Ein Traum wird wahr – Neuseeland 26.02. - 26.03.2020

Biggila

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Schön, dass ihr euren Urlaub bis dahin noch ohne Einschränkungen gestalten konntet, zu diesem Zeitpunkt waren auf Maui schon alle Touren gestrichen und alles Sehenswerte und auch State Parks geschlossen. Zum Glück war unsere Condo am Strand und somit war baden bis zuletzt möglich.

lG Biggi
 

Floridaperle

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  • #82
Schön, dass ihr euren Urlaub bis dahin noch ohne Einschränkungen gestalten konntet, zu diesem Zeitpunkt waren auf Maui schon alle Touren gestrichen und alles Sehenswerte und auch State Parks geschlossen. Zum Glück war unsere Condo am Strand und somit war baden bis zuletzt möglich.

lG Biggi
Es war wirklich so, wir hatten keinerlei Einschränkungen an diesen Tagen, an denen in Europa und anderswo in der Welt die Corona-Erkrankungen täglich zunahmen.
In den Unterkünften wurde abgefragt, ab wann man im Land war und vielleicht mal ein Blick in den Reisepass geworfen, aber das war es.

Seitens des Gesundheitsministeriums gab es tägliche Pressemitteilungen, die auch sehr akribisch jeden neuen Fall auflisteten. Hier kann man das mal ansehen:
https://www.health.govt.nz/news-media/news-items/covid-19-media-update-22-march
https://www.health.govt.nz/news-media/media-releases/covid-19-update-22-march-2020

Das hat mich schon beeindruckt, wie genau da zu jedem Fall recherchiert wurde.
 
22.03. - im Land der Kauri-Bäume

Floridaperle

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  • #83
22.03. - im Land der Kauri-Bäume

An diesem Tag verlassen wir die Pazifik-Küste und wechseln an die Tasman Sea, eine Fahrtroute von ca. 90 Kilometern. Und schon ist man auf der anderen Seite des Landes.
Die Fahrt zur Nordspitze Neuseelands, Cape Reinga, müssen wir aus zeitlichen Gründen auslassen. Noch ein Grund um Neuseeland noch einmal zu besuchen.

Unser erstes Ziel ist ein Ort am Rand des Hokianga Harbour, ein Naturhafen, der sich 30 km ins Land zieht. An der ganzen Bucht siedelten ab 1822 europäische Einwanderer. Im Ort Rawene gibt es nicht viel zu sehen. Aber wie immer ist die Landschaft selbst sehenswert.

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Das üppig wachsende Pampasgras fasziniert immer wieder.

Bei Omapere öffnet sich das Gewässer auf bald 3 km Breite. Gegenüber beginnen die Dünen, die sich als Ninety Mile Beach bis zur Nordspitze ziehen.

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nochmal ein Blick zurück ins Landesinnere

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die Einfahrt in die Bucht

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Wir fahren zum Scenic Point an der Landspitze hoch über dem Meer.

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hier weht der Wind wohl beständig aus Westen

Längs der Küste fahren wir zu unserem nächsten Ziel, dem Tãne Mahuta Walk. Die Straße schlängelt sich durch eine waldige Landschaft. Direkt an der Straße gibt es einen kleinen Parkplatz und wir passieren als erstes diese Station, die Bilder sind allerdings beim Verlassen der Desinfektions-Station entstanden:

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Und da ist er, der älteste Kauri-Baum Neuseelands:

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Insgesamt 51,2 Meter hoch, Stammumfang 13,77 Meter.
Ein sehr imposanter Baum, der 2000 Jahre alt sein soll. Er ist der größte bekannte noch lebende Kauri-Baum Neuseelands.

"According to Maori mythology Tāne is the son of Ranginui the sky father and Papatuanuku the earth mother. Tāne was the child that tore his parents' parental embrace and once done set about clothing his mother in the forest we have here today. All living creatures of the forest are regarded as Tāne's children."

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Unser Tagesziel ist Dargaville, eine Kleinstadt mitten im Nichts. Wir besuchen noch den nahen Ort Baylys Beach mit dem gleichnamigen Strand. Dieser lässt erahnen, wie es am Ninty Mile Beach aussieht. Diese breiten Strände ziehen sich von der Nordspitze bis hinunter nach Auckland an der Küste entlang.

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23.03. - auf dem Weg nach Auckland

Floridaperle

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23.03. - auf dem Weg nach Auckland

Wir folgen den State Highway 12 auf seiner weiteren Strecke, er wird auch "Twin Coast Discovery Highway" genannt. es regnet leicht vor sich hin und wir sind bald an unserem ersten Ziel Matakohe.

Im "The Kauri Museum" sind wir die ersten Gäste. Den Rundgang sollen wir im letzten Raum beginnen, in dem eine Original-Sägemühle mit der die Kauri-Stämme zersägt wurden, aufgebaut ist. Wir lernen viel über die Geschichte rund um die Verarbeitung der Stämme, die Geschichten der Menschen rund um das Geschäft mit dem Baum.

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Es gibt Räume mit Möbeln und anderen Gebrauchsgegenständen aus Kauriholz, den "Kauri Gum Room", in dem das begehrte Roh-Harz und die vielen Gegenstände, die Juweliere und Schnitzer aus dem Harz geschaffen haben, gezeigt werden. Das Harz ähnelt im Aussehen Bernstein, ist aber nicht so alt wie dieser.

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Im Nieselregen fahren wir weiter und müssen ein Stück auf der N1, das wir schon nach Norden gefahren sind nun gen Süden fahren. Es muss eine sehr große Bucht, Kaipara Harbour, umfahren werden. Diese Bucht ist der größte Naturhafen der südlichen Halbkugel.
Hinter Wellsford zweigt der "Twin Coast Discovery Highway" wieder als Highway 16 ab und wir können zu unserem nächsten Ziel fahren. es ist immer noch sehr bedeckt und nieselt so vor sich hin. Unterwegs sehe ich plötzlich ein riesiges Gebilde auf einem Hügel. Mir fällt auch ein, dass ich darüber bei der Vorbereitung der Reise gelesen habe. Die "Gibbs Farm" ist eine private Farm, die Künstlern die Möglichkeit gibt Skulpturen zu erschaffen, die in die Natur integriert werden.

