Jahreszeiten (zurzeit war es schon ziemlich niedrig, erst nach der Regenzeit würde es wieder höher steigen) und den Alligatoren. Die nämlich nicht zu sehen waren und von denen wir auch wahrscheinlich nix zu sehen kriegen würden. Ich glaube, die Holländer waren etwas enttäuscht, für uns war es belanglos, denn wir haben schon etliche Alligatoren hier gesehen und so schön finden wir die Dinger nun auch nicht. Er hat dann noch Tipps gegeben, wo in der Nähe man sie zu sehen bekäme – ein paar Meilen weiter bei einem Indianerdorf.

Dann ging die Fahrt wieder weiter, ich habe fleißig mitgefilmt und richtig Spaß gehabt, weil es streckenweise wirklich echt rasant wurde. Vor allem wenn er das Boot plötzlich so stark drehte, dass wir einen Moment fast rückwärts fuhren, dass hatte echt was von den Attraction-Rides der diversen Parcs! Jürgen guckte komisch, ihm wäre dabei beinahe schlecht geworden. Der Captain kommentierte seine Manöver mit einem lauthalsen „Yiiihaaaa“ – Jürgen bezichtigte mich natürlich (weil ich das auch gern mache – diesen Urschrei), aber ich war unschuldig – dieses Mal wenigstens.

Dann hielten wir noch einmal und John zeigte uns wunderschöne Bromelien. Während er erzählte setzte sich ein ungeheuer großes schimmerndes Fliegenvieh (Horsefly) auf sein Schienbein und ich machte ihn darauf aufmerksam. Er blieb ganz ruhig und erklärte, man müsse warten bis das Vieh sich eine schöne Stelle zum Beißen ausgesucht hat und während sie sich auf ihren Biss konzentriert sei sie abgelenkt und dann (es machte patsch) könnte man sie erwischen. Sie fiel auf das Boot und er trat einmal drauf und kickte sie ins Wasser, ich knipste völlig fasziniert hinterher.

Als nächstes hielten wir an einem Stück Waldlichtung, da war der Boden total aufgewühlt. Hier leben Wildschweine, erzählte John und tat Körner in eine Dose, mit der er dann laut rappelte. Dann warf er die Körner auf den Waldboden und startete den nächsten Versuch. Es wäre eine Familie mit zwei kleinen Schweinchen, erzählte er, aber leider ließ sich keine Steckdosennase blicken, so sehr er auch rappelte und wild mit Körnern um sich warf. Unverrichteter Dinge fuhren wir weiter und diesmal in einen Bereich, da waren viele Stellen gar nicht vom Wasser bedeckt. Hier demonstrierte Captain John, dass die Airboats wohl auch keine Probleme mit dem schliddern über Erd- und Pflanzenstellen hätten, mit „Yiiihaaaa“ ging’s „querfeldein“ über Stock und Stein. Ab und an rumste es mächtig unter dem Rumpf, aber das machte unserem Captain dann noch mehr Spaß. Tja, und dann waren diese 50 Minuten Airboat-Trip vorbei und wir legten ganz gemächlich wieder an. Die nächste Fuhre Leute warteten schon und wir trollten uns in das Ticketlädchen, dort musste ich mir nämlich ein Mitbringsel kaufen: ein Plüsch-Manatee. Der Captain kam rein und sprach uns noch mal an, er fragte, ob wir schon mal ein Manatee gesehen hätten. Und Jürgen konnte seine „Ich bin mit einem Manatee geschwommen und habe es sogar angefasst“-Geschichte erzählen, die hat sogar den Captain beeindruckt (jedenfalls tat er so). Und dann hat er uns auf einer Karte noch mal ganz genau die Everglades gezeigt und auch von wo bis wo jene und ab welcher Stelle diese Vegetation zu finden sei. Menschens Kinder, die Everglades sind echt riesengroß und nur ganz wenig darf man erkunden, das meiste ist Naturschutzgebiet. Macht ja auch Sinn, wenn ich mir vorstelle, dass im Stundentakt dort „Yiiiihaaa“-schreiende Kapitäne mit donnernden Motoren durch brettern…

Wir nahmen die Rückfahrt in Angriff und der Hunger meldete sich. Jürgen sprach von einem Mc Doof, ich hätte zur Abwechslung mal lieber Taco Bell. Der klügere gibt nach (in dem Fall war es mein Lieblingsehemann) und wir fuhren bis Naples, dort gab es ein Taco Bell (laut Navi). War auch da. Geparkt, rein. Ich habe mir ein Combo von 3 Tacos + Getränk ausgesucht, Jürgen wollte ein Burrito mit Nachos und „Trinkkäse“. Hat ne Weile gedauert, aber ich finde das gut, dass die die Sachen immer frisch zubereiten.

So ein Taco kleckerfrei zu essen ist ja eine Kunst, aber ich war nicht schlecht. Jürgen probierte zunächst die Nachos mit der Käsesoße und packte dann seine Burrito-Rolle aus. Ein kurzer Blick, dann die Entscheidung sich Besteck zu holen. Das Burrito in der Mitte durchgeschnitten. Die halbe Rolle mit 10 Fingern zum Mund bugsiert und reingebissen. Erfolg: die Hälfte der Füllung flutschte rechts und links (und unten) aus der Rolle und patschte aufs Tablett (ins Packpapier). Ich konnte mir nur mit Mühe das Lachen verkneifen, denn an Jürgens Gesicht sah ich, dass er von diesem Menü überhaupt nicht begeistert war – nur der Hunger trieb’s rein. Die Füll-Masse sieht ja auch wirklich ein bisschen wie „schon mal gegessen“ aus. Mit der zweiten Hälfte wollte er es geschickter anstellen und hat sie (ähnlich wie die Astronauten ihre Weltraumnahrung) aus der Rolle in den Mund gedrückt, aber es war trotzdem eine große Matscherei. Viel Diet Coke drauf und kaum war ich fertig mit meinen Tacos (fast unfallfrei) schob er mir die Nachos hin – diesen „Mist“ könnte ich auch gleich noch hinterher futtern. Hab ich gemacht, mir schmeckt das mexikanische Zeugs halt.

Raus aus dem Laden und rein ins heiße Auto. Dann maulte Jürgen noch ein bisschen rum…ich hätte doch sicher nicht vergessen, dass er diesen Taco Bell Kram überhaupt nicht mag, warum ich ihn denn dazu genötigt hätte. Okay, ich hatte noch dunkel in Erinnerung, dass es ihm 2007 in Miami nicht besonders geschmeckt hatte, aber vielleicht lag es ja an der Speisenauswahl. Das wären keine Burritos, sondern Bumatschos, hat er gemeckert und ich kriegte den Superlachanfall, weil ich wieder sein mühseliges Gematsche von grade vor Augen hatte. Lassen wir das…

Zuhause haben wir uns an den Pool gelegt und gefaulenzt.

Für den Abend stand ja noch das Sunset-Event am Beach von Cape Coral auf dem Programm. Dorthin haben wir uns dann auch gegen 6 Uhr auf den Weg gemacht.

Mit dem Parken hatten wir Glück, denn gerade fuhr jemand weg. Die Straße am Strand war richtig belebt, viele Autos, viele Menschen. Schon von weitem blinkten und blitzten die alten Chromkarossen einiger Oldtimer, die hier zur Feier des Tages ihre Aufwartung machten. Für die alten amerikanischen Autos kann ich mich grenzenlos begeistern, das drückt sich dann auch in meiner Fotomania aus. Auch ein paar neuere Corvetten (sagt man bestimmt nicht, hört sich aber gut an) standen dort herum und ließen sich auch willenlos ablichten.

Am Strand spielte sich ein einsamer Musiker/Sänger die Finger wund, war jetzt nicht vom Hocker reißend, aber ganz okay.

Dann ganz viele kleine Trödelmarktstände mit den seltsamsten Dingen. Kosmetik, Tupperware, Glassteine zum dekorieren von Vasen, selbstgemachte Lesezeichen und selbstgemachte Lesezeichenhalter (in echt) und vieles mehr an Dingen, die der Mensch nicht braucht. Kitsch as Kitsch can – dachte ich mir dabei. Nachdem wir einmal drüber geschlendert sind hielt uns auch nichts mehr, also ab zum Publix einkaufen.

Tiefkühlpizza, Milch, ein bisschen Gemüse, Sushi (ich komm nicht dran vorbei).

Zuhause genau nach Anweisung die Pizza zubereitet, dummerweise habe ich bei der ersten Pizza (Jürgens) nicht gesehen, dass unter der Pizza ein Pappdeckel war – der wurde dann halt einfach mitgebacken. War aber nicht schlimm, hat den Geschmack nicht beeinträchtigt. Jürgen hat eine halbe Pizza geschafft, ich nur ein Viertel (und das Sushi-Paket).

Schon gegen sieben hatte sich der Himmel beträchtlich verdunkelt, es sah aus, als gäbe es ein fettes Donnerwetter. Hat sich aber ohne Niederschlag verzogen und um kurz vor acht lugte wieder die Sonne hervor und tauchte die Wolken in wunderschönes Licht.

Noch ein bisschen lesen (Die Truhen des Arcimboldo – ich kann’s kaum noch aus der Hand legen), ein bisschen TV und Matratzenhorchdienst.
 

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Tag 23 - Nette Hausverwalter

Yippiiie – heute kann ich Gott sei Dank wieder an mein heißgeliebtes Laptöpchen – das Netzteil funktioniert wieder! Jürgen hat es gestern mal ein wenig „verhauen“ und siehe da, es spurt wieder. War vielleicht einfach zu heiß geworden oder so. Jedenfalls ist das ein schöner Gedanke, schon beim aufwachen. Weil ich dann wieder draußen am Pool tippen kann und nicht drinnen. Klar, im Wohnzimmer ist es auch sehr schön, klimakühl, gemütlich – aber ich bin am liebsten draußen hier, wenn es sich nur halbwegs aushalten lässt.

Poolbad, Kaffee, die Butter ist schon draußen. Heute haben wir jetzt erst mal nichts vor, denn ein weiterer Versuch beim Computershop (wir hatten noch einen guten Hinweis bekommen) hat sich ja vorerst erübrigt. Faulenzen ist angesagt.

Ich packe meinen ganzen Kram (Läppi, externe Festplatten, alle „Knipsen“) raus auf den großen Tisch der Veranda und mach’s mir gemütlich. Brille auf und online gehen, mal lesen, was so los ist.

Und dann das Pflichtprogramm: Blog schreiben. Geht wieder gut und flüssig von der Hand (mit meiner gewohnten Tastatur). Manchmal muss ich Jürgen fragen, wie dies oder jenes war (von der Reihenfolge des Ablaufs), zu zweit kriegen wir das aber immer gut zusammen.