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Rechts auf dem Hügel "Jacob's Ladder" von Gerry Judah (GB), die anderen Kunstwerke habe ich mal gezoomt

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88,5° ARC x 8 von Bernar Venet (F)

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Leider ist diese Skulptur auf der Homepage nicht erläutert. Sie scheint neu zu sein und die Homepage ist nicht aktualisiert.
Erstaunlich finde ich die Giraffe im Hintergrund. Es gibt wohl lebende Giraffen auf der Farm, aber auch eine Skulptur mit dem Namen
"The Giraffe" - die im Hintergrund sieht allerdings sehr lebendig aus

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Dismemberment, Site 1 von Anish Kapoor, dieser hat auch das Cloud Gate in Chicago erschaffen!

Einen Zugang zu diesem Privatgelände finden wir nicht. Die Kurverei um die riesige Bucht hat auch viel Zeit gekostet und wir haben noch ein besonderes Highlight für den Tag geplant.

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Hier ein Bild von der Bucht. Man erkennt gut die hügelige Landschaft, durch die wir tagelang durch Neuseeland gekurvt sind.

Bei der Vorbereitung der Reise habe ich gelesen, dass es in der Nähe von Auckland ein Brutgebiet der Australischen Tölpel gibt. Da möchte ich unbedingt hin. Also lotse ich meinem Mann über kleine Straßen zum Muriwai Lookout.

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Zum Glück regnet es nicht mehr und wir laufen den Weg zur Klippe auf der die Tölpel brüten. Es ist spät in der Brutzeit, entsprechend wenig Brutpaare sind noch mit ihren Jungvögeln vor Ort. Aber es lohnte sich trotzdem, diesen Umweg zu fahren. Diese Vögel sind wirklich etwas besonderes und man kommt ihnen sehr nahe.

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Zur Hauptbrutzeit sind diese Felsen richtig voll

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Die mit dem schwarz-weißen Gefieder sind Jungvögel. Hier sieht man auch gut die Größe der Tölpel im Vergleich zu einer Möwe, die auch zur größeren Sorte gehörte.

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Diese Augen sind fantastisch

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Die Flügelspanne beträgt 170-200 cm, unfassbar. Es ist ein Erlebnis ihnen beim Fliegen zuzusehen.
Nur die Landung ist immer sehr holperig.

Es fällt uns schwer diesen Ort zu verlassen, aber unser Tagesziel Auckland müssen wir noch erreichen. Unterwegs wollen wir noch ein paar Lebensmittel für die letzten 2 Tage besorgen. Wir sind sehr überrascht, dass sich an der Zufahrt zum Supermarkt-Parkplatz lange Schlangen bilden und vor dem Laden eine Schlange gebildet hat. Das Schild an der Tür sagte einiges.

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Wir hatten in den letzten beiden Tagen keine Nachrichten verfolgt und wurden völlig überrascht. Da wir nicht in das völlige Chaos kommen wollten und der Berufsverkehr begann, verzichteten wir auf einen Einkauf und beschlossen erst mal ins Hotel zu fahren. Die N 16 wurde bald zur mehrspurigen Autobahn und wir kamen schnell voran. Rund um unser Hotel waren etliche Baustellen, wir fanden jedoch den Weg und konnten einchecken. Direkt in unserer Straße der Sky Tower.

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Im Zimmer schalteten wir erst mal den Fernseher ein um uns zu informieren. An diesem 23.03. hat die neuseeländische Regierung die Stufe 3
des am 21.03. beschlossenen vierstufigen nationalen Covid 19-Notfallplans ausgerufen und angekündigt, dass ab dem 26.03., 0.00 Uhr, Stufe 4 gilt.

Die Auswirkungen der Stufe 3 erlebten wir dann auf dem Weg im Viertel ums Hotel. Lebensmittel einzukaufen war nur noch nach langem Schlange stehen möglich und das von uns heraus gesuchte Restaurant öffnete nicht. Die Chefin, die uns wohl ratlos vor der Tür stehen sah, erklärte unter Tränen, dass sie sofort schließen mussten. Das erste Mal seit 1963 würden sie nicht öffnen! Die Take Aways waren zum Glück noch geöffnet und so haben wir schnell in einem kleinen Kiosk, ohne Wartezeit, Getränke und Toastbrot besorgt und uns beim chinesischen Imbiss Boxen to go mitgenommen.

Ein Blick im Internet auf die Abflugtafel des Flughafens Aucklands zeigte uns auch, warum unser Flug über Hongkong nicht möglich war. Die Verbindungen nach Asien waren weitestgehend unterbrochen. Ein Anruf bei der Lufthansa-Hotline brachte keine Erkenntnisse. Sie waren der Meinung, dass der Flug über Bangkok am 26.03. planmäßig erfolgt. Wir müssten uns keine Sorgen machen.

So gingen wir zu Bett und hofften auf einen schönen letzten Tag in Auckland.
 
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angostura

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Hallo,

tolle Reise und super,dass es ohne Einschränkungen ging. Wir waren ziemlich genau ein Jahr vorher (5.2-19.3.19) mit unseren Kinder in Neuseeland und hatten durchgängig richtig Sommer,teilweise über 30 Grad. Nur an der Westküste der Südinsel war es schlechter. Direkt nach dem Besuch der Gletscher waren die Überschwemmungen der Straßen.