Nach dem ersten Bericht meldet sich der Frühstückshunger – auf Bacon natürlich. Ganz ehrlich, mit diesem Wattebrot kann ich mich nicht anfreunden. Wenn es ganz frisch ist, dann okay, aber schon nach nur einem Tag ist das Weißbrot eher ein Gummibrot. Tut man es kurz in den Toaster (wirklich nur ganz kurz, es ist nicht mal goldbraun), dann ist es Zwieback. Wenn ich zwei der hauchdünnen Scheiben in das Toasterfach quetsche, dann geht’s noch am ehesten. Aber auf unser leckeres Brot zuhause freue ich mich schon.

Überhaupt zuhause – ich habe es ja gestern schon erwähnt – unser kleines trautes Heim, der Garten, unsere Katzen, der Freundeskreis, mein Tanzstudio und die Kurse…

Es wird so langsam Zeit. Hier ist es wirklich wunderschön – ferienmäßig. Aber das Zuhause hat eben auch etwas, selbst der Alltag. Meine Familie, die Yoga- und Tanzstunden als Trainer oder als Teilnehmer. Und mir fehlt die Musik, die (für Jürgen allerdings fast unerträgliche) orientalische Musik. Wenn wir nächsten Mittwoch nachhause kommen, dann habe ich nur den einen Tag zum akklimatisieren, ab Donnerstag geht’s schon wieder mit den Kursen los. Freitag die Tanz-Projektgruppe im Frauengefängnis Willich (ehrenamtlich), Samstag einen Workshop anlässlich eines Jungesellinnenabschieds (die machen echt viel Spaß, solche Workshops mit einer Gruppe befreundeter Frauen), Sonntag das Bollywood-Dance-Projekt.

Schön ist ja, dass mein Arbeitstag nie so knallharte 8 Stunden hat, wie ein vergleichsweise normaler Arbeitstag. Ich arbeite sozusagen „häppchenweise“ über den ganzen Tag (es sind ja nicht nur die Stunden im Tanzstudio, sondern auch Vor- und Nachbereitung), allerdings fast jeden Tag und vor allem viel an den Wochenenden. Aber ich komme ja komplett vom Thema ab – jetzt sind noch Ferien, und zwar im Sunshine State Florida. Der Alltag wird mich schon schnell genug wieder in den Krallen haben, bleiben wir doch mental da, wo der Körper gerade weilt: am Pool. Kann man ja auch mal reingehen, ist schon wieder gut warm hier und eine Erfrischung im kühlen Nass kann ich nur hier haben, im eigenen Garten ist kein Pool (aber eine Gartendusche).

So wird auch dieser Vormittag mit schreiben, lesen und baden verbummelt. Mittags fällt mir der Rest von der Pizza ein, ob die auch kalt schmeckt? Das muss man den Amis ja lassen, Tiefkühlpizza schmeckt 5 x leckerer als bei uns und kalt sogar auch noch. Davon könnten sich Iglo und Wagner mal ne Scheibe abschneiden!

Am Nachmittag ein Nickerchen auf dem Liegestuhl und später den zweiten Blogtag in Angriff genommen. Zunächst will die Zeit gar nicht vergehen, aber dann rennt sie auf einmal – und wir sind doch heute noch eingeladen!

Zwischen 17 und 18 Uhr bei Dagi und Hermann, dem Hausverwalterpaar. Wir freuen uns auf die Abwechslung, freundschaftliche Kontakte hat man ja am Urlaubsort nicht immer so ohne weiteres zur Verfügung. In den Ferien wechseln sich in der Regel die (kostspieligen) Unternehmungen mit den Pool-Abhäng-Phasen ab, mal ein Telefonat mit den Daheimgebliebenen und ein paar Kommentare bei Facebook, das war’s dann aber auch schon mit Familie und Freunden. Wir sind beide keine SMS-Schreiber (nie gewesen) und somit eigenbröteln wir hier so rum.

Wir haben jetzt schon einige Tage überlegt, was man der Familie mitbringen könnte (ich komme nicht gern mit leeren Händen) und schließlich einigen wir uns auf Wein für die „Großen“ und Eis für die Teenies. Hermann hatte uns auch mal den Neighborhood-Walmart auf der Pine Island Road ans Herz gelegt (wir sind ja Gewohnheits-Publix-Käufer) und da der fast auf dem Weg liegt fahren wir dort auch hin. Schöner großer Supermarkt (und auch noch rund um die Uhr geöffnet), da werden wir jetzt öfter einkaufen fahren. Und günstiger als Publix ist der Walmart auch noch, was will man mehr.

Zwei Flaschen Wein und einen Sekt, 3 Eispakete und weiter geht’s zu unseren Gastgebern. Wir sind Punkt sechs Uhr da und werden herzlich begrüßt.

Von dort geht es dann schon wenige Minuten später im Autokonvoi (Hermann muss später noch mal kurz weg und die Mädels haben natürlich auch noch was vor nach dem Essen) wenige Kilometer die Pine Island Road Richtung Pine Island zu Miceli’s Restaurant (link is external). So richtig typisch amerikanisch, rustikal und familiär. Wir bekamen einen Tisch zugewiesen und um uns herum war schon gut was los.

Donnerstags gibt es immer ein Special: Prime Rib für zwei Personen mit Suppe oder Salat und Beilage für 20 Dollar! Das nenn ich mal günstig. Haben dann auch alle am Tisch bestellt, jeder mit seiner eigenen Zusammenstellung aus diversen Suppen und Salaten, sowie Kartoffelvariationen oder Reis.

Die Getränke, sowie Salate und Suppen kamen echt schnell, während dessen erzählte mir Dagi von ihren Pflichten und dem Familienleben mit zwei heranwachsenden Teenagern. Nicht anders als sonst wo, woher auch? Zwischendurch ermahnte sie die 15-jährige Vicky das Handy doch mal beiseite zu legen, aber die Jugendlichen von heute nutzen dieses Medium wirklich gut und gerne. Was haben wir eigentlich früher ohne Handys gemacht?

Das Essen war sehr gut und so waren wir alle eine zeitlang still und beschäftigt. Dann kam ein Telefonat für Hermann und er musste los, auch die Mädels hatten Flöhe am Popo und verschwanden ebenso schnell. Wir haben dann dort noch ein bisschen gesessen und mit Dagi gequatscht, allerdings gestaltete sich das zusehends schwieriger, weil hinter uns eine größere Gesellschaft (Großfamilie) ziemlich lebhaft und lautstark was auch immer feierte und so zogen wir es vor die Heimfahrt anzutreten.

Dagi auf die Rückbank und zurück nach Matlacha. Als wir ankamen begann es gerade aus Eimern zu schütten und wir sind noch so eben trocken ins Haus gekommen.

Nun wurden wir mit leckerem Kaffee versorgt und da Jürgen das IPad mithatte konnten wir Dagi auch ein bisschen von unserem Leben in Deutschland (Videosequenzen) und zwei anderen Urlaubsreisen zeigen. Später kam auch Hermann wieder dazu und wir köpften die Sektflasche zur Feier des Tages.

Wir wollten eigentlich gar nicht so lange bleiben, aber es gab echt viel zu erzählen aus unseren beiden Lebensbereichen und den Erfahrungen, da verging die Zeit wie im Flug.

Um halb zwölf haben wir uns dann aber doch aufgerafft, es hat auch nicht mehr geregnet und die Nachtluft war zwar immer noch feucht, aber wenigstens etwas kühler. Es war ein ebenso herzlicher Abschied und Dagi und ich haben uns noch einmal für Montag verabredet, da fahren wir abends noch mal zum Sonnenuntergang nach Ft. Myers Beach (ohne Männer).

Zuhause habe ich dann noch schnell den 2. Blogtag fertig gemacht und online gesetzt, dann war es aber auch höchste Zeit für’s Schlafen gehen, denn morgen früh um 10 Uhr werde ich springen! Aus einem kleinen Flugzeug hoch aus den Wolken, allerdings als Bauchgepäck eines Tandemspringers! Bin doch schon etwas aufgeregt, aber mit ein paar Zeilen meines Buches werden auch die Augen müde. Gute Nacht!
 

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Tag 24 - Nana Tandemsprung

Zunächst ein Morgen wie schon 23 davor, doch halt – heute steht etwas ganz Besonderes auf dem Programm: mein Tandemsprung in Punta Gorda!

Ich hüpfe aus dem Bett und stelle fest, irgendwie hüpfe ich etwas behäbiger als noch vor drei Wochen. Sollte ich etwa - dieser Gedanke ist zu grausam um ihn zu Ende zu denken. Aber im Badspiegel so von der Seite sehe ich voluminöser aus (Wampenalarm!), aber kann doch nicht, hab’ doch nur geringfügig mehr geschlemmt als zu Hause.

Im Bad steht eine Waage (eine sehr schöne Waage, sogar mit Angabe in kg), da hatte ich mich zum Urlaubsbeginn mal ganz übermütig drauf gestellt und schon genervt feststellen müssen, dass ich hier in Florida knapp ein Kilo mehr drauf hab (der lange Flug bläht auf – oder so was).
Tja, todesmutig wieder drauf auf das Ding und – tatsächlich, noch knapp 2 Kilo drauf! Wie kann das denn? Pizza und Eis macht doch nicht dick? Oder vielleicht doch, jedenfalls in Kombination mit rumliegen und rumsitzen. Tja, da wird dann mein Tandemspringer heute noch ein bisschen mehr Last am „Bein“ haben, wir fallen bestimmt schneller runter…

Der Appetit auf Baconfrühstück war mir somit schlagartig vergangen, ein Kaffee tut’s für’s erste auch, aber meinen Göttergatten versorge ich fürsorglich mit einer guten Stulle.

Noch mal durchgelesen was das Outfit angeht und Jeans und Shaper eingepackt. Foto-/Filmequipment, einen Müsliriegel (falls der kleine Hunger kommt).

Frühzeitig mit Anfahrtsbeschreibung ins Auto und los. Die Navi schweigt sich aus (tut sie bei mir gerne, wenn Jürgen sie programmiert ist sie in der Regel sehr gesprächig, woran auch immer das liegen mag) und gibt uns die „Überland-Route“ an (im Internet wäre es die I 75 gewesen). Vom Timing her kommt es gut hin, also folge ich der stummen Navi.

Nach ein paar Kilometern möchte mein technisch versierter Mann aber wissen, warum die Navi so beharrlich schweigt. Auf stumm geschaltet ist sie nicht, er probiert eine neue Stimmauswahl. Aber sie schweigt stur weiter. Ich habe den Tipp des Laien parat: „Mach sie doch einmal ganz aus, so mit Stecker ziehen und allem drum und dran, vielleicht hilft das.“ Und Jürgen befolgt tatsächlich diesen unbedarften Rat und schaltet sie aus. Und wieder ein. Und plötzlich hören wir ein kurze und barsche weibliche Stimme (sehr unfreundlich) mit dem Hinweis „Fahren sie 34 Kilometer“, na bitte, geht doch. Aber dieses Naviweib ist mir extrem unsympathisch. Sie hält aber lange Zeit die Klappe, weil es ja eh nur geradeaus geht, was soll sie da auch sagen. Dann biegen wir versehentlich falsch ab (die Straßenführung macht einen Rechtsknick, ich aber biege in der Kurve an einer Kreuzung rechts ab) und schon wird die unfreundliche Stimme ganz hektisch: „Neuberechnung im Gang!“ – ist ja schon gut! Und dann will sie mich im Rechtskarree lotsen, damit ich zurück auf die Strecke komme, dabei ist es mit einem Links-U-Turn (auch erlaubt an der Stelle) schon getan. Nächste rechts und wir sind wieder richtig, die Dame beruhigt sich und verstummt.

Noch 2 x rechts abbiegen und es geht über einen Feldweg äußerst hubbelig in die Wallachei, aber das sieht gut aus, denn ich sehe Flugzeuge auf den Wiesen und Feldern.

Ein paar Gebäude - man sagt glaube ich auch Hangar dazu – und überall Flugzeuge, bzw. Flugzeugfragmente. Hier sammelt jemand wohl aus lauter Leidenschaft Flugzeuge, denn einige davon sehen überhaupt nicht mehr „fliegtüchtig“ aus. Wie parken auf einer Wiese und werden beim Aussteigen sogleich von liebestollen Lovebugs überfallen und schamlos als Haltestelle ausgenutzt.

Auf dem Fluggelände des Skydive Southwest Florida hantieren schon einige Menschen fleißig rum, eine Dame spritzt ein Flugzeug ab, ein junger Mann legt sehr sorgsam in der Halle den Fallschirm zunächst aus, um ihn dann ebenso sorgsam wieder zusammen zu legen. Die Dame begrüßt uns und führt uns zu einem Büro in der Halle, ich frequentiere aber erstmal den Restroom. Ich habe eine merkwürdige Eingebung (und ich muss natürlich auch), ich habe die Seriosität des Unternehmens vom Zustand der Restrooms abhängig gemacht (ist bestimmt eine sehr eigenartige Einstellung, aber war eben so). Und ich habe Glück, der Toilettenbereich ist zwar nicht mehr der neueste, aber es ist sauber und gepflegt, inkl. vorrätigem Klopapier und einem frischen Handtuch am Waschbecken. Na gut, habe ich mir gedacht, das beruhigt mich dahin gehend, dass man sich hier höchstwahrscheinlich um alles auch entsprechend ordentlich kümmert, dann kann’s ja losgehen.

Zurück im Büro lerne ich Roy kennen, mit dem hatte ich vorher auch den Mailkontakt. Er stammt aus Norwegen (scheint hier viele Norweger zu geben, Inga – Yogalehrerin – stammt ja auch daher), die Dame die uns begrüßt hat ist Französin, der Pilot der kleinen Maschine die uns nach oben befördern wird ist auch Franzose, spricht aber exzellent deutsch. Somit gibt es schon mal keine Verständigungsschwierigkeiten, dafür bin ich echt dankbar.
Nun muss ich erstmal den Schriftkram erledigen, bestimmt 8 Seiten (echt jetzt), die ich teilweise auszufüllen habe und ungelogen 30 Mal meine Initialen drauf setzen. Wie schon bei dem Jetflug, man muss eben unterschreiben, dass man sich der Risiken an Leib und Leben bewusst ist und trotzdem springen, bzw. fallen will. Bei wenigen Fragen komme ich ins Schwitzen, denn ich kann sie nicht genau übersetzen und weiß nicht, ob ich Ja oder Nein ankreuzen soll. Aber Roy ist hilfsbereit und erklärt mir worum es geht. Und da ich nicht noch schnell vorher eine extra Versicherung abschließen will, darf ich auch mal No angeben.

Nach dem ganzen Schreibkram (auch hier muss Jürgen mit unterzeichner für den Fall das er Witwer wird – echt makaber) geht’s ans bezahlen und dann an das Outfit. Die Jeans bräuchte ich nicht, klärt mich die Französin auf, aber ich soll besser andere Schuhe anziehen statt der Flip Flops. Ist schon klar, auf die Idee bin ich schon selber gekommen.
Und dann geht es raus in die Halle zur Einweisung durch meinen „Flugbegleiter“. Ein netter junger Mann namens Zak. Er erklärt mir anhand von Fotos was ich zu tun und zu lassen hätte. Und dann hilft er mir hingebungsvoll beim anziehen des „Geschirrs“ – kommt mir vor, als würde ich gleich vor einen Karren gespannt. Hat ja auch was davon, nur ist mein Karren ein lebendiger Mensch. Beim anziehen kniet er teilweise vor mir und Jürgen kann sich natürlich eine dumme Bemerkung nicht verkneifen. Aber ich lache nur und genieße den Augenblick.

Inzwischen ist mein Flugzeug „vorgefahren“, Zak wirft sich auch in seine Ausrüstung und hantiert schon mit der Videokamera, die dieses ganze Abenteuer festhalten wird. Er fragt mich ob ich aufgeregt sei und ich antworte: Ja ein bisschen. Dann will er wissen, ob ich nervös und ängstlich wäre, aber das kann ich ehrlich verneinen, denn wenn es so wäre, dann stünde ich hier jetzt nicht. Ein kurzer Abschied von Jürgen und wir klettern ins Flugzeug.

Das ist echt ein klitzekleines Ding, ich sitze vorn auf dem Boden neben dem Piloten, allerdings mit dem Rücken nach vorn. Zak setzt sich mit dem Rücken zum Sitz des Piloten und macht mich mit einem Sicherheitsgurt fest.
Links neben mir ist die Tür, sie ist nur angelehnt und klappert im Wind.

Offensichtlich prüft der Pilot noch einmal die Motoren auf ihre Leistung, dann fahren wir los. Über die Wiese, die auch als Rollfeld genutzt wird. Es ist schon ein bisschen rumpelig, aber absolut erträglich. Unten links an der Tür fehlt ein Stück, da kann ich rauslauern. Wenn ich mich recke, dann geht aber auch ein Blick durchs Fenster der Tür. Zak verriegelt jetzt die Tür und fragt noch einmal, ob ich das wirklich will, ja klar will ich! Das Flugzeug wendet und gibt Stoff – und wir heben ab. Ich grinse schon wieder über beide Backen, denn fliegen ist sooooo schön. Und wenn man so nah dran ist an dem weiten Ausguck (und nicht nur ein kleines rundes Kabinenfenster) und der kühle Wind durch die Haare weht – dann ist es am schönsten.

Ich verliere Zeit- und Raumgefühl, eine Unterhaltung ist auch sehr schwierig, denn die Propeller sind recht laut. Zak fragt mich noch irgendwas (habe ich vergessen, aber ich glaube es ging um ein paar letzte Grußworte zu meinen Lieben auf der Erde) und zeigt mir, dass wir die Hälfte der Höhe erreicht haben. Ich staune nicht schlecht, denn unter uns sehe ich kleine Schönwetterwölkchen und das Lied von Reinhard Mey fällt mir wieder ein. Mich kann in dem Lärm eh keiner hören, also singe ich auch den Refrain lauthals – Freiheitsgefühl pur.

Und dann wird es richtig spannend. Zak befestigt die Videocam an seinem linken Handgelenk und ich muss eine 180 Grad Kehrtwende machen und auf den Knien hocken bleiben, damit er mich an sich befestigen kann. Dann schaut er ein paar Mal nach rechts und links aus dem Fenster und gibt dem Piloten einen Wink, dass er noch ein bisschen weiter fliegen soll. Als dann Zak der Standort (eher Flugort) gefällt, gibt er dem Piloten das Okay-Zeichen und öffnet die Türe. Sie klappt nach oben und wird auch dort vom Druck des Windes gehalten. Ich fasse mit der rechten Hand eine Schlaufe oben links an der Öffnung und nachdem Zak seinen rechten Fuß nach draußen auf einen eigens dafür angebrachten Ausleger gestellt hat folgt auch mein rechter Fuß. Nun sitzen wir schon halb draußen und der Fahrtwind peitsch laut und kalt an mein Gesicht. Noch ein letztes Okay von mir und wir fallen seitlich nach rechts unten aus dem Flugzeug. Es ist so geil!

Zu Beginn muss ich die Arme nach vorn halten (ich halte meine Gurte fest wie ein Angeber seine Hosenträger), aber schon nach wenigen Augenblicken tippt mir Zak auf die Schulter und das ist das verabredete Zeichen zum ausbreiten der Arme. Es ist ein unbeschreibliches Gefühl! Man spürt die Erdanziehungskraft, die ja schließlich diesen hammergeilen Fall erzeugt, aber gleichzeitig spürt man, wie die Luft einen trägt – wie ein hartes Polster. Über den Wolken ist es so frisch, so klar – ich bin in diesem Augenblick sicher einer der glücklichsten Menschen auf diesem Planeten.

Nach knapp einer Minute zieht Zak den Fallschirm und mit einem Ruck geht es zunächst nach oben und dann aus der waagerechten in die senkrechte Körperhaltung. Zak lockert die Gurte an den Oberschenkeln etwas und ich kann mich fast wie auf eine Schaukel in die Gurte setzen. Dann lockert er auch den Gurt unter der Brust, aber das ist nicht so einfach, denn mein T-Shirt ist ganz hoch gerutscht und lässt mein Bäuchlein (gnädig bezeichnet) auch mal die kühle Luft kosten. Ich habe Glück gehabt, hätte auch ein „Oben Ohne“ -Absprung werden können, so wie man ja gern auch beim Sprung ins Wasser das Bikinioberteil verliert. Aber ist ja noch mal gut gegangen.

Und so gleiten wir jetzt in der Stille des gemächlichen Segelns am Fallschirm zurück zur Erde. Mein Mund ist vom Flugwind ganz ausgetrocknet (warum habe ich ihn auch die ganze Zeit die Klappe so weit aufgerissen und immer wieder „Wow“ geschrien), jetzt muss ich erstmal etwas Spucke sammeln um überhaupt wieder einen Kommentar abzugeben. Und meine Begeisterung hält nach wie vor an, denn die Welt von oben sieht so friedlich aus. Unter uns taucht das Flugfeld auf und ich kann Jürgen ganz klitzeklein an seinem weißen T-Shirt erkennen.