Danke für den Bericht in dieser Zeit

Angostura
 
24.03. - Auckland

Floridaperle

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24.03. - Auckland

Am Morgen werden wir von Regen begrüßt, passt ja zur Abschiedsstimmung. Dieses Land ist schon etwas besonderes.

So nutzen wir den Morgen erst mal, um uns weiter mit unserem Rückflug zu beschäftigen. Ein blick auf die Homepage von Thai Airways und auch auf die Online-Abflugtafel des Flughafens zeigt nichts gutes. Thai Airways hat den Flugbetrieb nach Neuseeland eingestellt.
Uns ist klar, der Rückflug über Bangkok klappt nicht. Leider sieht das die Lufthansa-Hotline anders, nach wie vor sind sie der Meinung der Flug am 26.03. findet statt.

Wir entscheiden, das wir auf jeden Fall am nächsten Tag im Hotel auschecken und zum Flughafen fahren und dort das Auto abgeben. Bis dahin war es gebucht, da wollen wir auch nichts dran ändern. Für die Nacht vom 25.03. auf den 26.03. haben wir bereits ein Zimmer im Novotel-Hotel direkt am Terminal gebucht.

Also beschließen wir den Tag zu nutzen, um uns wenigstens einen kleinen Teil von Auckland anzusehen. Da in der Stufe 3 bereits sämtliche Sehenswürdigkeiten, Museen und Geschäfte geschlossen sind, bleibt uns nur ein Spaziergang durch die Innenstadt.

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Ein Blick auf unser Hotel, das Ramada Suites.

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Auckland Town Hall

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Civic Theatre und der allgegenwärtige Sky Tower

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Blick zurück zur Town Hall

Im noch offenen Mc Donalds nehmen wir uns einen Mittagssnack mit und verbringen einige Zeit im Zimmer. Nachmittags klart es auf und wir machen noch einen Spaziergang zum Hafen.

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Downtown Ferry Buildung
Es war wirklich so, überall in der Innenstadt waren Baustellen und manchmal war es als Fußgänger kaum möglich weiter zu kommen.

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Die Silver Muse der Reederei Silver Seas, nach meiner Recherche am 16.03. planmäßig in Auckland angekommen. Die Passagiere durften noch aussteigen und ihre Heimreise antreten.

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Blick vom Hafen Richtung Sky Tower

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Neu und Alt , Blick von der Quay Street stadteinwärts

Das war nur ein kleiner Einblick in die Stadt, leider war mehr nicht möglich. Das interessanteste waren die vielen Bewohner der Stadt, die mit ihrem kompletten Büroequipment durch die Straßen eilten. PC unter Arm, Schreibtischstuhl vor sich her schiebend suchten sie einen Weg um alles nach Hause zu bekommen. Sie folgten dem Aufruf "Kiwis - geht nach Hause ... Im Zweifelsfall gehen Sie nicht raus" der Ministerpräsidentin Ardern.

In einem Take Away besorgten wir uns ein Abendessen und nutzten den Abend, um uns weiter zu informieren, sprachen mit unseren Töchtern um sie über unsere Lage zu informieren und packten unsere Koffer für den Rückflug.
 
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25.03. - Flughafen Auckland

Floridaperle

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25.03. - Flughafen Auckland

Am nächsten Morgen frühstücken wir, packen den Rest und checken aus dem Hotel aus. Wir wollen noch auf einen der vielen erloschenen Vulkane, um einen Blick auf die Stadt zu fotografieren, aber unterwegs entscheiden wir uns dagegen. Wir sind doch sehr unruhig im Hinblick auf das, was uns am Flughafen erwartet und so entscheiden wir direkt durch zu fahren.

Auf dem Europcar-Return-Parkplatz finden wir nach einiger Suche noch eine freie Lücke. das Häuschen auf dem Parkplatz ist geschlossen, keine Infos zur Hinterlegung des Schlüssels. Geht ja gut los...

Am Eingang zum terminal gibt es Pass- und Ticketkontrollen. Es wird nur eingelassen, wer ein gültiges für den Tag vorweist. Irgendwie müssen wir aber rein, wir hoffen auf die Rückgabe des Schlüssels am Europcar-Schalter im Terminal. Wir zeigen unsere Buchungsbestätigung der Lufthansa vor, die ja auf den 25.03. ausgestellt ist, und sind im Terminal. Puh, erster Schritt geschafft.

Europcar hat auch hier geschlossen. Wir werfen den Schlüssel in den Key Return, dokumentiert mit einem Foto. Bis heute haben wir keine Endabrechnung von Europcar erhalten.

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Unser nächster Blick gilt der Abflugtafel. Weitere Möglichkeiten in Rahmen der Star Alliance (zB San Francisco) und auch unser Thai Flug
um 14.50 Uhr sind gecancelt.

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Unser nächstes Ziel ist der Schalter von Air New Zealand, weder Thai Airways noch die Lufthansa sind hier vertreten. Wir erhalten die Auskunft, dass es für uns keine Chance der Heimreise gibt. Ein Rückflug über Kanada und die USA ist nicht möglich, die Länder erlauben den Transit nicht. Richtung Asien gibt es auch keine freien Flüge mehr. Wir bekommen ein Formular mit Infos zum schon angelaufenen Rückholprogramm der Bundesregierung mit der Bitte uns dort zu registrieren.

Das haben wir letztendlich schon geahnt und beschließen im Novotel Hotel einzuchecken. Dort herrscht Chaos in der Lobby, aber wir bekommen nach einiger Wartezeit ein Zimmer.

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Ein Glaskasten gleich neben dem Terminal mit Ausblick auf Parkplätze und den Flughafen.

Kurz nachdem wir im Zimmer sind klopft es und wir erhalten Informationen zum Verhalten im Hotel, in dem wir uns nur im Zimmer aufhalten dürfen. Das Frühstück sollen wir vorbestellen und werden es aufs Zimmer geliefert bekommen. Wir dürfen das Hotel verlassen, um Spazieren zu gehen.