Die Landung kann „sitzend“ oder „laufend“ stattfinden, hängt von der Geschwindigkeit ab, mit der man runterkommt. Wir haben beide Varianten besprochen und geprobt, aber es wird eine „Sitzlandung“. „Legs up“ – ruft Zak nämlich und dann rutschen wir auch schon auf dem Hosenboden wie bei einer Schlittenfahrt über das Gras. Ich liege der Länge nach auf Zak und lache und bin glücklich. Die Französin reicht mir die Hand zum auf die Beine kommen und hilft mir aus den Gurten. Jürgen kommt auch dazu und ich falle ihm um den Hals, weil er mir dieses unbeschreiblich schöne Abenteuer vergönnt hat.

Wir gehen alle gemeinsam zum Hangar zurück und ich falle zunächst erst mal ganz entspannt in ein bequemes Sofa.
Die Französin überreicht mir Papiere (ein Zertifikat vom Sprung und ein bisschen Werbung) und ich kann mir jetzt überlegen, ob ich zum Sonderpreis von 99 Dollar gleich heute noch einen Sprung machen möchte. Aber ich möchte nicht, ich möchte diesen Sprung von gerade einfach erst mal „sacken“ lassen und nicht sofort noch mal los. Ich möchte noch einmal springen, das ist klar, aber nicht sofort. Nächstes Jahr sind wir ja wieder hier, da komme ich dann garantiert wieder.

Die Französin fragt uns noch, ob wir die DVD vom Sprung abholen wollten oder ob sie per Post raus sollte. Und dann fragt sie, wo wir hier wohnen und wie es der Zufall will wohnt sie auch ganz hier in der Nähe des Chiquita Blvd. Und so verabreden wir uns für Montag, da treffen wir uns dann und bekommen die DVD von ihr persönlich ausgehändigt.

Dann nehme ich Abschied von der netten Crew dort und wir begeben uns auf den Rückweg. Die Navi sagt uns wieder höchst unfreundlich wo wir lang müssen und ich horche auf, als sie plötzlich nicht nur das Abbiegen angibt, sondern auch noch die Richtung. Nach Naples nämlich, aber sie sagt N-A-P-L-E-S – sie spricht es deutsch aus. Später kommt auch noch F-T-Mürs, da haben Jürgen und ich schallend gelacht. Und ich habe Jürgen gebeten wieder die andere nette Stimme einzustellen, die hier ist mir echt zu dämlich. Und den Rest des Weges haben wir sie dann abgeschaltet – wir kennen ihn ja.

Zuhause angekommen habe ich erstmal den Rest meiner Pizza verdrückt. Und dann haben wir nur noch ganz entspannt am Pool gelegen. Ich bin im Geiste noch mehrmals gesprungen und darüber auch mal eingeschlafen.

Auch der Abend verging ganz unspektakulär. Das ist wirklich Urlaub!
 

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Tag 25 - Leerer Kühlschrank

Wie üblich wach geworden, aber mit fetten Kopfschmerzen. Nur aus dem Bett geklettert um eine (bzw. gleich 2) Kopfschmerztablette einzuwerfen und wieder ins Bett. Warum habe ich denn heute Kopfschmerzen? Ach klar, gestern Abend habe ich mir ein großes Glas Rotwein gegönnt, dass hätte ich besser lassen sollen. Zuhause vertrage ich ihn auch nicht… Der gnädige Schlaf lässt mich die Schmerzen vergessen.

Ganz unüblich (weil verkatert) um halb neun erst aufgestanden und gehofft, dass das Poolbad eine Verbesserung bringt, klappt aber nicht wirklich. Auch der Kaffee hilft nicht. Ich leide ein bisschen vor mich hin. Mit einer Schüssel Cornflakes versuche ich meinen Magen zu beruhigen, aber wirklich schmecken tun sie mir nicht. Aber ich brauche etwas im Magen, bevor ich mir die nächste Ibuprofen-Dröhnung gebe. Am späten Vormittag wird es langsam besser.

Wir müssen dringend einkaufen, der Kühlschrank ist leer gefegt und wir sind ja noch 3 Tage hier. Nur noch 3 Tage. Auch Jürgen freut sich auf unser zuhause (solange er nicht an den damit verbundenen Modus des arbeiten gehens denkt).

Wir fahren zum Walmart auf der Pine Island Road. Jetzt wird der Laden erst einmal Regal für Regal eingehend inspiziert. Warum nur kann man hier in Florida (USA) nur so viele extrem kalorienreiche, aber leider superleckere Lebensmittel kaufen? Chips, Kekse, Knabberkram jeder Art, Kuchen und Törtchen, Puddings, Yoghurts, Eis bis zum abwinken, Fertiggerichte und Pizzen – Säfte und Limonaden…

Ich kaufe einen Saft in einem Behälter, der aussieht wie eine Weichspüler- oder Waschmittelflasche, pervers!

Wir versorgen uns noch mit leckeren Steaks für Sonntag auf dem Grill, Salate und Obst. Und natürlich Wattebrötchen.

Es ist hier alles deutlich günstiger als bei Publix und qualitativ können wir auf Anhieb keinen Unterschied feststellen.

An der Hähnchenbraterei-Theke gibt es viele verschiedenen Varianten von Chicken Wings. Ich lasse mir jeweils 2 Stück von 5 verschiedenen Sorten einpacken. Habe mich wohl etwas missverständlich ausgedrückt von wegen „zum probieren“, denn die Dame hinter der Theke versteht mich so, dass ich alles hier gern mal probieren möchte, aber wir können das Gott sei Dank klären. So dreist müsste man sein, alles an der Theke erst mal auszuprobieren…

Zuhause gibt es ein zweites Frühstück und wir futtern uns durch die Wing-Varianten. Teilweise scharf, mit Barbecue-Soße, mit krosser Panade, mit Parmesankäse (hm-lecker, eindeutig mein Favorit!).

Dann genießen wir das halbschattige Wetter heute, denn der Himmel ist zeitweise immer mal wieder bedeckt.
Meine Kopfschmerzen sind weg.

Ich schreibe die Erlebnisse vom Tandemsprung auf und fliege noch einmal und noch einmal, denn das Video ist auch schon online und ich gucke es mir ein paar Mal an. War das schön!

Dann schnappe ich mein Buch und lese mich durch den Rest der 694 Seiten. Ab und an mal ein Poolbad, nachmittags eine Chipsdröhnung und den seltsamen Waschmittel-Saft. Zuckersüß und Chemie pur, aber mit viel gecrashtem Eis geht es dann doch runter. Jürgen futtert sein Applepie Minitörtchen.

Heute Abend gibt es Nudelauflauf, das macht wenig Arbeit, ist relativ schnell fertig, schmeckt echt lecker und reicht meistens auch noch für einen Mittagsnack am nächsten Tag. Später können wir wieder die ISS am Nachthimmel sehen, wir wollen das auch fotografieren und filmen (zumindest mal versuchen!).

Der Nudelauflauf gelingt perfekt und wir futtern uns rund. Dann mit Foto- und Filmequipment vor die Tür. Von der Garagenzufahrt aus breitet sich der wundervolle Nachthimmel vor uns aus, auch die Mondsichel strahlt hell und klar.

Pünktlich um 21:11 Uhr kommt sie majestätisch angeschwebt, von Nordwest nach Südost. Jürgen filmt und ich knipse fleißig. Die Ergebnisse hauen jetzt nicht grade vom Hocker, aber unsere Ausrüstung ist ja auch nicht wirklich für Nachthimmel-Aufnahmen geeignet.

Noch eine gemütliche Runde auf der Terrasse (aber ohne Weingenuss, nur ein Budweiser) und wir lauschen den Geräuschen der Geschöpfe der Nacht.

Apropos, da fällt mir noch eine Geschichte von vorgestern ein. Ich war im Schlafzimmer und frönte der Leselust, als Jürgen den Kopf durch die Terrassentür steckte und mich mitsamt seinem Schlüsselbund (da ist nämlich eine kleine LED-Leuchte dran) an den Pool kommandierte. Er zeigte auf die Kante der Poolbedachung und erklärte, ich solle dort mal hinleuchten. Dort hockte ein kleines Viech und Jürgen behauptete, das sei eine Fledermaus, die wäre gerade mit einem lauten Platsch auf das Dach geplumpst. Ich klettere auf den Liegestuhl und leuchte genauer und was guckt mich mit großen Augen an? Ein Frosch (von mir aus auch eine Kröte, ich kann die nicht unterscheiden). Wie kommt eine Kröte auf ein mind. 2,40m hohes Dach? Vom Himmel gefallen? Vielleicht aus den Klauen eines fliegenden Nachtjägers? Keine Ahnung. Er hockte jedenfalls noch geraume Zeit dort oben und irgendwann hatte ich keine Lust mehr ihn noch länger zu beobachten. Am nächsten Morgen war er weg, er lag aber auch nicht im Garten. Ich hoffe, er ist gesund und munter mit dem Schrecken davon gekommen.

Frösche regnet es heute nicht, die Luft ist angenehm kühl und wir genießen den Abend bis zum Abmarsch ins Bett.
 

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Tag 26 - Auf Fotojagd

Sonntag – und auch noch Muttertag! Habe ich aber nichts mit am Hut (sorry!). Yoga am Beach steht auf dem Programm und vorsichtshalber habe ich mir den Wecker gestellt. Hätte ich lassen können, werde exakt 3 Minuten vor dem Wecksignal wach. Wie üblich in den letzten Tagen allein im Zimmer, mein Nachtschwärmer-Göttergatte ist schon wieder ausgezogen. Ich lauere bei ihm rein und sehe, dass er tief und fest schläft.

Das erfrischende Poolbad, noch drei Mal (mit heute), dann erst mal lange, lange Zeit nicht mehr. Wie ich das vermissen werde…

Die Luft ist frisch und noch kühl, ich freue mich auf die Yogastunde am Strand. Ein Schluck Kaffee – zwar kalt (weil von gestern), manch einen mag das jetzt schütteln, ich bin da schmerzfrei. Sachen packen (Fotoapparat, Handtuch, Yogamatte, Geld) und ab ins Auto. Verdeck runter und durch den Morgen Richtung Strand. Es ist sogar so kühl, dass ich fast ein bisschen fröstele, aber ich denke einfach daran wie warm mir heute noch werden wird und dann ist es auch schon gut.

Am Strand angekommen ist nur der „Glatt-mach-Trecker“ unterwegs, sonst weit und breit keine Menschenseele. Ich lege mich an die gleiche Stelle wie letzten Sonntag und warte auf die anderen. Nach gut fünf Minuten sehe ich Inga ein ganzes Stück weiter rechts von mir und sie winkt mich heran. Etliche Frauen sind heute da, die beiden Deutschen von letzter Woche aber nicht. Inga möchte heute an einer anderen Stelle am Strand praktizieren, sie hat ihren Mann im Schlepp und der soll Bilder machen von der Yogaaktion (für’s Internet) und hier sieht es mit der grünen Hecke im Hintergrund netter aus, als an dem anderen Strandstück. Da nutze ich die Gunst der Stunde und drücke ihrem Gatten direkt auch noch meine Knipse in die Hand, mit der Bitte auch ein paar Aufnahmen für mich zu machen.
Das tut er auch, und so geselle ich mich zu den anderen und folge brav den angesagten Übungen. Bin heute aber abgelenkt – denke an den Abschied und das mir das hier dann alles furchtbar fehlen wird. Manchmal lauere ich, was denn der Ehemann für Bilder macht und ob das jetzt gerade günstige Blickwinkel sind.

Am Ende der Stunde drückt er mir meine Kamera in die Hand und versichert mir, er hätte einige gemacht. Dann komme ich noch ein bisschen mit Inga ans plauschen und ich frage sie, was sie davon hält wenn ich nächstes Jahr bei meinem Aufenthalt hier mal eine Gastunterrichtsstunde für Deutsche in ihrem Studio anbiete. Das findet sie toll und wir wollen das dann im Frühjahr per Mailkontakt klar machen. Dann gehen wir zum Parkplatz und ihr Mann zeigt mir die grünen Sittiche, die hier am Beachpark ihre Nester haben. Ich habe auch einen im Baum vor seinem Nest erwischt, aber das ist ein Suchspiel: grüner Vogel in grünen Blättern!

Ich fahre zurück und fröstele schon nicht mehr.

Zuhause ist Jürgen wach und wir frühstücken gemeinsam. Heute steht nichts weiter auf dem Programm, also liege ich zunächst ganz entspannt am Pool rum und lese. Dann packt mich plötzlich wieder das Fotojagdfieber und ich montiere das Teleobjektiv auf die Kamera und gehe rund ums Haus auf Motivsuche. Und werde auch gleich fündig: Der Baum am Steg und seine Blüten, das Orangenbäumchen im Garten, die Bougainvillea am Kanal. Und am Kanal sind Libellen, Fische, Vögel und unsere Hausschildkröte. Oben auf der Terrasse die Bepflanzung, der Ball im Pool, mein Mann im Pool, der Gecko am Pool. Damit bin ich eine ganze Weile sehr beschäftigt.

Am Mittag ein Snack (Reste von gestern), später noch Obst und lecker Eis. Lesen und planschen – das Übliche eben.

Am frühen Abend möchte ich doch noch ein bisschen von Cape Coral inspizieren: den Beach Parkway und Cape Harbour. Jürgen hat auf einmal auch Lust mit zu fahren und so düsen wir gegen 18:00 Uhr los. Jetzt ist es überhaupt nicht mehr so heiß und offen fahren gerade zu paradiesisch.

Der Beach Parkway führt nicht zu einem Beach, nur an den westlichen Teil Cape Corals und den See mit der üppigen Vegetation. Wir biegen links ab und plötzlich sehen wir rechts auf Brachland eine Eulenfamilie. Ich fahre rechts ran und gehe im großen Bogen herum, um sie mit dem Licht der Sonne zu erwischen und nicht im Gegenlicht. Die 2 Eulenkinder sind sofort verschwunden (im Nest vermutlich in Deckung gegangen), die Eltern regen sich über meine Annäherung ziemlich auf. Ich habe sicher gut 20 Meter Abstand gehalten, aber sie haben ganz schön geschimpft. Mit meiner Fotoausbeute zurück zum Auto und weiter. Die Strasse führte dann im Verlauf nach links in echt schicke Gefilde, große und hochherrschaftliche Villen mit traumhaften Gartenanlagen, große Yachten am Steg davor, bzw. dahinter. So erreichten wir wieder unseren geliebten und bekannten Chiquita Blvd. Und gleich ein Stückchen weiter liegt ja Cape Harbour. Dort haben wir geparkt und sind ein bisschen auf das Gelände dieses Areals gebummelt.

Shops, Restaurants, Hotel- bzw. Appartementanlagen – das alles direkt an einer großen Anlegestelle für Yachten und Boote. In der Abendsonne sahen die Gebäude wunderschön aus und die teilweise chicen Yachten davor – echt mal edel. Wir schlenderten über den Anlegesteg (und wähnten uns als Besitzer der fettesten Yacht), Richtung Hafeneinfahrt, durch die Shopstrasse und wieder an den Anlegesteg. Dort habe ich mir die Schickeria angeguckt und kurz mal darüber nachgedacht, ob ich denen etwas neide. Ich sach mal: meistens nicht. Mal mit so einer Yacht mitfahren tät ich schon gern, aber ich muss keine besitzen. Und in dem Wohnkomplex möchte ich auch nicht logieren, da ist mir Werbefuzzis (Nickname unseres Vermieters im bereits mehrfach erwähnten Forum) Haus um Längen lieber. Jürgen geht es wohl genauso. Wir haben genüsslich den Sonnenuntergang gefilmt und fotografiert und sind dann in der Abenddämmerung zurück zu unserem Traumhaus.

Noch 2 Tage, dann geht’s heim. Mit diesem Gedanken bin ich eingeschlafen.
 

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Tag 27 - Manatees vorm Haus

20 vor sieben – wie immer. Jürgen ist weg – wie immer. Ich hülle mich in ein Handtuch und marschiere zum Pool – wie immer. Hinein in das kühle Nass – wie imm… --- uahh, der Pool von schräg gegenüber schnurbselt und schnarcht immer noch – bitte nicht noch einen Tag lang diese Geräuschbelästigung!

Gestern Morgen fing es an, mit dem Anlaufen der Pool-Umwälzpumpe. Offensichtlich ist dort nicht mehr genügend Wasser im Pool, sodass beim Ansaugen immer wieder Luft gezogen wird – und das hört sich einfach nur schauderhaft an. Leider weilen dort drüben zurzeit keine Gäste (die hätten ja sicherlich Wasser nachgefüllt) und deshalb röchelt und blubbert das Ding den ganzen lieben langen Tag ganz unrhythmisch vor sich hin. Ich krieg ne Krise.

Also wieder den ganzen Tag mit Radiobeschallung auf der Terrasse, damit dieses Geräusch in den Hintergrund fällt. Nee, ne, ich möchte doch diesen letzten Tag noch richtig genießen…

Kaffee.

Heute stehen mehrere Termine auf dem Programm: zur Marianne die Leihbücher zurück bringen, zum Haus der Inhaber von Sky Dive die CD’s abholen, zum Sonnenuntergang mit Dagi nach Ft. Myers Beach.

Frühstückshunger habe ich noch nicht, aber Jürgen fällt vom Fleisch. Also kriegt er ein paar Bütterken kredenzt – wie zuhause, fertig geschmiert zum PC-Platz. Warum ich das nicht schon den ganzen Urlaub so gemacht hätte – Faulpelz.

Ich muss noch ein Buch zu Ende lesen und lege mich in die Sonne.

Ein Anruf von Stephan (dem Hausvermieter), der sich nach unserem Befinden erkundigt. Noch während wir plauschen sehe ich, dass drüben im Poolschnurbselhaus ein Wagen vorfährt und ein Mann mit Dienstleisteroutfit die Terrasse begeht. Sollte das Glück uns hold sein und dieser Mensch wird das Schnurbseln abstellen? Ein Stoßgebet zum Himmel und mit Argusaugen das Tun des Poolboys beobachtet. Er geht an die Hauswand – er nimmt etwas von der Wand – einen Schlauch – mein Herz springt vor Freude! Er geht mit dem Schlauch zum Poolbecken und legt ihn rein – er dreht den Hahn auf – es kann sich nur noch um Minuten handeln – und wirklich, eine Minute später verstummt der Schnarchton – selige Ruhe tritt ein…
Ich lege mich wieder in den Liegestuhl und schmökere weiter.

Nach geraumer Zeit beschließt der Herr zu baden (im Pool versteht sich), geht aber sehr schnell seiner Lieblingstätigkeit nach und hängt wie ein Knastbruder am Geländer: Aussicht auf den Kanal. Plötzlich wird er ganz hektisch: „Schnell, hol die Kamera, da schwimmt ein Manatee im Kanal!“

Das Buch zur Seite, die kleine Sony geschnappt (natürlich sind von der großen Cam und der Videokamera die Akkus in den Ladegeräten und die Speicherkarten am PC, was auch sonst!). Mit der Kamera runter zum Steg und da ist es, wenige Meter seitlich direkt vor unserem Grundstück. Ich drücke auf den Auslöser. Der große graue Rücken kommt ganz hoch, bis knapp unter die Wasseroberfläche und man sieht etliche Narben von Schiffsschrauben. Das Manatee ist echt riesig – und plötzlich taucht ein zweites auf, viel kleiner! Ein Baby! Ich bin entzückt und fotografiere wie doof…

Jürgen hat in der Zeit die dicke Kamera mit dem Teleobjektiv startklar gemacht und drückt sie mir in die Hand, dafür nimmt er jetzt die kleine. Das Manatee schwimmt weiter nach links und plötzlich sagt Jürgen )und er flüstert beinahe, als könnte er es mit der normalen Stimme verscheuchen): „Da ist noch eines, auch mit Baby!“.

Das zweite ist etwas kleiner und hat nur eine fast runde Narbe am Rücken, offenbar etwas jünger als die Kollegin. Und das Baby bei ihr ist auch deutlich kleiner. Ich bin völlig begeistert – fast auf Armlänge entfernt dümpeln alle vier vor unserem Steg, bzw. etwas mehr links vor der Kanaleinfassung am Garten. Sie zupfen ein bisschen am „Kanalgemüse“ rum und schmusen miteinander. Immer wieder Körperkontakt. Das leise Schnauben der Babys, die Mütter prusten deutlich lauter. Boah ist das schön! Was für ein Erlebnis am letzten Urlaubstag! Die Manatees bleiben richtig lange vor unserem Grundstück und ich fotografiere wie wild. Und dann schaue ich einfach nur zu, wie sich die Tiere umeinander kümmern und selig und gemächlich im Wasser dümpeln.

Nach ungefähr 20 Minuten schwimmen sie dann weiter nach links, ich beobachte sie noch ein bisschen, dann muss ich aber los zum Termin mit den Skydivers.

Das geht relativ schnell, schon nach 45 Minuten bin ich mit meiner CD Beute zurück. Auf einer CD sind Bilder (echt coole Bilder), auf der anderen noch mal der Film, aber in besserer Qualität.