Wir nehmen nochmal mit der Lufthansa-Hotline Verbindung auf und verweisen auf den gestrichenen Thai Flug. Aber wieder erhalten wir die Information, dass der Flug statt findet. Sie stehen so im System, also ist alles okay. Da mangelte es sehr an der Weitergabe unter den Fluggesellschaften innerhalb der Star Alliance.

Wir machen uns auf den Weg zum nächsten Supermarktn den wir auf Google Maps finden. Der Weg führt uns vorbei an den vielen Parkplätzen und der Zufahrtsstraße zum Flughafen. Nur Teer und Beton...und alles zugepackt mit weißen und slibernen Autos. Anscheinend alles zurück gegebene Mietwagen. Am Supermarkt stehen wir einige Zeit an und nur eine Person von uns darf in den Laden. Ich übernehme das und kaufe einige Getränke, Sandwiches und die chinesische Variante der "Heißen Tasse".

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Für meinen Mann habe ich ein deutsches Bier im Laden gefunden.

Am Abend verfolgen wir die Nachrichten und Berichte zum Lockdown, schauen uns die Homepage der deutschen Botschaft in Wellington an und lesen alles, was wir zum Thema "Rückholung" finden können. Da wir für den nächsten Tag keine Chance sehen, nach Hause zu kommen, buchen wir online eine weitere Nacht im Novotel.

Das war unser offizieller letzter Urlaubstag! Wir sind sehr gespannt, was uns am nächsten Tag erwartet.
 

Reisezottel

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Oh je, da läuft es einem ja kalt den Rücken runter - so kalt wie Ihr damit erwischt worden seid. Bin gespannt wie es weiter geht und ob Euch die Erholung vom Urlaub noch erhalten geblieben ist
 

Floridaperle

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  • #89
Was uns noch passiert ist wie wir letztendlich wieder zu Hause angekommen sind, berichte ich euch morgen.
 
26.03. - Flughafen Auckland

Floridaperle

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26.03. - Flughafen Auckland

Mehrfach schauen wir vor unsere Zimmertür, das Frühstück lässt auf sich warten. Irgendwann kommt es, nicht unbedingt das bestellte, aber nun gut...
Anschließend fragen wir an der Rezeption, ob wir in unserem Zimmer bleiben dürfen, wir hätten eine neue Reservierung für die nächste Nacht. Das wurde nicht erlaubt, wir müssten komplett mit Gepäck auschecken. Und dann zur CheckIn-Zeit wieder kommen.

Also packen wir alles, checken aus und gehen wieder hinüber zum Terminal. Wieder werden wir mit unserer Buchungsbestätigung eingelassen. Wir vergewissern uns nochmal an der Abflugtafel, dass der Thai Airways Flug, auf den wir gebucht sind, gecancelt ist. Im Terminal sind nun auch sämtliche Imbiss-Möglichkeiten geschlossen, Stufe 4 läuft. Im einzig noch offenen Geschäft besorgen wir uns nochmal Sandwiches o.ä., ich erinnere mich nicht mehr genau.

Ich rufe nochmals die Lufthansa-Hotline an. Noch immer glauben sie mir nicht und verweisen auf ihr System, welches immer noch die Thai Airways Verbindung anzeigt. Während ich telefoniere erhält mein Mann eine Mail von Novotel. Sie wären von der Regierung angewiesen worden keine Gäste mehr anzunehmen und daher streichen sie unsere Buchung für die nächste Nacht. Da waren wir natürlich geschockt, und nun? Wir entscheiden uns, so nah wie möglich am Flughafen zu bleiben und schauen nach freien Zimmern, die nicht zu teuer sind. Beim Kiwi Hotel werden wir fündig, 4 km entfernt und noch was frei. Also gebucht und dann nach einem Taxi Ausschau gehalten.

Wenig später checken wir im Kiwi Hotel ein. Ein ziemlich abgerocktes Zimmer erwartet uns, aber was soll es. Frühstück und Abendessen, welche normal angeboten wird, sind gestrichen. Wir müssen selbst sehen, wie wir uns versorgen. Für den ersten Abend und Morgen sind wir noch versorgt.

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Ich greife auf die hier im Forum weiter kursierende Lufthansa-Nummer in Frankfurt zurück und rufe dort an. Auch die dortige Mitarbeiterin sieht unsere Thai Airways Buchung, sie ist nicht annulliert. Immerhin stimmt sie mir zu, dass es diese Verbindung nicht geben kann, da ich sie mitten in der Nacht erwische und die neuseeländische Ortszeit bereits nach dem vorgesehenen Start ist.
Die Frau gibt sich viel Mühe und sucht ihr System nach möglichen Verbindungen durch. Glücklich präsentiert sie mir dann eine Verbindung mit
Air New Zealand nach Tokio mit Weiterflug mit der ANA nach Frankfurt, sogar in unserer gebuchten Business Class. Allerdings erst am Samstag mit Ankunft am Sonntag in Deutschland. Wir stimmen zu und beenden das Gespräch.
Kurze Zeit später erhalten wir per Mail die Umbuchung mit den Daten. Doch was ist das? Air New Zealand landet auf dem Flughafen Tokio-Narita und der Weiterflug ist vom Flughafen Tokio-Hanada. Ein Transfer zwischen den Flughäfen ist nicht enthalten. Unsere Recherche ergibt, dass zwischen den Flughäfen die gesamte Stadt liegt und es den Fluggästen auferlegt ist, sich selbst um ihren Transport zu kümmern. Auf der Homepage des Auswärtigen Amts ist eine Reisewarnung für Japan ausgesprochen, außerdem wird geschrieben, dass ohne Visum keine Einreise nach Japan möglich ist. Wir rufen nochmal in Frankfurt an, natürlich eine andere Kollegin, aber ebenfalls sehr bemüht. Sie kann uns auch nicht sagen, wie und ob wir den Flughafen wechseln können. Also sagen wir schweren Herzens diese Möglichkeit des Heimflugs ab. In Japan möchten wir nicht stranden, dann bleiben wir lieber in Neuseeland.