Jürgen sieht ganz fertig aus…Er ist in der Mittagshitze die Straße weiter rauf marschiert und hat versucht noch mal näher an die Manatees heran zu kommen. Weil man von der Straße aus den Kanal nicht sieht musste er raten und sich dann quer in die Büsche schlagen. Über ein bebautes Grundstück wollte er nicht laufen, er hat sich durch die Wildnis gekämpft. Ist zum Kanal gelangt, allerdings an eine Böschung. Hat dort versucht runter zu klettern, ging auch, allerdings waren die Manatees dort nicht anzufinden. Er also wieder rauf, das allerdings gestaltete sich in den Flip Flops eher schwierig. Er habe sich „fast auf die Fresse gelegt“ klagt er mir sein Leid – und überhaupt wäre das eine sehr struppige und rutschige Angelegenheit gewesen. Selber schuld, was rennt er auch den braven Tieren hinterher statt sie in Ruhe zu lassen!

Ich versuche zum X-ten Mal mein Buch zu Ende zu lesen, schließlich muss ich es gleich abgeben. Ich lese „quer“ um wenigstens die Auflösung des Kriminalfalles zu erfahren, das klappt dann auch. Pünktlich wieder auf die Socken gemacht und Männe samt Manatees allein gelassen.

Mit Marianne habe ich mich dann doch etwas verquatscht, aber sie hatte noch einen Termin und so haben wir uns gezwungenermaßen herzlich verabschiedet. Nächstes Jahr sind sie genau zu unserer Reisezeit in Deutschland, aber wir werden uns sicherlich noch begegnen, denn Cape Coral als Reiseziel bleibt noch ne Weile unser Favorit.

Zuhause angekommen erzählt mir Jürgen zunächst, er hätte die Manatees nicht mehr gesehen, aber das ist geschwindelt wie ich schnell heraus bekomme (er macht es halt gern etwas spannend!). Und er konnte die Tiere ausgiebig filmen, direkt vor seiner Nase. Ich habe das Videomaterial auf dem Minidisplay angeschaut – nun freue ich mich auf zuhause und eine vernünftige Bildschirmgröße!

Um kurz nach halb sechs kam Dagi wie verabredet und plötzlich hatte Jürgen auch Lust auf einen Strandspaziergang mit Sonnenuntergang. Wir sind also zu dritt los (Jürgen ist freiwillig auf die Rückbank geklettert, macht er aber gewiss nie wieder) und zum Estero gefahren (Jürgen fand, es hätte sich hier überhaupt nichts verändert – ich gebe einfach mal klein bei). Von dort wie gehabt über das Gelände des Holiday Inn zum Strand. Heute war Flut, und das befreite mich von der lästigen Pflicht sämtliche Muscheln zu retten und ins Wasser zu befördern. Dafür konnte man nicht ohne nasse Füße den Strand hoch laufen, es gibt aber Schleichwege durch’s Gestrüpp (die kenne ich noch von 2008).

Es war eine schöner Abschluss dieses Tages, sehr freundschaftlich und idyllisch am Strand. Die Sonne versank wieder knallorange über Sanibel und dann haben wir auf dem Heimweg auf Dagis Wunsch hin noch einen Abstecher zu Mc Doof gemacht. Dort bei Kaffee, Cola und Cinnamon Melts (boah wie lecker!) einen netten Ausklang und dann ab auf die Bahn nach CC.

Morgen kommt Dagi und macht die Übernahme vom Haus mit uns. Bis dahin habe ich aber noch viel zu tun.

Fange ich auch gleich mit an. Aus allen Schränken und Schubladen den Krempel zusammen suchen, da hat sich ganz schön was angesammelt und verteilt in der langen Zeit. Schließlich sind zwei Koffer fast voll, der dritte hat Zeit bis morgen. Der Flieger geht erst um kurz vor 16:00 Uhr – wir können noch bis eins im Haus bleiben.

Noch ein paar Chips als Mitternachtssnack (die müssen weg) und eine Serienfolge auf dem I-pad. Die letzte Nacht in Florida bricht an...
 

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Tag 28 - Rückreise

Der letzte Tag - heute reisen wir ab...

Mit diesem Gedanken werde ich mehrmals nachts wach und nach einem Blick auf die Uhr drehe ich mich rum und schlafe weiter. Um kurz nach sechs ist es noch recht dunkel, aber ein Blick aus dem Badfenster zeigt im Osten die sanfte Morgenröte. Ich stehe auf und beschließe mir den Sonnenaufgang vor der Haustür anzusehen. Dort stehen auch 2 Korbsessel mit Sitzkissen (unter denen manchmal ein Gecko sitzt, also erst mal nachsehen, bevor man sich einfach drauf setzt), dort kann man herrlich den Sonnenaufgang beobachten.

Ich setze mich und warte ab, während ich rate an welcher Stelle zwischen Häusern und Palmen am Horizont sie wohl aufgehen wird. Währenddessen hänge ich meinen Gedanken nach. Der Urlaub war so schön und der Gedanke an die Wiederkehr nächstes Jahr lässt es leichter werden Abschied zu nehmen, aber nur ein bisschen.

Die Sonne lugt plötzlich am Horizont durch die Palmen und ich verfolge sie bei ihrem Aufstieg. Dann reiße ich mich los und gehe wieder hinein. Das letzte Poolbad für dieses Jahr muss "zelebriert" werden, ich will es genau im Gedächtnis behalten, jeden Schritt und jede Berührung des kühlen Wassers. Also ganz langsam rein... - das wird mir mit am meisten fehlen, wenn ich wieder zuhause bin. Auf der Sitzstufe im Pool bleibe ich für einen Moment hocken und präge mir ein letztes Mal die Umgebung ein. Die innere Videocam läuft und scannt regelrecht ein paar kleine, wenn auch unscheinbare Details. Der Schlauch vom Spa zum Beispiel, da sitzt so gern unser Pool-Gecko drauf um sich zu sonnen. Meinen Lieblingsplatz zum lesen: der Liegestuhl am Geländer. Dort fällt auch als erstes das Sonnenlicht drauf, wenn die Sonne am Horizont empor steigt. Unser Pool-Spielzeug: ob es nächstes Jahr noch da sein wird? Sicher nicht, aber dann holen wir neues bei Publix. Der Tisch im Schatten unter dem Verandadach - hier habe ich viele Stunden am Laptop gesessen und meine Tagebuchberichte verfasst. Ich will nicht nach Hause! So nah am Wasser und sogar darin, ich bin sensibel - meine Tränchen kullern ins Poolwasser. Oh man, was bin ich eine alberne Heulsuse! Na und, warum soll ich meine Gefühle beherrschen, schadet ja niemandem.

Ich bleibe diesmal länger drin als sonst, so als könnte ich die Zeit anhalten. Aber die lässt sich nicht anhalten, und außerdem fröstelt mir.

Das warme Handtuch eng um den Leib und ran an den Laptop, das lenkt jetzt am besten ab. Vorher setze ich Kaffee auf - zum letzten Mal für dieses Jahr. Dann schreibe ich meinen Blogbericht von gestern und freue mich erneut über diese wunderschöne Begegnung mit den Manatees.

Die Zeit vergeht. Ich bin ja eine zwei-Finger-Tippse (Mittelfinger und Daumen rechts, ab und zu unterstützt von dem linken Ringfinger an der Hochstelltaste - ach - noch einer, der linke Zeigefinger tippt das A!) und da dauert das immer alles ein wenig.

Jürgen ist wach und gesellt sich zu mir. So sitzen wir auf der Terrasse und die Zeit verrinnt. Meine Entscheidung erst mal ein Cornflakes-Frühstück geht in Ordnung, wir können später immer noch in Ruhe frühstücken. Heute kommt uns ein Eichhörnchen besuchen, es klettert am Screen herunter. Ich erwische es noch gerade mit dem Fotoapparat.

Nach dem Bericht mache ich mich wieder ans Koffer packen. Dabei wird auch direkt mal aufgeräumt und ausgeräumt. Was bleibt hier, was wandert in den Müll, was muss mit nach hause. Hier bleiben auf jeden Fall ein paar Küchenutensilien und die beiden Klappsitze vom KSC (die verstaue ich in dem Regal in der Garage). Und mit Dagi (der Frau unseres Hausverwalters) habe ich schon besprochen, dass sie gern ein paar Lebensmittel verbraucht, die wir dann doch nicht mehr verköstigt haben (Reis, Nudeln, ein paar Dosen).

Ich ziehe die Bettwäsche ab und stecke sie in die Waschmaschine. Bräuchte ich nicht, mache ich aber gern, so hat hinterher das Reinemachkommando weniger Arbeit und ich bringe einfach alles damit zum runden Abschluss.

Damit vergeht die Zeit und nachdem nun alles verstaut und verpackt ist haben wir Zeit und Muße für ein letztes ausgiebiges Frühstück - mit ganz viel Bacon! Zuhause hört das sofort auf mit der kalorienreichen Schlemmerei, da wird es mal abgespeckt!

Gegen zwölf kommt Dagi zur Hausabnahme, das gestaltet sich aber ganz freundschaftlich und weniger amtlich. Während sie dann den Pflichten nachkommt (zum Beispiel Strom ablesen) verpiesele ich mich wieder in den Pool, da fallen meine Tränen (ja, ganz übelst, es geht schon wieder los) am wenigsten auf. Aber Jürgen merkt natürlich, dass ich im Heulsusen-Modus bin und versucht mich aufzumuntern. Das macht es aber nur noch schlimmer, am besten man ignoriert mich in so einem Moment. Und dann schlägt das letzte Minütchen, ich muss mich von Dagi verabschieden. Und die fängt auch fast an, Frauen sind ja oft sehr mitfühlend und lassen sich anstecken. Aber wir kriegen es dann gemeinsam in den Griff und vertagen alles weitere auf nächstes Jahr.

Als Dagi weg ist bleibt nicht mehr viel Zeit für die restlichen Handgriffe. Der nasse Bikini in eine Plastiktüte und auch in den Koffer. Der Kontrollgang zum Abschluss, der letzte Blick in viele Schubladen und Schränke. Alles weg, so als wären wir nie da gewesen...
Jürgen prüft derweil im Internet, ob unser Flug "on time" ist, das hat er schon den ganzen Morgen gemacht - unsere Maschine kommt ja zuerst aus Düsseldorf und wenn sie da gut wegkommt und hier gut landet (ohne Verspätung), dann ist ja alles vorerst im grünen Bereich. Maschine ist da, Flug ist on time. Also los...