Nach diesem Entschluss schauen wir uns im Hotel um. Im großen Garten treffen wir auf kleine Grüppchen, viele Deutsche, aber auch Franzosen und Briten. Wir erfahren, dass diese teilweise schon seit der Vorwoche dort sind, da ihre Flüge gestrichen wurden. Einige hatten schon neue Flüge gebucht, die dann aber auch annulliert wurden. Bis zum Vortag konnten sie noch im Hotel essen, das wurde erst mit der Stufe 4 des Lockdowns eingestellt. Wir bekommen erste Tipps, wo wir einkaufen gehen können und fühlen uns als "Leidensgenossen" angenommen.
 

Floridaperle

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  • #92
Sorry, wir hatten Spielenachmittag. Vielleicht schreibe ich später weiter.
 

Texelrita

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Okeee jetzt sitz ich auch hier mit Schnappatmung :lacry:.........wahnsinn da locker zu bleiben und bin wie die anderen, sooo gespannt wie es weitergeht. Aber diese Reise werdet ihr sicher niemals mehr vergessen!
 
27.03. - 2.04., Kiwi Hotel Mangere

Floridaperle

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  • #94
27.03. - 2.04., Kiwi Hotel Mangere

Im NZ Herald, ist folgendes zu lesen:
"Sobald Stufe 4 eingeführt ist, werden alle Neuseeländer, die nicht in wesentlichen Diensten tätig sind, gebeten, zu Hause zu bleiben."Ich verstehe, dass die Selbstisolierung eine beängstigende Aussicht ist", sagte Ardern. "Sie können Ihr Zuhause verlassen, um frische Luft zu schnappen, spazieren zu gehen und sich zu bewegen. Ihre Kinder nach draußen bringen. Aber denken Sie an das einfache Prinzip. Es muss allein geschehen. "Wir bitten Sie, nur Zeit mit denen zu verbringen, mit denen Sie in Selbstisolierung sind. Und wenn Sie draußen sind, halten Sie Abstand von anderen. Das heißt, immer 2 Meter Abstand. Das ist das Wichtigste, was wir im Moment tun können, um weitere Gemeinschaftsübertragungen zu verhindern." Öffentliche Verkehrsmittel werden nur denjenigen offen stehen, die aus medizinischen Gründen oder für den Transport lebenswichtiger Güter arbeiten - einschließlich der Fährverbindungen (Zusatz: auch der Flugverbindungen) zwischen der Nord- und der Südinsel."

Nachdem wir gefrühstückt haben gehen wir zur Rezeption und fragen nach einer Verlängerung des Zimmers. Wir bekommen die nächste Nacht zum Preis der Buchung von gestern über das Hotelportal Hotels.com. Es ist möglich, das Zimmer nächteweise zu verlängern.

Ein Hoffnungsschimmer wurde von der Deutschen Botschaft in Wellington und den örtlichen Nachrichten verbreitet. Am 28.03. soll das Rückholprogramm anlaufen. Natürlich hatten auch wir uns für dieses Programm registriert.

Für uns heißt die angeordnete Selbstisolierung, dass wir im Umkreis des Hotel spazieren gehen können und zu zwei nahe gelegenen Supermärkten, ca. 2 Kilometer entfernt, gehen dürfen. Also schnappen wir uns unseren Rucksack und laufen los. Am Supermarkt stehen wir, auch an allen folgenden Einkaufstagen, 30-45 Minuten an. Eine Person darf mit Einkaufswagen, der immer von einem Angestellten desinfiziert wird, in den Laden. Diese Spaziergänge zum Supermarkt werden in zweitägigem Rhythmus unser Vormittagsprogramm.

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Die 20A Richtung Flughafen zeigte sich immer so, wenn wir sie überquerten. Nur selten kam mal ein Auto oder LKW.

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Ein Einkauf für 2 Tage, im Kühlschrank lagerten noch Getränke, Wurst, Käse und Joghurts. In den ersten Tagen hatten wir Zimmer im Hotel,
da hatten wir nur einen Wasserkocher zur Verfügung. Ich sage euch, "Heiße Tasse"-Suppen werde ich in diesem Leben nicht mehr essen.

Die anderen Deutschen im Hotel, die wir im Laufe der Tage kennen lernen, kommen aus allen möglichen Ecken Deutschlands und waren unterschiedlich lange in Neuseeland. Sabbatjahr mit Work and Travel, Verwandtenbesuch, Urlaub in der Elternzeit, Reise in der begleiteten Gruppe und Individualurlauber, wie wir es waren. Die Jüngste war 8 Monate alt, die Ältesten im Rentenalter. Es gibt viele Gespräche, es wird miteinander gespielt, Sport gemacht und teilweise auch zusammen gekocht und gegessen. Dabei achten alle, die nicht zusammen gehörten, auf einen Abstand zu den Anderen. Die Atmosphäre war sehr angenehm. Dazu trägt sicher auch das gute Wetter mit viel Sonnenschein und angenehmen Temperaturen bei. Tagsüber sitzen wir viel im großen Außengelände.