Cabrio aus der Garage und das Gepäck verstaut - ist bei einem Cabrio schon ein spezielles Unterfangen, da der Kofferraum wenig Nutzfläche bietet, aber in dem Fall mache ich da gern Kompromisse.

Garage zu, Haus zu, Schlüssel in den Safe. Dort werden wir ihn in 11 Monaten wieder rausholen! Ein letzter Blick auf Haus und Garten - jetzt bloß nicht wieder sentimental werden!

Den Weg zum Flughafen habe ich mir auf der Karte angesehen, die Navi muss ja zu Hause bleiben (die kann jetzt jemand anderes ärgern!).

Das letzte Mal den Chiquita hoch bis zum Cape Coral Parkway, dann über die alte Brücke nach Ft. Myers. Wir müssen noch volltanken, das machen wir kurz vor dem Flughafen. An der Tanke kämpft gerade ein Deutscher mit den Tücken der Karten-Zapferei, tja, das will gelernt sein!

Bei Alamo geht alles ganz schnell und mit unserem Gepäck wollen wir nicht losstapfen, also holt Jürgen einen Kofferkuli. Alles drauf und ab zum Air Berlin Schalter. Da steht natürlich eine megalange Schlange, okay, dann eben abwechselnd Schlange stehen. Jürgen geht als erstes eine Runde spazieren und kommt zurück mit guten Nachrichten: die Maschine steht am Gate und wird beladen, also schon mal keine Reparatur mit Zeitverschiebung zu befürchten. Aber da bin ich erst von überzeugt, wenn das Ding abhebt...

Dann gehe ich spazieren und mache auch noch ein paar Bilder, auch draußen (es ist schon wieder echt heiß und schwül).

Die Schlange ist immer noch so lang und es zieht sich. Man glaubt es kaum, aber irgendwann sind wir dran, derweil ist eine geschlagene Stunde vergangen. Am Schalter dann die böse Überraschung: wir haben ein drittes Gepäckstück (eine zusätzliche Reisetasche). Schlägt dann auch gleich mit 40 Bucks zu buche. Und mein Regenschirm vom KSC soll auch noch mal 40 Dollar kosten, als sperriges Gepäckstück. Ich bin sauer, aber da hilft nix - der Schirm muss also hierbleiben. Jürgen bezahlt am Nebenschalter die 40 Dollar und ich schmolle, ich will meinen schönen Schirm nicht hergeben, zumal wir ihn ja nicht mal gebraucht haben (hatte ja aufgehört zu regnen, kaum dass wir ihn erstanden hatten). Aber da hilft kein jammern, er muss weg.

Es gibt in der Halle einen Infoschalter, da steht eine nette ältere Dame. Der schildere ich mein Schirmproblem und bitte sie, den Schirm doch zu behalten und bei Bedarf jemandem zu schenken. Alles auf englisch, bis sich ein älterer Herr dazu gesellt und die beiden plötzlich deutsch reden. Wir regen uns allesamt über diese unkooperative Airline auf, die für den Transport eines Schirmes 40 Bucks haben will und die Dame nimmt dann den Schirm und verstaut ihn im Counter. Und dann sagt sie, wir könnten ihn ja wieder abholen, wenn wir wieder kommen - da bin ich aber mal gespannt nächstes Jahr.

Die Zeit zum Boarding war knapp, also nur noch mal auf Klöchen und dann zur Kontrolle. Tierisch gefilzt worden aber alles in Ordnung. Am Gate war noch kein Boarding, also hingesetzt und mal schnell ins Internet. Dann noch ein paar Cheeseburger bei BK (für alle Fälle) geholt und wieder zurück. Keine fünf Minuten später ging dann das Boarding los - musste auch, schließlich wollte man knapp 20 Minuten später starten.

Im Flieger das übliche: Gepäck verstauen und seelisch auf neun Stunden Flugzeit einrichten - ich hasse das!

Wir sind dann tatsächlich um kurz nach 16:00 Uhr gestartet, man glaubt es kaum. Air Berlin mal pünktlich! Der Flieger war schon sehr betagt und einrichtungstechnisch etwas herunter gekommen. Die Klotüren fielen leider nicht von allein zu und so standen sie dauernd offen, kein appetitlicher Anblick wenn man genau schräg gegenüber sitzt. Aber das Klo wurde während des Fluges fleißig frequentiert und daher war es nie von langer Dauer.

Warum halten sich eigentlich die Leute so gern an der Lehne von Sitz 36 C fest, wenn sie das Klo ansteuern oder zurück auf den Platz gehen? Gut, der kleine Freiraum vor dem Notausgang (den wir ja als "Beinfreiheit" teuer erkauft haben) lädt "zum tanzen" ein (platzmäßig) und bietet keinen Halt, aber deshalb muss man sich doch nicht jedes Mal festehaltetechnisch an meine Lehne klammern (selbst bei ruhigem Flug), wie soll man denn da schlafen?
Aber zum schlafen kommt man so wie so nicht: erst werden Getränke gereicht, dann kommt das Abendessen (Hühnchen oder Pasta?), dann die zollfreien Waren (Sonnenbrille in lila gekauft, die wollte ich schon beim Hinflug haben, aber da war sie nicht vorrätig!), dann ist mal für knapp 2 Stunden Ruhe (und es wird auch dunkel im Flugzeug), dann der Weckruf zum Frühstück, ach, ich vergaß: zwischendurch die Wasserflasche. Und dann geht es auch schon an das Verlassen der Flughöhe und den Landeanflug. Immer wenn man mal fast eingedöst ist, war wieder Unruhe. Wenn es die Stewardessen nicht waren, dann quengelige Kinder (teilweise echt hysterische Schreieinlagen). Es ist wirklich eine Qual.

Wenn man dann landet ist wenigstens das endlich vorbei, aber man ist hundemüde und völlig gerädert.

Das Anstehen an der Passkontrolle, einsammeln der Koffer.

Raus - nix wie raus! Boah, so fühlen sich also 15 Grad an, hatte ich völlig verdrängt. Jürgen ist begeistert!

Wir ergattern eine Taxe und schon bei der Nennung des Fahrziels ist der Taxifahrer schwer angepisst! Können wir dafür, dass wir gleich um die Ecke vom Flughafen wohnen? Sollen wir vielleicht nach Wuppertal ziehen, damit sich die Tour für den Taxifahrer lohnt? Aber er gibt uns einen Tipp: für Kurzstreckenfahrten könnte man sich ein Taxi von der ersten Etage (dort kommen die Gäste für die Abreise an) ergattern, die haben dann wenigstens nicht stundenlang angestanden für 11,50 Euro. Ich gebe ihm 5 Eure Trinkgeld (was er jetzt selbst als etwas überhöht moniert, aber ich winke ab).

Vor der Tür alle Koffer raus und weg ist er. Und wir sind wieder daheim - wie wohl unsere Miezekatzen reagieren werden?
 

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Wieder daheim

Wir stehen mit unseren Koffern vor der Haustür und Jürgen kramt den Schlüssel raus. Es ist acht Uhr morgens, sonnig - aber kühl. Deutschland eben. Wir sind echt gespannt auf die Begrüßung unserer Haustiger.

Das ganze Gepäck in den Keller gewuchtet, jawohl, wir wohnen im Keller. Natürlich nicht wirklich, aber von vorne (also dem Eingangsbereich) geht es ein ganzes Stockwerk tiefer zu unserer Behausung. Nur ist das Haus an der Rückseite ein komplettes Stockwerk tiefer als vorn und wir haben einen kleinen Garten. So ca. 200 qm Wiese (Wildwuchs und Moos) und 80 qm Terrasse. Einen Wintergarten von ca. 16 qm, der grenzt direkt ans Wohnzimmer. Die Terrassentür vom Wohnzimmer hat eine Katzenklappe und normalerweise können die Katzen dort zu jeder Zeit raus und rein.

Da sie uns aber liebend gern kleine Geschenke mitbringen (auch noch lebend!) hatten wir ihnen für unseren Urlaub den Zugang verwehrt - sie mussten sich mit dem Wintergarten begnügen. Da stehen gemütliche Stühle (die ich mit dicken Handtüchern noch aufgepolstert habe) und auch das Futtersortiment steht dort zur Verfügung. Vom Wintergarten aus haben sie immer Zugang zum Garten und sind auch gern und viel unterwegs. An unser Grundstück schließt ein großes Gärtnereigelände an mit Treibhäusern und jede Menge optimale Schlupfwinkel und Jagdreviere. Bei den Mitarbeitern dieser Gärtnerei sind die Miezen sehr beliebt (werden auch noch mit Leckerlis verwöhnt), weil sie das Gelände Mäuse- und Karnickelfrei halten. So weit so gut.

Während unserer Abwesenheit haben sich zwei Freundinnen im Wechsel um die Versorgung gekümmert. Nun ist aber unsere rote Tigerkatze Kim eher zurückhaltend und scheu (nur bei Fremden, nicht bei uns) und das kleine schwarze Rabenaas Shamsy biedert sich geradezu jedem an und lässt sich gern verwöhnen.

Wir kommen also nun zuhause an, zunächst im Flur. Alle Koffer rein und ab zum Wohnzimmer. Beide Katzen liegen draußen auf den Gartenstühlen und schauen uns an.

Jürgen und ich raus und Kim stürzt von ihrem Stuhl und begrüßt uns maunzend und total schmusig. Shamsy rührt sich nicht, schaut nur auf. Und der Blick spricht Bände: "Ach nee, die gnädigen Herrschaften lassen sich auch mal wieder blicken. Glaubt ja nicht, dass mich das auch nur im geringsten interessiert - ich bin noch schwer sauer über euer unverzeihliches Verhalten."
Ich schwöre, genau das hat ihr Blick gesagt und gemuckst hat sie sich auch nicht. Aber ich habe sie einfach vom Stuhl gehoben und begrüßt. Und dann hat sie klein beigegeben. Aber noch zögerlich.
Als wir dann wieder rein gehen werden wir von Kim abwechselnd beschmust und überhaupt nicht mehr aus den Augen gelassen. Sie streicht uns pausenlos um die Beine und drückt ihr Köpfchen an alles, was sie erhaschen kann. Für Shamsy gibt es ein Bestechungsgeschenk: ein leckeres Futterstängchen, die liebt sie über alles. Und so langsam wird sie gnädiger.