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Ich zitiere jetzt im weiteren Verlauf einige Veröffentlichungen der deutschen Botschaft, welche hier im kompletten Verlauf der Ereignisse zusammen gefasst sind.
Allgemeine Hinweise der Deutschen Botschaft Wellington zu Covid-19
(Stand: 28. März 2020, 10:00 Uhr NZST)

Sehr geehrte Damen und Herren,
am Nachmittag des 27. März 2020 hat die neuseeländische Regierung überraschend erklärt, dass zur Zeit keine Rückflüge aus Neuseeland möglich seien, jedenfalls nicht bis zum 31. März 2020.
Dies bedeutet: Im Rahmen des Rückholprogramms der Bundesregierung war derzeit, ausnahmsweise, nur noch der für Samstag morgen 28. März 2020 vorgesehene Lufthansa-Rückflug nach Frankfurt möglich. Die weiteren von der Bundesregierung ab Samstag Abend 28. März 2020 geplanten Rückholflüge können derzeit nicht mehr stattfinden.
Die Hinweise der Botschaft zum Rückholprogramm der Bundesregierung werden daher aktualisiert. Es macht im Augenblick keinen Sinn, die Botschaft nach verfügbaren Plätzen auf weiteren Rückholfliegern zu fragen – vielen Dank für Ihr Verständnis.


Mit dem Flug am 28.03. wurden vor allem AustauschschülerInnen und in anderen Auslandseinsätzen tätige Jugendliche und junge Erwachsene ausgeflogen.

Allgemeine Hinweise der Deutschen Botschaft Wellington: Coronavirus - Rückholprogramm Neuseeland
(Stand: 30. März 2020, 22 Uhr MEZ)

Rückholflüge auch über den 31.03. hinaus weiterhin ausgesetzt.
Nach wie vor sind weitere Rückholflüge durch die neuseeländischen Behörden ausgesetzt. Die Botschaft und das Auswärtige Amt stehen auf allen Ebenen in engem Kontakt mit der neuseeländischen Regierung, um eine Wiederaufnahme der Rückholflüge zu erreichen. Die neuseeländische Regierung hat uns versichert, dass sie die Ausreise der deutschen Staatsangehörigen ermöglichen will, aber das genaue Vorgehen erst in den nächsten Tagen festlegen wird.


Im Laufe dieser Wartezeit wurden durch die Hotelleitung die benutzten Räume immer weiter zusammen gelegt. Zuerst wurde die obere Etage geräumt. Alle mussten ins Erdgeschoss bzw. in den Motel-Bereich (Bungalows im Garten) umziehen. Wir zogen ins Erdgeschoss in ein modernisiertes Zimmer. Vorteil war, dass wir ein sauberes Zimmer bekamen, geputzt wurden die Zimmer nicht mehr. Wenige Nächte später zogen wir in einen Bungalow ganz am Ende des Geländes.

UPDATE der Deutschen Botschaft Wellington: Coronavirus - Rückholprogramm Neuseeland(2.04.2020 15:00 NZDT)
Liebe Landsleute,
die wichtigste Information vorweg: Die Rückholflüge werden wieder aufgenommen.

Wie die meisten von Ihnen erfahren haben werden, erklärte die neuseeländische Premierministerin Ardern am heutigen Donnerstag Nachmittag,
den 2. April 2020 in einer Pressekonferenz, dass Rückkehrflüge wieder möglich seien, namentlich für die Deutschen als größte Gruppe der hier Gestrandeten.
Damit starten die ersten Rückflüge – nach aktuellem Stand, voraussichtlich – wie folgt:

  • die ersten Abflüge ab Auckland bereits ab morgen, am Freitag Nachmittag, den 3. April 2020 (mit Air New Zealand oder Lufthansa (wenn Sie auf dem ersten Air New Zealand-Flieger morgen Nachmittag sind, werden Sie kontaktiert! Bitte begeben Sie sich nur dann zum Flughafen!
  • die ersten Abflüge ab Christchurch ab Montag, den 6. April 2020, evtl. auch früher, mit Air New Zealand oder Lufthansa (auch hier: Sie werden kontaktiert! Bitte begeben Sie sich erst dann zum Flughafen!).
Wie ihr seht kamen die Nachrichten immer sehr kurzfristig und wir konnten sie zuerst auf der Homepage der Botschaft sehen. Es hatten sich inzwischen auch zwei Facebook-Gruppen gebildet, über die ich mich auf dem Laufenden hielt. Die oben verlinkte Seite "Neuseeland für Deutsche" war auch sehr hilfreich. Und natürlich tauschten wir alle im Hotel Nachrichten aus und informierten die, die Neues noch nicht gelesen hatten.

Ab 3.04. kam also endlich Bewegung in die Rückholaktion. Aus der Gruppe bekamen 2 Personen, Mutter und Tochter, mitten in der Nacht (bereits 3.04.) eine Mail von der Air New Zealand. Sie sollten sich bis 11.00 Uhr am Flughafen einfinden. Natürlich verabschiedeten wir die beiden am Samstagvormittag und baten um Informationen zum Geschehen am Flughafen. Es hatte sich inzwischen eine WhatsApp-Gruppe gebildet, über die sie uns informieren konnten. Am 4.04. erhielten wir die Info ihrer Rückkehr nach Deutschland.

Ich merke, es dauert lange, die Ereignisse zusammen zu schreiben. Daher ende ich hier mit der ersten Woche Verlängerung. Morgen geht es weiter.
 

Suse65

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Für uns liest sich das ja jetzt total spannend wie ein Roman, aber für Euch muß das furchtbar gewesen sein. Was für ein Riesenmist.

Eine Bekannte von mir war bis zum Frühsommer auch in Neuseeland in einem Sabbatjahr, das sie dann abgebrochen hat. Wir hatten recht regen Kontakt per WhatsApp und Messenger und ich habe den Krimi während der Zeit bis zu ihrem Rückholflug bei ihr schon verfolgen können, nur daß sie im Unterschied zu Euch, für die ganze Zeit ein Haus gemietet hatte, und daher nicht noch die zusätzliche Belastung mit der Zimmersuche. Was für ein blödes Ende für eine Reise.
 
03.04. - 9.04., Kiwi Hotel Mangere und Rückflug

Floridaperle

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03.04. - 9.04., Kiwi Hotel Mangere und Rückflug

Inzwischen lebten wir seit einer Woche im Hotel. Unsere Tage begannen mit dem morgendlichen Check der deutschen Nachrichten, aufgrund der Zeitverschiebung konnten wir morgens die Tagesschau und Heute-Nachrichten, die gerade am Abend, für uns des Vortages, in Deutschland liefen verfolgen. Wir standen auch ständig per WhatsApp mit vielen Freunden und Familie in Deutschland in Verbindung.

Nach dem Frühstück gingen wir fast jeden Tag zur Rezeption, die nur noch gegen 10 Uhr besetzt war, um für weitere Nächte zu bezahlen. So lange wir keine Informationen zum Beginn des Rückholprogramms hatten buchten wir immer zwei Nächte, später dann nur eine. Es konnte uns ja jederzeit die Nachricht erreichen, dass wir mitfliegen können.

Der Zimmerpreis stieg immer weiter an und es gab auch für jedes Zimmer einen anderen Preis. Ein junger Mann aus der Gruppe verhandelte mit der Hotelleitung einen gleichen Festpreis für alle Zimmer für die Dauer unseres Aufenthalts. Dafür waren wir ihm alle dankbar!

Wie schon geschrieben gingen wir jeden zweiten Tag zum Einkaufen. Mehr konnten wir nicht tragen und kauften daher nur für 2 Tage ein.

Die restliche Zeit verbrachten wir im Außengelände des Hotel oder gingen spazieren. Leider gab es rund ums Hotel nur ein Wohnviertel und gegenüber ein Friedhof. Der war zwar interessant, wurde dann aber auch geschlossen. Längere Wege traute ich mir mit meinen von Arthrose geplagten Knien nicht zu. Einige aus der Gruppe liefen bis zum Manukau Harbour, einer großen Bucht, und bestiegen auch den Vulkankegel in der Nähe.

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Natürlich hatten wir irgendwann keine saubere Wäsche mehr. So wurde auch mal per Hand das eine oder andere gewaschen und draußen getrocknet.

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Die gesamte Rückholaktion war sehr unübersichtlich. Die Vergabe der Sitze im Flugzeug wurde über die Fluggesellschaften, Lufthansa und Air New Zealand, organisiert. Viele der angemeldeten gestrandeten Personen erhielten Sitzplätze zugeteilt, die sie nicht wahrnehmen konnten. Es war seitens der neuseeländischen Regierung ja verfügt worden, dass man an seinem Aufenthaltsort bleiben musste. Wenn man dann einen Platz erhielt, durfte man zum Flughafen reisen. Nur kamen die Informationen zur Zuteilung anfangs so kurzfristig, dass viele Personen es zeitlich nicht schafften zur angegebenen Zeit am Flughafen zu sein. Seitens der deutschen Botschaft wurde das Programm zur Erfassung der Ausreisewilligen mehrfach verbessert. Es gab dann ab Beginn der Osterwoche noch eine Extra-Registrierung der Personen, die es innerhalb von 30 Minuten bis zum Flughafen schaffen konnten, um frei bleibende Plätze aufzufüllen. Natürlich standen auch wir auf der Liste, auf der wir unsere Telefonnummer (neuseeländische Simcard) angeben mussten. Unsere Koffer waren gepackt, nur wirklich Notwendiges war noch nicht drin.

Aus unser Gruppe erhielten viele Mails mit einer Zusage für einen Rückflug. Letztendlich blieben 6 Personen übrig, die auch am 7.04. keine Zusage erhalten hatten. Wir gehörten dazu!

Den Mittwoch, 8.04., begannen wir wie üblich. In der WhatsApp-Gruppe kam die Nachricht von drei anderen, dass sie morgens gegen 6 Uhr einen Anruf hatten und zum Flughafen gerufen wurden, sie bekamen noch Plätze im Lufthansa-Flug, der vormittags startete. Nun blieben nur noch wir und ein Alleinreisender übrig. Alle anderen waren auf den Rückholflug am 9.04. gebucht.

In der Rezeption bezahlten wir für die nächste Nacht und gingen zum Einkaufen. Der Tag war sehr heiß und wir standen lange in der Warteschlange am Supermarkt. Mir ging es schon morgens nicht gut und in der Schlange bekam ich dann einen Kreislaufzusammenbruch. Mir wurde schwarz vor Augen und ich sackte einfach zusammen. Mein Mann brachte mich dann mit Hilfe eines anderen Mannes aus der Warteschlange in den Schatten. Ein Mitarbeiter des Supermarkts bekam alles mit und ließ meinen Mann direkt in den Laden, um Wasser zu besorgen. Nachdem es mir etwas besser ging, fuhren wir mit einem Taxi zurück ins Hotel und ich legte mich noch einmal ins Bett.

Ich war gerade im Halbschlaf, da klingelte mein Handy. Mein Mann nahm das Gespräch an und ich bekam nur mit "wann?", "wer?" und "wir sind in 20 Minuten da". Sofort war ich wieder wach und sagte nur "das schaffen wir nie". So schnell war ich noch nie angezogen, wir packten die Reste in die Koffer und organisierten per Anruf ein Taxi. Mein Mann rannte noch los und informierte den Alleinreisenden mit den Worten "Packe deinen Koffer und besorge dir ein Taxi, fahre mit zum Flughafen", da die Anruferin ihm gesagt hatte, "Wer zuerst kommt fliegt mit". Das ganze lief wie ein Film vor mir ab, ich konnte gar nicht glauben, was passierte.

Die noch Anwesenden bekamen natürlich die Hektik mit und versammelten sich um uns zu verabschieden. Wir gaben unsere Schlüssel an die Gruppe, da wir uns nicht sicher waren, ob wir wirklich mitgenommen werden. Sollten wir nicht zurückkommen, sollten sie sich Lebensmittel und Getränke holen und die Schlüssel abgeben.