Nachdem nun die Katzen ausgiebigst gekuschelt worden sind fange ich direkt mit dem Auspacken an, Jürgen wirft sich hinter den PC. Da ich kurz vor unserer Abreise noch gewaschen habe gibt es sehr wenig schmutzige Wäsche, ich packe also fast ausschließlich saubere Stapel in die Schränke. Der dritte Koffer ist angefüllt mit diversen "Mitbringseln", was genau verrate ich nicht, denn die Beschenkten lesen hier mit und es soll doch eine Überraschung sein. Meine persönlichen (albernen) Mitbringsel wie die Barbiepuppe, mein Plüschkamel und das Plüschmanatee, sowie die diversen Kleinigkeiten wie M+Ms, Mousepads, Kühlschrankmagnete und anderer Quatsch werden lustig im Wohnzimmer verteilt. Übrigens ist dieser Koffer wohl vom Zoll geöffnet worden (in USA), denn es liegt so ein Inspektionszettel drin. Fehlen tut aber nix. Der Beamte hat sich sicherlich über diesen Inhalt gewundert, lauter Kinderkram!

In der Wohnung gibt es derweil überall Sachenhaufen und es wird langsam unübersichtlich. Jürgen interessiert sich wenig dafür, er kümmert sich um die PCs. Synchronisiert die Outlook Ordner und überspielt die Daten von a nach b.

Plötzlich überkommt mich ein echter Müdigkeitsanfall - ich möchte nur noch schlafen. Aber sich um 11 Uhr vormittags ins Bett legen - ist das sinnvoll? Ist mir wurscht, ich kann nicht mehr. Hab alle Post geöffnet und die Mails gecheckt, alles ausgepackt (und verteilt), dazwischen unermüdlich die Katzen gestreichelt, die uns dauernd zwischen den Füßen rumwuseln - ich will nur noch schlafen. Alles andere muss jetzt warten...

Die Katzen dürfen ausnahmsweise mit ins Schlafzimmer und innerhalb von Minuten habe ich eine unter der Bettdecke links angekuschelt und die andere auf der Brust und mit der Rechten wird gekrault. Jürgen wird nicht so belagert, sind halt Mamakatzen. Ich schlafe ein...

Gegen drei nachmittags werde ich wach und fühle mich besser. Die Katzen haben sich aufgeteilt, eine bei mir und eine bei Jürgen. Er wird auch wach und wir beschließen wieder aufzustehen - die Sonne scheint und unser Garten ist zugewildert, da müsste man wirklich umgehend ran.

Warum nicht, mit Gartenarbeit kann man ja schön in die Alltagspflichten einsteigen. Ich greife mir ein Messer und mache mich über die frechen Unkrautgewächse zwischen den Terrassensteinplatten her, Jürgen schnappt sich den Rasentrimmer und legt schon mal unseren kleinen Goldfischteich wieder frei. Und dann den Bewuchs an der Steinkante zum Beet.

Dann holt er den Laubpuster/Sauger und saugt die Terrasse sauber. Ich mähe Rasen, bzw. Wiese, bzw. das was von dieser Wiese nach so wenig Regen noch übrig ist. Dieser Aktion fallen leider auch die netten Gänseblümchen zum Opfer, aber die sind in 2 Tagen wieder da. Meine Tulpen habe ich jetzt auch nicht blühen gesehen, vielleicht nächstes Jahr? Und die ersten Röschen sind schon auf - es ist hier definitiv wohl auch sehr schön warm gewesen in den letzten 4 Wochen.

Nach der Gartenaktion bin ich schon wieder ziemlich erschöpft, aber dann gibt es ein kurzes Problem mit einer Kollegin im Tanzstudio, bzw. einem abhanden gekommenen Schlüssel. Das lässt sich aber Gott sei Dank klären und regeln.

Ich beschließe doch noch zum Yoga zu gehen (mittwochs immer bei einem Amerikaner, auch in englisch) ich möchte doch nach 4 Wochen Faulenzerei schleunigst wieder in den Aktivmodus kommen. Die 4 Yogastunden in Cape Coral waren eher harmlos, hier im Yogastudio um die Ecke wird sehr schweißtreibend geübt. Also schiebe ich los. Meinen Spark (auch von Chevrolet, wenigstens etwas) aus der Garage und das erst Mal volle Elle das Getriebe begrüßt - klar, ist ein Schaltwagen und wenn man beim Starten den Gang drin hat und nicht die Kupplung tritt - Kupplung - ach ja, da war doch was! Wo ist der Rückwärtsgang? Boah ist der Wagen übersichtlich...

Auf der Straße ist es dann schnell wieder ein normales Fahrgefühl, aber der Sebring ist schon ein feines Auto.

Yoga ist schön, aber echt anstrengend. Auf dem Rückweg noch mal das Getriebe interviewt, jetzt muss es aber auch gut sein.

Einkaufen ging ja nicht heute, der Kühlschrank ist noch urlaubsleer, also wird die Frittenbude überfallen. Abnehmen werde ich dann ab morgen. Mit meiner Beute nach hause, Jürgen ist faul (hier stand gerade "voll" statt faul - auch schön) und gammelt mit der Katzenbrut im Schlafzimmer ab. Na gut, dann werden eben die Grillhähnchen brüderlich mit den Miezen geteilt. Die weichen uns immer noch nicht von der Pelle und Jürgen erzählt, dass Shamsy bitterlich an der Tür gemaunzt hat, als ich zum Yoga gefahren bin. Nun bin ich ja wieder da und wir bleiben ja jetzt auch. Dass die Katzenklappe wieder funktioniert wird auch mit Unglauben zur Kenntnis genommen und mehrmals ausprobiert. Mir tut das ja echt leid, aber die beiden mit in die USA zu nehmen macht doch auch keinen Sinn! Jetzt sind wir ja für's erste wieder daheim.

Nach dem Hähnchen bin ich schlagartig schon wieder hundemüde, Zähne putzen und ab in die Falle - mit überall schnurrenden und pfotentretenden Katzen.
 

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Glückwunsch, du hast es tatsächlich bis hierhin geschafft - scheinbar hast du zu viel freie Zeit :ROFLMAO:

Schade dass ich im Anfang nicht gerafft habe dass es reicht NUR die Bilder hochzuladen und sie nicht extra einzubinden. Nun gut, kann man nix machen. Ab der Hälfte sieht es dann eben anders und besser aus.

Ich hoffe du hattest trotzdem Spaß bei der Lektüre.
 

Etimommi

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Hallo Jürgen,

vielen Dank für euren kurzweiligen Reisebericht. Wenn es auch etwas länger zurückliegt. Einige Male musste ich wirklich schmunzeln. Seid ihr im Folgejahr dann wieder geflogen? Gibt es dazu auch einen RB?
 

NewHorizons

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Danke fürs Lob - ich werde das so weitergeben.
Ja, wir haben noch von den USA aus direkt für 2012 gebucht. Gleiches Haus, wieder 4 Wochen. Das war allerdings weitaus weniger spektakulär. Da dieser Bericht wirklich jeden Tag viel Zeit gekostet hat haben wir darauf verzichtet. Es gibt auch kaum Fotos davon. Und die Fotos, die ich gemacht habe, waren alles 3D Fotos. Die habe ich dann als halbstündiges Video verwurstet und auf Bluray gebannt. Meine Videos haben immer alle verschiedene copyright geschützte Tracks als Musikuntermalung. Von daher kann ich sie nicht veröffentlichen.
Ich finde es auch nicht sehr sinnvoll jedes Jahr die gleichen Fotos aufzunehmen. Es ändert sich ja leider kaum was innerhalb eines Jahres
Richtig interessant wird es nur wenn viele besonderen Ereignisse stattfinden - dann lohnt es sich auch Fotos zu machen.
Alleine 2008 sind in 3 Wochen 8000 Fotos entstanden wobei 2000 auf die Flugshow im KSC entfallen, oder wenn "The Guess Who" ein Konzert im Rocket Garden abliefern, über 2000 Biker in Reihe durch Ft. Myers cruisen, man genau zum Sandsculpting Festival vor Ort ist oder zusehen kann wie ein Space Shuttle ins VAB zurückgerollt wird. Leider hat man dieses Glück nur selten derart viel in 3 Wochen zu sehen.
Ich bin auch kein guter Schreiber - von daher kann ich mit keinem Reisebericht dienen, so gerne mir das leid tut :)
 

NewHorizons

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War gerade auf der entsprechenden Seite. Das Haus wurde scheinbar verkauft und steht somit nicht mehr zur Verfügung. Schade eigentlich... war ein tolles Haus.
Da es nur noch das Hinweisbild gibt kann ich den Link ja hier posten ohne mich der Schleichwerbung schuldig zu machen.
Es war: www.mein-haus-in-florida.de
 

Etimommi

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Schade, danke trotzdem. Wir waren bisher 8mal drüben, immer in anderen Häusern. Einige davon sind ebenfalls nicht mehr auf dem Markt. Wir schauen uns aktuell nach einer Unterkunft für den nächsten Urlaub um und das ist gar nicht so leicht.
 

gumpi67

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Herrlich, bei eurer Reise konnte man den Urlaub richtig "fühlen". :love:

Und dann gab es die eine oder andere Situation, die wir so oder so ähnlich auch bei einem unserer Urlaube erlebt haben:

- das plötzliche Streiken vom Navi, wobei es bei uns nicht am Zigarettenanzünder lag, sondern an dem Teil, das man dort einsteckt. Der Stecker hat damals beschlossen, sich einfach so in seine Einzelteile aufzulösen und keinen Strom mehr durchzulassen (zum Glück hatte ich die "here"-App samt Karten als Backup auf dem Handy)
- die Vorfreude auf den Shuttlestart im Jahr 2009, der dann doch nicht stattfand, wobei bei uns der Start erst 9 Minuten vor Takeoff wegen eines nahenden Gewitters abgebrochen wurde.
- vom KSC haben wir hier zwei klappbare Campingstühle stehen, wir konnten sie 2009 noch in Plastiksäcken gut verpackt und verschnürt und vor allem gratis als 2. Gepäckstück (statt eines Koffers) mit nach Hause nehmen
- Jungle Erv's ist bei uns ein Fixpunkt, wenn wir einen Ausflug in die Everglades machen, bei der kleinen Sandbank, die in deinem Bericht beschrieben ist, durften wir einmal sogar aussteigen und standen so etwa 3 Meter von einem riesigen Alligator entfernt...
- Manatees haben wir einmal am Barefoot-Beach live gesehen, ein anderes Mal waren es Delphine.
- ein Stopp und das obligatorische Foto beim Postamt auf der 41 - so oft kann ich gar nicht nach Florida kommen, wenn wir dort vorbeifahren, müssen wir auch für ein paar Fotos stehenbleiben, und das ohne Widerrede!
- und außerdem finde ich es toll, dass es Leute gibt, die noch fotoverrückter sind als ich. Ich werde schon immer belächelt, wenn ich in 3 Wochen so ca. 2000-4000 Fotos mache (je nachdem, ob wir irgendwo zum ersten Mal sind, oder ob wir schon einmal da waren).
 
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