Wir waren wirklich nach 20 Minuten am Flughafen. Vor dem Eingang zum Terminal stand ein Tisch hinter dem 2 Damen saßen. Wir erklärten, dass wir angerufen worden sind und nach einem Blick in unsere Pässe wurden wir gebeten uns drinnen am Schalter anzustellen. Unser Mitreisender durfte nachdem wir bestätigten, dass er zu uns gehört, auch ins Terminal. Nach ca. einer Stunde waren wir an der Reihe und erhielten unsere Bordkarten, gaben die Koffer und ein Formular für die Botschaft ab. Das musste jeder ausfüllen und darauf bestätigen, dass er sich an den Kosten der Rückholung beteiligt.

Unser Flug wurde von Air New Zealand durch geführt. Die Plätze wurden willkürlich verteilt, ein Anspruch auf die ursprünglich gebuchte Klasse gab es nicht. Wir saßen in der Economy am Notausgang. Leider waren die Sitze durch die festen Armlehnen sehr eng, mein Mann passte nicht in den Sitz. Der zuständige Steward, den wir riefen, kümmerte sich sofort um einen anderen Platz. Mein Mann wurde in die Premier Economy umgesetzt, ich blieb allein zurück. Leider konnte ich den freien Platz neben mir dank der festen Armlehne nicht nutzen.
Air New Zealand führte alle Rückflüge über Vancouver durch, wir saßen 26 Stunden im Flugzeug. Bei der Zwischenlandung in Vancouver wurde die Crew ausgetauscht und neues Catering an Bord genommen, ebenso wurden die Waschräume und Gänge geputzt. Alle Passagiere mussten während dieser ca. 1,5 Stunden dauernden Pause an ihren Plätzen sitzen bleiben. Ich denke, ihr könnt euch diesen nicht sehr bequemen Flug vorstellen, aber die Aussicht auf zu Hause hielt mich bei Laune.

Die Landung in Frankfurt erfolgte gegen 6 Uhr am Gründonnerstag, 9.04.. Der Flughafen war sehr leer, es gab eine Passkontrolle, aber keinerlei Kontrollen durch das Gesundheitsamt und auch keine Informationen, wie wir uns verhalten sollen. Aus den Nachrichten wussten wir, dass ab 10.04. Einreisende für 14 Tage in Quarantäne sollen.
Nachdem wir unsere Koffer hatten gingen wir zum Fernbahnhof und fuhren mit dem nächsten Zug nach Hause, wo wir gegen 9 Uhr ankamen.

Ich hoffe, ihr habt bis zum Ende durchgehalten und einen Eindruck bekommen, wie es uns ergangen ist.

Wer den genauen Zeitablauf der Rückholaktion nachlesen möchte, kann dies auf der Seite "Neuseeland für Deutsche" machen. Da bekommt man einen Eindruck, wie engagiert die deutsche Botschaft und die AHK, die deutsch-neuseeländische Handelskammer, waren. Die AHK hat einen Film/Zusammenstellung von Bildern zur Aktion online, wer schauen mag, findet ihn hier.
 
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Reisezottel

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Mir lief es beim Lesen mehrmals kalt den Rücken runter :unsure:.
Du schreibst zwar nicht wie es Euren Nerven ging, aber Dein Kreislaufzusammenbruch zeigt ja, wie schlimm das alles gewesen sein muss. Dieses Warten und nicht wissen, wann man wieder Zuhause ist - und vor allem gesund bleibt!

Vielen Dank für den Reisebericht, der bis auf das Ende wunderbar war. So wie Ihr das wahrscheinlich auch empfindet.

Eigentlich zählte NZ auch immer noch zu unseren Traumzielen, aber im Moment kann ich mir nicht vorstellen in nächster Zeit so weit zu reisen. Mit dem Gedanken, dass ein Virus die Rückkehr und den Urlaub schwierig machen könnte:unsure:

Ich wünsche Euch schöne Weihnachten und bleibt negativ :cool:
Angelika
 

Norbert

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Was für ein schrecklicher Abschluss eures Urlaubs, das möchte man nicht wirklich erleben!

Da ich immer alles penibel organisiere, hasse ich das Gefühl von Kontrollverlust und der Tatsache völlig ausgeliefert und fremdbestimmt zu sein. Und ihr musstet das über so eine lange Zeit erdulden.
Zum Glück ist letztlich alles vorbei und ihr habt eine Erfahrung machen müssen auf die ihr wohl gerne verzichten hättet.
 

Floridaperle

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  • #99
Unser Nervenkostüm war überraschend stabil. Uns war klar, dass wir nichts mehr selbst entscheiden können und fanden uns damit ab. Für mich waren die Gespräche mit den Anderen sehr hilfreich, die sich nicht nur um die Heimreise drehten. Auch der Austausch mit den Freunden zu Hause war schön. Gut das sowas heute auch vom anderen Ende der Welt aus problemlos klappt.

Meinen Kreislaufkollaps führe ich wirklich nur auf das Wetter und das Laufen und Stehen in der prallen Sonne zurück. Aber vielleicht waren da unterbewusst andere Kräfte am Werk.

Wir sind genau zwei Wochen länger unterwegs gewesen. Am 25.03. wären wir regulär zurück gekommen.
 

Texelrita

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Gabi, Krimi reicht nicht......mega Thriller und sicher unglaublich belasend und nervenaufreibend! Da ist man sicher entgengen sonst froh, wenn man dann nach Hause darf, ein mir total unbekanntes Gefühl aber, hier hätte ich das auch gehabt. Aber 26 Std. im Flieger was für ein Horror!

Danke für diesen unglaublich tollen Bericht und hoffen wir, dass wir doch bitte bald wieder in die Welt starten können. Leider rückt diese Sehnsucht immer mehr in den Hintergrund bei den ganzen schlimmen Zahlen - erst müssen wir alle mal die Beine stillhalten. Schöne Weihnachten und bleibt gesund! :hug:
 
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